Anke Erdmann
DIE GRÜNEN
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Frage von Ibyxre Urvqrznaa an Anke Erdmann bezüglich Energieversorgung

# Energieversorgung 29. Apr. 2012 - 12:28

Sehr geehrte Frau Erdmann,

der konservative schottische Abgeordnete des Europäischen Parlaments, Struan Stevenson, ist zugleich Vorsitzender der interfraktionellen Arbeitsgruppe des Europäischen Parlaments "Climate Change, Biodiversity and Sustainable Development" CCBSD (Klimawandel, Biodiversität und Nachhaltige Entwicklung).
Er ist wohl der erste namhafte Politiker, der sich vehement mit der Verbreitung der Windkraftanlagen und dem Sinn dieses Unterfangens auseinandersetzt, vielleicht der erste, der Lernfähigkeit zeigt, seine Meinung geändert hat und sogar so mutig ist, diese öffentlich zu äußern!
Kennen Sie seine Rede vom 9.11.2011? Was halten Sie davon?
Lesen Sie bitte hier:

Mit freundlichen Grüßen
Volker Heidemann

Von: Ibyxre Urvqrznaa

Antwort von Anke Erdmann (GRÜNE)

Sehr geehrter Herr Heidemann,

glücklicherweise gab es in jüngster Vergangenheit eine Vielzahl lernfähiger Politikerinnen und Politiker, die ihre Meinung überdachten, revidierten und damit eine neue Energiepolitik eingeleitet haben - ich meine CDU und FDP, die den Ausstieg aus dem Atomausstieg eingeleitet hat, eine Politikkehtwende in kürzester Zeit.
Ihnen geht es nun aber um die Windenergie. Ich habe diese Rede vorher nicht wahrgenommen, aber die Argumente sind nicht neu, wenn auch selten zu hören. Der Vorwurf, es ginge nur ums Geldverdienen, kann ich nicht verstehen. Hier ist eine sinnvolle Technologie, mit dem man schwarze Zahlen schreiben kann. Dass es, wie in vielen Technologien Anreize gibt, sehe ich nicht per se als Problem an. Der Markt sagt in Sachen Klimagase nicht die Wahrheit, solche Impulse sind wichtig. Der Redner selbst propagiert ja als Lösung den atomaren Weg. Es ist interessant, dass Mr. Stevenson der Windenergie die Anreize vorwirft, die Mrd.-Investitionen in die Atomenergie (inkl. Entsorgung) offenbar akzeptabel findet.
Ein weiterer Vorwurf ist, dass die Windkraft nicht effizient genutzt wird. Mal davon abgesehen, dass der Wirkungsgrad von Atomkraftwerke ebenfalls erschreckend gering ist, sollte man berücksichtigen, dass es bei der Windkraft oft an fehlenden Leitungskapazitäten liegt, dass der Strom nicht zu den Empfängern kommt.
Die Verschandelung der Landschaft ist ein Thema, das auch hier in Schleswig-Holstein bewegt - ich finde unsere Regelung der begrenzten Vorrangflächen sehr sinnvoll. Und wünschte mir eine solch ernsthafte Diskussion auch in Bezug auf andere Infrastrukturprojekte. Ich bin selber in der Nähe eines Atomkraftwerkes aufgewachsen, die Stromtrassen führten durch die ganze Gegend. Über diesen Aspekt hat aber kaum jemand geredet, weil die anderen Konsequenzen viel bedeutsamer waren.

Der Redner wirft der Windkraft vor, was er seinem Lösungsansatz, der Atomenergie, offenbar durchgehen lässt. So eine Argumentation ist für mich nicht überzeigend. Weniger "lernfähig" als "einseitig", so würde ich die Rede beurteilen.

Beste Grüße

Anke Erdmann