Agnieszka Brugger
DIE GRÜNEN
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Frage von Tüysvqna Xabyy an Agnieszka Brugger bezüglich Kinder und Jugend

# Kinder und Jugend 09. Aug. 2017 - 12:30

Die Kindertagespflege ist, mit ca. 150.000 Betreuungsplätzen, ein wichtiger Bestandteil der Kinderbetreuung in Deutschland.

Fast 45.000 Kindertagespflegepersonen ermöglichen diese Art der Betreuung und retten derzeit so manche Kommune vor einer Klagewelle.

Laut aktueller Studien steigt die Qualifikation der Kindertagespflegepersonen stetig und die Anzahl der betreuten Kinder nimmt zu, was darauf schließen lässt, dass die Kindertagespflegepersonen diesen Beruf hauptberuflich ausüben und auch davon leben wollen.

Im SGB VIII § 23 steht leider immer noch, dass eine Kindertagespflegeperson eine Anerkennung für ihre Förderleistung bekommen muss, was von unterschiedlichen Gerichten so ausgelegt wird, dass gar keine richtige Bezahlung nötig ist. So ist es 2017 in Deutschland möglich, dass selbstständige Kindertagespflegepersonen oft 50 Stunden pro Woche arbeiten und Betreuungsplätze für Kinder bieten, sie aber vom Jugendhilfeträger nicht ausreichend bezahlt werden. Ein Leben vom Beruf der Tagesmutter oder dem Tagesvater ist vielerorts nicht möglich.

Wie wollen Sie die Kinderbetreuung, insbesondere die Kindertagespflege fördern?

Wie kann aus Sicht Ihrer Partei die Wahlfreiheit für Eltern (§ 5 Abs. 1 SGB VIII) zwischen den Angeboten von Kita und Kindertagespflege gestärkt werden, insbesondere für die Betreuung von Kindern über drei Jahren?

Welche Möglichkeiten sieht Ihre Partei, die sog. „Anerkennung der Förderungsleistung“, also die Vergütung der Kindertagespflegepersonen, bundesweit so anzuheben, dass sie leistungsgerecht und auskömmlich ist?

Was sagen Sie zum Modell der leistungsgerechten Bezahlung vom Bundesverband für Kindertagespflege?

Ist das eine Möglichkeit die Kindertagespflegepersonen fair zu bezahlen?

Ist dies in der Praxis umsetzbar und vor allem bezahlbar?
https://www.bvktp.de/files/bvktp-broschu__re_modell_zur_vergu__tung.pdf

Von: Tüysvqna Xabyy

Antwort von Agnieszka Brugger (GRÜNE) 28. März. 2018 - 14:27
Dauer bis zur Antwort: 7 Monate 3 Wochen

Sehr geehrte Frau Xabyy,

bis 2020 fehlen leider immer noch etwa 350.000 Angebote für Kinder bis zum Schuleintritt. Wir Grüne wollen in Qualität investieren und gleichzeitig die Lücke dringend schließen. Dabei sollte sich der Bund mit drei Milliarden Euro pro Jahr an den zusätzlichen Kosten beteiligen, so dass schnellstmöglich weitere Angebote frühkindlicher Bildung und Betreuung geschaffen werden können und ebenso die Betreuung qualitativ verbessert wird. Jedes Kind muss ein Recht auf ein ganztägiges Angebot haben. In diesem Zusammenhang spielt auch der Ausbau der Kindertagespflege eine wichtige Rolle.

Gerade mit ihrer Vielfältigkeit, Pluralität und Komplexität wird die Jugendhilfe den spezifischen Bedarfslagen und Wünschen von Kindern und Eltern gerecht. Nur wenn die Jugendhilfe ihre Vielfalt bewahrt, kann sie auch bedarfsgerecht und effektiv wirken. Ziel muss es sein, dem Wunsch- und Wahlrecht der Kinder und Eltern gerecht zu werden. Dafür müssen Gelder für den Kitaausbau auch in der Kindertagespflege ankommen, denn angesichts des steigenden Bedarfs auch für Kinder über drei Jahren wächst auch die Bedeutung der Kindertagespflege. Individuelle Rechtsansprüche sind für uns eine wichtige Voraussetzung. Eltern sollten über ihre Rechte und über die Möglichkeit, Kindertagespflege auch dann in Anspruch nehmen zu können, wenn ihr Kind älter ist als drei Jahre, besser informiert werden.

Wir Grüne engagieren uns grundsätzlich für eine gerechte Bezahlung und Anerkennung von sozialen Leistungen. Gerade in einem so wichtigen Berufsfeld wie der frühkindlichen Bildung und Betreuung muss die Bezahlung der geleisteten Arbeit entsprechen. Wir wollen in Aus- und Weiterbildung von Erzieher*innen investieren und Rahmenbedingungen schaffen, damit sie endlich besser bezahlt werden. Im Zuge der geplanten gesetzlichen Regelungen zur Verbesserung der Qualität der Angebote werden wir deshalb prüfen, inwieweit der Bundesgesetzgeber die Honorierung von Erzieher*innen beeinflussen kann. Hier berücksichtigen wir auch das Modell des Bundesverbands für Kindertagespflege.

Mit freundlichen Grüßen
Agnieszka Brugger