Filiz Polat
DIE GRÜNEN
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Frage von Envare Jnygre an Filiz Polat bezüglich Gesundheit

# Gesundheit 27. Juli. 2019 - 10:00

Sehr geehrte Frau Polat,

Ich möchte niemals fremdes menschliches Gewebe oder Organe erhalten und halte diese Behandlung aus medizinischer Sicht, nicht nur für völlig ungeeignet, sondern i.d.R. für extrem schädlich. Auch soll kein Mensch sein Leben auf diese schrecklichste Art und Weise, durch Zerstückelung wie auf einem Schlachttisch, verlieren und bis hin zu Knorpelstücken oder Kniegelenken verpackt und verschickt werden.

Die Verdinglichung des Menschen als Medikament, ist für mich der absolute Maßstab von Menschenunwürdigkeit.
Tatsächlich gibt es Menschen, die gegen eine Zerstückelung Ihres Körpers nichts einzuwenden haben, auch nicht gegen den Einbau von fremden Geweben und Organen.

Beide Einstellungen lassen sich verbinden, wenn Menschen sich als Spender registrieren lassen könnten und für jedes Jahr seit der Erklärung der Spendebereitschaft, Punkte kriegen würden, für eine bevorzugte Organ-/Gewebezuteilung im Bedarfsfall. Organerkrankten, die nicht registriert sind, aber aus speziellen Gründen kurzfristig ein Organ/Gewebe brauchen, könnten nach Ihrer Registrierung sofort Zugang zu der Vergabe haben, z.b. durch ein Notfallkontingent auch ohne gesammelte Punkte. Als "Geschlossener Club" gibt es viele Möglichkeiten des Kennenlernens, was die Erfolgsaussichten einer Übertragung, durch bekannte Menschen, erhöht.
Bei denen, die nicht registriert sind bzw. sich bei einer Erkrankung auch nicht registrieren wollen, soll es bei Strafe verboten sein, Organe/Gewebe als Therapie zu verabreichen oder auch zu entnehmen. Dies kommt all den Menschen zugute, die befürchten, im bewußtlosen Zustand nicht widersprechen zu können und nach einer OP mit fremden Organen/Geweben aufzuwachen.

Der amtierende Präsident der Ärztekammer hat dieses Prinzip thematisiert https://www.waz.de/politik/aerztepraesident-organspende-bereitschaft-mit... .
Wurde dieses Vorgehen diskutiert bzw. welche Erfolgsaussichten würden Sie diesem Vorgehen geben?

Von: Envare Jnygre

Antwort von Filiz Polat (GRÜNE) 31. Juli. 2019 - 15:50
Dauer bis zur Antwort: 4 Tage 5 Stunden

Sehr geehrter Herr Jnygre,

haben Sie vielen Dank für Ihre Mail.

Wie sie wissen, diskutieren wir das Thema jenseits der Fraktionsgrenzen und werden uns dann jeweiligen Positionen anschließen.

Ein Vorschlag in der aktuellen Debatte ist die Widerspruchsregelung. Abgeordnete, auch aus unserer Fraktion, lehnen diese Regelung als zu starken Eingriff in das Selbstbestimmungsrecht ab. Andere Abgeordnete, ebenfalls aus unserer Fraktion, möchten die Zustimmungsregelung beibehalten, aber gleichzeitig dafür sorgen, dass regelmäßig aktiv über Organspende beraten und zur Eintragung in ein zu schaffendes Organspenderegister ermutigt wird. Auch eine größere Verbindlichkeit und Regelmäßigkeit bei der Abfrage der Entscheidung für oder gegen eine Organspende wird befürwortet.

Ich persönlich befinde mich noch in einem Entscheidungsprozess und nehme Ihre Hinweise daher dankend mit auf.

Mit freundlichen Grüßen
Filiz Polat MdB