Petra Heß (SPD)
Abgeordnete Bundestag 2005-2009
Dieses Profil dient zu Archivzwecken, eine Befragung ist nicht mehr möglich.

Grunddaten
Petra Heß
Jahrgang
1959
Berufliche Qualifikation
Kindergärtnerin
Ausgeübte Tätigkeit
Mitglied des Deutschen Bundestages
Wahlkreis
Gotha - Ilm-Kreis
Landeslistenplatz
3, Thüringen
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(...) In der Tat ist es so, dass das Kindergeld und somit auch die Kindergelderhöhung als staatliche Kinderleistung bei Hartz IV als anrechenbares Einkommen gilt. Somit kommt die Erhöhung besonders Familien mit kleinen und mittleren Einkommen zu Gute. (...)
Parlamentarische Arbeit / Nebentätigkeiten
Fragen an Petra Heß
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Frage zum Thema Finanzen
13.02.2009
Von:

Wie kann es sein, das die SPD Fraktion 2007 geschlossen gegen den Antrag der Linkspartei, eine Börsenumsatzsteuer zu erheben, gestimmt hat und die Partei nun mit den Antrag der Linken in den Wahlkampf zieht? Da kann man doch gleich die Linken wählen,oder?
Vieleicht ist es aber auch so zu verstehen:"Mit uns gibt es keine Mehrwertsteuerhöhung" Die CDU wollte 2 Prozent. Was ist herausgekommen?
Antwort von Petra Heß
5Empfehlungen
03.03.2009
Petra Heß
Sehr geehrter Herr Leonhardt,

noch ist nicht abschließend geklärt, ob die Forderung nach einer Börsenumsatzsteuer tatsächlich Einzug in das Wahlprogramm der SPD findet, es gibt innerhalb der Partei dazu unterschiedliche Auffassungen. Die Frage ist, ob die Vorteile einer Börsenumsatzsteuer auf der anderen Seite nicht zu erheblichen Nachteilen führen. Wird eine Börsenumsatzsteuer nämlich nur national und nicht international eingeführt, führt das zu erheblichen Wettbewerbsnachteilen für Deutschland. Denn dann werden die Börsengeschäfte in andere Länder, die keine Börsenumsatzsteuer erheben, verlagert. Diese schmerzvolle Erfahrung musste leider Schweden machen. Dass Kapital äußerst flüchtig ist und immer versucht, da zu wirken, wo die steuerlichen Voraussetzungen am günstigsten sind, ist offensichtlich. Denken Sie an den Fall Lichtenstein. Ähnliches würde sich dann im Bereich der Börsengeschäfte abspielen. Die Einführung einer Börsenumsatzsteuer würde folglich nur international Sinn machen. Ich sehe derzeit bei den meisten anderen Industrienationen aber leider nur wenig Bereitschaft für eine entsprechende Steuer.

Mit freundlichen Grüßen

Petra Heß
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Frage zum Thema Soziales
18.02.2009
Von:

Guten Tag Frau Hess,
Ihr Parteichef hat ja in der FAZ erklärt was "links" ist, dieses möchte ich nicht komentieren, für mich unbegreiflich. Wer Harz IV erfindet kann nicht links sein.
Meine Frage . Wie stehen Sie zum bedingungslosen Grundeinkommen?
Die Petition wurde ja mit fast 53.000 Stimmen dem Bundestag übermittelt.Vieleicht antwoten Sie mir diesmal? Meine letzte Frage sitzen Sie ja aus.
Antwort von Petra Heß
8Empfehlungen
03.03.2009
Petra Heß
Sehr geehrter Herr ,

die SPD lehnt bedingungsloses Grundeinkommen und bedingungslose Rente ab. Das Konzept einer Gesellschaft, in der Arbeit oder Tätigkeit vom Einkommenserwerb abgekoppelt werden, erscheint unausgereift und kurzsichtig.

Es entspricht in keiner Weise sozialdemokratischer Programmatik und Tradition. Für Sozialdemokraten ist und bleibt die Erwerbsarbeit der Schlüssel zur Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Dazu hat sich die SPD auch in ihrem Grundsatzprogramm bekannt. Dazu gehört vor allem auch, seinen Lebensunterhalt selbst durch die eigene Leistungsfähigkeit zu erarbeiten. In diesem Sinne gibt Arbeit Lebenssinn und ermöglicht ein selbstbestimmtes Leben. Wichtig ist es deshalb, möglichst viele Menschen in Arbeit zu bringen und wichtig ist auch, dass Arbeit gerecht entlohnt wird. Arbeit ermöglicht darüber hinaus soziale Sicherung, sie schafft Anerkennung und sie nutzt erworbene Qualifikation und vertieft diese oder baut diese aus. Arbeit darf dabei nicht krank machen, sie muss demokratische Teilhabe garantieren und sollte die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ermöglichen.

Dafür setzt sich die SPD ein, dafür haben wir fast 150 Jahre lang gekämpft. Und diese Errungenschaften werden wir nicht in Frage stellen.

Darüber hinaus erkenne ich und erkennt die SPD selbstverständlich an, dass es wichtige Arbeit in und an der Gesellschaft jenseits der Erwerbsarbeit gibt, die ebenfalls zu fördern ist. Dies geschieht bereits in weiten Teilen, etwa durch die rentenrechtliche Absicherung von Kindererziehungszeiten und Pflegezeiten, oder die Absicherung ehrenamtlicher Tätigkeiten in der Unfallversicherung. Des Weiteren bleibt der Kampf um den Mindestlohn, den die SPD entschlossen führt und führen wird. Auch wenn mit unserem momentanen Koalitionspartner nur Teilerfolge erzielt werden können, so bleibt das Ziel der SPD der flächendeckende Mindestlohn.

Mit freundlichen Grüßen

Petra Heß

PS:

Sehr geehrter Herr ,

obwohl abgeordnetenwatch Ihre Anfrage nicht frei geschaltet hat, möchte ich nicht, dass Sie denken, ich würde diese aussitzen, sondern gebe Ihnen kurz folgenden sachdienlichen Hinweis: Nach Rücksprache wurde mir mitgeteilt, dass Rheinmetall weder in der Vergangenheit, noch in der Gegenwart uranhaltige Munition hergestellt hat. Für weitere Informationen können Sie sich gerne an die Pressestelle von Rheinmetall Defence wenden. Diese erreichen Sie unter:
Presse und Information

Rheinmetall AG
Oliver Hoffmann
Rheinmetall Platz 1
D-40476 Düsseldorf
Telefon: 0211 473-4748
Telefax: 0211 473-4157

In der Hoffnung, Ihnen weitergeholfen zu haben, verbleibe ich

mit freundlichen Grüßen

Petra Heß
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Frage zum Thema Verlängerung des Afghanistan-Einsatzes (ISAF)
21.02.2009
Von:

Sehr geehrte Frau Heß,

kürzlich wurden über 1000 Soldaten für den Afghanistaneinsatz in Thüringen verabschiedet. Im Fernsehen wurden Sie befragt zum Problem der Traumatisierung von nicht wenigen Afghanistanheimkehreren.
Kann es sein, daß die sensiblen und anständigen Soldaten leichter traumatisiert werden als andere?
Kann es sein, daß diese betroffenen Menschen begriffen haben, daß der Krieg dort ungerecht gegenüber der Bevölkerung ist ?

Alle guten Kenner des Landes Afghanistan sagen, daß wir raus müssen aus diesem Land. Der ehemals gute Ruf, den Deutschland bei den Afghanen hatte, ist verspielt.Das Land ist nicht sicherer geworden, der Mohnanbau war nie so groß wie jetzt und die Taliban sind sehr stark geworden.
Warum beteiligt sich mein Land weiter an diesem völkerrechtswidrigen Krieg?
Antwort von Petra Heß
13Empfehlungen
03.03.2009
Petra Heß
Sehr geehrte Frau ,

vielen Dank für Ihre Anfrage.

Der internationale Einsatz in Afghanistan steht im Einklang mit dem Völkerrecht und zwar nach den Resolutionen Nr. 1386, 1413, 1444, 1510, 1623, 1659 und 1707 des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen. Diese stellen die *rechtlichen Grundlagen* für den ISAF-Einsatz dar.

Deutschland hat im Verlauf des Einsatzes die Verantwortung für den Norden Afghanistans übernommen. Die hier von Deutschland geleistete Aufbauarbeit ist vielfach bereits erfolgreich und auch die Menschen spüren diese Fortschritte und sind dankbar dafür. Denn Afghanistan war spätestens seit der Machtübernahme der Taliban ein Staat ohne staatliches Gewaltmonopol, ein gefallener Staat.

Die Willkürherrschaft der Taliban bedeutete aber nicht nur Terror und Schrecken für die Afghanen selbst – besonders die brutale Unterdrückung von Frauen kennzeichnete die Herrschaft der Taliban – sondern auch, dass das Land zu einem Unterschlupf für Terroristen wurde. Afghanistan ließ Terroristen untertauchen und ausbilden. Diese Terroristen wurden anschließend "als Gotteskrieger" auf ihre tödlichen Missionen in alle Welt geschickt, auch nach Europa und in unser Land. Wenn Afghanistan also Terroristen Unterschlupf gewährt oder radikalisierte Islamisten dort zu Attentätern ausgebildet werden, dann berührt das die Sicherheit der gesamten westlichen Welt und natürlich auch die Sicherheit Deutschlands.

Es war daher richtig und notwendig, die Talibanherrschaft in Afghanistan zu beenden, und es war richtig, mit dem Wiederaufbau des von Bürgerkriegen und Gewaltherrschaft zermürbten Landes zu beginnen, damit die Taliban sich dort nicht erneut etablieren und die wieder errichtete staatliche Ordnung erneut gefährden können. Im Kampf gegen den internationalen Terrorismus muss nämlich in erster Linie verhindert werden, dass in Ländern wie Afghanistan ein Machtvakuum entsteht.

Und um das zu verhindern, müssen in Afghanistan nicht nur staatliche Strukturen wieder geschaffen, sondern vor allem mit Leben gefüllt werden. Und es muss eine Polizei und Armee aufgebaut werden, die diese neue Ordnung verteidigen und schützen kann. Dabei muss die staatliche Macht über die Hauptstadt Kabul hinaus auch in den verschiedenen Provinzen durchgesetzt und das Vertrauen der Bevölkerung in staatliche Institutionen gestärkt werden.

Ich persönlich kann vor diesem Hintergrund nur schwer verstehen, wie intensiv und hartnäckig das weitere militärische Engagement der Bundeswehr immer wieder infrage gestellt wird. Wenn wir den Kampf gegen den Terrorismus erfolgreich führen wollen, müssen wir ihm den Nährboden entziehen. Das funktioniert aber nur, wenn wir eine funktionierende staatliche Ordnung in Afghanistan errichten. Dafür ist ISAF in Afghanistan, um Sicherheit und Ordnung während des Wiederaufbauprozesses zu garantieren. ISAF leistet so lange Unterstützung gegen die Gefährdung der Sicherheit und Ordnung, die heute erneut wieder von der Taliban ausgeht, bis Afghanistan in der Lage ist, selbst für Sicherheit und Ordnung zu sorgen.

Und damit komme ich nun zum Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan.

Seit nunmehr über sieben Jahren leistet die Bundeswehr einen Beitrag zur Aufrechterhaltung der Sicherheit und Ordnung in Afghanistan. Dabei hat sich das Aufgabenspektrum der Bundeswehr in den letzten Jahren kontinuierlich erweitert. Mittlerweile hat die Bundeswehr die Verantwortung für die gesamte Nordregion und seit dem 1. Juli 2008 von den Norwegern auch die Aufgaben der Quick Reaction Force übernommen. Für den gesamten Norden gilt, dass jetzt zusätzliche Anstrengungen notwendig sind, um das bereits Erreichte abzusichern und den neuen Herausforderungen zu begegnen. War es nämlich noch vor drei Jahren verhältnismäßig ruhig im Norden, verschlechtert sich auch hier die Sicherheitslage ständig. Ein Aspekt, der auch aufgrund des vielerorts ja durchaus erfolgreichen zivilen Wiederaufbaus (besonders im Norden!) gerne verdrängt oder beiseite geschoben wird. Aber der Einsatz der Bundeswehr ist eben kein Einsatz der Entwicklungshilfe, sondern in erster Linie ein militärischer. Die Bundeswehr sichert den zivilen Wiederaufbau militärisch ab und ohne diesen militärischen Schutzschirm würde keine zivile Organisation dort Wiederaufbau leisten.

Die zunehmende Gefährdung und die Erweiterung des Aufgabenspektrums führten in letzter Zeit dazu, dass die vom Mandat gesetzte Obergrenze von 3500 Soldaten permanent ausgeschöpft wurde. Das deutsche Kontingent musste permanent am Limit operieren, was unweigerlich auch zu einer Reduzierung der Betreuung der Soldaten im Einsatz führen musste. Die Obergrenze wurde mit der Verlängerung des Mandats im Herbst 2008 auf 4500 erhöht, um der Bundeswehr bei der Erfüllung ihrer Aufgaben, aber auch in den Zeiten des Kontingentwechsels die notwendige Flexibilität zu geben. Dies heißt nicht notwendigerweise, dass die neue Obergrenze sofort ausgeschöpft werden wird, es bedeutet aber, dass nicht mehr wie in der Vergangenheit ständig an den verkehrten Stellen (z. B. bei der Betreuung) Kräfte eingespart werden müssen.

Nach nunmehr zwei Aufenthalten in Afghanistan, die mich nach Kabul, Kunduz und Marzar-e Sharif geführt haben, muss ich Ihnen ganz offen sagen:

Der Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan wird nicht heute und nicht morgen beendet werden können – wir brauchen einen langen Atem in Afghanistan.

Aber es gibt ermutigende Fakten in den Bereichen Sicherheit, Gesundheit,
Bildung, und Wirtschaft:

1. Beim Aufbau der afghanischen Polizei und Armee zeichnen sich erste
Erfolge ab.

In Kabul sind die afghanische Polizei und Armee mittlerweile so weit fortgeschritten in ihrer Ausbildung, dass sie die Kontrolle über die Hauptstadt demnächst in eigene Hände nehmen können. Auch in anderen Provinzen machen der Aufbau und die Schulung von Polizei und Armee große Fortschritte. Die afghanische Armee unterstützt bereits jetzt wirksam verschiedene Operationen gegen die Taliban überall im Land.

2. Im ganzen Land wurde eine medizinische Basisversorgung wieder errichtet, so dass heute mindestens 80% der afghanischen Bevölkerung von einer gesundheitlichen Basisversorgung profitieren, während es unter der Talibanherrschaft nur einer winzigen Minderheit von unter 10% möglich war, in den Genuss medizinischer Versorgung zu kommen.

3. Besonders für Frauen wurden enorme Fortschritte erzielt: War es 2003 nur 5% der schwangeren Frauen möglich, an regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen teilzunehmen, lag diese Zahl 2007 bereits bei 71%.

4. Und auch der Aufbau eines funktionierenden Bildungswesens wird weiter massiv vorangebracht. Die Schulen wurden überall im Land wieder eröffnet und ein Großteil der Jungen und ein ermutigender Anteil von immerhin 40% der Mädchen besuchen regelmäßig die Schule. Auch die Universitäten stehen Männern und Frauen gleichermaßen offen, dabei stellen Frauen im Augenblick 25% der Studierenden.

5. Auch die Polizei beschäftigt in Afghanistan Frauen und der Anteil der Lehrerinnen, der jetzt immerhin schon bei 25% liegt, wird ebenfalls in den nächsten Jahren kontinuierlich wachsen. Damit treten Frauen erstmals seit der Talibanherrschaft überhaupt wieder öffentlich in Erscheinung und werden allein schon aufgrund dieser Tatsache die afghanische Gesellschaft mit gestalten und prägen können.

6. Der Aufbau der Infrastruktur, der quasi bei Null beginnen musste, hat in den Bereichen Elektrifizierung, Wasserversorgung und Straßenbau, um nur einige wichtige Infrastrukturmaßnahmen zu nennen, ebenfalls in den letzten Jahren große Fortschritte gemacht. Auch hier hat die Bundeswehr vielfach vor Ort mitgeholfen und die Errichtung von Wasserpumpen und Bewässerungsanlagen unterstützt und begleitet. So konnte in den letzten Jahren die Versorgung von 4 Mio. Menschen mit sauberem Trinkwasser realisiert werden. Seit November 2002 sind darüber hinaus zwei Wasserkraftwerke von Deutschland wieder in Betrieb gestellt worden.

Überall im Land werden Straßen wieder befahrbar gemacht, von Minen geräumt und teilweise sogar asphaltiert.

Hier zahlt sich der deutsche zivil-militärische Ansatz besonders aus: Denn erst durch die Verbesserung der Infrastruktur wird in Afghanistan auch ein dauerhafter wirtschaftlicher Aufschwung möglich. Und erst der wirtschaftliche Aufschwung wird die Lebensverhältnisse der Afghanen nachhaltig verbessern und sie in Zukunft von internationaler Unterstützung unabhängiger machen.

Besonders aber muss das Vertrauen der afghanischen Bevölkerung in das Funktionieren der staatlichen Strukturen gestärkt werden, denn nur wenn die Afghanen selbst ein Mehr an Sicherheit und Wohlstand erleben, werden sie auch Vertrauen in ihren Staat entwickeln und ihn letztlich unterstützen.

Abschließend möchte ich gerne mit ein paar Mythen, die sich um das ernste Thema der Posttraumatischen Belastungsstörungen ranken, aufräumen und diese durch gesicherte Fakten ersetzen:

Es ist richtig, dass der Afghanistan-Einsatz Soldatinnen und Soldaten zunehmend psychisch belastet und dass es vermehrt zu so genannten Posttraumatischen Belastungsstörungen bei den Soldatinnen und Soldaten kommt. Der Prozentsatz ist im Vergleich mit anderen Nationen zwar noch verhältnismäßig gering, aber die Bundesregierung nimmt die steigende Zahl der Erkrankungen sehr ernst und arbeitet nicht nur an der Erforschung und Behandlung dieser Krankheit, sondern auch an ihrer Entstigmatisierung. Es wird demnächst ein Traumazentrum errichtet werden, dass sich der intensiven Erforschung dieser Krankheit widmet und auch die Fortbildung des medizinischen Einsatzpersonals sowie die Einsatzvorbereitung insgesamt wird stärker auf diese Problematik zugeschnitten.

Demnächst wird testweise auch ein computergestütztes Vorbereitungsprogramm namens "Charly" eingeführt werden, mit dem sich die Soldaten auf den Umgang mit psychischem Stress im Einsatz vorbereiten können. Es ist trotz aller Prävention nicht vorhersagbar oder vorhersehbar, welche Soldaten es treffen wird, es gibt keine wissenschaftlich greifbare Disposition für Posttraumatische Belastungsstörungen. Generell gilt nur: Je eher sie erkannt wird, bzw. je eher ein Soldat von sich aus Hilfe sucht, umso größer sind seine Heilungschancen. Daher ist es so wichtig, diese Erkrankung endlich von dem Stigma des Versagens oder der Schwäche zu befreien.

Abschließend ist es mir erneut ein persönliches Anliegen noch einmal zu betonen, dass keinesfalls der Umkehrschluss ihrer Frage gelten darf: Wer nicht traumatisiert zurückkommt, dem fehle womöglich die nötige Sensibilität. Ich habe mich während mehrerer Besuche in Afghanistan davon überzeugen können, mit welch enormen Einfühlungsvermögen, mit welch hoher interkultureller Kompetenz und mit welch großem Können und Engagement unsere Soldatinnen und Soldaten ihren Dienst in Afghanistan versehen. Ich würde mir im Gegenteil endlich die gebührende Anerkennung und Unterstützung aus der Bevölkerung wünschen.

Ich verbleibe mit freundlichen Grüßen

Petra Heß
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Frage zum Thema Demokratie und Bürgerrechte
04.03.2009
Von:
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Sehr geehrte Frau Heß,

"Des Weiteren bleibt der Kampf um den Mindestlohn, den die SPD entschlossen führt und führen wird. Auch wenn mit unserem momentanen Koalitionspartner nur Teilerfolge erzielt werden können, so bleibt das Ziel der SPD der flächendeckende Mindestlohn."

Dies ist ein Zitat aus einer Antwort von Ihnen, das für mich folgende Fragen aufwirft:

Warum biedern Sie und Ihre Partei sich so der FDP an, von der man weiß, dass mit ihr ein flächendeckender Mindestlohn nie zu verwirklichen ist?

Warum lehnen Sie und Ihre Partei eine Koalition oder eine Zusammenarbeit mit der Linkspartei ab, die doch weitgehenst die selben Ziele wie die SPD verfolgt?

Dass die Linkspartei den Vertrag von Lissabon kritisiert und in der jetzigen Form ablehnt, kann ja wohl nicht ernsthaft als Grund angegeben werden, da auch in großen Teilen Ihrer Partei dieselbe Kritik geäußert wird.

Wie stehen Sie zum Lissabonner Vertrag?

Haben Sie sich mit den Kritikpunkten der Linkspartei mit dem Lissabonner Vertrag schon auseinandergesetzt?

Wenn Ja, was haben Sie diesen entgegenzuhalten?

Für Ihre Antwort bedanke ich mich.

-
Standard-Antwort von Petra Heß
4Empfehlungen
10.03.2009
Petra Heß
Sehr geehrter Herr ,

aufgrund der vielen Bürgeranfragen die jede Woche über abgeordnetenwatch, per Email, Post oder persönlich in der Bürgersprechstunde an mich gerichtet werden, kann und möchte ich mich nur auf die Beantwortung von Fragen aus meinem Wahlkreis bzw. die Außen- und Sicherheitspolitik betreffend konzentrieren.

Ich würde Sie daher bitten, sich mit Ihren Fragen an einen Abgeordneten aus Ihrem Wahlkreis zu wenden.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.

Mit freundlichen Grüßen
Petra Heß
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Frage zum Thema Verlängerung Afghanistan-Einsatz (ISAF, Tornado)
05.03.2009
Von:

Sehr geehrte Frau Heß,

ich danke Ihnen für Ihre schnelle und ausfürliche Antwort. Ich weiß, daß die Afghanen diesen Krieg nicht begonnen haben. Ich weiß, daß die Afghanen ein stolzes Volk sind. Ich habe gelernt, daß die kritischen Berichte oft näher an der Realität sind als die, die beschönigen.

Deutschland hat wenig Rohstoffe. Wäre es da nicht vernünftiger, anderen Staaten gegenüber als respektvoller Vertragspartner gegenüber zu treten als Soldaten dorthin zu entsenden? Glauben Sie wirklich, daß eine völkerrechtswidrige Besatzung (die ist es in meinen Augen) die großen anderen Völker in der Zukunft positiv über den Westen urteilen läßt? Legitimiert dieser militärische Einsatz das Verspielen des ehemals guten Rufes unsere Landes in den Regionen am Hindukusch?

Freundliche Grüße aus Thüringen von
Antwort von Petra Heß
8Empfehlungen
18.03.2009
Petra Heß
Sehr geehrte Frau ,

vielen Dank für Ihre erneute Anfrage zum Thema Afghanistan.

Das Völkerrecht ist auf der Charta der Vereinten Nationen gegründet. Durch Kapitel VII der Charta der Vereinten Nationen können militärische Maßnahmen legitimiert werden, wenn ein Angriff vorliegt oder ein Friedensbruch unmittelbar bevorsteht.

Der Einsatz in Afghanistan ist durch die Ihnen bereits genannten UN-Resolutionen abgedeckt und zwar in vollem Umfang. Die von Ihnen als völkerrechtswidrige Besatzung beschriebene Stationierung von Truppen in Afghanistan geht auf die UN-Resolution 1510 zurück. Diese Resolution gibt die Ausweitung des Einsatzes über die Hauptstadt Kabul und den angrenzenden Bezirk auf ganz Afghanistan vor. Wörtlich heißt es in der Resolution: "Eine Absicherung des Wiederaufbauprozesses, besonders der Schutz von Nicht-Regierungs-Organisationen, Humanitären Hilfsorganisationen und Ähnlichen, soll, soweit dies die Kräfte der am Einsatz beteiligten Nationen zulassen, auf ganz Afghanistan ausgeweitet werden."

Das Völkerrecht definiert Besatzung als Fremdherrschaft, das heißt die militärische Verwaltung eines fremden Staates oder mehrerer fremder Staaten übernehmen große Bereiche der Exekutive in einem besetzten Gebiet oder Staat und schränken damit die Souveränität des besetzten Landes erheblich ein. Dies ist beispielsweise in Deutschland nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges der Fall gewesen.

Aber der Einsatz in Afghanistan – so wie er im Augenblick ausgeübt wird – ist keine Besatzung, im Gegenteil, der Einsatz dient der Aufrechterhaltung von Sicherheit und Ordnung, bis die afghanische Polizei und das afghanische Militär selbst in der Lage sind dafür zu sorgen. Der Aufbau und die Ausbildung der afghanischen Armee und die Ausbildung einer afghanischen Polizei werden vielmehr sogar forciert und beschleunigt.

2006 haben die Vereinten Nationen und Afghanistan den so genannten "Afghanistan Compact" geschlossen. Der Afghanistan Compact (auch /Afghanistan-Vertrag/ oder /Afghanistan-Pakt/ genannt) wurde als Abschlussdokument der Londoner ( de.wikipedia.org ) Afghanistan-Konferenz ( de.wikipedia.org ) im Januar 2006 veröffentlicht. Er ist das Ergebnis von Konsultationen der Regierung von Afghanistan ( de.wikipedia.org ) mit den Vereinten Nationen ( de.wikipedia.org ) und der internationalen Gemeinschaft und stellt den Rahmen für die weitere internationale Zusammenarbeit in den kommenden fünf Jahren mit dem Staat am Hindukusch ( de.wikipedia.org ) dar. Das Auswärtige Amt hat den Afghanistan-Vertrag folgendermaßen bewertet: " Mit dem Compact übernimmt die afghanische Regierung vorrangig Verantwortung für die Entwicklung des Landes, die internationale Gemeinschaft tritt unterstützend in den Hintergrund – wobei die Unterstützung sowohl militärisch als auch finanziell weiterhin erheblich sein wird."

Eigentlich überflüssig zu erwähnen, aber der Afghanistan Compact wurde vom Afghanischen Präsidenten unterzeichnet, der demokratisch und frei vom afghanischen Volk gewählt wurde, genauso wie das Parlament und die Provinzräte!

Ist es nicht hoch problematisch, völkerrechtlich legitimierte, sogar geforderte Entscheidungen mit dem Gefühl zu bewerten oder aus dem Bauch heraus? Recht kann doch niemals sein, was "gesundes Rechtsempfinden" für Recht erklären möchte. Nehmen wir als Beispiel die Todesstrafe oder das Verbot von Folter. Das sind Rechtsgüter, die in einem demokratischen Rechtsstaat auch dann außer Frage stehen müssen, wenn "das gesunde Volksempfinden" nach der Todesstrafe ruft oder unter bestimmten Voraussetzungen Folter für legitim hält.

Und ganz sicher können sich nur wenige Afghanen mit der Vorstellung von Frauenrechten oder sogar der Gleichberechtigung von Frauen und Männern arrangieren, dennoch bleibt diese Forderung ohne Alternative, besonders, wenn man sich die Situation der Frauen unter den Taliban erneut vor Augen führt.

Die von Ihnen offenbar als Garanten der Neuen Weltordnung genannten "großen anderen Völker in der Zukunft", womit Sie vermutlich China und Indien, evt. auch Brasilien meinen, werden den gleichen Rahmenbedingungen der Weltstaatenordnung unterliegen wie alle Mitglieder der Vereinten Nationen auch. Eine Verschlechterung der deutschen Position diesen Ländern gegenüber durch den Einsatz in Afghanistan halte ich für konstruiert und nicht ableitbar.

Ich bitte Sie, die in dieser Antwort und auch in der vorangegangenen Antwort genannten UN-Resolutionen einmal nachzulesen. Sie sind im Internet frei verfügbar. Wenn Sie wirklich an einer Antwort auf Ihre Fragen interessiert sind und nicht bloß Ihr Gefühl bestätigt bekommen wollen, dann werden Sie hier mit Sicherheit fündig werden.

Mit freundlichen Grüßen

Petra Heß
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