Antwort-Check 2018: So antworteten die Fraktionen, so die Bundesländer

Wann immer die Schülerinnen und Schüler zuletzt ihre Zeugnisse bekamen, gab es auch für die Abgeordneten in den jeweiligen Bundesländern Noten - für ihr Antwortverhalten auf abgeordnetenwatch.de. Nun ziehen wir Bilanz: Welche Fraktion, welches Bundesland ist besonders gefragt, wer antwortet am häufigsten?

Wann immer die Schülerinnen und Schüler zuletzt ihre Zeugnisse bekamen, gab es auch für die Abgeordneten in den jeweiligen Bundesländern Noten - für ihr Antwortverhalten auf abgeordnetenwatch.de. Nun ziehen wir Bilanz: Welche Fraktion, welches Bundesland ist besonders gefragt, wer antwortet am häufigsten?

Hinweise zum Berechnung der Zeugnisnoten finden Sie hier.

Die Tops und Flops

Von den 709 Bundestagsabgeordneten haben 586 seit der Wahl im September 2017 auf abgeordnetenwatch.de mindestens eine Bürgerfrage erhalten, also knapp 83 Prozent. Bei der Antwortquote ganz oben stehen:

  • Gregor Gysi (DIE LINKE), Wahlkreis 84: Berlin-Treptow-Köpenick - 67/67 Fragen beantwortet
  • Stephan Brandner (AfD), Wahlkreis 193: Erfurt - Weimar - Weimarer Land II - 52/52 Fragen beantwortet
  • Katrin Göring-Eckardt (DIE GRÜNEN), Wahlkreis 193: Erfurt - Weimar - Weimarer Land II - 36/36 Fragen beantwortet

Unter den Top 10 finden sich drei Abgeordnete der SPD, je zwei von Linksfraktion und CDU/CSU sowie je ein*e Abgeordnete*r von Grünen, AfD und FDP.

Die letzten drei Plätze - also Abgeordnete mit den meisten unbeantworteten Bürgerfragen - gehen allesamt an Unions-Politiker*innen:

  • Alexander Dobrindt (CSU), Wahlkreis 226: Weilheim - 0/33 Fragen beantwortet
  • Jens Spahn (CDU), Wahlkreis 124: Steinfurt I - Borken I - 0/43 Fragen beantwortet
  • Angela Merkel (CDU), Wahlkreis 15: Vorpommern-Rügen - Vorpommern-Greifswald I 0/58 Fragen beantwortet

Die letzten zehn Plätze belegen insgesamt gleich fünf Abgeordnete von CDU/CSU, drei von der SPD sowie je eine*r von Grünen und Linken. Bei der AfD hat Alice Weidel die meisten Bürgerfragen unbeantwortet gelassen (insgesamt 13), bei der FDP ist es Alexander Graf Lambsdorff (vier unbeantwortete Fragen). Von den 709 Bundestagsabgeordneten reagierten 173 auf keine der an sie gestellten Fragen, insgesamt 659 mal blieb eine Antwort aus.

Die Ergebnisse aller Abgeordneten des deutschen Bundestages sehen Sie hier.

Wer führt die Rankings in den einzelnen Bundesländern an? Hier sehen Sie die Spitzenreiter aus allen 16 Ländern auf einen Blick:

 

Meiste Fragen, meiste Antworten

In vielen Fällen gehören die am meisten befragten Abgeordneten auch zu den antwortfreudigsten - aber nicht immer.

Hier sehen Sie die Abgeordneten mit den meisten Fragen:

Abgeordnete mit den meisten Fragen - Zeugnisnoten 2018

Anders sieht es bei den Top 10 der Abgeordneten aus, die absolut gesehen die meisten Antworten gegeben haben: Hier ist lediglich der ehemalige Landwirtschaftsminister Christian Schmidt aus der CDU/CSU-Fraktion noch vertreten. Die SPD liegt mit drei Abgeordneten in dieser Liste knapp vorn, von der Links- und der Grünenfraktion platzierten sich je zwei Personen.

Abgeordnete mit den meisten Antworten - Zeugnisnoten 2018

Gysi (Linke, Berlin), Brandner (AfD, Thüringen), Kipping (Linke, Sachsen) und Annen (SPD, Hamburg) führen in ihren jeweiligen Bundesländern die Tabelle der Zeugnisnoten an.

Antwortverhalten der Fraktionen

CDU/CSU erhält meiste Fragen - beantwortet aber nur die Hälfte

Wie sah es mit der Antwortbereitschaft der Abgeordneten nach Fraktionen aus?

Antwortverhalten nach Fraktionen - Zeugnisnoten 2018
Die Linksfraktion beantwortete bisher 78 Prozent aller erhaltenen Fragen und führt das Ranking an. Dicht dahinter folgen Grüne mit 76 Prozent und SPD (74 Prozent).

Von den 246 Abgeordneten der Regierungsfraktion CDU/CSU erhielten 216 mindestens eine Frage - fast 90% aller Abgeordneten wurden also schon befragt. Bei der Antwortquote sieht es jedoch deutlich schlechter aus: Nur 53 Prozent aller Fragen, die Bürgerinnen und Bürger an an die Unions-Abgeordneten stellten, wurden auch beantwortet.

Schlusslichter bei der Antwortquote sind die AfD-Fraktion sowie die fraktionslosen Abgeordneten Petry und Mieruch (beide ehemals AfD) mit 44% bzw 33% beantworteten Fragen.

Befragte Abgeordnete nach Fraktionen - Zeugnisnoten 2018
Von den Abgeordneten von CDU/CSU, SPD und den Grünen wurden über 80% bereits befragt. AfD und die Linke kommen auf 79% bzw. 75%. Von den FDP-Abgeordneten wollten die Bürgerinnen und Bürger am wenigsten wissen: Erst 55 der 80 FDP-Abgeordneten (69%) erreichte mindestens eine Frage.

Insgesamt erhielt die CDU/CSU-Fraktion 1.035 Fragen und belegt hier den Spitzenplatz. Die SPD erhielt die zweitmeisten Fragen (860), erst danach folgen weit abgeschlagen die Oppositionsparteien Grüne (303), AfD (291), Linke (268) und FDP (210). 

 

 

Die Bundesländer im Vergleich - Thüringen weit vorn, MV und Saarland weit abgeschlagen

Antwortverhalten nach Bundesländern - Zeugnisnoten 2018
Thüringen und die beiden Stadtstaaten Hamburg und Berlin erreichen mit einer Antwortquote zwischen 80 und 88 Prozent die Durchschnittssnote “gut”. Während die meisten Bundesländer mit einem “befriedigend” abschneiden, sticht insbesondere das Abschneiden von Mecklenburg-Vorpommern mit einer Antwortquote von 27 Prozent (Note: mangelhaft) ins Auge. Grund ist der Effekt “Merkel”: Die 58 unbeantworteten Fragen der Kanzlerin ziehen den Notenschnitt extrem nach unten.

Besonders groß ist das Frageinteresse in den Bundesländern Bremen, Mecklenburg-Vorpommern und Baden-Württemberg, in denen mehr als 90 Prozent der Abgeordneten mindesten eine Frage aus der Bevölkerung erhalten haben - in Bremen sogar jeder der sechs Bundestagsabgeordneten. Das ist im Fall von kleinen Bundesländern durchaus nicht selbstverständlich: Im Saarland etwa erhielten lediglich sechs von zehn Abgeordneten eine oder mehr Fragen, was den letzten Platz im Länderranking bedeutet: 

Befragte Abgeordnete nach Bundesländern - Zeugnisnoten 2018

Zur Methodik:

Welche Fragen und Antworten haben wir jeweils berücksichtigt?

Wir berücksichtigen alle Fragen, die bis 15 Tage vor der Zeugnisvergabe gestellt wurden. Die Antworten können dabei noch bis zum Vortag der Zeugnisvergabe (mittags 12 Uhr) eingegangen sein. Sogenannte Standardantworten, also Antworten, die sich inhaltlich nicht auf die Fragen beziehen, sondern z.B. auf andere Kommunikationskanäle verweisen, wurden als keine Antwort gewertet.

Die Antwortquote ist der objektivierbare, messbare Teil beim Online-Austausch mit den Bürgerinnen und Bürgern. Wie kompetent und überzeugend die Abgeordneten dabei sind, darauf muss jede Leserin und jeder Leser eine eigene Antwort finden.

  • 22.06.2018: Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland (alle Fragen auf abgeordnetenwatch.de seit den Wahlen im September 2017 bis einschließlich 8. Juni 2018. Bei den Antworten lag der Stichtag am 21. Juni 2018 um 12 Uhr mittags)
  • 27.06.2018: Bremen, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt (alle Fragen auf abgeordnetenwatch.de seit den Wahlen im September 2017 bis einschließlich 13. Juni 2018. Bei den Antworten lag der Stichtag am 26. Juni 2018 um 12 Uhr mittags)
  • 29.06.2018: Sachsen und Thüringen (alle Fragen auf abgeordnetenwatch.de seit den Wahlen im September 2017 bis einschließlich 15. Juni 2018. Bei den Antworten lag der Stichtag am 28. Juni 2018 um 12 Uhr mittags)
  • 04.07.2018: Berlin, Brandenburg, Hamburg (alle Fragen auf abgeordnetenwatch.de seit den Wahlen im September 2017 bis einschließlich 20. Juni 2018. Bei den Antworten lag der Stichtag am 3. Juli 2018 um 12 Uhr mittags)
  • 06.07.2018: Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein (alle Fragen auf abgeordnetenwatch.de seit den Wahlen im September 2017 bis einschließlich 22. Juni 2018. Bei den Antworten lag der Stichtag am 5. Juli 2018 um 12 Uhr mittags)
  • 13.07.2018: Nordrhein-Westfalen (alle Fragen auf abgeordnetenwatch.de seit den Wahlen im September 2017 bis einschließlich 29. Juni 2018. Bei den Antworten lag der Stichtag am 12. Juli 2018 um 12 Uhr mittags)
  • 25.07.2018: Baden-Württemberg (alle Fragen auf abgeordnetenwatch.de seit den Wahlen im September 2017 bis einschließlich 11. Juli 2018. Bei den Antworten lag der Stichtag am 24. Juli 2018 um 12 Uhr mittags)
  • 27.07.2018: Bayern (alle Fragen auf abgeordnetenwatch.de seit den Wahlen im September 2017 bis einschließlich 13. Juli 2018. Bei den Antworten lag der Stichtag am 26. Juli 2018 um 12 Uhr mittags)

Wenn Sie herausfinden möchten, was Ihre Abgeordneten konkret geantwortet haben, schauen Sie hier nach - Eingabe der Postleitzahl genügt.

Kommentare

Bleibt beharrlich!
Weiter so!

Ich kann ihre Bewertung über Katrin Göring-Eckhardt (Name eventuell nicht ganz richtig geschrieben) nicht ganz stehen lassen. Ich habe letztes Jahr im Zuge der Gleichstellung gleichgeschlechtlicher Paare an Frau Göring-Eckhard geschrieben und habe darauf nie eine Antwort bekommen. Das ging zwar über die offizielle Seite der Grünen mit Vermerk auf Weiterleitung, aber das kann ich natürlich nicht von meiner Seite beurteilen, da ich da von meiner Seite keinen Zugriff habe. MfG Hartmut Wegner

Hallo Herr Wegner, wir bewerten nur das Antwortverhalten auf unserer Plattform. Wie die Abgeordneten über andere Kanäle reagieren, darüber haben wir keine Information. Versuchen Sie doch gern, Ihre Frage einmal über abgeordnetenwatch.de zu stellen!

https://www.abgeordnetenwatch.de/profile/katrin-goring-eckardt

Herzliche Grüße
Ihr abgeordnetenwatch.de-Team

Dass Abgeordnete antworten, ist an sich natürlich positiv zu bewerten. Dass manche sich dabei so viel Zeit lassen, bis das Thema politisch vom Tisch ist, hingegen sehr ärgerlich. Dazu verweise ich auf meine Frage vom 15. Jul. 2018 an den MdHB Anjes Tjarks. Hoffen da manche, dass kritische Fragensteller/innen vor ihnen sterben? Und dann, wenn Abgeordnetenwatch eine Auswertung zum Antwortverhalten bringt, oder kurz vor der Wahl wird dann doch noch schnell pro forma das Antwortprofil aufgefüllt?

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