Christiane Blömeke
DIE GRÜNEN
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Frage von uryzhg oöqqryvat an Christiane Blömeke bezüglich Gesundheit

# Gesundheit 15. Apr. 2007 - 18:20

Sehr geehrte Frau Blömeke,

gar nicht so sehr im Bewusstsein ist, dass überdurchschnittlich viele Bundesbürger Lärm, insbesondere Straßenlärm, subjektiv als eine der wesentlichen Umwelt"verschmutzungen" und Belastungen empfinden.

Als Stadtbewohner kann man dies ohne weiteres nachempfinden, wo ja oft nachts der allgemeine, durch Verkehr verursachte Geräuschpegel immer noch hoch ist.

Hierzu eine ganz konkrete Frage: ganz herausragende und besonders ärgerliche Lärmquellen sind die Motorengeräusche der schweren Motorräder. Immer wieder ist ohne weiteres über große Distanzen hinweg der Lärm von Motorrädern genau zu identifizieren, die mit ihrem enormen Geräuschen weit über dem Lärmpegel von Autos liegen.Auch In diesem Moment(sonniger Sonntag!!), wo ich diese Frage an Sie formulieren, höre ich immer wieder die extremen Motorengeräusche,verursacht durch Hochdrehen der Maschinen

Dies wird von vielen Motorradfahrer offensichtliche lustvoll genutzt, insbesondere durch volles Ausfahren der einzelnen Gänge.

Bitte verstehen Sie mich nicht falsch: ich habe früher selbst jahrelang Motorrad gefahren. Gleichwohl im finde ich diese Geräusche als außerordentlich belastend, ärgerlich und gesundheitsschädliche, insbesondere auch Nachts und im stillen Straßen....

Ich war im letzten Jahr in einem stillen Tal in den bayerischen Alpen.

Am Wochenende war der unglaubliche, ja terrorisierende Lärm von Scharen von Motorrädern nicht auszuhalten, die durch die stillen Täler röhrten.
Ich glaube, dass viele Menschen, wenn sie nicht gerade selbst Motorradfahrer sind, meine Empfindung und Kritik zustimmen würden.

Meine Fragen nun an Sie:
- warum ist eine derartige, aus meiner Sicht völlig unnötigeund hoch belastende Lärmquelle anscheinend vom Gesetz- oder Verordnungsgeber erlaubt?
- Wo liegen die Rechtsgrundlagen hierfür?
- Warum wird einer derartigen offenkundigenund dazu noch völlig überflüss. Umweltbelastung kein Riegel vorgeschoben?
- Wie stehen Sie zu diesem Problem?

mit frdl. grüßen
Böddeling

Von: uryzhg oöqqryvat

Antwort von Christiane Blömeke (GRÜNE) 23. Apr. 2007 - 10:44

Sehr geehrter Herr Böddeling,

haben Sie vielen Dank für Ihre kritische Zuschrift. Ich kann Ihren Unmut hinsichtlich der Geräuschbelastung durch überlaute Motorräder völlig nachvollziehen. Sicherlich fällt uns Walddörfern (ich wohne in Ohlstedt) die Lärmbelastung durch Straßenlärm noch viel mehr auf, als manchen Stadtbewohner, da hier draußen der Verkehr ja nicht so dicht ist, wie in der Stadt. Ein laut röhrendes Motorrad ist eine Lärmbelastung- egal, ob in der Stadt oder am Stadtrand. Am Ende Ihrer Zuschrift richten Sie einige Fragen an mich, die ich gerne beantworten will.

Die Geräuschemission von Motorrädern wird, neben der Technik, hauptsächlich vom Fahrverhalten beeinflusst. Sie beschreiben meiner Ansicht nach eine Lautstärke, die weit über den erlaubten Lärmbereich hinausgeht, weil a) entweder der Fahrer/die Fahrerin meint, dass Motorradfahren durch Lärm erst schön ist oder b) das Motorrad frisiert ist, damit es bewusst mehr Lärm macht. Für Beides gibt es keine gesetzlichen Grundlagen. Für Motorräder gibt es laut EU Richtlinie meines Wissens eine Grenze von 80dB(A), die darf nicht überschritten werden. Leider gibt es, wie in so vielen Bereichen, unvernünftige, egoistische Menschen, die eben meinen Motorrad kann man nur fahren, wenn es schön laut ist. Ich finde das schade, weil es schnell zu einer globalen Aussage kommen kann, alle Motorräder würden Lärm machen. Sicherlich tun sie das auch, aber nicht zwangsläufig mehr, als Laster oder bestimmte Autos.

Ich bin also dagegen generell das Motorradfahren zu verbieten. Das Motorrad ist ein privates Verkehrsmittel, ebenso wie das Auto. Ich bin aber sehr dafür, dass die Politik einen stärkeren Einfluss auf das Fahrverhalten oder die Technik nimmt. So ergab bereits eine Studie aus dem Jahr 1984 (sogenannte Porsche Studie), das Schallreduktion bei gleichzeitiger Leistungssteigerung mit wenig Aufwand durchaus möglich ist. Hier gilt es also die Wirtschaft und die Industrie durch Vorgaben davon zu überzeugen, dass der Lärmschutz bei Motorrädern wichtig ist. Außerdem kann ich mir vorstellen, dass durch steuerliche Anreize der Prozess hin zu einem umweltverträglichen Motorrad gefördert werden kann. Unter der rot-grünen Bundesregierung gab es das Pilotprojekt "Motorrad- Umwelt- Liste". In dieser Liste wird auch auf die Lärmbelastung durch Motorräder eingegangen und es werden Empfehlungen zur Dezimierung ausgesprochen. Ich fand damals bereits die Initiative zu einer solchen Liste gut, denn es ist sicherlich nicht hinzunehmen, dass wir bei den Autos versuchen sie umweltfreundlicher zu gestalten und die Motorräder mehr als Sportgerät gesehen werden.

Im Übrigen haben Sie aber Unrecht, wenn Sie meinen Lärm wäre als Belastungsfaktor vieler BundesbürgerInnen nicht in den Köpfen der Menschen (der PolitikerInnen?). Doch, es ist uns bewusst, wie wichtig der Schutz der Menschen vor dem Lärm ist. Lärm bedeutet Streß und beeindrächtigt Lebensqualität und Leistungsfähigkeit. Lärm kann also krank machen. Aus diesem Grund nehme ich ihre Zuschrift auch als Anregung und werde das Problem des Motorrad verursachten Lärms meinen Kollegen Christian Maaß (der aus dem Umweltressort für Lärm zuständig ist) und Jörg Lühmann (der Sprecher des Verkehrsressorts ist) weiter leiten und mit denen besprechen. Gerne können Sie nach einiger Zeit bei mir noch einmal nachfragen, was sich daraus dann ergeben hat, oder Sie wenden sich direkt an meine Kollegen. Vorerst kann ich Ihnen abschließend nur sagen, dass ich glaube, dass unsere gesetzlichen Grundlagen ausreichend sind (möglicherweise muss die erlaubte Lärmgrenze überprüft werden), das ich aber verstärkt die Einhaltung der bestehenden Umweltgesetze einfordern würde und hier auch eine verstärkte Überprüfung von Motorrädern sinnvoll halten würde. Die beschriebenen politischen Anreize zu technischen Verbesserungen und vor allem der Benutzung von Lärmschutzmaßnahmen am Motorrad halte ich ebenfalls für sinnvoll. Auf das Fahrverhalten der Menschen hat die Politik keinen Einfluss- hier können nur Aufrufe, Schulungen (z.B. während der Fahrschulzeit) und Zurechtweisungen einen Sinn machen. Nun ist die Antwort doch ausführlicher geworden, als ich gedacht habe, aber das Problem "Lärm" ist auch an sich schon so vielfältig. Freundliche Grüße Christiane Blömeke GAL-Bürgerschaftsfraktion

Christiane Blömeke