Heidemarie Wieczorek-Zeul
SPD
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Frage von Aben Noqvyr an Heidemarie Wieczorek-Zeul bezüglich Soziales und Familie

# Soziales und Familie 23. Aug. 2009 - 22:56

Sehr geehrte Frau Wieczorek Zeul!

Welche familienpolitisches Instrument möchte Ihre Partei einsetzen, im Fall einer Regierungsbeteiligung, um die Familie zu fördern?

Treten Sie für die Anhebung der Steuerfreibeträge, insbesondere für Familien mit Kindern ein? Im Voraus vielen Dank.

Mit freundlichen Grüßen

Familie A.-Abdile

Von: Aben Noqvyr

Antwort von Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) 23. Sep. 2009 - 15:20
Dauer bis zur Antwort: 1 Monat 16 Stunden

Sehr geehrte Frau Abdile,

vielen Dank für Ihre Fragen zum Thema Familienförderung. Ich möchte Ihnen gerne darauf antworten.

Familien brauchen unsere besondere Aufmerksamkeit. Die SPD möchte Familien insgesamt besser stellen - Eltern wie Kinder, finanziell wie strukturell. Unser Bild von einer Familie ist allerdings nicht unbedingt an einen Trauschein gebunden. Für uns ist Familie überall dort, wo Menschen verschiedener Generationen gemeinsam leben und für einander einstehen.

Wir wollen allen Kindern die gleichen Chancen eröffnen - unabhängig vom Geldbeutel der Eltern. In einem reichen Land wie Deutschland darf kein Kind in Armut aufwachsen. Wir brauchen deshalb einen umfassenden Aktionsplan gegen Armut von Kindern und Jugendlichen.

Die Eltern brauchen mehr Zeit, um für ihre Kinder da sein zu können. Beruf und Familie müssen besser miteinander vereinbart werden können. Deshalb haben wir das Elterngeld eingeführt und wollen es noch stärker ausweiten: Mütter und Väter sollen gleichzeitig Elterngeld und Elternzeit in Anspruch nehmen können. Dafür wollen wir die Zahl der Partnermonate von zwei auf vier erhöhen und gleichzeitig den Anspruch auf Teilzeitbeschäftigung und Elterngeld von sieben auf sechzehn Monate erweitern. Eine weitere wichtige Komponente hierbei ist der massive Ausbau der Kinderbetreuung. Wir haben in der großen Koalition einen Anspruch darauf nach dem ersten Lebensjahr ab 2013 durchgesetzt und wollen jetzt die entsprechenden Strukturen aufbauen. Gerade Alleinerziehende sind auf ein gutes Betreuungsangebot und auf Möglichkeiten angewiesen, die ihnen helfen Familie und Beruf miteinander zu vereinbaren.

Wir sind dafür, dass die Eltern selbst entscheiden können, wie viel Betreuung sie für ihre Kinder in Anspruch nehmen wollen. Dazu muss allerdings auch die Möglichkeit gegeben sein, sich für einen Betreuungsplatz entscheiden zu können.

Außerdem wollen wir Schluss machen mit der Ungerechtigkeit, dass Kinder reicher Eltern über die Kinderfreibeträge stärker gefördert werden als Kinder mit niedrigem Einkommen über das Kindergeld. Deshalb werden wir einen einheitlichen und gerechten Kindergrundfreibetrag einführen. Dem Staat muss jedes Kind gleich viel wert sein, egal ob es gut verdienende oder weniger gut verdienende Eltern hat.

Das von der Union vorgeschlagene Betreuungsgeld halte ich dagegen für ein schlechtes familienpolitisches Instrument. Anstatt den Ausbau von Kinderbetreuungsplätzen voranzutreiben würde das Betreuungsgeld dazu führen, dass ausgerechnet jene Kinder aus den Kitas ferngehalten werden, die eine frühe Förderung besonders nötig hätten.

Die SPD kämpft dafür, dass es sozial gerecht zugeht und dass alle Kinder unabhängig von ihrer sozialen Herkunft schon früh gefördert werden können. Dafür setzen wir uns mit aller Kraft ein. Darauf können Sie sich verlassen.

Mit freundlichen Grüßen
Ihre

Heidemarie Wieczorek-Zeul