Katrin Helling-Plahr
FDP
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Frage von Wbpura Tebyyznaa an Katrin Helling-Plahr bezüglich Gesundheit

# Gesundheit 08. Feb. 2019 - 06:30

Sehr geehrte Frau Helling-Plahr,

222972 Menschen sind alleine im Jahre 2014 an einer Krebserkrankung gestorben (https://www.krebsdaten.de/Krebs/DE/Content/Krebsarten/Krebs_gesamt/krebs...). Das sind am Tag 611 Menschen, die aufgrund einer ungenügenden medizinischen Therapie in 2014 sterben mussten.

611 tote Menschen jeden Tag alleine in 2014!!!

Und das in einem Land, welches sich eine überdurchschnittlich teuere Medizin leistet, mit nur durchschnittlichen Ergebnissen (https://www.welt.de/wirtschaft/article186453970/Krankenhaeuser-Kassen-un...). In der Lebenserwartung findet sich Deutschland unter den analysierten OECD-Ländern auf dem vorletzten Platz.(https://www.sueddeutsche.de/gesundheit/gesundheitswesen-deutsches-gesund...).

Fragen:

1. Sehen Sie generell eine Verantwortung der Politik (Politiker) für diesen, nach meiner Ansicht, Skandal?
2. Wie helfen Sie als verantwortlicher Politiker, diesen Hunderttausenden von Menschen, die größtenteils qualvoll jedes Jahr sterben?
3. Welche Initiativen des Parlaments befassen sich mit diesem unglaublichen Skandal und dessen Behebung seit 2014 und wie hoch sind die aktuellen Sterbezahlen im Jahr und pro Tag??
4. Gibt es in den Krankenhäusern einen ausschließlich mit diesem Thema beschäftigten "Krebsbeauftragten" (vergleichbar dem Organspendebeauftragten mit gegenteiligem Auftrag), der jeden Patienten unabhängig von seiner Krankheit daraufhin untersucht/untersuchen lässt, ob Krebs sich entwickelt und falls ja, diesen mit den aktuell vielversprechensten Krebstherapien versorgt/versorgen lässt, um dessen Leben zu retten und Leiden zu lindern?
5. Treibt Sie dieses Thema um?
6. Wann dürfen diese Menschen in den Genuss einer vielversprechenden Krebstherapie kommen?
7. Wann zwingt Sie das unermessliche Leid, das diese Menschen durchmachen müssen und welches vermeidbar ist, zum Handeln?

Von: Wbpura Tebyyznaa

Antwort von Katrin Helling-Plahr (FDP)

Sehr geehrter Herr Grollmann,

bevor ich Ihre Fragen direkt beantworte, möchte ich einige Sätze vorausschicken. Wir haben in Deutschland trotz einiger unbestrittener Probleme immer noch eines der besten Gesundheitssysteme der Welt. Ein Kernelement für diesen Erfolg ist, dass unser Gesundheitssystem weitgehend selbstverwaltet ist. Das heißt u.a., dass die Auswahl der Behandlungsmethoden frei von politischer Einflussnahme ist. Für deren Auswahl ist in erster Linie der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) zuständig, in dem Krankenkassen, Ärzteschaft und Patienten gemeinsam über Therapien und Therapiemethoden entscheiden.

Nun aber zu Ihren Fragen:

1. Nein. Von politischer Seite wird aus meiner Sicht alles Sinnvolle getan, um Krebs zu bekämpfen. Die Politik fördert zum einen die universitäre Grundlagenforschung in der Medizin und speziell in der Onkologie mit mehr als 200 Millionen Euro jährlich (http://dipbt.bundestag.de/doc/btd/18/133/1813354.pdf). Zum anderen wird jede Behandlungsmethode, die eine statistisch signifikante Chance auf Heilung von Krebs verspricht, von den Krankenkassen bezahlt.

2. Ich persönlich habe einen Antrag in den Deutschen Bundestag eingebracht, der jungen Krebskranken ermöglicht, sich ihren Kinderwunsch zu bewahren. Viele Krebserkrankungen bzw. Krebstherapien sind mit der Degenerierung von Ei- und Samenzellen und somit dem Verlust der Fruchtbarkeit verbunden. Ich setze mich dafür ein, dass Krebspatienten ihre Ei- und Samenzellen auf Krankenkassenkosten einfrieren lassen können, um nach erfolgreicher Krebstherapie durch eine künstliche Befruchtung doch noch ein eigenes Kind bekommen zu können.

3. Neben der o.g. Initiative beschäftigen sich zahlreiche weitere parlamentarische Initiativen mit dem Thema Krebs. Unter https://dipbt.bundestag.de/dip21.web/bt können Sie sich einen Überblick verschaffen. Die aktuellen Sterbezahlen für 2016 finden Sie hier: https://goo.gl/D8edvR

4. Viele der rund 1900 Krankenhäuser in Deutschland haben eine onkologische Station und damit nicht nur eine einzige Person, sondern eine ganze Abteilung, die sich um die Belange von Krebspatienten kümmert. Insgesamt gibt es in Deutschland rund 1800 Krebszentren, die auf die Behandlung einer oder mehrerer Krebsarten spezialisiert sind und von der Deutschen Krebsgesellschaft dafür zertifiziert wurden.

5. Krebs ist leider immer noch Todesursache Nr. 1. Als Gesundheitspolitikerin treibt mich das Thema selbstverständlich um.

6. Jeder Patient hat grundsätzlich den gleichen Anspruch auf Krebstherapien. Natürlich unterscheiden sich die Behandlungsmöglichkeiten aber zwischen den Krankenhäusern. Darum wollen wir als FDP z.B., dass unspezialisierte und ineffiziente Krankenhäuser geschlossen werden, um finanzielle Kapazitäten für spezialisierte Kliniken zu schaffen – nicht zuletzt im Bereich der Onkologie.

7. Ich denke aus den o.g. Ausführungen wird klar, dass insbesondere wir Gesundheitspolitiker im Rahmen unserer Möglichkeiten schon lange handeln.

Mit freundlichen Grüßen
Ihre Katrin Helling-Plahr