Klaus-Dieter Gröhler
CDU
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Frage von Naan-Ryvfnorgu Whatr an Klaus-Dieter Gröhler bezüglich Arbeit

# Arbeit 25. Juni. 2018 - 19:25

Sehr geehrter Herr Gröhler,

bei der Abstimmung zur Weideverordnung am 28.06.2018 ist es mir ein Anliegen, die Arbeit der Schäfer und Bauern, die Tiere artgerecht halten und viel für unsere Umwelt tun durch Zuschüsse aus der EU zu unterstützen.
Wie werden Sie am 28.06.18 im Bundesrat dazu abstimmen?

Bitte teilen Sie uns dies mit und denken Sie dabei an die Unterstützung unserer so wichtigen hart abeitenden Schäfer, die als Naturschützer unserer Natur dienen.

Mit freundlichen Grüßen
Naan-Ryvfnorgu Whatr

Von: Naan-Ryvfnorgu Whatr

Antwort von Klaus-Dieter Gröhler (CDU) 26. Juni. 2018 - 17:31
Dauer bis zur Antwort: 22 Stunden 6 Minuten

Sehr geehrte Frau Whatr,

vielen Dank für Ihre E-Mail vom 25. Juni 2018 zur Weideverordnung und nach meinem Abstimmungsverhalten am 28.06.2018 im Deutschen Bundestag.

Auch mir ist der Beitrag, den die Schafhalter zum Natur- und Landschaftsschutz sowie zum Erhalt unserer Kulturlandschaft leisten wichtig und selbstverständlich trete ich dafür ein, dass diese Leistung finanziell abgesichert ist. Gerade um diese Absicherung leisten zu können, werden in Deutschland die Schafhalter in der 1. Säule über entkoppelte, regional einheitliche Direktzahlungen gefördert. Die deutschen Schafhalter erhalten – anders als ihre Kollegen in anderen EU-Mitgliedstaaten - für jeden Hektar Dauergrünland denselben Betrag wie ein Ackerbauer für einen Hektar Ackerland. Darüber hinaus unterstützt die besondere Förderung der ersten 46 Hektare (50 Euro/Hektar Zuschlag für die ersten 30 Hektare und 30 Euro/Hektar für weitere 16 Hektare) kleinere und mittlere Betriebe bis insgesamt 95 Hektar spürbar. Hinzu kommt die Förderung von Junglandwirten, Ausnahmeregelungen für Kleinlandwirte oder auch, dass die Beweidung von bestimmten Ökologischen Vorrangflächen möglich ist.

Wir haben mit dem vollständigen Verzicht auf gekoppelte Direktzahlungen gute Erfahrungen gesammelt, denn die Betriebe können ihre Produktionsentscheidung ausschließlich an den Bedürfnissen des Marktes ausrichten. Davon profitieren auch die Schafhalter, denn die Direktzahlungen, die sie heute für ihre beihilfefähigen Flächen erhalten, bei denen es sich hauptsächlich um Dauergrünland handelt, betragen in etwa das Dreifache dessen, was der Sektor vor der Entkoppelung an Mutterschafprämien erhalten hat. Neben den Direktzahlungen in der 1. Säule stehen in der 2. Säule mit der Ausgleichszulage für benachteiligte Gebiete, dem Agrarinvestitionsförderungsprogramm sowie mit den Maßnahmen der markt- und standortangepassten sowie umweltgerechten Landbewirtschaftung einschließlich des Vertragsnaturschutzes und der Landschaftspflege ein breites Maßnahmenspektrum zur Verfügung, das auch den Schafhaltern zugutekommt.

CDU und CSU waren sich bei der Umsetzung bewusst, dass es bei flächenlosen und flächenarmen schafhaltenden Betrieben zu Problemen kommen kann. Vor der Einführung entkoppelter Direktzahlungen hat daher die Bundesregierung gemeinsam mit dem Berufsstand und den Fachverbänden diesen Schäfern empfohlen, Dauergrünlandflächen zu pachten, damit sie auch unter den entkoppelten Direktzahlungen eine solide Einkommensbasis haben. Aufgrund der Einführung entkoppelter Direktzahlungen ist es für die Schäfer sehr attraktiv, nicht nur das klassische Dauergrünland, sondern auch Dauergrünlandflächen auf wenig produktiven Grünlandstandorten, auf Deichen, nicht militärisch genutzten Teilen von Truppenübungsplätzen sowie auf Heideflächen zu bewirtschaften.

Dass all diese Förderung auch bei den Schäferinnen und Schäfern ankommt, zeigen Auswertungen des Testbetriebsnetzes: Danach erhielten spezialisierte Schafbetriebe im Haupterwerb im Wirtschaftsjahr 2016/2017 rund 86.000 Euro an staatlichen Direktzahlungen und Zuschüssen! Zum Vergleich: der Durchschnitt dieser Zahlungen belief sich bei allen landwirtschaftlichen Haupterwerbsbetrieben auf 33.800 Euro.

Zwar werden in 22 anderen EU-Mitgliedstaaten gekoppelte Mutterschaf- bzw. Weidetierprämien gewährt, allerdings erhalten die Schäfer dort für ihr Dauergrünland bei Weitem nicht so hohe Prämien wie in Deutschland. Die Forderung einiger Berufsschäfer, eine Weidetierprämie als Direktzahlung in Form der freiwillig gekoppelten Stützung auch in Deutschland einzuführen, hätte im Gegenteil zur Folge, dass diese zusätzliche Finanzleistung zu Lasten der Flächenprämien aller landwirtschaftlichen Betriebe, einschließlich der Schafe haltenden Betriebe, selbst gehen würde. So ist es nicht verwunderlich, dass wir viele Schreiben erhalten haben, die sich gegen eine Reduzierung der Flächenprämie aussprechen.

Die Union wird die Bundesländer weiter ermutigen, Lösungen im Rahmen des Vertragsnaturschutzes und der Landschaftspflege für die flächenarmen Betriebe zu finden. Hierzu stehen wir im Austausch mit dem Bundeslandwirtschaftsministerium. Bei der für 2020 anstehenden Weiterentwicklung der EU-Agrarpolitik werden wir agrarstrukturelle Ziele beachten und insbesondere kleinere und mittlere Betriebe fördern. So wollen wir die Direktzahlungen stärker und zielgenauer auf bäuerliche Betriebe ausrichten. In der zweiten Säule sollen noch stärker als bisher besonders tier- und umweltgerechte Haltungsverfahren und Agrarumweltmaßnahmen gefördert werden. Insgesamt dürften davon die Ziegen- und Schafhalter deutlich profitieren.

Ich schätze die Leistungen der Schafhalter beim Natur- und Landschaftsschutz und für die Biodiversität als sehr hoch ein. Aber die Lösung für die ökonomische Perspektive der Schafhalter in Deutschland ist nicht in der Umschichtung der ersten Säule zu finden, sondern in den speziellen Programmen, die im Rahmen der zweiten Säule zu Verfügung stehen. Diese Mittel sind für eine nachhaltige Landwirtschaft, insbesondere auf Grünlandstandorten, für Raufutterfresser, für Agrarumwelt- und Klimaschutzmaßnahmen, für die Stärkung tiergerechter Haltung sowie des ökologischen Landbaus und für die Ausgleichszulage in benachteiligten Gebieten zu verwenden. Darunter sind viele Maßnahmen, die besonders gut von Schafhaltern – auch flächenarmen Betrieben – genutzt werden können.

Gerade weil ich die Schäfer und Bauern, die Tiere artgerecht halten und viel für die Umwelt tun, weiterhin unterstützen möchte, werde ich bei der Abstimmung den Voten der Ausschüsse für Entwicklungshilfe und Landwirtschaft sowie für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit und Tourismus folgen.

Ich hoffe, Sie können sich diesen Lösungen anschließen.

Mit freundlichen Grüßen
Klaus-Dieter Gröhler, MdB