Frage an Markus Söder von Znahry Fvzba bezüglich Kultur und Medien

09. September 2008 - 17:37

Sehr geehrter Herr Dr. Söder,

das von Dr. Beckstein geforderte totale Verbot von sogenannten "Killerspielen" kann ich nicht nachvollziehen. Nach meiner Meinung stellt ein solches Verbot einen deutlichen Eingriff in die Privatsphäre eines volljährigen Bürgers dar. Desweiteren kann ich mir nicht vorstellen das Spiele dieser Art nicht über das Internet verbreitet werden könnten. Wie stehen Sie zu diesem Thema? Für Ihre Zeit meine Frage zu beantworten möchte ich mich recht herzlich bedanken.

Mit freundlichen Grüßen

Manuel Simon

Frage von Znahry Fvzba
Antwort von Markus Söder
29. September 2008 - 09:11
Zeit bis zur Antwort: 2 Wochen 5 Tage

Sehr geehrter Herr Simon,

unter „Killerspielen“ verstehen wir Produkte von abstoßender Brutalität und Grausamkeit, bei denen es darum geht, am Bildschirm grausame oder die Menschenwürde verletzende Gewalttätigkeiten zu begehen und die mit zunehmendem technischen Fortschritt immer realistischere Darstellungen enthalten. Der derzeitige Jugendschutz ist bei Computerspielen völlig unzureichend. Die von der Unterhaltungssoftware-Selbstkontrolle (USK) ausgesprochene Einschränkung „Keine Jugendfreigabe“ bietet leider keine Gewähr dafür, dass Kinder von der Nutzung abgehalten werden. Es ist zunächst natürlich Sache der Eltern, sich darum zu kümmern, was ihre Kinder spielen. Jedoch darf hier die Politik nicht die Augen verschließen und tatenlos zusehen.

Erforderlich ist deshalb unseres Erachtens ein Bündel von Maßnahmen, die Bayern zur Umsetzung des Koalitionsvertrages bereits im Februar 2007 in den Bundesrat eingebracht hat:

- Bei den Alterseinstufungen im Rahmen der Freigabeentscheidungen darf nicht mehr das Interesse der Spieleindustrie im Vordergrund stehen, sondern der Jugendschutz ohne Wenn und Aber.

- Hinzukommen muss aber auch ein gesetzliches Herstellungs- und Verbreitungsverbot menschenverachtender Killerspiele. Die Amokläufe von Erfurt bis Emsdetten haben gezeigt, dass sich die Hemmschwellen für die eigene Gewaltbereitschaft auch in der realen Welt verringern, wenn man über mehrere Stunden ständig in einer virtuellen Welt Gewalt ausübt.

Mit dem angestrebten Verbot will Bayern in keiner Weise das Spielen am Computer generell verbieten. Wir wissen, dass es zahlreiche intelligent gemachte Computerspiele gibt, die eine attraktive und herausfordernde Freizeitbeschäftigung darstellen. Verbote allein können sicher nicht alle Probleme lösen, die von menschenverachtenden Computerspielen ausgehen. Es ist aber ein unverzichtbares Mittel zum Schutz unserer Kinder und Jugendlichen.