Dr. Hans-Peter Uhl
CSU
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Frage von Enys Bfgare an Dr. Hans-Peter Uhl bezüglich Wirtschaft

# Wirtschaft 01. Mai. 2013 - 18:07

Sehr geehrter Dr.Uhl

seit der Hannovermesse kursiert das Schlagwort "Industrie 4.0", das auch von Bundeskanzlerin Angela Merkel enthusiastisch propagiert und gehypt und als Vorbedingung für ein zukunftsfähiges Deutschland gesehen wird..Laut Experten soll es sich mit den "smart facories", die mit RDFI-Chips, Internet of THinks und dezentralen Produktionsprozessen um die 4. industrielle Revolution handeln.Glauben sie, dass die Industrie 4.0 real werden wird? Was bedeutet das--massiven Abbau von Arbeitsplätzen und nur noch Softwareingenieure und MINT-Spezialisten?
Wird durch Industrie 4.0 auch der Fachkräftemangel behoben und zugleich die Immigration gestoppt? Hat die CDU/CSU schon Antworten darauf, wie man die Industrie 4.0 sozial gestalten kann?Was passiert, wenn dabei 5- 10 Millionen Abeitskräfte freigesetzt werden sollten--wäre dies der endgültige Kollaps unserer Sozial- und Renetensysteme? Müsste man da eine Maschinensteuer oder Steuern auf Wirtschaftswachstum und Produktivitätszuwächse zur Finanzierung der Sozialsysteme einführen? Wie sehen Sie und die CDU/CSU das?

Von: Enys Bfgare

Antwort von Hans-Peter Uhl (CSU)

Sehr geehrter Herr Ostner,

zu den Themen Fachkräftemangel und Industrie 4.0 möchte ich zunächst – ohne Wertung meinerseits - auf einige Fundstellen hinweisen:
http://veranstaltungen.cducsu.de/veranstaltungen/deutschland-digital-cha...
http://www.faz.net/aktuell/technik-motor/umwelt-technik/industrie-4-0-re...
http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/vollbeschaeftigung/schwerpunkt-arb...
http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/vollbeschaeftigung/schwerpunkt-vol...
http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/iw-studie-zur-zukunft-des-arbeitsm...

Nach meiner Einschätzung ist Industrie 4.0 eine Art Vision für eine neue Stufe verbesserter Arbeitsteilung und des Qualitätsmanagements in der industriellen Produktion. Es ist jedoch kein Programm für eine schlagartige Umstellung, welche auch völlig unrealistisch wäre. Ich sehe deshalb keine Gefahr von plötzlichen Arbeitsplatzverlusten. Denn solange industrielle Produktion überhaupt einen rentablen Standort in Deutschland hat, d.h. solange die Erzeugnisse ein Preis-Leistungs-Verhältnis aufweisen, dass auf dem Weltmarkt wettbewerbsfähig ist, solange wird es zwar einen ständigen Strukturwandel der Branchen und der benötigten Berufe geben, aber keinen Wegfall an Arbeitsplätzen in toto. Problematisch würde es erst, wenn – wie in vielen anderen europäischen Ländern zu beobachten – die industrielle Produktion abwandert.

Gerade dies in Deutschland zu verhindern, ist ja mit dem Schlagwort Industrie 4.0 gemeint: Produktions- und Organisationsweisen sollen technisch und betriebswirtschaftlich weiterhin so modernisiert werden, dass Betriebe am Standort Deutschland nicht nur einen komparativen Vorteil behalten, sondern deutsche Beratungs- und IT-Konzepte auch weltweit erfolgreich sind. Denn jeder technologische Fortschritt braucht sein „Humankapital“, das ihn hervorbringt und betreut. Vor allem darum geht es ja: Das „Humankapital“, das im weltweiten Maßstab gefragte Kompetenzen bereithält, soll (auch) in Deutschland eine starke Basis haben.

Der Bedarf an geeigneten Fachkräften (nicht unbedingt Akademiker), nicht zuletzt im MINT-Bereich, wird deshalb nicht kleiner werden. Sich um entsprechende Qualifikationen zu bewerben, wird sich für Leute, die jetzt jung sind, auf jeden Fall auszahlen. Und davon werden dann auch alle Übrigen, die wie ich keinen MINT-Beruf erlernt haben, indirekt einen Vorteil haben. Wenn auch jeder Strukturwandel soziale Härten mit sich bringen mag, die nach Möglichkeit abgefedert werden müssen, so wird es kollektive Wohlstandsgewinne letztlich nur durch Zuwächse der Produktion und Fortschritte in der Produktivität geben. Es wäre deshalb völlig falsch, technologische Fortschritte von politischer Seite bestrafen zu wollen. Soweit zumindest meine generelle Antwort. Im Einzelfall mag es sich anders verhalten.

Mit freundlichen Grüßen
Uhl

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