Dr. Monika Schaal
SPD
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Frage von Znegva Syrvfpuunhre an Dr. Monika Schaal bezüglich Umwelt

# Umwelt 11. Feb. 2015 - 19:34

Sehr geehrte Frau Dr. Schaal,

der Naturschutzverein Gesellschaft für ökologische Planung (GÖP e.V.) aus Hamburg hat ein Konzept entwickelt, wie ein UNESCO-Biosphärengebiet mitten in Hamburg entstehen könnte:

http://www.naturschutzverband-goep.de/ns/Biosph%C3%A4re.htm

Die Senatorin Blankau und der SPD-Senat lehnen dieses Konzept ab:

http://www.bergedorfer-zeitung.de/printarchiv/vier-und-marschlande/artic...

Wie stehen Sie zu diesem Vorschlag?

Mit freundlichen Grüßen
Znegva Syrvfpuunhre

Von: Znegva Syrvfpuunhre

Antwort von Monika Schaal (SPD)

Sehr geehrter Herr Flschhauer,

vielen Dank für Ihre Frage. Auch ich sehe die Einrichtung eines Biosphärengebietes "Hamburgische Elblandschaft" kritisch. 

Ein Biosphärengebiet nach dem UNESCO Programm „Der Mensch und die Biosphäre“ ist nicht in erster Linie auf den Schutz und die Erhaltung von natürlichen oder naturnahen Gebieten ausgerichtet, sondern auf die Entwicklung und Erprobung nachhaltigern Wirtschaftens verbunden mit dem Schutz naturnaher Räume.

Das Elbtal ist durch eine Vielzahl von Landschaften gekennzeichnet, die zwar räumlich im Bereich der Elbe liegen, aber von sehr unterschiedlicher Struktur sind.  Das Gebiet umfasst  die Vier- und Marschlande, Teile von Wilhelmsburg, Waldgebiete in Harburg, die Fischbeker Heide, den Moorgürtel, das Obstbaugebiet in Hamburg, die Elbe in Hamburg, das hohe Elbufer am nördlichen Ufer der Elbe, die Rissen-Sülldorfer Feldmark, das Flottbektal.

Ein  einheitliches Schutzziel lässt sich für diese Gebiete kaum  formuliert. Viele Flächen sind landwirtschaftlich geprägt  bzw.  alte Kulturlandschaften, andere sind als Natuschutzgebiete ausgewiesen,  dienen der Naherholung oder gehören schon zur Stadt. 

Die entscheidende Frage aus naturschutzfachlicher Sicht wäre doch, was nützt die Ausweisung eines Biosphärengebietes der Natur?  Welche Verbesserungen ergeben sich für Schutz und Pflege bestimmter Lebensräumen und den dort beheimateten Arten? Aber gerade wenn auf  Nachhaltigkeit  wertgelegt wird,  kann  Natur- und Landschaftsschutz keine herausragende Funktion haben.

Für den Erhalt und den Schutz der Kulturlandschaften einschließlich der Wälder und sonstigen naturnahen Gebiete stehen in Hamburg  die Instrumente des Naturschutzes wie Ausweisung als Naturschutzgebiet, Landschaftsschutzgebiet, Landschaftsplanung usw. zur Verfügung. Für eine Förderung gibt es verschiedenste Förderprogramme, die teilweise EU kofinaziert sind und auch der Entwicklung des ländlichen Raums dienen. Die förderung der Landwirtschaft ist gerade neu justiert worden. 

Da ein  Biosphärengebiet keine Rechtskategorie ist bzw. sein soll, ergeben sich daraus auch keine direkten Pflichten für die Bewohner. Ein möglicher Schutz wäre  also gegenüber den genannten bzw. bestehenden Schutzregimen viel geringer, wärend  die bestehenden Schutzregime möglicher Weise "unter die Räder" kämen. Dadurch ergibt sich m.E. kein Vorteil aus der Ausweisung des Biosphärengebietes - jedenfalls nicht für die Natur. 

Nach den UNESCO Kriterien wird  darüber hinaus  für ein Biosphärengebiet auch ein zusätzliches eigenständiges Management  (Behörde, Stab, Beirat, Arbeitskreise, Vertretungen….) verlangt. Es wären Pläne und Strategien zur Bewirtschaftung des Gebiets zu entwerfen. Wenn  man das Biosphärengebiet mit Leben erfüllen wollte, wäre erstmal ein hoher bürokratischer Aufwand notwendig, den sicher niemand will und für den auch keinerlei zusätzliche Ressoucen zur Verfügung stehen. Die Einrichtung eines Biosphärengebietes würde  auf diese Weise den Naturschutz sogar noch schwächen, weil dann mit Sicherheit dort die Ressourcen abgezogen würden, was niemand ernsthaft gut heißen könnte.

Die Entwicklung von Nachhaltigkeit im Sinne von ökologischer, ökonomischer und sozialer Entwicklung sollte sich deshalb auf das eigentlich städtische Leben beziehen, was für die Großstadt Hamburg prägend ist, also auf Wohnen, Verkehr, Technik, Energie, Abfall, Abwasser, Wasser , kurz Daseinsvorsorge, aber auch auf Handel, Gewerbe, Schifffahrt, Industrie oder Logistik. Hier entwickelt sich  Hamburg in der Tat sehr nachhaltig  und kann so auch für  andere Städte beispielhaft sein.  Denken sie nur an Projekte smart city, smart port oder smart logistic im Hamburger Hafen. 

Kulturlandschaften und Kernzonen der Natur sollten nicht der  Schwerpunkte nachhaltigen Entwicklung  sein. Dies scheint mir beim Biosphärengebiet  eine falsche Schwerpunktsetzung zu sein, die den Schutz der Natur und der Kulturlandschaften nicht  weiter bringt.  

Mit freundlichen Grüssen

Monika Schaal

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