Frage an Günther Bittel von Xney-Urvam Yhk bezüglich Gesundheit

28. März 2019 - 19:27

Sehr geehrter Herr Dr. Bittel,

besonders in den mehr ländlichen Regionen finden Hausärzte kaum noch Nachfolger. Praxen werden aus Altersgründen geschlossen, nachdem sogar europaweit Nachfolger gesucht wurden.
1. Was sind Ihrer Meinung nach dafür die Ursachen?
2. Welche Lösungen können Sie sich vorstellen?

MfG, K.-H. Yhk

Frage von Xney-Urvam Yhk
Antwort von Günther Bittel
28. März 2019 - 20:08
Zeit bis zur Antwort: 40 Minuten 56 Sekunden

Sehr geehrter Herr Yhk,

in Deutschland wurden 9000 Medizin-Studienplätze vernichtet. Das alles aus dem Wahn bürgerlicher Gesundheitspolitiker heraus, dass sich durch eine "Verknappung des medizinischen Angebots" dann die vielbeschwörte "Kostensenkung im Gesundheitswesen" ergibt. Ein Nonsens, denn die Milliarden fließen in die Taschen der Monopolkonzerne!

Die Mehrzahl der Absolventen des Medizinistudiums ist inzwischen weiblich, und junge Ärztinnen und Ärzte wollen zurecht nicht mehr in die traditionelle Selbstüberforderung der Inhaber von Einzelpraxen alten Stils mit 70-Stunden-Woche. Bevorzugt wird oft Angestelltenverhältnis in einem MVZ oder Mitarbeit in einer Gemeinschaftspraxis.

Generell müssen also mehr Ärztinnen und Ärzte ausgebildet und die Zahl der Medizinstudienplätze erhöht und die Abbruch-Quote reduziert werden.

Nicht nur die Allgemeinmedizin in ländlichen Regionen, sondern auch die Schmerztherapie gehören zu den vom Aussterben bedrohten Fachgebieten.

Hier müssen gezielte Förderprogramme her! Bürokratische Schikanen, Budgetierung als "Rationierung" von Gesundheitsleistungen und Regresse für gewissenhaft verordnende Ärzte müssen definitiv zu Fall gebracht werden.

Auch über die Fluchtbewegungen der letzten Jahre sind viele Ärztinnen und Ärzte oder Medizinstudenten aus Herkunftsländern wie Syrien nach Deutschland gekommen. Anstatt ihnen Steine in den Weg zu legen, sollten sie schnell qualifiziert und in ordentliche Arbeitsverhältnisse eingeführt werden.

Das gesamte Gesundheitswesen verkommt immer mehr zu einer profitorientierten Industrie unter der Steuerung von großen Konzernen, die übernehmen nicht nur ein Krankenhaus nach dem anderen, sondern machen sich auch in der ambulanten Medizin breit.

Der Kampf für eine ausreichende, gute und kostenlose Gesundheitsversorgung für alle steht in allen europäischen Ländern auf der Tagesordnung! Dieser Kampf muss an der Basis der Arbeiter- und Gewerkschaftsbewegung beginnen und breite Massen einbeziehen, z.B. über die bundesweite Montagsdemonstrationen! Der Kampf für gute Löhne und Arbeitsbedingungen im Gesundheitswesen und Altenbetreuung gehört dazu!

Herzliche Grüße nach Attendorn!

Günther Bittel