Tomás Santillán (DIE LINKE)
Kandidat Bürgermeisterwahlen Nordrhein-Westfalen 2009
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Tomás Santillán
© Tomás Santillán
Jahrgang
1964
Berufliche Qualifikation
IT und Softwareberater
Ausgeübte Tätigkeit
TVS Köln Online GmbH
Wohnort
-
Stadt
Bergisch Gladbach
Ergebnis
2,9%
(...) Ich trete für die uneingeschränkte Wiederherstellung der Tempo 30 Zone "In der Auen/Beningsfeld" auf der gesamten Straßenlänge ein. Hierzu sollte die Straße zurückgebaut werden um damit endgültig den Charakter einer Durchgangsstraße zu verlieren. (...)
 
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Frage zum Thema Finanzen
10.07.2009
Von:
Jan

Sehr geehrter Herr Santillán,

ich hätte da mal eine Frage bezüglich ihres Wahlprogramms.
Bergisch Gladbach ist momentan mit 277 millionen Euro verschuldet und wird voraussichtlich übernächstes Jahr in den Nothaushalt kommen, doch in ihrem Programm kostet jeder Punkt den sie fordern den Steuerzahler mehr Geld, wie gedenken sie das Programm zu finanzieren? Mit keinem Wort äußern sie sich über die zwingend erforderliche Konsolidierung des Haushaltes innerhalb der nächsten 2 Jahre, ihr einziger Punkt eine Ausgabensenkung anzustreben scheint Auslandseinsätze der Bundeswehr zu unterbinden.

Mit Freude würde natürlich jeder Bürger Bergisch Gladbachs kostenfreie oder -reduzierte Angebote der Stadt nutzen, jedoch wird ein Ausbau dieser Angebote vor allem auf den Schultern kommender Generationen erfolgen, was ich als Steuerzahler von morgen sehr kritisch sehe.

Oder simpel gefragt: Die Taschen sind leer, woher kommt das Geld für ihr Wahlprogramm und denken sie dabei überhaupt an die Generationen von morgen?

Mit freundlichen Grüßen
Antwort von Tomás Santillán
5Empfehlungen
16.07.2009
Tomás Santillán
Sehr geehrter Herr ,

wie sie sicher wissen wurden diese Schulden in einer jahrzehntelangen kommunalen Misswirtschaft der CDU aufgebaut, welche immer wieder durch die FDP als Mehrheitsbeschaffer unterstützt wurde. In den letzten 5 Jahren wurde der städtische Haushalt dann durch eine Koalition aus SPD und CDU bestimmt.

Die kommunale Finanzausstattung befindet sich in einer strukturellen Schieflage. Eine Ursache dafür sind die immer größer werdenden Aufgaben der Kommunen, welche eben nicht durch höhere Steuerzuwendungen von Bund und Land ausgeglichen werden. In den vergangenen Jahren lag der durchschnittliche Anteil der Kommunen am gesamten Steueraufkommen nur noch bei rund 13 Prozent. Das hat verheerende Auswirkungen für den Arbeitsmarkt und die Örtliche Wirtschaft. Die Situation der Kommunen wurde zudem durch Kürzungen der Landesregierung und der CDU/FDP-Koalition verschärft (z.b.: Volkshochschule, Jugend, ...). Darüber hinaus belastet die Unternehmenssteuerreform 2008 zusätzlich den Haushalt, denn diese hat die Einnahmen der Stadt verkleinert. Den Unternehmen wurden Steuern geschenkt und den Kommunen Einnahmen weggenommen. Das muß sich ändern und so die Einnahmenseite der Stadt verbessert werden. Die kürzlich vorgenommenen Steuer- und Wahlgeschenke der Bundesregierung werden keinen nennenswerten konjunkturellen Effekt haben aber weitere Löcher in den städtischen Haushalt reißen.

Diejenigen, die behaupten man könne das Haushaltsdefizit durch Sparen "konsolidieren" und "wegsparen" lügen die Bürgerinnen und Bürger an. Sicher müssen die Ausgaben wohlüberlegt sein und Geld sollte nicht verschwendet werden, doch weitere Kürzungen werden nur weiteren Schaden anrichten. Schon heute wird ein sehr großer Teil der eigentlich kommunalen Aufgaben über ehrenamtliche Tätigkeiten und durch Vereine erbracht. Wir befinden uns schon jetzt am Limit wie z.B. die falschen Kürzungen im Jugendbereich und deren sichtbaren Folgen zeigen. Eine weitere Privatisierung der öffentlichen Aufgaben zerstört nicht nur unsere soziale Gesellschaft sondern schadet auch der Entwicklung der Wirtschaft und den Arbeitsplätzen.

"Die Taschen" sind nicht leer und jeder Arbeitnehmer kann monatlich auf seiner Lohnabrechnung sehen wie viele Steuern er bezahlt. So lag das gesamte Steueraufkommen im Finanzbezirk Bergisch Gladbach im ersten Halbjahr 2009 bei durchschnittlich mehr als 56 Millionen Euro monatlich. Nicht nur ich frage mich, was tatsächlich mit diesen Steuergeldern geschieht wenn gleichzeitig Finanzbetrüger und Banken Hunderte-Milliarden geschenkt bekommen.

Sie schreiben in Ihrer Anfrage etwas über "Auslandseinsätze der Bundeswehr". Ich lehne diese Einsätze in aller Deutlichkeit ab und sicher wären die gigantischen Haushaltsmittel, die uns der Kriegseinsatz in Afghanistan kostet, besser in lokalen Kindergärten, in kommunalen Krankenhäusern, Altentagesstätten oder in unseren Schulen aufgehoben.

Wie man daran sieht ist das Geld also da und es ist lediglich eine Frage der Verteilung und politischen Gewichtung wie Haushaltsmittel vergeben werden. Auch in dem zukünftigen kommunalen Haushalt der Stadt Bergisch Gladbach gibt es politische und inhaltliche Spielräume, die von den zukünftigen Mehrheiten im Stadtrat bestimmt werden. Sicher können wir keine Wunder vollbringen, doch DIE LINKE. setzt klare Akzente und will die Mittel im Interesse der Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen sozial gerecht und zukunftsorientiert für Bildung, Jugend, Familie und für sozial Schwache einsetzen.

Wir benötigen eine grundlegende Änderung des kommunalen Finanzsystems. Ziel muss es sein, in den Kommunen zu einer möglichst gleichen pro Kopf Finanzausstattung zu kommen. Wir benötigen eine grundlegende Reform der Verteilung der Steuermittel zu Gunsten der Menschen und der Aufgaben in den Städten und Gemeinden.

DIE LINKE. tritt für die Beendigung der interkommunalen Konkurrenzsituation und die damit verbundene Gewerbesteuersenkungsspirale ein. Wir benötigen in vergleichbaren Städten und Kommunen gleiche Gewerbesteuerhebesätze.

Der Abbau der Verschuldung muß soweit wie möglich aus der allgemeinen Rücklage geschehen, damit der Haushalt nicht mehr durch Zinsen und Tilgungen belastet wird.

DIE LINKE. lehnt den Einsatzes von Zinsderivaten in der kommunalen Finanzwirtschaft ab, weil dadurch kaum abzuschätzende Risiken entstehen. Die Verwaltung soll nicht mit Steuergeldern an den Börsen "zocken", so wie in Bergisch Gladbach bei der Finanzierung der städtischen Bäder-GmbH geschehen. Dort hat diese Zockerei zu erheblichen und empfindlichen Verlusten geführt.

Letztendlich reduziert sich meine Antwort darauf, daß wir die "Schulden unserer Kinder" nur beseitigen können wenn wir antizyklisch in deren aller Zukunft investieren statt diese durch ideologisches Sparen zu zerstören.

Mit freundlichen Grüßen,

Tomás M. Santillán
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Frage zum Thema Demokratie und Bürgerrechte
10.07.2009
Von:

Lieber Tomas,
vielleicht werde ich dich ja wählen. Aber wie stehst du zu der Frage, dass jede Stimme für dich dem SPD- Kandidaten und damit der einzigen realen Alternative zur CDU Stimmen wegnimmt? Bundespolitisch sehe ich die Frage ganz anders.
Mit vielen Grüßen,
Antwort von Tomás Santillán
3Empfehlungen
15.07.2009
Tomás Santillán
Lieber ,

der SPD-Kandidat ist keine "reale Alternative" für DIE LINKE. Wie man deutlich in den Medien verfolgen kann lehnen alle anderen Parteien eine Zusammenarbeit mit der LINKEN bisher ab. Wir haben daher keinen Grund die Kandidaten anderer Parteien ob SPD, Grüne oder CDU zu unterstützen. An eine Koalition in Bergisch Gladbach kann heute nicht gedacht werden. Sowohl SPD und Grüne oder CDU/FDP stehen für zahlreiche politische Positionen, die wir nicht mittragen können und wollen. DIE LINKE steht für eine andere Politik und will die Dinge anders und eben ohne vorheriges undemokratisches kommunales "Gekungel" angehen.
Es gibt zuviele kommunale Themen bei denen wir mit Klaus Orth oder Lutz Urbach eben nicht übereinstimmen. Insgesamt sehen wir mehr Unterschiede als Gemeinsamkeiten. Hier nur drei Beispiele: DIE LINKE. lehnt den Ausbau des Bahndamms als Autobahnzubringers ab. SPD und CDU befürworten dieses. – DIE LINKE. fordert eine zweite Gesamtschule in Bergisch Gladbach. Die CDU und FDP lehnen das ab. Die SPD schreibt zwar immer nette Sachen dazu, aber im Schulausschuss hat sie erst kürzlich einen Schritt für eine zweite Gesamtschule blockiert. - DIE LINKE. lehnt die massive Ausbeutung von 1 Euro-Jobbern durch die Stadt (City-Service) ab. Stattdessen wollen wir, daß für diese notwendigen Arbeiten sichere und solide Arbeitsplätze geschaffen werden. SPD, Grüne, CDU und FDP halten an dieser modernen Form der "Versklavung" mit 1-Euro-Jobs fest. – DIE LINKE. fordert mehr Jugendarbeit. SPD und CDU haben die Mittel dafür in den letzten fünf Jahren massiv gekürzt. …. etc.
Nicht wir als Partei entscheiden die Wahl zum Bürgermeister, sondern die Bürgerinnen und Bürger tun dies mit ihrer Stimme. Wir sind uns darüber bewußt, daß linke Wählerinnen und Wähler das Zünglein an der Waage sein können. Unsere Wähler wissen genau was sie wollen und genau deshalb wählen sie DIE LINKE.
Wir sind nicht einfach nur eine kleine Partei in der Opposition, sondern auch eine konkrete Alternative mit sachgerechten Konzepten. Wir sind nicht Anhängsel einer großen Partei, sondern haben ein eigenständiges politisches Profil. Wir wollen die Dinge aus dem heutigen Stillstand in Bewegung bringen und in einer demokratischen Gesellschaft fängt dieses mit Opposition an.
Wer das Programm der LINKEN unterstützen will, soll auch Tomás M. Santillán als Bürgermeister wählen. Wir werden um jede Stimme kämpfen und keine windelweichen Aussagen wie die Grüne Bürgermeisterkandidatin treffen, die offen für Klaus Orth wirbt.
Ich stehe als Bürgermeister zur Wahl, weil die Bürgerinnen und Bürger dann auch die Wahl haben.

Mit freundlichen Grüßen,

Tomás M. Santillán
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Frage zum Thema Verkehr und Infrastruktur
16.07.2009
Von:

Sehr geehrter Herr Santillan,

vor Jahren wurde in der Straße "In der Auen" in Refrath Lustheide die Zone 30 teilweise aufgehoben. Dieses geschah gegen den erklärten Willen der Anwohner, denn von der Straße geht eine erhebliche Belästigung und Gefahr aus.

Bei der letzten Kommunalwahl ist die SPD mit dem Wahlversprechen angetreten, diese Zone 30 wieder vollständig herzustellen. Dieses Wahlversprechen hat die SPD dann leider gebrochen und der SPD-Bürgermeister Klaus Orth hat nichts zur Wiederherstellung der Zone 30 unternommen.

Wie stehen Sie zu diesem Punkt? Werden Sie als Bürgermeister die Zone 30 in der Straße "In der Auen" wieder einrichten?

Mit freundlichem Gruß,
Antwort von Tomás Santillán
3Empfehlungen
17.07.2009
Tomás Santillán
Sehr geehrter Herr ,

ich selber war jahrelang Anwohner der Straße "In der Auen" und ich kann ihre Wut sehr gut verstehen.

Vor einigen Jahren war es ein kommunaler SPD-Funktionär, der aus privaten Gründen gegen die Tempo 30 Zone geklagt hatte und Recht bekommen hat. Daraufhin hat die damalige CDU-Bürgermeisterin und die Stadtratsmehrheit der CDU die Tempo 30 Zone teilweise aufgehoben. Heute ist die Straße wieder eine Durchgangstraße, welche nur teilweise mit Tempo 30 unterbrochen wird. Der SPD Bürgermeister hat daran nichts geändert, obwohl gerade die SPD dieses im Wahlkampf versprochen hatte.

Ich trete für die uneingeschränkte Wiederherstellung der Tempo 30 Zone "In der Auen/Beningsfeld" auf der gesamten Straßenlänge ein. Hierzu sollte die Straße zurückgebaut werden um damit endgültig den Charakter einer Durchgangsstraße zu verlieren. Durch einen Rückbau oder Umbau der Straße (schmalere Straße, breitere Gehwege, begrünte Verkehrsinseln, Baumscheiben, etc.) würde der Stadtteil nicht nur menschenfreundlicher, sondern auch sicherer für unsere Kinder. Ein solcher Rückbau würde die Tempo 30 Zone auf der gesamten Straßenlänge dauerhaft und auch juristisch als Tempo 30 Straße absichern.

DIE LINKE. Bergisch Gladbach tritt für den Ausbau von Tempo 30 Zonen in allen Stadtteilen von Bergisch Gladbach ein. Die Städte sind nicht nur für Autos, sondern für Menschen da. Gerade im Stadtteil Refrath, welcher besonders unter Verkehrsproblemen leidet, müssen weitere Anstrengungen unternommen werden, welche die Bürgerinnen und Bürger vom Verkehr entlasten.

Mit freundlichen Grüßen,

Tomás M. Santillán
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Frage zum Thema Demokratie und Bürgerrechte
28.07.2009
Von:

Lieber Tomas,

als Bürgermeister würdest du in Bergisch Gladbach gegen eine überwältigende Mehrheit im Rat regieren. In was würden trotzdem deine Einflussmöglichkeiten bestehen? Kannst du sie mir genau aufzählen, evtl. mit Einzelheiten, die sich aus der Geschäftsordnung ergeben?

Viele Grüße,



P. S. Ich gratuliere übrigens zu deinen ausführlichen Antworten in Abgeordnetenwatch.
Antwort von Tomás Santillán
2Empfehlungen
30.07.2009
Tomás Santillán
Lieber ,

auch wenn es zwischen den Parteien deutliche Unterschiede gibt stehen in der Kommunalpolitik meist Sachfragen im Mittelpunkt. Viele Entscheidungen des Rates werden einvernehmlich getroffen. Man ist natürlich auch unterschiedlicher Meinung wie z.B. die Ausbeutung von 1-Euro-Jobbern durch die Stadt Bergisch Gladbach, eine zweite Gesamtschule, den Bau eines Autobahnzubringers quer durch die Stadt. Die Aufgabe des Bürgermeisters und der Verwaltung, die er leitet, ist es die Bürgerinnen und Bürger und den Stadtrat umfassend zu informieren, die Beschlüsse des Stadtrats vorzubereiten, diese in die Vorarbeiten einzubeziehen und die Beschlüsse des Rates dann umzusetzen. Sicher kann es dabei zu Meinungsverschiedenheiten zwischen Bürgermeister und Stadtrat kommen, ich bin mir aber sicher, dass die Stadtverordneten sich über die Funktion eines Bürgermeisters bewusst sind. Sie werden die Entscheidung der Wählerinnen und Wähler, die den Bürgermeister gewählt haben, sicher respektieren. Genauso werde ich die Wahlentscheidung, welche die Zusammensetzung des Stadtrates bestimmt, respektieren.

Der Stadtrat ist zwischen den Wahlen höchsten demokratisches Organ der Bürgerinnen und Bürger. Der Bürgermeister muss dem Rat immer wieder Rechenschaft ablegen. In einer Demokratie entscheiden Mehrheiten und ein Bürgermeister muss Mehrheiten suchen oder sich anderen Mehrheiten beugen.

Die Aufgaben des Bürgermeisters sind in der Gemeindeordnung für das Land Nordrhein-Westfalen geregelt.
Die Organisation der Stadtverwaltung obliegt dem Bürgermeister. Schon hier kann man viel für die Menschen tun.

Ich setze mich für den Ausbau von Entscheidungsbefugnissen und Mitwirkungsmöglichkeiten für Bürgerinnen und Bürger ein. Dies ist ohne direkte Demokratie, Mitwirkungsmöglichkeiten und Transparenz vor Ort undenkbar.

Ich setze mich dafür ein, dass der Bürgerhaushalt eingeführt wird. In Bergisch Gladbach ist damit begonnen worden, aber es wurde leider auch wieder beendet. Die Einführung es Bürgerhaushaltes erstreckt sich über mehrere Jahre und muss vor Ort entwickelt werden. Sobald wie möglich muss der gesamte Haushalt in einem regelmäßigen Beteiligungsverfahren aufgestellt wird. Denn so wird eine direkte Mitwirkung der Bürgerinnen und Bürger an der kommunalen Schwerpunktsetzung möglich.

Ich trete ein für:

  • die deutliche Senkung von Quoten bei Bürgerbeteiligungen auf allen politischen Entscheidungsebenen. Kommunalverwaltungen müssen demokratische Bürgeranträge und Bürgerbegehren unterstützen und nicht behindern;
  • eine Demokratisierung der Satzung zu Bürgerentscheiden in Bergisch Gladbach nach dem Vorbild des Rheinisch Bergischen Kreises.
  • Service statt Ablehnung als Markenzeichen von Verwaltungen im Umgang mit Bürgerinitiativen;
  • die Möglichkeit von Bürgeranträgen und Bürgerbegehren bei allen politischen Aufgaben der Kommune, auch bei haushaltsrelevanten Fragen;
  • Bürgerversammlungen zu allen wichtigen kommunalen Problemen;
  • den Ausbau des öffentlichen Sitzungsteils von Kommunalparlamenten
  • die Bildung von bürgerschaftlichen Nutzer- und Betroffenen-Beiräten auf allen wichtigen kommunalpolitischen Handlungsfeldern und bei städtischen Beteiligungsunternehmen. Dies umfasst z. B. Fahrgastbeiräte, Mieterbeiräte, Beiräte von Schwimmbädern, ArGe-Beiräte;
  • die konsequente Beachtung der Geschlechtergerechtigkeit, auch bei öffentlichen Leistungen des Stadthaushaltes. Dies muss bei den Ausgaben berücksichtigt und geschlechtsspezifisch dargestellt werden

Mit diesen Punkten kann man schon viel verändern ohne den Stadtrat zu übergehen. Mehr Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger bedeutet nicht nur mehr Demokratie, sondern auch bessere Ergebnisse für alle Menschen.

Es geht also nicht gegen einen Stadtrat, sondern es geht darum gemeinsam mit dem Rat und den Menschen demokratische Entscheidungen zu entwickeln.

Schöne Grüsse,

Tomás Santillán
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Frage zum Thema Arbeit
08.08.2009
Von:

Sehr gehrter Herr Santillan,

soeben habe ich ihre Pressemitteilung zum Thema: "Setzt auch SPD-Bürgermeister Klaus Orth auf Plakatservice mit 1-Euro-Jobbern?" gelesen. Wie sie bin ich empört darüber, daß CDU, FDP und SPD ihre Wahlplakate von 1€ Jobbern kleben lassen.

Arbeitslosigkeiten und Armut geht auch an Bergisch Gladbach nicht vorbei. Die Tafel Bergisch Gladbach versorgt jede Wochen durchschnittlich 392 Haushalte mit 934 Personen mit Lebensmitteln.

Die Linke argumentiert vehement gegen Hartz 4, 1€ Jobs und die Agenda 2010. Mich würde interessieren wie sie Arbeitslosigkeit und Armut in Bergisch Gladbach zukünftig bekämpfen wollen? Welche Maßnahmen würde sie als Bürgermeister dagegen ergreifen?

Viele Grüsse,
Antwort von Tomás Santillán
2Empfehlungen
11.08.2009
Tomás Santillán
Sehr geehrter Herr ,

die Bekämfung von Arbeitslosigkeit und Armut ist nach meiner Meinung die wichtigsten Aufgaben für einen Bürgermeister. Deshalb erlauben Sie mir sicher eine etwas längere Antwort.

Die Kommunen tragen den Großteil der öffentlichen Investitionen. Bergisch Gladbach hat wichtige Funktionen im Bereich der Wirtschaftsförderung und damit an der Schaffung von Arbeitsplätzen. DIE LINKE. will diese Funktionen erhalten und ausbauen. Die Stadt muss sowohl gegenüber "ihren” Beschäftigten als auch bei der Auftragsvergabe und im Bereich der Wirtschaftsförderung vorbildlich operieren. Dazu gehört, dass sie menschenwürdige, existenzsichernde "gute” Arbeit fördern statt 1-Euro-Jobs, Mini-Jobs, Niedriglöhne und Leiharbeit. Leider ist die Stadt Bergisch Gladbach hier kein Vorbild.

Der wirksamste Weg aus Armut und Ausgrenzung ist es, den Menschen Möglichkeiten für sinnvolle menschenwürdige Tätigkeiten ohne Zwang anzubieten, von denen sie leben können. Bei sozialen Diensten, in der Bildung, Gesundheit und Pflege, im Öffentlichen Nahverkehr, Wohnungsbau, in der Kulturarbeit und beim Umweltschutz fehlt es an allen Ecken und Enden.

DIE LINKE. ist für einen grundlegenden Kurswechsel in der Wirtschafts-, Beschäftigungs- und Arbeitsmarktpolitik. Dazu gehört der Ausbau eines insbesondere kommunal getragenen Öffentlichen Beschäftigungssektors.


Deshalb fordern wir:

• eine Stärkung des Öffentlichen Dienstes als Dienstleistung für die Bürgerinnen und Bürger. Der Personalabbau in den Verwaltungen ist zu stoppen. Die Bürgerinnen und Bürger haben ein Recht auf öffentliche Dienstleistung. Dafür bezahlen sie Steuern.

• Der städtische "City Service” (GL Service gGmbH) nutzt 1-Euro-Jobber aus. Hier werden Erwerbslose nicht gefördert, sondern nur Lohnkosten in der Verwaltung und bei externen Dienstleistern eingespart. Obwohl dort ein Betriebsrat gewählt werden muss, wurden bis heute keine Betriebsratswahlen durchgeführt.

Beim "City Service" werden nicht nur gemeinnützige Tätigkeiten, die sonst nicht gemacht würden durchgeführt, sondern auch notwendige Arbeiten erbracht, welche eigentlich unabdingbare Aufgaben der Stadt sind. So zum Beisiel Laubsammeln, Malerarbeiten, Straßenreinigung, etc. Außerdem führt die GL-Service gGmbH kommerzielle Arbeiten, wie den Plakatierservice aus.

Diese Praxis ist nicht nur eindeutig rechtswidrig und verstösst gegen das Sozialgesetzbuch, sondern so wird reguläre Arbeit systematisch verdrängt und es werden damit lokale Arbeitsplätze bei kleinen und mittelständischen Unternehmen zerstört. Eigentlich müsste die Stadt sichere Arbeitsplätze schaffen oder diese Aufgaben an die heimischen Handwerker oder Dienstleister vergeben.

Wir wollen sozialversicherte Arbeitsplätze beim "City Service”.

• Wir wollen öffentlich geförderte, versicherungspflichtige, tarifliche Beschäftigungsverhältnisse statt 1-Euro–Jobs.

• In allen Unternehmen mit kommunaler Beteiligung müssen ordentliche Betriebsratswahlen durchgeführt werden.

• Die Vergabe öffentlicher Aufträge darf sich nicht nach dem Prinzip "Nur der Billigste erhält den Zuschlag” richten. Sie muss vielmehr an Regeln gegen Lohndumping und gegebenenfalls Auflagen wie z.B. eine bestimmte Ausbildungsquote gebunden werden.

• Kommunale Wirtschaftsförderung darf sich nicht an den Profitinteressen einzelner Unternehmen orientieren, sondern am allgemeinen Entwicklungsinteresse der Stadt. Dies ist für uns vor allem die Förderung von nachhaltiger, sinnvoller und existenzsichern der Beschäftigung – von guter Arbeit.

• Die Kommunale Wirtschaftsförderung darf nicht auf die Konkurrenz der Kommunen um den besten Standort und den niedrigsten Gewerbesteuersatz für die Ansiedlung von Investoren zielen. Wir sind für die regionale Zusammenarbeit von Landkreisen und Kommunen zur Entwicklung regionaler Wirtschaftsstrukturen, für Kooperation und Zusammenarbeit über Städte- und Gemeindegrenzen hinweg.

• In der ARGE muss die Stadt ihren Einfluss für die Entwicklung am örtlichen Bedarf orientierter Schulungs- und Ausbildungsprogramme insbesondere für Langzeitarbeitslose geltend machen. Wir brauchen mehr, statt weniger Einfluss auf die örtliche Arbeitsmarktpolitik.

• Wir sind für eine Ausbildungsoffensive, die sich an der vom DGB geforderten Ausbildungsquote orientiert. Jahr für Jahr brechen Unternehmen ihre eigenen Zusagen, was die Bereitstellung von Ausbildungsplätzen angeht. Die Öffentliche Verwaltung muss hier Beispiel sein.

• Die Sparkasse muss wieder stärker im Sinne von Beschäftigungsförderung tätig werden. Sie ist heute oft die einzigen Kreditgeber für kleine und mittlere Unternehmen.


Statt Armut – menschenwürdiges Leben für alle!

Arbeitslosigkeit, Armut, prekäre und unsichere Beschäftigungsverhältnisse nehmen ständig zu. Durch stagnierende und sinkende Reallohneinkommen greift die Verarmung auf den Mittelstand über. Unsere sozialen Sicherungssysteme geraten dadurch immer stärker in die Krise. DIE LINKE. steht für einen demokratischen Sozialstaat mit sozialen Mindeststandards. Denn nur auf Rechtsansprüchen gegründete soziale Sicherheit ermöglicht Freiheit für alle und nicht nur für Vermögende.

Die aktuelle Krise wird auch vor Bergisch Gladbach nicht halt machen. Es ist davon auszugehen, daß bis Ende 2009 auch in Bergisch Gladbach die Zahl der Arbeitslosen und damit die Zahl der von Armut bedrohten und betroffenen Menschen wieder ansteigen wird. Vordringlich ist der Kampf gegen Armut. Mindestens jeder Vierte in Deutschland ist armutsgefährdet - Tendenz steigend. Dies führt immer stärker zu Ausgrenzung, macht sozial einsam und kulturell arm.

Die wachsende Armut ist in Bergisch Gladbach deutlich sichtbar. Der große Zulauf zur Tafel in Bergisch Gladbach zeigt schon heute das Armut auch in Bergisch Gladbach verbreitet ist.

Die Hauptursache ist die steigende Zahl der Langzeitarbeitslosen. Hartz IV trägt zur Verarmung der Menschen bei. Da aus der einkommensabhängig gezahlten Arbeitslosenhilfe faktisch eine Sozialhilfe geworden ist, hat sich die finanzielle Lage für die Menschen dramatisch verschlechtert. Mit wachsender Armut steigt auch die Zahl von Kinderverwahrlosung.


DIE LINKE. tritt ein für:

• Angebote der kommunalen Daseinsvorsorge, wie z. B. Löwenpass (kommunales Sozialticket) für Bus und Bahn, Museen, Schwimmbänder und Sozialtarife für Strom und Gas;

• kostenlose Startsets für Kinder erwerbsloser oder armer Eltern und Lernmittelfreiheit und kostenlose Mittagessen in den Schulen und Tageseinrichtungen für alle betroffenen Kinder;

• kostenlose medizinische Betreuung und Versorgung;

• den Erhalt und Ausbau des sozialen Wohnungsbaus;

• die Abwehr von Privatisierungsversuchen der Bergischen Siedlungsgesellschaft RBS;

• den Ausbau öffentlich finanzierter sozialer Beratungsstellen;

• die Schaffung von einer öffentlich finanzierten Ombudsstelle, die hilft, soziale Rechte durchzusetzen;


SPD, CDU, Grüne und FDP verharmlosen das Ausmaß der Armut und insbesondere der Kinderarmut, leugnen ihren permanenten Anstieg und agieren mit Zahlen, die schlicht und ergreifend falsch oder nicht vorhanden sind. So gibt es für Bergisch Gladbach keine genauen Zahlen über die tatsächliche Lage.

Andere Kommunen erarbeiten und veröffentlichen in regelmäßigen Abständen sogenannte Armutsberichte, die den kommunalen Behörden als Grundlage für die örtliche Sozialplanung wie auch der Organisation und Veränderung örtlicher Hilfesysteme dienen.

DIE LINKE. Bergisch Gladbach forderte deshalb schon vor Monaten in einem Bürgerantrag an den Stadtrat die Erstellung eines Armutsberichts für Bergisch Gladbach.


Mit freundlichen Grüßen.

Tomás M. Santillán
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