Jerzy Montag
DIE GRÜNEN
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Frage von Pynhqvn Fgnemare an Jerzy Montag bezüglich Verkehr und Infrastruktur

# Verkehr und Infrastruktur 25. Juli. 2013 - 08:24

Was möchten Sie gegen den Verkehrsinfakt in großen Städten insbesondere in münchen unternehmen? Sind Sie für einen 2. Tunnel? Oder haben Sie eine Alternative, Ring-S-Bahn oder U-Bahn bis Pasing?

Von: Pynhqvn Fgnemare

Antwort von Jerzy Montag (GRÜNE) 01. Aug. 2013 - 12:29

Sehr geehrte Frau Starzner,

vielen Dank für Ihre Frage.

Mobilität ist ein Grundbedürfnis und Voraussetzung für eine funktionierende Stadt. Ist sie schlecht organisiert, führt dies zu Stau, Luftverschmutzung und Lärmbelastung, zu Störungen im öffentlichen Verkehr, hohen Unfallzahlen, ungleichen Mobilitätschancen und hohen Kosten. Wir GRÜNE wollen eine sichere und ökologische Mobilität für alle Generationen und Einkommen. An einer Mobilitätswende führt angesichts des demographischen Wandels und sinkender Erdölförderung längerfristig sowieso kein Weg vorbei. Wir fördern den Wandel von der „autogerechten Stadt“ zur „menschengerechten Stadt“.

Nachhaltige Mobilität setzt Prioritäten zugunsten des öffentlichen Verkehrs, des Radfahrens und des Zufußgehens und verknüpft verschiedene Verkehrsträger. Nachhaltige Mobilität verlagert den Gütertransport von der Straße auf die Schiene bzw. auf Wasserwege und vermeidet Transporte z. B. durch die Stärkung regionaler Wirtschaftskreisläufe. Umwelt- und klimafreundliche Verkehrsmittel werden gestärkt und der motorisierte Verkehr ökologisch verträglicher gestaltet. Damit sinkt die Belastung durch Lärm und Schadstoffe gerade in den Städten.

Wir GRÜNE wollen den Kommunen ermöglichen, die Voraussetzungen für Carsharing-Parkflächen im öffentlichen Straßenraum, für Citymaut-Modelle, autofreie Innenstadtbereiche und Shared-Space-Zonen zu schaffen. Länder und Kommunen brauchen zudem eine gesicherte Finanzierungsgrundlage für eine mutige Offensive für den öffentlichen Nahverkehr, bis hin zu Modellprojekten für einen ticketfreien Nahverkehr. Es muss darüber hinaus eine bedarfsgerechte Anschlussfinanzierung für das entfallende Bundes-Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz
über 2019 hinaus geben.

Zum zweiten S-Bahn-Tunnel gibt es aus Sicht der GRÜNEN eine Alternative: Den S-Bahn-Südring, der sich in überschaubaren Etappen verhältnismäßig schnell realisieren lässt, gerade im Stadtzentrum die Umsteigebahnhöfe und die U-Bahnstrecken wirksam entlastet und den AnwohnerInnen optimalen Lärmschutz garantiert. Wir fordern die gleichzeitige Ertüchtigung der S-Bahn-Außenäste durch einen 10-Minuten-Takt, einen vollständigen barrierefreien Ausbau aller S-Bahnhöfe sowie eine bessere Verknüpfung mit dem U-Bahnnetz. Sollte der S-Bahn-Tunnel trotz des ungünstigen Kosten/Nutzenverhältnisses doch kommen, fordern wir nach wie vor die funktionale Erweiterung des Tunnels auch für Regionalzüge, die innerhalb der europäischen Metropolregion verkehren und mittels fahrzeugseitiger Innovationen barrierefrei sein müssen.
In jedem Fall fordern wir sofortige Verbesserungen bei der S-Bahn.
Die GRÜNEN haben im Stadtrat bereits ein Paket von Sofortmaßnahmen beantragt, dass einstimmig vom Münchner Stadtrat beschlossen wurde. Es umfasst

den vorgezogenen Umbau des Bahnhofs Laim,
die Sendliner Spange vom Bahnhof Laim zum Heimeranplatz,
einen Regionalzughalt Poccistraße,
ein weiteres Gleis für die S-Bahn am Ostbahnhof,
den Ausbau der Außenäste.

Im Zusammenhang mit einem 10-Minuten-Takt auf den S-Bahn-Außenästen ist die Verlängerung der U5 nach Pasing und der U4 nach Englschalking sinnvoll, um die S-Bahn-Stammstrecke wirksam zu entlasten und einen unabhängigen Bypass zu schaffen.

Die Trambahn und viele Buslinien sind in München wegen der Trambahn- und Busbeschleuigung schneller geworden und sehr beliebt. Die Trambahn ist angesichts überschaubarer Bau- und Betriebskosten das umweltfreundlichste und kostengünstigste öffentliche Verkehrsmittel, das wir deutlich ausbauen wollen. Mit dem Trambahnausbau sollte jeweils eine städtebauliche Verbesserung der Straßenräume erfolgen. Bei den letzten Neubaustrecken wurden die Fahrgastprognosen jeweils deutlich übertroffen. Schon jetzt bietet die Trambahn Querverbindungen, die die zentrale Ausrichtung des öffentlichen Verkehrs in Münchner abmildern.
Wir fordern daher die Realisierung

einer neuen Westtangente (Aidenbachstraße – Romanplatz)
der Tram 24 (Am Hart – Kieferngarten),
der Tram 23 (Parkstadt Schwabing – Kieferngarten),
der Nordtangente Ackermannbogen – Englischer Garten – Effnerplatz (im
Englischen Garten vorzugsweise mit oberleitungsfreiem Abschnitt)
sowie einer Tramlinie vom Max-Weber-Platz nach Steinhausen (und weiter nach
Daglfing).

Ich hoffe, dass ich Ihre Frage beantworten konnte und verbleibe

mit freundlichen Grüßen

Jerzy Montag