Beate Petersen
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Frage von Crgen Urvaevpu-Xryqravpu an Beate Petersen bezüglich Städtebau und Stadtentwicklung

# Städtebau und Stadtentwicklung 24. Aug. 2015 - 19:44

Sehr geehrte Frau Petersen,
ich bin Bürgerin in Wuppertal. Die anstehenden Wahlen stellen mich vor ein Problem - ich weiß leider nicht, wen ich wählen soll. Mir reichen die Plakate beileibe nicht, die Aussagen der Politiker sind mir auch zu unkonkret.
Könnten Sie mir kurz erklären, was Sie in Wuppertal ändern würden, wenn Sie an der Regierung wären?
Danke für Ihre Antwort, die ich gerne auch mit meinen Freunden teile, wenn Sie das wünschen.
Mit freundlichen Grüßen
Crgen Urvaevpu-Xryqravpu

Von: Crgen Urvaevpu-Xryqravpu

Antwort von Beate Petersen (WfW)

Sehr geehrte Frau Urvaevpu-Xryqravpu,

gerne beantworte ich Ihre Frage, die zum Thema Städtebau und Stadtentwicklung eingeordnet wurde.

Für die Verzögerung bitte ich um Nachsicht, aber Vollzeit-Berufstätigkeit, drei Diskussionsveranstaltungen mit den OB-Kandidaten in der vergangenen Woche und andere Vorwahlaktivitäten/-Aufgaben ließen kaum Zeitreserven - und gleich steht schon wieder einer der Samstag-Wahlstände an.
Hier danke ich für Ihre Geduld und hoffe auf Ihr Verständnis.

MITGESTALTENDE BÜRGERBETEILIGUNG
Mein Leitspruch, den ich seit Beginn - 2009 - meines ehrenamtlichen Engagements für die Stadt lebe, ist:
"Wuppertal gehört den Wuppertaler*innen - allen, und an der Stadtentwicklung kann JEDE/R mitwirken - HIER und JETZT!"
Für mich steht der Mensch im Mittelpunkt. Ich möchte die Bürger*innen mitgestaltend an der Stadtentwicklung beteiligen.
Dazu frage ich mich und andere immer wieder "In welchem Wuppertal möchte ich und möchten Sie leben?
Wie soll UNSERE Stadt zukünftig aussehen und l(i)ebenswert sein?"

INTEGRIERTE STADTENTWICKLUNG
denke ich im Gesamtkontext, langfristig und nicht nur in Zahlen, neuen Investoren und Finanzen.
M.E. gehören dazu auch EnergiE, Mobilität, regionale Wertschöpfung und selbstverständlich auch soziale und kunst-/kulturelle, sportliche und sonstige freizeitliche Aspekte.
Stadtentwicklung möchte ich am tatsächlichen Bedarf der Menschen hier in Wuppertal orientieren. Dies darf nicht länger durch Investoren erfolgen und (nur) auf monetären Überlegungen beruhen, die auf unverbindlichen Investoren-Prognosen fußen, sondern muss durch belastbare Kosten-Nutzen-Rechnung nachprüfbar unterlegt sein.

Es wurden und werden weitere Neubauprojekte auf grünen Wiesen am Stadtrand umgesetzt - gegen den Willen engagierter Menschen und ohne entsprechende zum Leben notwendige Infrastruktur/Nahversorgung zu schaffen. Unbedacht bleibt hier m.E. auch die Tatsache, dass im Innenbereich der gewachsenen Stadt viele Wohnungen leer stehen, die doch wohl besser vorrangig saniert und instandgehalten werden sollten, bevor auf der grünen Wiese am Stadtrand neu gebaut wird - mit der Folge von Naturzerstörung und neuer, kostenaufwändiger Infrastruktur, die zusätzlich zur bestehenden instand gehalten werden müsste.
Bsp.:
Es darf nicht sein, dass ein ca. 60 Reihenhäuser umfassendes Neubauprojekt erst mit "familienfreundliches Wohnen am Stadtrand" beworben, später dann aber von einem führenden - meinungsbildenden - Lokalpolitiker als "Ghetto" bezeichnet wird. So ist es aber in meiner Nachbarschaft geschehen. Das ist inkonsequent und nicht wertschätzend!

Derzeit ist Wuppertal an vielen Stellen merklich zu laut und schadstoffbelastet! Dies müssen und können wir ändern, indem wir mehr Aufenthaltsqualität schaffen und Grün erhalten aber auch einen ausgewogenen Mobilitätsmix von Auto, ÖPNV, Rad und zu Fuß gestalten! Außerdem möchte ich die Menschen in den Quartieren an - ihr Umfeld prägenden! - Entscheidungen frühzeitig beteiligen und zwar deutlich über die für Bauvorhaben gesetzlich vorgesehene Bürgerbeteiligung hinaus. Dort geht es doch bisher immer nur um das Wie nicht aber um das Ob. M.E. können Stadtbezirk prägende Entscheidungen nicht ohne die Menschen erfolgen, die davon betroffen sind! Heimat im Quartier gelingt nur mit Identifikation und Traditionen, an die Moderne anknüpfen soll ohne diese dabei auszulöschen!

VERANTWORTUNGSVOLL LEBEN UND WIRTSCHAFTEN
Lassen Sie mich auch darauf kurz eingehen: auswärtige Investoren, die Steuern nicht dort zahlen, wo sie die Ressourcen Mensch und Infrastruktur nutzen sowie ihre Umsätze erzielen, sondern Ausgaben minimieren, Gewinne maximieren und Steuern stets zum eigenen Vorteil optimieren, können die Stadt nicht wirklich langfristig nach vorne bringen, da sie keine wirklichen Werte und Identifikation schaffen! DAS können wir nur mit regionaler Wertschöpfung schaffen, die Menschen ein auskömmliches Einkommen bietet, die heimische Wirtschaft und deren Vernetzung mit Forschung/Wissenschaft und den Menschen der Stadt im Fokus hat. Die Satzung der Wuppertaler Wirtschaftsförderung gäbe auch das her!

SOLIDE FINANZEN
Selbstverständlich kann auch ich meine Ziele nicht ohne Geld verwirklichen. Aber ich würde zunächst die großen Ausgabenblöcke des Haushalts analysieren und hinterfragen, verlässliche langfristige Einnahmequellen durch echte regionale Wertschöpfung schaffen und andere Prioritäten setzen, die auf die Mensch, Mitwelt und Gemeinwohl ausgerichtet sind!

BILDUNG
Befähigen wir die Menschen dieser Stadt doch auch durch Bildungs- und Integrationsangebote dazu, sich aktiv in die Stadtpolitik einzumischen und Mut zur Zukunft zu entwickeln! Es darf nicht länger jedes dritte Kind der Stadt in Armut aufwachsen. Zugang zur Bildung soll allen offenstehen. Dann können sich alle ihren Neigungen und Fähigkeiten entsprechend in die gemeinsame Gestaltung UNSERER Stadt einbringen.

Ergänzend dazu verweise ich auch auf das BI/Bürgerinitiativen-übergreifende Positionspapier, das wir - vernetzt - 2014 im Vorfeld der Kommunalwahl gemeinsam entwickelt haben.
Fortgeführt haben wir dies im Vorfeld der Oberbürgermeisterwahl 2015 mit der Einladung zur Auftaktveranstaltung der TRILOGIE zum TRIALOG.
Dort befragten wir Experten aus den Bereichen Mobilität, Bürgerbeteiligung, Natur/Umwelt/Bildung/EnergiE und Stadtentwicklung/Kultur/Finanzen, wie sie sich die lebenswerte Stadt der Zukunft vorstellen und diskutierten dies anschließend mit den anwesenden Interessierten. Mit den Sommerfilmen im Wandelgarten und den BUND-ZOFF-Exkursionen folgten und folg(t)en weitere Impulse dazu aus den Bereichen Kunst/Kultur und Natur Beide Veranstaltungsreihen unterstütze ich über die vernetzen BI, in denen auch ich mich engagiere und auch persönlich! (s. dazu die Nachlese z. B. unter http://www.njuuz.de , dort Dossier Oberbürgermeisterwahl 2015.)

Liebe Frau Urvaevpu-Xryqravpu,
leiden Sie gerne meine Antwort und/oder den link auf die Abgeordnetenwatch-Plattform an Freunde und Bekannte weiter und werben Sie bitte dafür, dass sich möglichst viele Menschen an der Oberbürgermeisterwahl 2015 beteiligen und ihr Wahlrecht ausüben. Echte Demokratie und Freiheit sind nicht selbstverständlich - wir allen müssen uns dafür einsetzen, dass wir insbesondere auch die Demokratie mit Inhalten füllen, leben und dass uns diese Werte auch zukünftig erhalten bleibt!

Eventuelle weitergehende Fragen dazu beantworte ich gerne und verbleibe

mit sonnigen Grüßen
Beate Petersen
Oberbürgermeister-Kandidatin
nominiert durch die Wählergemeinschaft für Wuppertal (WfW)