So oft fehlten die Abgeordneten bei namentlichen Abstimmungen

63 Mal haben die Bundestagsabgeordneten seit Beginn der Legislaturperiode im Oktober 2013 namentlich abgestimmt - über Bundeswehreinsätze genauso wie über Gentechnik und den Mindestlohn (das Abstimmungsverhalten finden Sie hier.) Wie verhält es sich eigentlich mit der Anwesenheit der Volksvertreter bei derart wichtigen Abstimmungen? Ist der Bundestag zum Beispiel besonders leer, wenn am späten Abend abgestimmt wird? Bei welcher Fraktion ist die Fehlquote am höchsten? Und bei welcher Abstimmung fehlten die meisten Parlamentarier - und warum?

Das sind die Haupterkenntnisse der abgeordnetenwatch.de-Untersuchung:

Linken-MdBs fehlen am häufigsten, Unions-Abgeordnete haben die größte Disziplin


Über eine derart satte Parlamentsmehrheit wie Union und SPD verfügte bislang noch keine Koalition, insofern wäre es wenig überraschend, wenn der ein oder andere Abgeordnete bei namentlichen Abstimmungen zu Hause bleiben würde - auf seine Stimme kommt es schließlich nicht an. Doch das Gegenteil ist der Fall: Unter allen vier Fraktionen sind die Parlamentarier der Großen Koalition am diszipliniertesten: Von der Union fehlten bei den 63 namentlichen Abstimmungen in dieser Legislaturperiode im Schnitt 6,4 Prozent der Abgeordneten, bei der SPD waren es mit 7,8 Prozent nur unwesentlich mehr. Die Grünen liegen mit einer Fehlquote von 8,7 Prozent knapp über dem Durchschnitt aller Fraktionen von 8,0 Pozent.

Heraus sticht die hohe Abwesenheitsquote der Linken - mit 15,4 Prozent liegt diese mehr als doppelt so hoch wie bei der Union. Mit einem hohen Krankenstand o.ä. ist die hohe Abwesenheitsquote allerdings nicht zu erklären: Schon bei den abgeordnetenwatch.de-Erhebungen der Vorjahre (2005-2009, 2010, 2012)* fehlten die Linken-Abgeordneten ähnlich oft wie in dieser Legislaturperiode. 2012 schrieb SPIEGEL ONLINE: "Hinter vorgehaltener Hand erklären die Genossen die mangelnde Disziplin damit, dass das Votum der Linken bei den meisten Abstimmungen vergleichsweise unerheblich sei."

[Ergänzung von 13 Uhr: Die Parlamentarische Geschäftsführerin der Linken, Petra Sitte, sagte zur hohen Fehlquote ihrer Fraktion gegenüber SPIEGEL ONLINE: "Unsere Abgeordneten müssen im Wahlkreis mehr Präsenz zeigen als die der größeren Parteien. Weil sie nicht flächendeckend mit Personal vertreten sind, etwa in den Verwaltungen. Ich vertraue unseren Mandatsträgern, dass sie gute Gründe haben, wenn sie nicht teilnehmen können. Jedem und jeder Abgeordneten muss klar sein, was es bedeutet, wenn er oder sie nicht da ist. Grundsätzlich gilt aber die freie Ausübung des Mandats. Niemand kann und sollte zur Teilnahme gezwungen werden."]

[Ergänzung von 16:45 Uhr: n-tv.de schreibt unter der falschen Überschrift "Gysi-Truppe schwänzt am häufigsten": "Linken-Sprecher Hendrik Thalheim verweist auf den außergewöhnlich hohen Krankenstand in der Fraktion. Viele Parlamentarier seien im Mutterschutz, andere nähmen eine Pflegezeit für Angehörige in Anspruch. (...) Glücklich ist die Parteispitze allerdings nicht mit der Statistik (....) 'Wir sind damit nicht zufrieden und arbeiten daran', so Thalheim."]

 

Besser als der Ruf: Fast jeder dritte Parlamentarier fehlte nie


Wenn Fernsehkameras einen fast leeren Plenarsaal abfilmen, macht nicht selten das Wort von den "faulen Politikern" die Runde. Doch die Volksvertreter sind weitaus besser als ihr Ruf, zumindest was die Anwesenheit bei namentlichen Abstimmungen angeht. Fast jeder Dritte hat in den ersten 13 Monaten dieser Legislaturperiode keine einzige verpasst - egal ob eine Abstimmung während der Mittagspause oder um kurz vor 23 Uhr stattfand.

Sieben Parlamentarier fehlten dagegen bei mehr als der Hälfte der namentlichen Abstimmungen, einige von ihnen aus nachvollziehbaren Gründen. Die Linken-Politikerin Agnes Alpers beispielsweise war vergangenes Jahr während der letzten Plenarsitzung zusammengebrochen. Seitdem hat sie an keiner namentlichen Abstimmung mehr teilgenommen.

Häufig fehlten auch Kabinettsmitglieder, etwa Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD).

Der CSU-Bundestagsabgeordnete Peter Gauweiler hat in der Vergangenheit keinen Hehl daraus gemacht, dass er nicht allzu viel vom "Absitzen fremdbestimmter Termine" hält - worunter für ihn offenbar auch Abstimmungen im Deutschen Bundestag fallen. Seit Beginn der Legislaturperiode im September 2013 fehlte Gauweiler bei 36 von 63 namentlichen Abstimmungen. Der CSU-Politiker ist neben seinem Mandat auch als Rechtsanwalt tätig und hat in den vergangenen zwölf Monaten Nebeneinkünfte in Höhe von weit über einer Million Euro gemeldet. Wegen seiner häufigen Abwesenheit war der Gauweiler zuletzt auch aus den Reihen der Großen Koalition kritisiert worden.

Negativ-Rekord: Warum bei der Abstimmung über das "Lebensversicherungsreformgesetz" jeder Siebte fehlte

Im Schnitt fehlten bei den bisherigen namentlichen Abstimmungen 50 Parlamentarier, am 4. Juni 2014 waren es mit 93 jedoch fast doppelt so viele. Der Grund ist naheliegend: Die Abstimmung über einen Linken-Antrag zum "Lebensversicherungsreformgesetz" fand am frühen Nachmittag des letzten Sitzungstages vor der Sommerpause statt - eine große Zahl an Abgeordneten war zu diesem Zeitpunkt bereits in die Parlamentsferien aufgebrochen.



Am vollsten war der Bundestag in den Plenarsitzungen am 28. November 2013 und am 29. Januar 2014, als bei den Abstimmungen über die Verlängerung der Bundeswehreinsätze im Südsudan und im Mittelmeer nur jeweils 29 Parlamentarier fehlten. Die hohe Anwesenheitsquote dürfte aber weniger den Themen geschuldet gewesen sein: Die Abstimmung im November fand in der konstituierenden Sitzung des Bundestages statt, beim Termin Ende Januar hielt Bundeskanzlerin Angela Merkel ihre erste Regierungserklärung seit der Bundestagswahl.



Auch spät abends ist der Bundestag noch gut besucht



Ob eine namentliche Abstimmung gut besucht ist oder nicht, hat wenig mit der Uhrzeit zu tun. Ob morgens, mittags oder nachmittags - auf die Zahl der fehlenden Abgeordneten hat die Tageszeit so gut wie keinen Einfluss. Selbst bei Abstimmungen am späten Abend ist das Parlament noch gut besucht, so wie am 13. November 2014: Bei einer Abstimmung um kurz vor 23 Uhr über die Verlängerung des Bundeswehreinsatzes in Darfur fehlten 54 Volksvertreter - und damit nur geringfügig mehr als im Durchschnitt aller namentlichen Abstimmungen (50).

Auch der Wochentag hat wenig Einfluss auf die Anwesenheit. Mitunter wird Abgeordneten unterstellt, sie würden freitags auch schon mal eine Abstimmung schwänzen, um früher ins Wochenende zu gehen. Doch diese Behauptung ist so nicht zu halten. Die Fehlquote an einem Freitag ist im Schnitt nur unwesentlich höher als an einem Donnerstag, an diesen beiden Tagen findet das Gros der namentlichen Abstimmungen statt. Mittwochs wird dagegen nur in seltenen Fällen abgestimmt, weswegen die Abwesenheit nur schwer mit der an anderen Tagen vergleichbar ist.

Linken-MdBs fehlen am häufigsten, wenn über eigene Anträge abgestimmt wird



Wenn im Parlament über Anträge der Linken abgestimmt wird, fehlt ausgerechnet eine Fraktion besonders häufig: die Linke selbst. Den 21 eigenen Abstimmungen blieb im Schnitt jedes sechste Fraktionsmitglied fern (16,7 Prozent). Die Fehlquote liegt damit sogar über dem Linken-Gesamtschnitt von 15,4 Prozent. Dasselbe Phänomen ist übrigens bei den Grünen zu beobachten: Mit einer Abwesenheitsquote von 9,9 Prozent fehlten bei Abstimmungen über die 13 eigenen Anträge mehr Fraktionsmitglieder als im Schnitt aller 63 Abstimmungen im Lauf dieser Legislaturperiode.

Die Linke ist auch die Fraktion mit der höchsten Abwesenheitsquote überhaupt bei einer Abstimmung in dieser Legislaturperiode. Als die Parlamentarier am 27. Juni 2014 über den Bundeshaushalt abstimmten, fehlte aus den Reihen der Linksfraktion mehr als jeder vierte Abgeordnete (29,7 Prozent/19 von 64 MdBs).

Die höchste Fehlquote der übrigen Fraktionen bei namentlichen Abstimmungen:

  • Grüne: 15,9 Prozent (Abstimmung über das Lebensversicherungsreformgesetz  am 4. Juli 2014)
  • SPD: 15,5 Prozent (Abstimmung "Echte Transparenz und parlamentarische Beteiligung bei Rüstungsexportentscheidungen herstellen" am 8. Mai 2014)
  • CDU/CSU: 12,5 Prozent (Abstimmung über das "Lebensversicherungsreformgesetz" am 4. Juli 2014)



"Teilgenommen" und "nicht beteiligt": Die Präsenz der Bundestagsabgeordneten in der Übersicht

Wie häufig haben Parlamentarier an namentlichen Abstimmungen teilgenommen, wie oft haben sie gefehlt? Die folgende Liste gibt Aufschluss über die Präsenz der 631 Bundestagsabgeordneten seit Beginn der Legislaturperiode im Oktober 2013.

Sollten Sie Fragen zur Abwesenheit eines Politikers haben, können Sie diese direkt über abgeordnetenwatch.de stellen. Berücksichtigen Sie bitte, dass es gute Gründe für eine hohe Fehlquote geben kann, beispielsweise eine langwierige Erkrankung oder eine Auszeit, um Angehörige zu pflegen.

Die Tabelle zum Herunterladen:

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* Anders als bei der Auswertung für diese Legislaturperiode sind in der Vergangenheit nicht alle namentlichen Abstimmungen berücksichtig worden, sondern nur die von abgeordnetenwatch.de dokumentierten

Kommentare

Ich sags doch, alle unterwandert. Uns wird hier was von Demokratie vorgespielt, aber im Hintergrund ist alles schon entschieden..

Hast du was anderes erwartet? Ich sage nur 40 Jahre DDR. ;-)

Also in realen Zahlen
CDU / CSU 311 6,40% =19,904
SPD 193 7,80% =15,054
Grüne 63 8,70% =5,481
Linke 64 15,40% = 9,856
Also ich sehe das nur bei den Grünen weniger Schwänzer.
Prozentzahlen teuschen sehr oft. Manchmal sollte man sich schon noch die realen Zahlen anschauen. Auch ist die Abwesenheit bei kleinen Patreien generell signifikanter. Weniger Leute, bei änlichem Arbeitsaufwand.

Ähhhm... Nein! Hier wurden die einfachsten Grundlagen der Statistik leider nicht verstanden...

Sie fressen sich voll am "Futtertrog des Kapitals" -13.500 Euro pro Monat

plus Zulagen,Diäten etc

und fehlen dann öfter als der bürgerliche Klassenfeind

Absoluter Spitzenreiter -Die Lafontaine-Geliebte Sarah Wagennkencht

Öfter in der Talk.Show zu sehen als Bundestag -wieviel Kohel gibts da pro Auftritt ????

Sozalsimus schwätzen,DDR-Stalinismus verherrlichen,Wähler bescheissen - Weg mit dieser Partei !

Demokratie? Deutschland (und alle übrigen Europäischen Staaten, außer Griechenland vor vielen 100 Jahren) hatte noch zu keinem einzigen Zeitpunkt eine Demokratie. Wer sich mit dem Wort auseinander setzt wird wissen, daß eine Demokratie in dieser Größenordnung niemals funktionieren kann. Wer uns eine Demokratie vorgelebt hat waren die Indianer und heute noch einige Naturvölker. Dort wird nichts ohne die Untertanen entschieden. Wir hätten von ihnen lernen können, waren aber in unserer Arroganz und Besserwisserei diesen "Wilden" voll überlegen.
Bei uns entscheiden unfähige und abhängige Poltidarsteller. Ich nenne sie Vasallen, denn etwas anderes sind sie nicht. Um etwas entscheiden zu können, braucht man Charakter und in den "sagenden" Reihen sehe ich keinen einzigen mit Charakter und Druchsetzungvermögen, nur Jasager und Buckler!

Spannender wären die Statistiken/Beteiligungsraten für nicht-namentliche Abstimmungen.

Zu nicht namentlichen Abstimmungen liegen keine Angaben über die Anwesenheit vor. In den Plenarprotokollen wird lediglich erfasst, welche Abgeordneten entschuldigt gefehlt haben. Da keine Anwesenheitsliste veröffentlicht wird, lässt sich auch nicht erschließen, welche Abgeordneten unentschuldigt fehlten.

Bitte die absoluten Zahlen + Fraktionsgröße für alle Parteien nachliefern; Die Prozentzahl ist hier zwar insgesamt aussagekräftig, aber die absoluten Zahlen werfen nochmal ein anderes Licht auf den Zustand.

Hier die absoluten Zahlen zu den Fehlquoten nach Fraktionen:
Von den Unions-Abgeordneten fehlten im Schnitt 20 von 311 MdBs, bei der SPD 15 von 193, bei den Linken 10 von 64 und bei den Grünen 5,5 von 63 MdBs. Diese absoluten Werte sagen allerdings wenig aus, weswegen wir im Text zwecks Vergleichbarkeit die Prozentwerte aufführen.

danke :) und ja, klar sind die Quoten da aussagekräftiger, aber der Blick auf die Daten ist mit absoluten Werten halt vollständiger

Danke für die Auflistung der absoluten Zahlen.! Finde aber schon, daß diese Werte prinzipiell nicht unwichtig sind.

Danke, könnt ihr das auch für die Landtage nachliefern?

Dazu fehlen uns schlicht die Kapazitäten. In den allermeisten Landtagen finden übrigens vergleichsweise wenig namentliche Abstimmungen statt.

Das Abstimmungsverhalten bei den wichtigsten namentlichen Abstimmungen auf Landesebene dokumentieren wir hier auf abgeordnetenwatch.de, z.B. Baden-Württemberg
http://www.abgeordnetenwatch.de/abstimmungen-149-0.html
oder Niedersachsen:
http://www.abgeordnetenwatch.de/abstimmungen-1251-0.html
(zu den Abstimmungen in anderen Landtagen kommst du über den Menüpunkt "Parlamente")

Für NRW gibt es die Landtagslupe unseres Partners WDR, worüber du das Abstimmungsverhalten eines MdL herausfinden kannst:
http://www.wdr.de/landtagslupe/index.php5?l=16

Vielen Dank für diese wirklich tolle Untersuchung! Ich finde Eure Diagramme sehr schön, aber meiner Meinung nach, könnten diese mit kleinen Änderungen noch stimmiger und aussagekräftiger sein.

Ich habe mir erlaubt, Eure Diagramme in meinem Blog unter http://www.andrepetras.de/blog/2014/11/25/optimierung-so-oft-fehlten-die... zu "optimieren", ich hoffe, es ist aus Eurer Sicht ok?

Hallo Andre,

vielen Dank für das Feedback und die Arbeit, die du dir gemacht hast! Du hast sicherlich recht: Durch andere Grafiken wäre die Botschaft vielleicht noch deutlicher transportiert worden.

Beste Grüße
Martin

Es wäre super wenn man auch das Verhältnis von Männern und Frauen gegenüberstellen könnte.

Das ist wie in Firmen, in der Kommunalpolitik, im Gemeinderat, in der EU...usw.
Die meisten sitzen da und kassieren Tantieme.
Dafür wird auch schon mal so einiges durchgewunken.
Wer nicht Spurt fliegt raus.
Die wenigen unbequemen bekommen was angehängt. Die Bandbreite ist da ja recht groß.

1. Die regierenden Fraktionen müssen natürlich auch ihren Koalitionären zeigen, dass sie sich an den Vertrag halten.
2. Eine kleine Fraktion hat sich ebenso um alle Themen im Land und im Bundestag zu kümmern. Da ist es schon durch die unterschiedliche Größe von Wahlkreis und zu betreuenden Wahlreisen ein erstes Problem. Dazu kommt eben die Ausschussarbeit.
3. Kann ein Nicht-Erscheinen auch ein Statement sein? Vielleicht sagt die Fraktionsdiziplin hü und hot ist aber für die Person richtiger!? Ist es da nicht verständlich schnell einen Wahlkreistermin zu machen?
4. Was ändert die Teilnahme an Plenarsitzungen? Habe nie gehört, dass da einer Schrie - ich habe einen Änderungsantrag - und der hätte dann alle so von den Socken geholt...
5. Solange die bürgerliche Demokratie insbesondere mit der Allmacht des Abgeordneten-Gewissens auf alle zu schlägt, so lange kommen wir der Demokratie auch nicht näher als wir es sind. Selbst wenn man die Demoskopie-Demokratie merkelscher Spielart (erstmalig breite Anwendung von Clinton) für einen Fortschritt halten könnte.

Die Frage muss nicht sein: Wie viele haben abgestimmt. Die Frage muss lauten: Wie viele haben an der Meinungsbildung mitwirken können und wie war das Niveau der daran mitwirkenden.

Zur Vertiefung:
Eine Demsokopie-Demokratie wird die zunehmenden Demonstrationen gegen den Islam und seine Anhänger aufnehmen.
Eine Demokratie hätte allerdings eine andere Verantwortung: Alle Menschen haben gleiche Rechte. Demokratie kann durchaus zur Prüfung von Zuständen durch Demos verpflichtet werden. Doch bei dem speziellen Sachverhalt hätte das Ergebnis zu sein, dass die Demos von unqualifizierten Parolen zeugen. Das kann Demokratie auch mal öffentlich machen. Es gibt Salafisten, ja und leider. Das sind irgendwie 4.000. Wir haben aber über eine Million Muslime bei uns leben.

Was ist jetzt der Beitrag der Muslime in unserer Gesellschaft? Und was ist das mit diesen 4.000? Zahlen mal dahin gestellt, das gilt für jedes Thema.

Demokratie hat den Zweck von Qualifizierung und wenn im Rahmen der Beschäftigung mit einem Thema bessere Konzepte entstehen, dann können die durchaus zu Politik werden. Dabei ist die Anzahl der Abstimmungsteilnahmen uninteressant.

Würde mich freuen, wenn Ihr in Euer wirklich gutes Projekt neben der häufig aufgeworfenen Frage nach Quantität mehr die von Qualität einfließen lassen könntet. Es ist schwer, unheimlich schwer. Aber eine absolut notwendige Entwicklungsrichtung von heutiger Demokratie. Denn der Zweifel an Demokratie kommt unterbewusst. Und er kommt wegen unverständlicher, verkehrter oder an anderen Zielgruppen orientierten Entscheidungen.

Vermittlungsprobleme und andere oft strapazierte Dinge sind Scheingefechte. Ich würde mich freuen, wenn Abgeordnete nicht zu einer Abstimmung gehen und dafür sich mit Initiativen über Neues unterhielten. Dabei neue Impulse erhalten würden für die nächsten Abstimmungen.

Ich jedenfalls bin in diesem Sinne für mehr Demokratie. Auch für weniger Demoskopie und mehr für imperative Mandate, als die Allgemeinmacht eines privaten Gewissens (was übrigens auch zum Dünkel bei Abgeordneten führt - Das ist keine These, dass kann man regelmäßig beobachten).

Zu 1: Mag sein, aber na und? Die anderen Fraktionen sollen Opposition machen. Einfach wegbleiben ist Verrat am eigenen Wähler. Anders gesagt: Für korrektes Verhalten muss sich niemand entschuldigen, nicht mal die CDU.

Zu 2: Mag sein. Das erklärt allerdings nicht, warum die etwa gleich große Fraktion der Grünen nur halb so of fehlt wie die der Linken.

Zu 3: Nicht-Erscheinen ist wie Nicht-Wählen ein Statement, nämlich: "Ist mir scheißegal, was ihr mit mir macht." Wohl kaum sinnvoll für einen Parlamentatier, wenn er oder sie kein Diäten-Abzocker sein will. Im Übrigen ist der Abgeordnete nur seinem Gewissen verpflichtet. Bei Fraktionszwang einfach abzutauchen ist feige, sonst nichts.

Zu 4: Es geht um die Teilname an (namentlichen) Abstimmungen. Das ändert sehr wohl etwas. Auch wenn gegenwärtig die Mehrheitsverhältnisse ungünstig sind, wird so zumindest deutlich, dass es Gegenstimmen gibt. Bei Abwesenheit gilt das oben Gesagte: Offenbar ist es den fehlenden Abgeordneten scheißegal, was mit ihnen passiert (und ihren Wählern).

Zu 5: Diesen Satz habe ich nicht verstanden. Könnte also stimmen. Oder es ist Polemik.

Über die Frage zu diskutieren anstatt über die Antwort ist langweilig und verdächtig.

Der Rest des Artikels hat meines Erachtens wenig damit zu tun, ob und warum gewählte Abgeordnete ihrem Wählerauftrag nachkommen, zu dem unter Anderem auch die Teilnahme an Abstimmungen im Bundestag gehört.

Ich bin beileibe kein Politikerversteher, aber man muss auch die Kirche im Dorf lassen. Anstatt rumzupolemisieren einfach mal den eigenen Job machen, möchte ich der Linken Fraktion zurufen.

Es ist verdächtig über Fragen zu diskutieren? Mit der Frage bestimmt man das gewollte Ergebnis. Es gibt daher keine Frage ohne ein dahinter stehendes Bedürfnis.

Daher ist mir auch jemand lieber, der nicht zur Wahl geht und dafür in der einen oder anderen Initiative sich einbringt. Der lebt jedes Jahr mehr Verantwortung und Demokratie, als viele von denen die ihre Wahl nicht einmal im Ansatz begründen können. Von unglaublichen Begründungen mal abgesehen.

Kurz zur Erläuterung von Punkt 5 - Nach dem Grundgesetz sind Abgeordneten eben nicht ihren Wählerinnen und Wählern verpflichtet, sondern nur sich selber oder eben ihrem Gewissen. Das ist ein riesiges Demokratieproblem. Da wählt man eine Partei, kennt weder den Direktkandidaten und der gewinnt auch noch und dann kommt noch jemand von der Liste.

Keiner von beiden hat seine Versprechen oder unsere Erwartungshaltung als Wählerinnen und Wähler zu respektieren. Dabei ist es doch egal ob die Frage lautet mehr oder weniger Staat. Wenn ich eine Partei wähle, dann möchte ich möglichst große Aktivitäten in diese Richtung haben. Was passiert? Uns doch egal, wir haben ein Gewissen und das wird in Partei-Wahl-Programmen nicht gespiegelt.

Es wird sogar als unredlich beschrieben, Frau Merkel und Herr Müntefering kann man sich im O-Ton ja jederzeit raus suchen.

Was ich absolut nicht verstehe: Wie kann man bei der Gewichtung so vorgehen und vielleicht echte Wahlkreisarbeit (ist ja nicht gesagt oder geprüft ob die Fehlenden das gemacht haben) als unwichtiger erachten als eine Abstimmung wo doch die Rituale der Mehrheit die Mehrheit zu lassen hinlänglich bekannt sind. Es sind ja schon Abgeordnete mit dem Flugzeug aus dem Krankenhaus geholt worden und nach Stimmabgabe wieder ins Krankenhaus gebracht worden. Vermutlich vollgedröhnt mit Medikamenten.

Auch da: Wäre es nicht besser, wenn dieser Mensch sich um seine Gesundheit gekümmert hätte und nicht so ein blödes Macho-Spiel abgezogen worden wäre?

Abstimmungen sind der vereinbarte Schlusspunkt unter ein parlamentarisches Verfahren. Es ist in aller Regel eine Formalie. Namentliche Abstimmungen sind per se nicht wichtiger. Es geht nur darum das Verhalten von bestimmten Personen zu sehen oder sie zu disziplinieren. Es geht doch nicht darum, uns im Wahlkreis zu zeigen wie unser Wahlkreisabgeordneter meint uns vertreten sollen.

Für solche Maskerade und Mummenschanz ist mit eigentlich so eine Plenarwoche zu teuer. Von mir aus können die an einem Computer irgendwo im Haus vorbei gehen und ihre Klicks der Woche abgeben.

Mediale Recherche hatte vor Jahren sogar schon beobachtet, dass Abgeordnete sich sofort nach dem Eintrag in die Anwesenheitsliste, wieder verdrückten. Besonders im Europa-Parlament war dieses gang und gäbe - und das alles nur, um die Anwesenheits-Entschädigung nicht zu verlieren.
Auch solche Beträge summieren sich im Laufe der Zeit und lassen die Eidesformel " und Schaden vom Deutschen Volke abzuwenden" zur Farce werden!

dafür stellen die Linken wenigstens sehr knackige Anfragen und machen damit Dinge bekannt, die sonst die jeweilige Regierung unter dem Deckmäntelchen des Schweigens legen würden

Interessant ist nicht die HÄUFIGKEIT der Fehlzeiten bei den einzelnen Bundestagsabgeordneten - leider wird aus der obigen Liste nicht ersichtlich, von welcher jeweiligen Partei sie sind - sondern die GRÜNDE für die Fehlzeiten.
Man sollte das Ganze schon subtiler betrachten und nicht einfach oberflächlich die Sache sehen, also nicht allein die Tatsache, dass ein/e Frau(Herr Abgeordnete/r wie oft gefehl hat, sondern vielmehr den Hintergrund hierfür. Vielleicht gibt es ganz schlichte, plausible Erklärungen für die Fehlzeiten ... ?
Und dann kann manches bereits ganz anders aussehen und hat demnach eine andere Aussagekraft, die Bewertung der Fehlzeiten fällt u.U. etwas milder aus?

Hallo Freunde,
es ist ja schön, daßß Ihr euch so viel Mühe gäbt und Euch mit Kommentaren abstarmpelt aber Ihr glaubt doch nicht im Ernst daran, daß es nur einen eizigen Politiker jukt. Wenn ja, dan seit Ihr schön blauäugig. Es tut mir leid Euch das sagen zu müssen. Drei Jahre intensive Erfahrung im Kontakt mit dem Bundeshaus liegen zu Grunde. Geht einer schöneren Beschäftigung nach und wählt das Nächstemal anders.
Schöne Weihnacht wünsche ich

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