Franziska Sylla
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Frage von Roland L. •

Frage an Franziska Sylla von Roland L. bezüglich Wirtschaft

Guten Tag Frau Sylla,
unser in Berlin Tempelhof ansäsiges
Unternehmen (www.astro-profis.de)
besteht seit über einem Jahr.
So langsam macht sich die Selbstständigkeit auch bezahlt.
Wir sind der Meinung, die Motivation von Klein- und Mittelständischen Betrieben, resp.
Unternehmern wäre größer, wenn es der
neuen Bundesregierung gelänge, die Gewerbesteuer ersatzlos zu streichen.
Die Gesamtbelastung von Klein und Mittelständischen Unternehmen
muß sofort gesenkt werden.
Wie sehen Sie das?

Antwort von
Einzelbewerbung

Sehr geehrter Herr Roland Lederer,

die Partei der UNABHÄNGIGEN KANDIDATEN für bürgernahe Lösungen + Direkte Demokratie (kurz UNABHÄNGIGE) verfügt über eine Vielzahl von Fachleuten aus dem Finanz-, Steuer-, Wirtschafts- und Bankwesen.

Zur Beantwortung Ihrer Frage zur Gewerbesteuer, habe ich Herrn Frank Rösner, Bundestagswahlkandidat im Wahlkreis 250, Main-Spessart, heran gezogen. Er arbeitet als Steuerberater.

Herr Frank Rösner nimmt folgendermaßen Stellung:

Sehr geehrter Herr Lederer,

gerne nehme ich zu Ihrer Anfrage Stellung.

Erst einmal möchte ich Ihnen dazu gratulieren, dass sich Ihre Selbständigkeit "langsam bezahlt" macht. Das können nicht ausreichend genug Gründer behaupten. Und wenn Sie bereits so weit sind, dass die "Gewerbesteuer" ein "Problem" für Sie ist, dann war Ihre Gründung wohl ein Erfolg. Denn wer Steuern zahlen muss, der hat auch einigermaßen verdient.

Nichtsdestotrotz muß die Gewerbesteuer weg. Erstens gibt es diese nur in Deutschland. Allein deren Existenz schreckt ausländische Investoren ab, selbst wenn die Gesamtsumme der vom Unternehmen zu zahlenden Steuern niedriger sein sollte als in benachbarten Ländern (darüber gibt es ja unterschiedlichste Statistiken).

Problematisch sehe ich vor allem die Bürokratiekosten, die hinter jeder Steuer stehen. So verursacht die Erstellung der Gewerbesteuererklärung, deren Verbuchung/Abstimmung in der Buchführung und die Prüfung der Gewerbesteuerbescheide, ggfs. Einsprüche, enorme Kosten. Ohne es durchgerechnet zu haben, wäre es deshalb z.B. sinnvoller gewesen, beim Jobgipfel auf die Herabsetzung der Körperschaftsteuer von 25% auf 19% zu verzichten, die 6% Differenz den Gemeinden zu geben und dafür die Gewerbesteuer abzuschaffen. Aber die Vereinbarungen des Jobgipfels sind ja ohnehin Makulatur.

Meines Erachtens wird es in Deutschland nur mit radikalem Bürokratieabbau und Steuervereinfachung einen wirtschaftlichen Aufschwung geben. Denn die Komplexität der Gesetze erstickt unsere Unternehmen als Arbeitsplatzanbieter. Die Bürokratiekosten stehen den Unternehmen nämlich nicht für Investitionen oder dem Unternehmer für Konsum zur Verfügung. Insoweit verstehe ich die Aufregung um Prof. Dr. Kirchhoff nicht. Ich sehe ihn als Hoffnungsträger. Ein einfacheres Steuerrecht bringt allen Vorteile. Wer glaubt, dass es nur den Besserverdienenden dient, der irrt.

*Insgesamt bin ich der Meinung, dass es in Deutschland nicht unbedingt die Höhe der Steuern sind, welche die Wirtschaft beeinträchtigen, obwohl weniger Staat auf Sicht von Vorteil wäre. In erster Linie sind es die mit den Steuern verknüpften Bürokratiekosten:* Buchführung unter steuerlichem Aspekt, Steuerbilanz, Steuererklärungen, steuerliche Beratung. Viele kleine und mittelständische Unternehmer können sich ja kaum mehr auf ihr operatives Geschäft konzentrieren, weil sie sich nur noch mit Bürokratie auseinandersetzen müssen.
Schon die radikale Vereinfachung und Bürokratieabbau würde - zunächst bei gleichem Steueraufkommen! - einen enormen Aufschwung in Deutschland herbeiführen. D.h. weniger Arbeitslose, höhere Unternehmensgewinne und somit höhere Steuereinnahmen des Staates.
Dann hätte der Staat die Möglichkeit, die Steuern zu senken - auch für die kleinen und mittelgroßen Betriebe. Niedrigere Steuern verstärken dann den Wirtschaftsaufschwung. Und so weiter, und so weiter. Und endlich würde sich die "Spirale" in die richtige Richtung drehen.

Vereinfachung ist aber nicht das Ding der etablierten Parteien. Deshalb gehöre ich zu den UNABHÄNGIGEN. Wir wollen frischen Wind in die Politik bringen.

Noch ein Wort zum Thema "Motivation", weil Sie dieses in Ihrer Email verwenden: Gemäß einer Studie der Uni Marburg und des Bundesverband mittelständische Wirtschaft beklagen die mittelständischen Unternehmen insbesondere die Bürokratie und staatliche Regulierung. Die negative Einschätzung werde in großem Maße dadurch bestimmt, dass viele Mittelständler die Freude am Unternehmertum verloren hätten!!! Ursachen dafür seien das Negativ-Image der Unternehmer (!!!) in der Öffenlichkeit und ein schlechtes Gründungsklima. Das öffentliche Unternehmerbild werde als von Neid und Missgunst (!!!) geprägt empfunden. Das Negativimage müsse durch das Bild des Unternehmers als tragende Säule unseres Gemeinwesens ersetzt werden!
Diese Feststellungen muß man sich mal "auf der Zunge zergehen lassen"! Der Mittelstand, Motor unserer Wirtschaft und wichtigster Faktor für den Arbeitsmarkt, hat keine Lust mehr! Da darf man sich über faktisch 6,5 Millionen Arbeitslose nicht wundern.

Ich fordere deshalb radikalen Bürokratieabbau und ein einfaches Steuerrecht. Von den Nicht-Unternehmern erwarte ich Respekt vor dem Mut und den Leistungen zahlreicher Unternehmer. Dann kann es in Deutschland auch wieder aufwärts gehen.

Ich hoffe, Ihre Frage zu Ihrer Zufriedenheit beantwortet zu haben.

Viele Grüße

Ihr Frank Rösner

Lieber Herr Lederer,

ich persönlich bin ich auch für das Abschaffen der Gewerbesteuer. Stichwort Steuerungerechtigkeit : Meines Wissens nach wünscht auch die jetzige Regierung die Gewerbsteuer abzuschaffen. Denn Großbetriebe nutzten (natürlicherweise) die Möglichkeiten Arbeitsplätze, die ins Ausland verlagert werden und teilweise von der Steuer abgeschrieben werden können, für sich.

Ebenso schließe ich mich Herrn Rösners Ausführungen zum Thema Bürokratieabbau und Stärkung der KMUs an. Seine Beurteilung des Kirchhoffschen Steuervorschlages sehe ich persönlich nicht nur aus der Perspektive der Unternehmerin (die ich ja auch bin), sondern auch der Sicht der Arbeitnehmer, die Einkommen bis unter 1.400 Euro verdienen. Aus vielen Gesprächen mit Bürgern weiß ich, dass in diesem Modell noch viele Ungereimtheiten ausgeglichen werden müssen. Daher ist hier eine Zustimmung in oben genanntem Ausmaße für mich so nicht möglich.

Weiterhin viel Erfolg für Ihre schöne Unternehmensidee, und immer einen guten Steuerberater an Ihrer Seite

wünscht Ihnen
Franziska Sylla