Beate Petersen
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Frage von Fnaqen Oyhzraguny an Beate Petersen bezüglich Familie

# Familie 07. Sep. 2015 - 18:56

Sehr geehrte Frau Petersen,

in der Vergangenheit wurde nicht mehr viel für Wuppertaler Kindergärten/ Schulen investiert.
Das Zeigt sich an jahrelangen Feuchtigkeitszuständen, uralten stinkenden Bädern, diverse Eigenfinanzierungen der Eltern, unorganisierte Abläufe in sonderpädagogischen Verfahren und mangelnder Unterstützung in alternative Bildungsformen wie zb einer freien Schule.
Haben Sie konkrete Pläne dies spürbar zu ändern?

Die Flüchtlingspolitik läuft aus den Ruder. Momentan sind alle wie es heißt hilfsbereit, was nur bedingt stimmt.
- Wann der letzte Flüchtling einreist, weiß niemand.
- Weder kulturelle noch soziale oder finanzielle Aspekte sind bisher ausreichend berücksichtigt worden.
- Auch die Zukunft wird noch nicht bedacht. Was ist mit den Flüchtlingen die sich illegal in Deutschland aufhalten werden? Was mit denen, die heute dankbar und in einem Jahr unzufrieden sind?
- Was ist mit den Auswirkungen dieser Punkte?

Was haben SIE für Pläne, dieses Problem in Wuppertal in den Griff zu bekommen?
Es wäre schön, wenn Sie Ihre Antwort etwas ausführlicher gestalten könnten.

mit freundlichen Grüßen

Fnaqen Oyhzraguny

Von: Fnaqen Oyhzraguny

Antwort von Beate Petersen (WfW)

Sehr geehrte Frau Oyhzraguny,

Ihre Frage beantworte ich gerne und bitte mir die Verzögerung nachzusehen
- jetzt, im Finale vor der Wahl ist die Ressource "Zeit" noch knapper bemessen ;-)

a. zu den Schulen und Kindergärten
Gute Bildung nebst Rahmenbedingungen sind unsere Zukunft – diese möchte ich verbessern! Soweit ich das Thema bisher – nicht als Politikerin sondern als engagierte Bürgerin - (er)kenne, setzt die Stadt bzw. das städtische GMW bei Schulsanierungen auf „ganz oder gar nicht“. Wenn Schulen oder andere städtische Gebäude saniert werden, soll das energetisch/umfassend erfolgen und kein Flickwerk sein. Das kann ich verstehen und finde es unter energetischen Aspekten auch sinnvoll. ABER ich würde dennoch daneben einen ausreichenden Etat auch für die laufende Instandhaltung von Schulen und Kindergärten für sinnvoll halten. Die Kinder sollen in sauberen und funktionierenden Schulen und Kindergärten lernen und sich dort auch wohlfühlen!

Vermutlich ist Ihnen bekannt, dass die BI döpps105 entstanden ist, weil die Menschen erkannt haben, dass durch den Döpps-Umbau verursachte Mehrkosten von weiteren 35 Mio. – quasi eine Verdoppelung des bis dahin geplanten und durch Verkauf/Privatisierung des städtischen Klinikums an Helios solide gegenfinanzierten Eigenanteile verbunden war. Diese Mehrkosten und auch zu realistisch zu erwartende weitere werden in anderen Bereichen des Stadtlebens eingespart werden müssen – z. B. auch für soziale Belange, Bildung, öffentliche Gebäude und Infrastruktur (Straßen, Brücken, Treppen, Wege und ÖPNV-Netz!). DAS sind leider sie derzeitigen Prioritäten.
Völlig absurd wird es, wenn das Verwaltungspersonal nur noch mit – über Jahre umstrittenen und unter Zukunfts- und Nachhaltigkeitsaspekten so höchst fragwürdigen Großprojekten – beschäftigt ist und die Menschen dafür – ebenfalls über Jahre – auf kurze Wege zu Bürgerbüros und Quartiersmanagern verzichten müssen, da diese aus Kostengründen eingespart wurden sowie lange Wartezeiten bei städtischen Serviceleistungen erdulden müssen.

Überlegungen zu einer freien Schule kenne ich gut und unterstütze dies. In einer der BI/Inititaiven, in denen ich aktiv bin (AK „Regionalwährung“) stellte ein Mitstreiter (Lehrer) seine Idee dazu ganz konkret vor und ist bereits auf Standortsuche…

b. zu den derzeitigen (und zukünftigen) Flüchtlingsströmen
Mit den derzeitigen Flüchtlingsströmen müssen wir umgehen. Insoweit teile ich die Wuppertaler Willkommenskultur für Menschen, die nicht freiwillig zu uns kommen, sondern, weil sie in ihrer Heimat nicht mehr leben können. Ich vermute, dass viele Flüchtlinge auch wieder zurück in ihre Heimatländer gehen werden, wenn die Zivilgesellschaft dort wieder leben kann und für den Wiederaufbau jede/r gebraucht wird.
Zaubern kann Wuppertal auch hier nicht und die Herausforderung auch nicht auf kommunaler Ebene bewältigen, wohl aber sich nach Kräften bemühen - und was ich da bisher mitbekommen habe, ziehen Stadtverwaltung und Bürger*innen derzeit an einem Strang!
Auch die Flüchtlingsfrage kann m.E. aber nicht an den Symptomen behandelt werden! Vielmehr müssen wir die Ursachen erkennen und beheben. Das ist ein langer Prozess – aber wir sollten damit beginnen. Als in Klimagerechtigkeit und Gemeinwohlökonomie engagierte Bürgerin setze ich mich für mensch- und mitweltschonende Lebens-, Arbeits- und Wirtschaftsformen ein und das bedarf einer Änderung unserer Konsum- und Lebensbedingungen, die uns nicht weh tun wird, unserem Planeten und in Armut lebenden Menschen – hoffentlich – aber ein Überleben ermöglichen wird.
Vielleicht müssen wir uns vorstellen oder wissen vielleicht um Flucht und Vertreibung aus der eigenen Familie oder Freundeskreis (zB Vertriebene aus Ostpreußen, Schlesien, Tschechien…) – Sie alle wissen, was Flucht und Vertreibung bedeutet und wertschätzen die erfahrene Unterstützung beim Neuanfang.

Letztlich bedarf es Bundes, EU- und weltweiter Regelungen für diese Situation. Die Tatsache, dass derzeit in fast 50 Ländern Krieg herrscht und weitere Flüchtlingsströme durch den Klimawandel drohen, erleichtert die Lösungsfindung sicher nicht, sollte uns aber endlich dazu bewegen, gemeinsam und entschlossen die Ursachen anzugehen!

Nun wünsche ich uns einen Wahlsonntag mit hoher Beteiligung
- möge der/die Beste für UNSERE Stadt gewinnen und wirklichen Wechsel bringen!

Mit sonnigen Grüßen für ein www-Wuppertaler Wahl-Wochenende

Beate Petersen

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