Frage an Klaus Brähmig von Cuvyvcc Vzzyre bezüglich Kinder und Jugend

19. März 2009 - 22:56

Sehr geehrter Herr Brämig,

ich bin 10 Jahre alt und besuche die 4. Klasse der Laborschule in Dresden. In meiner Schule sehe ich manchmal Kinder mit Begeisterung mit Kriegsspielzeug spielen. Die Kinder glauben scheinbar, dass Krieg wie ein Spiel ist, bei dem es knallt und pufft. Ich finde das sehr brutal. Krieg ist sehr grausam und durch ihn sterben täglich tausende von Menschen! Durch den Amoklauf von Winnenden diskutiert man zu Zeit über das Verbot von Gewaltspielen. Warum verbietet man denn nicht auch den Import und die Produktion von Kriegsspielzeug?

Vielen Dank fur Ihre Antwort schon im voraus.
Mit freundlichen Grüßen

Philipp Immler

Frage von Cuvyvcc Vzzyre
Antwort von Klaus Brähmig
24. März 2009 - 10:59
Zeit bis zur Antwort: 4 Tage 12 Stunden

Sehr geehrter Herr Immler,

lieber Philipp,

vielen Dank für Dein Schreiben, in dem Du Dich besorgt über den Einfluss von Killerspielen oder "Kriegsspielzeug" auf Deine Mitschüler zeigst.

Nach dem schrecklichen Amoklauf in Winnenden wird viel diskutiert, welche Lehren aus dieser Tat zu ziehen sind. So hat der Bundespräsident, wie Du vielleicht mitbekommen hast, ein Verbot von Killerspielen angeregt. Ich selber bin kein Psychologe und traue es mir daher nicht zu, eine Patentlösung zu verkünden und weiß auch nicht, ob ein Verbot wirklich dazu führt, solche Taten in der Zukunft zu vermeiden. Ein Verbot von Killerspielen wäre allerdings ein sinnvoller symbolischer Schritt des Staates zu zeigen, dass er diese Art der Gewaltdarstellung nicht billigt. Denn viele Experten bestätigen, dass das monotone Einüben und Durchexerzieren dieser virtuellen Tötungshandlungen beim Menschen eine Reaktion hervorrufen kann, in der er nicht mehr zwischen Fiktion und Realität unterscheidet. Zudem ist es menschenunwürdig und geradezu pervers, beispielsweise durch einen "erfolgreichen" Spielverlauf auf der Rangstufe des Spiels weiter nach oben steigen zu können.

Allerdings muss man auch die vielen Möglichkeiten des Internets mitberücksichtigen, auf denen sich potentielle Interessenten dennoch mit den entsprechenden Spielen versorgen können. Dieses wird der Staat sicherlich nicht völlig kontrollieren können und dementsprechend wird es auch in der Zukunft bei einem Maß an Unsicherheit bleiben.

Andere Formen wie Spielzeugsoldaten, geschnitzte Gewehre oder Spielzeugpanzer gibt es seit vielen Generationen, ohne dass die Kinder daraus in Größenordnungen den Schluss zogen, in brutalster Art und Weise gegen ihre Mitmenschen vorzugehen. Ich glaube auch nicht, dass jedes Kind, das mit solchem Spielzeug in Berührung kommt, automatisch zu einem potentiellen Täter heranwächst. Was alle diejenigen, die solche Taten begingen auszeichnet, ist die Tatsache, dass sie sich einsam, isoliert und vernachlässigt fühlten. Dies ist ein langer Entwicklungsprozess. Hier können nur das Elternhaus, die Mitschüler oder Freunde versuchen zu erkennen, wie es um ein Kind oder einen Jugendlichen seelisch steht. Auch dies kann keine staatliche Stelle leisten. Mit "Kriegsspielzeug" hat das allerdings nichts zu tun.

So bitte ich Dich um Verständnis, wenn ich Dir keine eindeutige Antwort "Ja" oder "Nein" auf Deine Frage senden kann und verbleibe

mit freundlichen Grüßen

Klaus Brähmig