Dirk Becker
SPD
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Frage von Wbunaarf Qvrqrevpu an Dirk Becker bezüglich Umwelt

# Umwelt 09. Jan. 2007 - 09:32

Warum hält die SPD an dem Atomausstieg fest, wo doch spätestens seit dem Stopp der Öllieferung klar ist, dass wir dieses Energieversorgungsstandbein brauchen?
Die SPD sollte sich vielmehr um die Errichtung moderner, sicherer Atomanlagen kümmern.

Von: Wbunaarf Qvrqrevpu

Antwort von Dirk Becker (SPD)

Sehr geehrter Herr Diederich,

Öl wird in Deutschland im Energiebereich fast ausschließlich in den Bereichen Verkehr (Kraftstoffe) und Wärme (Heizen, Warmwasser, Prozesswärme) gebraucht. Der Ölanteil bei der Stromerzeugung liegt bei 1,6 Prozent. Insofern steht der Stopp der Öllieferungen durch die „Druschba“-Pipeline in keinem Zusammenhang mit der Atomdebatte.

Obendrein kann auch Atomenergie keine Versorgungssicherheit bieten. Deutschland verfügt über keinerlei Uranvorräte, so dass für das Funktionieren der Atomkraftwerke eine ebensolche Importabhängigkeit besteht. Mittelfristig wird auch dieser Rohstoff auf den Weltmärkten knapp und damit in der Beschaffung um ein vielfaches teurer werden. Es liegt somit auf der Hand, dass der einzig vernünftige Weg sein kann, sich auf Zukunftstechnologien und heimische Ressourcen, auf Energieeffizienz und Erneuerbare Energien zu konzentrieren.

Im Gegensatz zur Atomenergie stellen die Erneuerbaren Energiequellen keine völlig unangemessenen und unbeherrschbaren Risiken für Mensch und Umwelt dar. Zudem entsteht bei ihrer Produktion kein radioaktiver, hochgiftiger Müll für zigtausende von Jahren, den wir künftigen Generationen überlassen müssen.

Die Erneuerbaren Energien decken einen immer weiter steigenden Anteil an der Stromerzeugung Deutschlands. Rasant ansteigende Zuwächse sind beispielsweise bei der Windenergie, der Biomasseverstromung, bei Biogas und Sonnenenergie und auch bei der traditionellen Wasserkraft und der noch in den Anfängen befindlichen Geothermie zu verzeichnen. Die Erneuerbaren Energien werden dadurch auch jedes Jahr preisgünstiger. Deutschland hat übrigens beim Ausbau der Stromerzeugung aus Erneuerbaren Energien eine Vorreiterrolle inne. Diese wird sie in Zukunft noch mehr dazu nutzen können, moderne Umwelttechnologien auch in andere Länder zu exportieren. Was die Versorgungssicherheit angeht ist jedenfalls klar, dass die Stromerzeugung aus Atomenergie allein durch die der Erneuerbaren Energien ersetzbar ist.

Nur durch eine konsequente Fortführung dieses Kurses in der Umwelt- und Energiepolitik – und der Atomausstieg ist ja im übrigen im Koalitionsvertrag zwischen SPD und CDU/CSU ganz eindeutig anerkannt worden – lassen sich wirkliche Fortschritte im Kampf gegen die Energieressourcenabhängigkeit und auch gegen den Klimawandel erreichen und zudem für Energie-Preisstabilität sorgen.

Mit freundlichen Grüßen
Dirk Becker, MdB