Katrin Helling
FDP
Profil öffnen

Frage von Oreaq Rpxuneqg an Katrin Helling bezüglich Umweltpolitik

# Umweltpolitik 22. Sep. 2009 - 12:48

Sehr geehrte Frau Helling,
Ich bin Geograph, arbeite fuer die Vereinten Nationen und bin der Meinung das Klimaschutz auf lange Sicht (die naechsten 100 Jahre) das einzige fuer die Menschheit wirklich wichtig zu lösende Thema ist.

Wie koennen Sie eine gute Abwägung finden zwischen der Nutzung von fossilen Brennstoffen zur Stromerzeugung mit den damit verbundenen CO2 Emmissionen die wir uns in dieser Menge nicht mehr erlauben koennen, im Vergleich zur Aufrechterhaltung von Atomenergiegewinnung bezogen auf die Gefahren der nicht wirklich gelösten Endlagerung von radioaktivem Spaltmaterial als ´Müll´ der Stromgewinnung durch Atomkraft.

Alternative Energieträger sind natuerlich bevorzugt, koennen aber in der Masse (welchen Anteil haben wir heute am Gesamtenergiebedarf an Strom?) in naher Zukunft wohl kaum die Menge an Strom erzeugen, die Kohlekraftwerke und/oder Atomkraftwerke (Deren Anteile?) produziert wird.

Vielen Dank,

Bernd Eckhardt

Von: Oreaq Rpxuneqg

Antwort von Katrin Helling (FDP)

Sehr geehrter Herr Eckhardt,

vielen Dank für Ihre Frage und Ihre Analyse der gegenwärtigen Situation. Ich teile Ihre Analyse. Wir müssen im Energiebereich einen Spagat schaffen: Energie muss sicher, bezahlbar und klimafreundlich sein. Das können wir - vorübergehend zumindest - nur mit einem vernünftigen Energiemix aus erneuerbaren, fossilen und nuklearen Energieträgern schaffen.

Wir wollen das Zeitalter der erneuerbaren Energien erreichen. Doch bis dahin brauchen wir aus ökologischen und ökonomischen Gründen verlässliche und sichere Übergangstechnologien.

Die Reduzierung von CO2-Emissionen ist dringend notwendig. Dazu brauchen wir auch Atomenergie als CO2-neutrale Übergangstechnologie. Dennoch ist Atomenergie nicht die Lösung - im Gegenteil. Wir müssen und sollten keine Kernkraftwerke neu bauen und störanfälligen Meiler abschalten. Aber diejenigen, die in Betrieb sind, leistungsfähig sind und allen Sicherheitsstandards genügen, sollte man nicht Hals über Kopf abschalten. Wir müssen außerdem endlich eine sichere Endlagerstätte für unseren Atommüll finden, unabhängig davon, wie kurz oder lang wir die Kernenergie noch nutzen. Kohlekraft dient ebenfalls dazu, den notwendigen Strom zu produzieren, ist ungefährlicher aber produziert leider CO2. Auch sie brauchen wir um übergangsweise den Grundbedarf an Strom zu decken. Erneuerbare Energien können derzeit nicht ausreichend Energie produzieren, vor allem aber sind die Speichertechnologien nicht weit genug entwickelt, um grundlastfähigen Strom bereitstellen zu können.

Kernenergie liefert derzeit 23,3% unserer Strommenge, der Anteil der Kohlekraft beträgt 43,6%. Regenerative Energien liefern bisher nur 14,6%. Die Anteile von Kern- und Kohleenergie können wir daher nicht von heute auf morgen durch erneuerbare Energien ersetzen.

Wir müssen die Investitionen in die Erforschung erneuerbarer Energien und insbesondere der Speichertechnologien erhöhen, die Forschung intensivieren. Desweiteren müssen wir auf Energieeffizienz setzen (z.B. in Form von Gebäudesanierungen) um so den Strombedarf zu senken.

Nur so können wir es schaffen, dass Energie bezahlbar bleibt, sicher ist und schnellstmöglich wirklich klimafreundlich wird.

Mit freundlichen Grüßen,
Katrin Helling