Dr. Kirsten Tackmann
DIE LINKE
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Frage von Fgrsna Gubz an Dr. Kirsten Tackmann bezüglich Kinder und Jugend

# Kinder und Jugend 06. Aug. 2014 - 19:49

Hallo.

Die Abwanderung in der Region ist grade unter jungen Leuten sehr hoch. Wer kann, verlässt die Region.

Mit welchen Vorhaben möchten Sie dem entgegen wirken?

Von: Fgrsna Gubz

Antwort von Kirsten Tackmann (LINKE)

Sehr geehrte Damen und Herren,

anbei die Antwort von Dr. Kirsten Tackmann:

Sehr geehrter Stefan Thom,
vielen Dank für Ihre Anfrage über abgeordnetenwatch zur Abwanderung junger Leute aus unserer Region und meinen Vorhaben dagegen.
Das ist eine sehr wichtige Frage, obwohl ich auf den vielen Wegen durch den Wahlkreis den Eindruck habe, dass sich die Stimmung in den vergangenen Jahren durchaus geändert hat und wieder mehr Jugendliche bleiben, auch bleiben wollen, oder zurück kommen. Ich will die Probleme nicht kleinreden, trete aber auch dem Eindruck entgegen, dass in den ländlichen Räumen nur noch Menschen leben, die nicht schnell genug weggekommen sind, weil sie zu alt, zu krank oder zu dumm sind. Im Gegenteil - die andere Lebensqualität ist aus meiner Sicht ein bislang zu wenig genutztes Potenzial. Ich wohne selbst in einem 60 - Seelen - Dorf und engagiere mich als Abgeordnete für eine Politik, die lebendige Dörfer und kleinen Städte wertschätzt und versteht, dass sie im Interesse der gesamten Gesellschaft sind und dass es sich deshalb im Interesse aller lohnt, dazu beizutragen. Selbst was "pro Kopf" kurzfristig etwas teuerer sein sollte, wird sich mittel- und langfristig als kostengünstig erweisen.
Das heißt aber auch, sich nicht mit der aktuellen Situation abzufinden: keine gut bezahlte Arbeit, Schule schwer erreichbar, nur Schulbusverkehr, kaum was los.

Viele, auch junge Leute, leben gern in den Dörfern und kleinen Städten, aber man muss auch in der Prignitz nicht geboren werden und sterben, ohne sich zwischendurch in der Welt umzusehen. Wir erwarten keine gleichen, aber wir brauchen gleichwertige Lebensbedingungen. Dazu gehören existenzsichernde Einkommen als Grundvoraussetzungen, aber auch Bildung/Kultur, Mobilität, Gesundheitsversorgung und Kommunikation müssen gesichert sein. Und auch eine intakte Landschaft wird ein immer wichtigeres Thema. Das zu erreichen waren bisher die Leitthemen meiner Arbeit als regionale Bundestagsabgeordnete der LINKEN. Und sie werden es bleiben. Ich bin davon überzeugt, dass ländliche Räume keine sterbenden Regionen sind, wenn sie nicht dazu gemacht werden durch eine Politik, die die besonderen Bedingungen und Potenziale der ländlichen Räume ignoriert. Deshalb müssen wir weiter gemeinsam kämpfen für die Interessen der Region - sei es z. B. für den Erhalt der Bahnstrecken oder Schulstandorte, für eine Nachtzugverbindung nach Berlin, für Kulturangebote wie die Schöllerfestspiele oder das Vuuv-Festival bei Putlitz. Auch der Mindestlohn, für den DIE LINKE lange gekämpft hat, wird dazu beitragen, dass weniger Menschen trotz Arbeit arm sind. Auch direkte politische Teilhabemöglichkeiten sind nicht nur, aber auch für Jugendliche sehr wichtig, wie Jugendparlamente und eine Dorfbewegung, in die sich auch die jüngere Generation aktiv einmischen kann und soll. Auch Jugendprojekte unterstütze ich, z. B. das Jugendwohnprojekt MittenDrin in Neuruppin. Wichtig ist mir, dass Politik nicht für, sondern mit den Jugendlichen entscheidet. Deshalb diskutiere ich auch gern mit Jugendlichen über ihre Sichtweisen und Interessen, ob im Wahlkreis oder im Bundestag.
Die 11 Punkte für mehr Lebensqualität in den ländlichen Regionen, mit denen ich zur Bundestagswahl angetreten bin, gelten für mich jeden Tag und sind Leitfaden meiner Arbeit.
Auch im Landtagswahlprogramm der LINKEN.Brandenburg ist das Thema verankert. Und im Schlüsselprojekt 11 heißt es unter der Überschrift "Sozial-ökologisches und nachhaltiges Agrar-Leitbild entwickeln": Wir wollen in einem intensiven gesellschaftlichen Dialog ein sozial-ökologisches und nachhaltiges Agrar-Leitbild für Brandenburg entwickeln, das Beschäftigungsperspektiven, Versorgungssicherung mit nachhaltig produzierten Lebensmitteln und erneuerbarer Energie sowie Lebensqualität in den Ländlichen Räumen miteinander verbindet. Regionale Produktion, Verarbeitung und Vermarktung von landwirtschaftlichen Produkten sollen zum Markenzeichen des Agrarlandes werden.

Es ist also eine große Aufgabe, die keinen Aufschub mehr verträgt, aber sie ist gemeinsam lösbar. Davon bin ich überzeugt.

In diesem Sinne verbleibe ich mit freundlichen Grüßen
Kirsten Tackmann MdB