Frage an Kajo Wasserhövel von Znexhf Oenaqy bezüglich Arbeit

10. August 2009 - 13:40

Sehr geehrter Herr Wasserhövel,

gern würde ich von Ihnen eine Antwort erhalten auf die Frage ob mit dem "Deutschlandplan" ( von der Partei eigentlich oder dem Kanzlerkandidaten der SPD?) das Ziel der Vollbeschäftigung 2020 erreicht werden soll oder ob es wie der Aussage von Andrea Nahles dem Tagesspiegel Sonntag (09.08.09) zu entnehmen ist, darum geht dem drohenden Arbeitsplatzabbau durch die Wirtschaftskrise entgegen zu wirken? Wenn es letzteres sein sollte ,warum postuliert dann Ihre Partei dieses nicht?

Wo es auch logischer erscheinen würde dem drohenden Arbeitsplatzabbau in der Autoindustrie und dem Einzelhandel (Quelle, Hertie, Arcandor) etwas entgegensetzen zu wollen. Anstatt vollmundige Versprechen zu tätigen, die schon einmal nicht eingehalten werden konnten. Damals meinte Gerhard Schröder er will sich an der Zahl 3 Millionen messen lassen, Peter Hartz, für die Regierung Schröder kein unwichtiger, meinte im Jahr 2002 sogar, eine Halbierung der Arbeitlosenzahlen sei bis 2005 möglich.

Gehen Sie persönlich denn davon aus das, dass Ziel der Vollbeschäftigung immer noch ein realistisches Ziel sein muss für die Politik, wären nicht andere Konzepte rund um das Thema Arbeit/Beschäftigung und Entlohnung sinnvoller?

z.B. Wie sie Ulrich Beck, Heinz Budde und andere auch aus der Wissenschaft schon seit längerem versuchen der Politik aufzuzeigen?

Mit Besten Grüßen

Markus Brandl

Frage von Znexhf Oenaqy
Antwort von Kajo Wasserhövel
14. August 2009 - 10:00
Zeit bis zur Antwort: 3 Tage 20 Stunden

Lieber Herr Brandl,

vielen Dank für Ihre Frage vom 9. August 2009. Ich freue mich über Ihr Interesse am „Deutschlandplan“. Frank-Walter Steinmeier hat Anfang August sein Aktionsprogramm „Die Arbeit von Morgen“ vorgelegt. Es steht nicht im Gegensatz zur aktuellen Politik, sondern zeichnet den Richtung vor, wie wir im kommenden Jahrzehnt nachhaltigen Wohlstand, eine gerechte Einkommensverteilung und Vollbeschäftigung erreichen können.

Die SPD hat in der Regierung mit ihren Konzepten maßgeblich dafür gesorgt, dass Deutschland besser durch die Krise kommt als vergleichbare Länder. Vor allem haben wir erreicht, dass mit den einbrechenden Börsenkursen nicht auch viele Menschen in Arbeitslosigkeit gefallen sind. Das war und ist jetzt wichtig und wir sind dabei erfolgreich. Aber klar ist auch: So wichtig der Kampf für bestehende Arbeitsplätze ist, wichtiger noch ist, dass neue Arbeit entsteht.

Auch wir machen uns keine Illusionen: Die nächsten Jahre werden schwierig – für die Unternehmen, aber auch für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Doch wir haben auch Chancen: Mit neuen Ideen und einem klaren Kompass können wir es schaffen, dass die Krise nicht in eine lang anhaltende Schwächephase mit vielen Hunderttausenden zusätzlichen Arbeitslosen einmündet, sondern dass wir die Krise nachhaltig überwinden und neue Arbeitsplätze entstehen.

Meiner Auffassung nach muss eine demokratische Gesellschaft allen Bürgerinnen und Bürgern ermöglichen, mit Arbeit ihr Leben sichern zu können. Wir sind heute nicht so weit, aber vom Ziel der Vollbeschäftigung dürfen wir uns nie verabschieden. Arbeit für alle bleibt darum auch für mich das Ziel.

Früher war Arbeitskraft billig und Maschinen teuer. Jetzt besteht ein immer größer werdender Teil des Kapitals der Unternehmen im Wissen und Können ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Ein wachsender Teil der Arbeit liegt im Planen, Organisieren und Kontrollieren. Damit wächst der Wert von Beschäftigten, die in der großen Wissensflut das Wissen finden und identifizieren können, das nötig ist, um ein Problem zu lösen.

Technik erleichtert zwar die Arbeit, manche Arbeiten übernimmt sie auch ganz. Aber Arbeit ermöglicht erst technischen Fortschritt. Und technischer Fortschritt schafft auch immer neue Arbeit. Technik verändert Arbeit, aber die Arbeit geht uns dadurch nicht aus. Menschen werden auch in Zukunft arbeiten, dass wir zusammen mehr schaffen können als jede und jeder allein, das ist das Fundament jeder menschlichen Gesellschaft.

Die SPD hat sich seit 1998 darum bemüht, Arbeitslosigkeit ab- und Beschäftigung aufzubauen, und ja durchaus mit Erfolg: Ende letzten Jahres haben wir die 3-Millionen-Grenze bei der Arbeitslosigkeit sogar unterschritten. Die Krise hat diese Entwicklung vorerst jäh gestoppt. Wir wollen in Zukunft auf diesen Pfad zurück. Den Weg dahin zeichnet der „Deutschlandplan“ vor.

Frank-Walter Steinmeier hat mit seinem Plan durchaus ehrgeizige Ziele gesetzt: Wir wollen einen Neustart der sozialen Marktwirtschaft. Das kommt nicht von selbst, es bedeutet eine Menge Arbeit. Er scheut diese Arbeit nicht und er weiß, dass die SPD mitzieht. Dieses Programm ist ein Angebot an alle, die dafür sorgen wollen, dass uns die Wende zum Besseren gelingt. Gemeinsam können wir Deutschland stärker, moderner und solidarischer machen.

Herzliche Grüße

Kajo Wasserhövel