Patrick Cem Öztürk, M.Ed. (SPD)

Patrick Cem Öztürk, M.Ed.
Jahrgang
1986
Berufliche Qualifikation
Lehramtsanwärter Gymnasium/Oberschule
Ausgeübte Tätigkeit
Lehramtsanwärter Gymnasium/Oberschule
Wohnort
Bremerhaven-Lehe
Stadtteil
Bremerhaven-Lehe , Stimmen (Wahlkreis): 980
Landeslistenplatz
10
(...) Funktionierende Strukturen wie der "Rat auslandischer Mitburgerinnen und Mitburger" (RAM) und das Migrationsnetzwerk Bremerhaven bleiben außerdem zwei wichtige Säulen im Integrationskonzept; ich setze mich dafür ein sicher zu stellen, dass der RAM weiterhin lediglich für Menschen ohne deutschen Pass zur Verfügung steht und dass diese Strukturen mehr Stimmrechte bei politischen Entscheidungsprozessen erhalten. (...)
 
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www.patrick-oeztuerk.de
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Frage zum Thema Bildung und Forschung
05.05.2011
Von:

Sehr geehrter Herr Patrick Öztürk,

nun hat die SPD bewirkt, dass die Oberschulen kommen. Wir hatten jedoch in den vergangenen Jahren so viele Reformen im Bildungsbereich - bitte klären Sie mich auf was das alles bringen soll und wie Sie zur Bildungsreform stehen.

Mit freundlichen Grüßen
N.K.
Antwort von Patrick Cem Öztürk, M.Ed.
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05.05.2011
Patrick Cem Öztürk, M.Ed.
Nun ja, ich kann die Bedenken einiger sehr gut nachvollziehen. An sich ist die Bildungsreform auf wissenschaftlichen Erkenntnissen gestützt. Dennoch steht die Bildungsreform in Kinderschuhen und es gibt viele Dinge, die in der Praxis noch entwickelt werden müssen...

Um dies beispielsweise anhand der Frage zu beantworten welchen Einfluss denn die Reform konkret auf einen Schüler hat:

1) Der Hintergrund ist es "intern" zu differenzieren statt "extern" (so wie es bisher gewesen ist - H, R, Gy). Damit wird eine höhere "Durchlässigkeit" zwischen den Schulformen erzeugt, was dem "Lernschwachen" die Chance gibt sich über einen längeren Zeitraum zu steigern, um so doch noch vielleicht das Abitur zu schaffen. Viele Schüler kennen das und haben es mir geschildert, als ich nachgefragt habe: oft waren "die Guten" früher sehr schwach in der Schule; viele haben ihr Engagement auch erst in den höheren Klassen ausleben können. Das ist entwicklungspsychologisch aber auch ganz normal. Vor allem in den "jüngeren" Klassen spielen andere Dinge wie die Persönlichkeitsentfaltung und die Sozialisation eine vordergründige Rolle - die durch die Schule künstlich erzeugte Messung der Leistung anhand von Noten ist eigentlich entwicklungspsychologischen Erkenntnissen entgegengesetzt. Deshalb ist es mittlerweile auch so, dass Entwicklungsberichte geschrieben werden. So sind Lehrer dazu angehalten die ganzheitliche Entwicklung des Kindes zu verfolgen und zu lenken. Da Persönlichkeitsbildungsprozesse jedoch über Jahre dauern, aber auch manchmal nötig sind, um eine gesteigerte Leistungsbereitschaft des Kindes überhaupt zu aktivieren, ist eine "interne" Differenzierung sinnvoller als eine "externe". Der Einfluss auf leistungsstärkere Schüler durch die Bildungsreform ist noch nicht ausreichend untersucht worden, internationale Studien belegen jedoch auch einen positiven Einfluss auf diese Schüler, meist aber nur dadurch, dass sie mit in Lehrprozesse mit einbezogen werden. Bei übermäßig leistungsstarken Schülern sehe ich jedoch noch eine Lücke in der Bildungsreform, da es kaum Angebote für Hochbegabte gibt und ich mir noch nicht sicher bin ob die Zentren für unterstützende Pädagogik (ZuP) aufgrund der derzeitigen (geringen) Kapazität in der Lage sein werden dieser Aufgabe ausreichend nachzukommen. Dieses Defizit zu bewältigen ist eine Aufgabe für die Zukunft. Deshalb plädiere ich auch für eine Erhöhung der Kapazitäten/Ressourcen der ZuPs.

2) Da nun alle Schüler - ob Leistungsstark oder Leistungsschwach - im Klassenzimmer sitzen, kommt es aber auch zu einem nicht unerheblichen Problem: nach fachdidaktischen Erkenntnissen, soll der Stoff möglichst so vermittelt werden, dass er das Kind weder unterfordert, noch überfordert. Stattdessen sollte der Stoff so vermittelt werden, dass er immer etwas "höher" als das momentane Leistungsniveau des Kindes ist. Doch was heißt das nun für die Praxis? Das bedeutet im Idealfall, dass der Lehrer bei einer Klasse von 28 Schülern auch 28 verschiedene Arbeitsmaterialien, 28 verschiedene Klausuren und 28 verschiedene Arbeitsformen in jeder Unterrichtsstunde bereitstellt. Wie es klingt, ist es auch tatsächlich: nämlich schwachsinnig, weil es einfach zeitlich unmöglich für den Lehrer ist. Daher wird meist so "binnendifferenziert", dass der Lehrer 2 bis 3 verschiedene Niveaustufen anbietet, wodurch der Lernschwache bspw. Die Chance bekommt auszuwählen, ob er die schwierige Klausur schreiben will und normal bewertet wird, oder ob er die leichtere Klausur schreiben möchte, mindestens eine 4 bekommt aber auch nur höchstens eine 2 (Beispiel). Aber auch diese Differenzierung bedeutet immer noch einen wahnsinnigen Aufwand für den Lehrer, weil er eigentlich einen Kurs 2-3x vorbereiten und nachbereiten müsste. Bei 12-14 verschiedenen Kursen bedeutete das, dass man insgesamt 42 verschiedene Kurse vor- und nachbereiten müsste (3x14). Dementsprechend sieht die Realität eher so aus, dass überhaupt nicht binnendifferenziert wird.

3) Das gleiche Problem gilt auch für die Umsetzung der Inklusionsprinzipien (Lernbehinderte werden gemeinsam mit gesunden Kindern in einer Klasse unterrichtet): Angedacht war es, nicht mehr als 2-3 Lernbehinderte in einer Klasse unterzubringen. In der Realität kommt es aber schon mal vor, dass 4-5 Lernbehinderte Kinder in einer Klasse sind, die auch aufgrund des speziellen Förderbedarfs 4-5 x mehr Betreuung durch die Lehrkraft benötigen. Hat ein Lehrer nun 5 Lernbehinderte und 25 weitere Schüler in einer Klasse ist er allein aus zeitlichen Gründen nicht mehr in der Lage effiziente, pädagogische Interventionen durchzuführen.

Fazit: Die Bildungsreform ist gut gedacht - und auf wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhend. Allerdings hapert es noch bei der Umsetzung, was aber auch "normal" ist. Denn das Bildungswesen ist ein "langsames Wesen". Im Bildungsbereich werden Erfolge nicht sofort sichtbar; es bedarf an Evaluationen, an Vergleichen über die Jahre hinweg, und und und. Bis politische Beschlüsse durchgesetzt sind und dann auch tatsächlich umgesetzt werden, vergeht zudem auch noch einige Zeit. D.h. wir stehen mit der Bildungsreform noch ganz am Anfang, und die jetzigen Fortschritte sind noch lange nicht genug. Dieser Anfang setzt jedoch den Grundbaustein für eine erfolgreichere Schulbildung. Es wurde bereits erwähnt, dass die Neuerungen nun erst einmal durch Fortbildungen an die Betroffenen herangetragen werden müssen. Das ist momentan das wichtigste. Auch der Ausbau der Schulen zu ganzheitlichen und ganztätigen Einrichtungen (mit Mensa, sozialpädagogischer und psychologischer Betreuung, etc.) hat bereits begonnen. Dies ist ebenso einer der besten Veränderungen, die man dich im Bildungswesen vorstellen kann, weil Bildung auch immer an soziale Herkunft gekoppelt ist und man mit einer ganzheitlichen und ganztägigen Betreuung der Schüler diese Kopplung verringern kann. Was jedoch zukünftig auch notwendig sein wird, um die Bildungsreform erfolgreich umzusetzen, ist eine massive Entlastung der Lehrer - d.h. MEHR LEHRPERSONAL! WENIGER GROßE KLASSEN! Aber auch das Zusammenspiel zwischen den beteiligten Instanzen wird immer wichtiger, wenn man Schule ganzheitlich betrachtet. D.h. Sozialpädagogen, Lehrer, Psychologen, Nachhilfeeinrichtungen, Eltern, Schüler, Köche (Mensa), Jugendämter und alles was noch dazu gehört, müssen besser miteinander kooperieren. Es müssen Barrieren abgebaut werden. Eine zusätzliche Betreuung eines Lernbehinderten Schülers durch einen Psychologen kann beispielsweise, dazu beitragen, den Schüler besser zu fördern. Oder eine zusätzliche Betreuung eines "gewalttätigen" Kindes durch einen Sozialpädagogen kann bei einem solchen Problem helfen. Das Angebot an gesunden und kalorienreduzierten Lebensmitteln in der Mensa, kann Schülern helfen Gewicht zu reduzieren. USW… Hier ist auch der schulpsychologische Dienst gefragt sowie öffentliche Träger, Behörden und vor allem auch die Politik, die die Ressourcen bereitstellen muss, welche notwendig sind, um die Bildungsreform erfolgreich durchzuführen. Eine Kürzung von 1/3 aller Zuwendungen für den sozialen Bereich durch die CDU/FDP Regierung ist dabei absolut TÖDLICH und UNVERANTWORTUNGSVOLL! Ich setze mich dafür ein, dass mehr Investitionen in die Bildungsreform getätigt werden, damit die Bildungsreform erfolgreich umgesetzt werden kann. Für weitere Informationen zu meinen Zielen im Bildungsbereich besuchen Sie bitte auch gerne meine Homepage: www.patrick-oeztuerk.de

In diesem Sinne hoffe ich ansatzweise einige Unklarheiten bereinigt zu haben.

Beste Grüße
Patrick C. Öztürk
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Frage zum Thema Bildung und Forschung
09.05.2011
Von:
-

Sehr geehrter Herr Öztürk,

was würden Sie denn in Zukunft am Bildungssystem ändern/verbessern? Wie können Sie diese Änderungen/Verbesserungen umsetzen? Und wie würden Sie sich dafür einsetzen?

Mit freundlichen Grüßen
Antwort von Patrick Cem Öztürk, M.Ed.
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18.05.2011
Patrick Cem Öztürk, M.Ed.
Sehr geehrter Herr ,

zunächst einmal muss vermittelt werden, dass die bisherigen Investitionen im Bildungsbereich m.E. bis 2017 nicht ausreichend sind. Ich bin der Überzeugung, dass eine erfolgreiche Bildungsreform nur umgesetzt werden kann, indem Probleme wie die Klassengröße, Schulgebäude, Ausstattung, Personalkapazitäten, etc. noch mehr als bisher angegangen werden müssen. Das Hauptziel sollte es also sein genügend Investitionen für den Bildungsbereich im Haushalt zu reservieren.

Innerhalb dieses Rahmens sind folgende Aspekte anzugehen:

Bildung Allgemein

Chancengleichheit; spätestens seit PISA ist klar: Kinder aus sozial schwachen Familien haben ein mehrfach erhöhtes Risiko eine positive Bildungskarriere zu durchlaufen. Daher setze ich mich vehement für die Reduzierung der Kopplung von Bildungserfolg an die soziale Herkunft ein (u.a. durch frühkindliche Betreuung/Bildung, den Ausbau der Ganztagsbetreuung/Oberschulen, gesundes Essen in der Mensa der Schulen, verpflichtende Sprachförderung und Förderunterricht, außerschulische Förderung, Nachmittagsbetreuung sowie die finanzielle/personelle Förderung und Stärkung der Oberschulen, weiterführenden Schulen, Kindergärten und Grundschulen).

Leistungsprinzip; Fähigkeiten und Lernerfolge sollen entscheidend sein für den Bildungserfolg, nicht die soziale Herkunft. Daher setze ich mich für die schulische und außerschulische Förderung von lernschwachen wie auch von hochbegabten SchülerInnen ein (pädagogisch wie auch sozialpädagogisch und psychisch), mit dem Ziel dass kein Kind "zurückgelassen" wird oder nicht sein volles Potenzial erschöpfen kann.

Ich lehne Selektion und somit ausbleibende Förderung von SchülerInnen ab; stattdessen sollen ALLE SchülerInnen so gefördert werden, dass sie ein gewisses Bildungsniveau sowie einen Schulabschluss erhalten. Die Einschätzungen der Lehrer sollen verbindliche Kriterien sein um die SchülerInnen einer spezifischen Förderung zuzuteilen. Ziel ist es, die Kapazitäten und Ressourcen für eine solche Förderung für jede Schule bereitzustellen oder diese zumindest kurz- und mittelfristig durch externe Träger verfügbar zu machen.

Reduzierung der Zahl von SchülerInnen ohne Schulabschluss (u.a. durch Erleichterung der Einrichtung individueller Förderangebote an Schulen, Reduktion der Klassengrößen, Erhöhung der personellen Ressourcen im Schulwesen).

Erziehung, Erwerb sozialer Kompetenzen und Persönlichkeit; im Fokus der Bildung soll vor allem auch die Fähigkeit stehen mit anderen Mitmenschen souverän, einfühlsam, fair und konstruktiv umgehen zu können. Diese Fähigkeit wird von Unternehmern bei Schulabgängern häufig vermisst. D.h., dass die Persönlichkeitsbildung der SchülerInnen mehr in den Fokus curricularer Vorgaben gestellt werden soll. Es muss darum gehen Eigenschaften und Einstellungen wie Motivationsfähigkeit, Selbstständigkeit, Eigenverantwortlichkeit, politisches und soziales Engagement, selbstständiges Arbeiten, Solidarität oder Kritikfähigkeit zu vermitteln. Dieses Vorhaben geht mit einem Umdenken einher: weg von der normgebundenen Schule, die sich an der Prüfungsordnung orientiert, hin zur Schule, die die SchülerInnen dazu befähigt zu autonomen und mündigen Individuen heranzuwachsen, die die Inhalte, die in der Schule vermittelt werden, als Mittel zum Zweck verstehen lernen um damit ein glückliches und gesundes Leben führen zu können.

Autonomie und Reflexionsfähigkeit; damit SchülerInnen zu mündigen Mitmenschen unserer Gesellschaft heranwachsen, ist es wichtig ihnen die Fähigkeit zur (kritischen) Reflexion über sich selbst und gesellschaftliche Sachverhalte zu vermitteln, sie auf (kommunal-, landes-, und bundes-) politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Sachverhalte hinzuweisen und sie dafür zu sensibilisieren, sie an demokratischen Prozessen innerhalb der Schulen teilnehmen zu lassen, ihnen Spielraum für die Entfaltung der Persönlichkeit zu geben (Musik, Kunst, Sport, etc.) und sie eigene Erfahrungen in der Gesellschaft machen zu lassen (beispielsweise durch verpflichtende und langandauernde Praktika in sozialen Einrichtungen, durch das Eintreten in die Freiwillige Feuerwehr, etc.). Dazu sollen sie lernen Verantwortung zu übernehmen, in dem sie beispielsweise verpflichtet werden SchülerInnen aus kleineren Klassen bei den Hausaufgaben zu betreuen, etc. Um all diese Ziele jedoch erreichen zu können bedarf es auch die positive Entwicklung der SchülerInnen anzuerkennen und zu würdigen, in dem LehrerInnen den SchülerInnen Zeit widmen und indem LehrerInnen die SchülerInnen auch außerhalb des rein akademischen/schulischen Kontextes kennenlernen. Dies kann jedoch nur im Kontext der Ganztagsschule geschehen, die wiederum auch mit den entsprechenden personellen Kapazitäten ausgestattet werden müssen.

Erfahrungsbasiertes Lernen; einige Schulen sind bislang immer noch "Beschulungsanstalten", in denen SchülerInnen belehrt bzw. "beschult" werden. Ich setze mich dafür ein, ein Bewusstsein für den Umdenkprozess voranzutreiben - weg von der Beschulung, hin zum "learning by doing". Bei diesem Vorhaben ist es wichtig auch Wirtschaftsbetriebe zur Kooperation mit den Schulen zu bewegen, sodass SchülerInnen Erfahrungen in Betrieben "aus erster Hand" / "am eigenen Leib" erfahren. Aber auch der Unterricht im Allgemeinen soll mehr in der Realität stattfinden, als in Form von Frontalunterricht.

Mehr Sportunterricht; im Zuge der Persönlichkeitsentwicklung sowie der gesundheitlichen Präventionsarbeit (psychisch, psychosozial wie physisch), die gesellschaftliche Entwicklung (jedes vierte Kind in Deutschland ist stark übergewichtig) und für ein nachhaltiges Lernen in der Schule, setze ich mich dafür ein, dass die Stundenzahl des Sportunterrichts (unter dem Aspekt des Gesundheitssports) an Bremerhavener und Bremer Schulen erhöht wird. Dazu soll geprüft werden, inwiefern das Konzept der Salutogenese (Stärkung der psychischen/psychosozialen Eigenschaften) sowie Gesundheitserziehung Anwendung im Sportunterricht finden kann.

Aufrechterhaltung des Abiturfachs Sport; ich setze mich dafür ein, dass Sport weiterhin als Abiturfach wählbar ist und dass für dieses Vorhaben angemessene Voraussetzungen herrschen.

Ernährungsbewusstsein; im Zuge der gesundheitlichen Präventionsarbeit, die gesellschaftliche Entwicklung (jedes vierte Kind in Deutschland ist stark übergewichtig) und für ein nachhaltiges Lernen in der Schule, setze ich mich dafür ein, dass die SchülerInnen zumindest in den Jahrgängen fünf bis zehn Ernährungskurse besuchen oder dass eine schulinterne oder schulexterne Ernährungsberatung, die gekoppelt an einen praktischen Teil (Kochen) stattfindet.

Gesunde Ernährung an Ganztagsschulen; außerdem soll im Rahmen der Ganztagsschule gesundes Essen in der Mensa angeboten werden. Caterer bzw. Küchenpersonal sollen gezielt auf diese Anforderungen geprüft und ausgesucht werden.

Sprache; v.a. für Kinder aus sozial schwierigen Verhältnissen oder für Kinder mit Migrationshintergrund ist die Sprache der Schlüssel zum Erfolg; daher setze ich mich dafür ein, dass die Sprachstandserhebungen in den Kindertagesstatten und in der Grundschule fortgeführt werden und dass Kinder mit Verzögerungen in der Sprachentwicklung noch gezielter als bisher gefördert werden.

Ganzheitlichkeit; durch eine lokale Bündnisstruktur (kommunales Gesamtkonzept) gilt es die Bremerhavener/Bremer Bildungslandschaft - von der Frühforderung über die Allgemeinbildung bis hin zur Weiterbildung in der nachberuflichen Phase - zu entwickeln. D.h., dass lokale Akteure und Institutionen sowie Schulen in Kooperationen treten sollen, um den SchülerInnen ein ganzheitliches Konzept anbieten zu können (u.a. gesundes Essen durch Catering/Mensa; Förderunterricht durch Nachhilfeorganisationen; Freizeitangebote durch Sportvereine, etc.; Arbeitsgemeinschaften durch lokale Akteure, etc.; sozialpädagogische Betreuung durch entsprechende Einrichtungen, etc., usw.). Zudem setze ich mich für die Einführung psychologisch-pädagogischer diagnostischer Verfahren und eine Erweiterung der Kompetenzen von Sozialpädagogen und Schulpsychologen an Schulen ein um individuelle Fördermöglichkeiten (bspw. Hochbegabung oder Förderbedarf) schnellst möglich festzustellen und um dementsprechend individuelle pädagogische Maßnahmen einzuleiten.

Einrichtung von Oster- und Sommercamps; ähnlich wie in den USA sollen Oster- bzw. Sommercamps eingerichtet werden, in denen Förderbedarf von SchülerInnen nachgeholt werden kann.

Mehr Autonomie und weniger Bürokratie; ich setze mich vehement dafür ein, dass allen Schulformen mehr Verantwortlichkeit übertragen wird, bei gleichzeitiger Einhaltung der behördlichen Rahmenbedingungen, um die Flexibilität bei der Anpassung der Schulen an die moderne Gesellschaft zu erhöhen. Auch momentane curriculare und rechtliche Vorgaben möchte ich so überarbeiten, dass sie zeitgemäß sind und auf wissenschaftlichen Erkenntnissen aus den Erziehungs- und Sozialwissenschaften, Fachdidaktiken sowie aus der Pädagogik und Psychologie beruhen und vor allem auch den Persönlichkeitsaspekt beinhalten. Der bürokratische Aufwand muss dabei reduziert werden.

Klassenstärken reduzieren, Schulausfall vorbeugen und personelle Kapazitäten erhöhen; um den Ansprüchen der inklusiven Pädagogik und der individuellen Förderung sowie der internen Differenzierung gerecht zu werden, muss (anders als von der Politik geplant) die Klassenstärke durch Erhöhung der personellen Kapazitäten sukzessive reduziert werden. Dies soll durch eine Erhöhung der personellen Ressourcen an Schulen geschehen, die ebenso dem Unterrichtsausfall vorbeugen soll.

Stadtteilschule e.V. als Ergänzung, nicht als Ersatz; ich setze mich dafür ein, dass die "Stadtteilschule" nicht als Beschaffung "günstiger" Lehrkräfte ausgenutzt wird, sondern sich als Überbrückungsmöglichkeit versteht, damit Lehramtsstudierende, die auf einen Referendariatsplatz in Bremen warten, weiterhin an das Land Bremen gebunden werden, anstatt das Bundesland zu verlassen. Der Anspruch an Lehrkräfte sowie Vertretungslehrkräfte bleibt das 2. Staatsexamen. Auch die Vertretungslehrkraft, die bei Ausfall einer Lehrkraft einspringt, soll möglichst nicht fachfremd unterrichten.

Sanierung von Schulgebäuden; ich setze mich dafür ein, dass Schulgebäude saniert werden. Ich halte dies (entgegen der derzeitigen Meinung in der Politik) für wichtiger als die Sanierung anderer öffentlicher Gebäude. Bisher sind 200 Millionen Euro hierfür investiert worden. Diese Investitionen müssen fortgeführt und Sanierungen verbindlich geplant werden.

(Früh-) kindliche Erziehung

Gezielte Stärkung der Grundschulen; finanzielle/personelle Unterstützung und schrittweise Ausweitung zur Ganztagstätigkeit; die Arbeit mit den kleinsten SchülerInnen ist grundlegend für deren weiteren Werdegang und daher besonders wichtig. Ich setzte mich dafür ein, die Strukturen der Grundschule weiterhin zu optimieren und eine hohe Qualität der Bremerhavener und Bremer Schulen zu gewährleisten. Zudem soll auch der Ausbau der Ganztagsschulen im Primarbereich stattfinden. Kurz- bis mittelfristig können dieser Ausbau sowie das Angebot eines Mittagstisches an der Grundschule ein sinnvolles Angebot zur Ergänzung der Horte sein.

Verbesserung der Ausbildung von ErzieherInnen, Erhöhung der Kita-Plätze und Anpassung der Kitas; die (leiblichen) Erfahrungen, die ein Kind in der frühesten Zeit macht, prägen das Kind für den Rest des Lebens. Auch die grundlegenden Züge der Persönlichkeit werden im frühen Entwicklungsstadium ausgebildet. Daher ist die Arbeit mit den Kleinsten grundlegend für deren weiteren Werdegang und daher äußerst von Bedeutung; um den Kindern einen guten Start ins Leben zu ermöglichen, sollen ALLE Kinder die beste Unterstützung in den Kindergärten erhalten. Deshalb setze ich mich dafür ein, die Ausbildung von ErzieherInnen zu verbessern, sie an erziehungswissenschaftlichen, psychologischen und sozialwissenschaftlichen Erkenntnissen auszurichten und an die Anforderungen einer interkulturellen Gesellschaft anzupassen. Dabei soll auch das Image der ErzieherInnen verbessert und gezielt männliche Interessierte angeworben werden.

Gezielte Stärkung der Kindertagesstätten; finanzielle/personelle Unterstützung, Fortbildungen und gezielte Fördermaßnahmen; die Arbeit mit den Kleinsten ist grundlegend für deren weiteren Werdegang und daher besonders wichtig; Außerdem strebe ich eine engere inhaltliche Zusammenarbeit zwischen Kindertagesstatten und den Grundschulen an. Die frühkindliche/kindliche Entwicklung der jungen Menschen ist besonders sensibel und verlangt eine behutsame und professionelle Betreuung und Förderung. Ich setze mich dafür ein, den Kindern die besten Voraussetzungen bereitzustellen um ihnen eine weitere positive Bildungskarriere zu verschaffen. Zudem sollen bereits im Kindergarten Sprachstandserhebungen durchgeführt und Sprachförderung angeboten werden. Ich setze mich vehement dafür ein, dass ALLEN Kindern ein frühzeitiger Kindergartenbesuch ermöglicht wird.

Gezielte Stärkung und Professionalisierung der Krippen; ich strebe danach einen Krippenplatz für jedes Kind bereitzustellen sowie den Nutzen dieser in das Bewusstsein der Öffentlichkeit zu rücken. Dazu soll das Personal der Krippen jedoch auch eine Qualifizierung im Bereich erziehungswissenschaftlicher, psychologischer und sozialwissenschaftlicher Erkenntnisse durchlaufen sowie für die Anforderungen einer interkulturellen Gesellschaft bereitgemacht werden. Dieser Anspruch soll auch in der Ausbildung des Personals berücksichtigt werden. Die frühkindliche/kindliche Entwicklung der jungen Menschen ist besonders sensibel und verlangt eine behutsame und professionelle Betreuung und Förderung. Ich setze mich dafür ein, den Kindern die besten Voraussetzungen bereitzustellen um ihnen eine weitere positive Bildungskarriere zu verschaffen. Dabei soll auch das Image der Berufe, die die (früh-) kindliche Erziehung berühren, verbessert und gezielt männliche Interessierte angeworben werden.

Landesmittel; ich setze mich für die Landesmittelakquise für Bremerhavener Schulen ein, um die Zahl der Ganztagsschulen in den kommenden Jahren zu erhöhen und dafür zu sorgen, dass die Ganztagsschulen in der Sekundarstufe I zu gebundenen Ganztagsschulen entwickelt werden können, wie es die Ganztagsschulverordnung für das Land Bremen vorsieht.

Rahmenbedingungen

Verbesserung der Arbeitsbedingungen für LehrerInnen und SchülerInnen; ich setze mich vehement dafür ein, dass der Arbeitsplatz des Schulpersonals - also die Schule - in angemessener Art und Weise gestaltet und modernisiert wird, dass SchülerInnen mit zeitgemäßen Medien ausgebildet werden und dass die Ausstattung der Schulen zeitgemäß, nachhaltig und reichlich verbessert wird.

Erhöhung der Ausbildungsplätze für Referendare; aufgrund des hohen Bedarfs an Lehrkräften und des damit verbundenen hohen Stundenausfalls, setze ich mich dafür ein, dass die Anzahl der Referendariatsplätze im Land Bremen erhöht wird (mehr als die geplante Steigerung von 18% auf 530 Plätze) sowie dafür Sorge zu tragen, dass versucht wird in Bremen ausgebildetes Personal auch an das Land Bremen zu binden (beispielsweise durch die Möglichkeit der sofortigen Übernahme). Zwar stehen die geburtenschwachen Jahrgänge bevor, allerdings sind die Schulen momentan auch so überfordert mit der momentanen Situation, dass so "freigewordene Kapazitäten" dringend weiterhin benötigt werden. Vielmehr ergibt sich aufgrund des Geburtenrückgangs die Chance durch weitere sukzessive Erhöhungen der Kapazitäten und die damit verbundene Reduzierung der Klassengröße und die Möglichkeit individueller Fördermöglichkeiten die Qualität des Bremer Bildungssystems zu erhöhen.

Überprüfung der Lehrerausbildung; ich setze mich dafür ein, dass das neuangelegte Lehramtsstudium (Bachelor/Master) evaluiert und verbessert wird, um die Qualität der Lehrerausbildung zu optimieren.

Überprüfung der Schulqualität und Qualitätssicherung; ich setze mich dafür ein qualitative oder angemessene quantitative Evaluationen an Schulen durchzuführen um die Schul-/ Unterrichtsqualität und das Schul/-Lernklima zu erfassen (und zu verbessern). Dazu muss jedoch wissenschaftlich gewährleistet sein, dass die Studien auch tatsächlich Schulqualität abzubilden vermögen. Quantitativen Methoden sehe ich bislang skeptisch entgegen.

Schulsozialarbeit; ich setze mich dafür ein, dass ein flächendeckendes und ausreichendes professionelles Angebot an Schulsozialarbeiterdiensten an den Schulen zur Entlastung der Lehrkräfte bereitgestellt wird. D.h., dass sozialpädagogische Hilfen für SchülerInnen in psychosozialen Problemlagen, wie auch bei der Förderung der beruflichen und gesellschaftlichen Eingliederung in dem Umfang gegeben sein müssen, dass v.a. die Oberschulen die an sie neugestellten Anforderungen leisten können. Ich setze mich auch dafür ein entsprechende finanzielle Mittel beim Land wie auch beim Bund zu akquirieren.

Schulpsychologischer Dienst; ich setzte mich dafür ein, dass der schulpsychologische Dienst in engster Kooperation mit den Schulen arbeitet und dass auch eine ausreichend psychologische Betreuung für die SchülerInnen an den Schulen zur Entlastung der Lehrkräfte stattfindet um u.a. auch den Folgen von Mobbing, körperlicher Gewalt und Diskriminierung entgegenzuwirken.

Ich unterstütze die Umsetzung des Bremerhavener Schulentwicklungsplans zur Verbesserung der Unterrichtsqualität, zur Vermeidung von Schulausfall und zur gemeinsamen Beschulung von behinderten und nicht behinderten Kindern. Dazu betone ich jedoch auch, dass dafür die Schulen entsprechend ausgestattet werden und somit die dafür notwendigen finanziellen Mittel bereitgestellt werden MÜSSEN. Ich betone mit Nachdruck, dass ich mich für mehr finanzielle Mittel im Bildungsbereich einsetze.

Schule & Beruf

Modernisierung der berufsbildenden Schulen; der schnelle Wandel der Anforderungen des Arbeitsmarkts an den Arbeitnehmer erfordert flexible und autonome berufsbildende Schulen, die in der Lage sind organisatorische, curriculare und personelle Maßnahmen und Veränderungen selbstständig und schnell an den Arbeitsmarkt anzupassen. Daher setze ich mich dafür ein, den berufsbildenden Schulen mehr Autonomie und Eigenverantwortlichkeit zu übertragen.

Berufsorientierung; ALLE SchülerInnen ALLER Schulformen sollen frühzeitig auf die Arbeitswelt vorbereitet werden und sollen ab Jahrgang 8 u.a. innerhalb von Praktika Betriebe, soziale Einrichtungen und Berufsschulen kennen lernen.

Gründung von Kompetenzzentren; ich unterstütze den mehrjährigen Versuch unter dem Thema "Berufsbildende Schulen in Bremerhaven als regionale Kompetenzzentren", bei dem unnötige Berufseinstiegswarteschleifen vermieden werden, indem ausschließlich Bildungsgange angeboten werden, die weiterführende Qualifikationen ermöglichen. Insbesondere doppelt qualifizierende Ausbildungswege sollen verstärkt angeboten werden. Dadurch werden die Auszubildenden angepasst an den Arbeitsmarkt in Bremerhaven und Bremen ausgebildet. Dazu müssen den SchülerInnen Bildungsmöglichkeiten /-formen angeboten werden, bei denen sie gleichzeitig für die Familie und den Lebensunterhalt sorgen können.

Erhöhung der Ausbildungsplätze und Einrichtung einer sogenannten Ausbildungskonferenz; Die Zahl der Ausbildungsplatze in Bremerhaven reicht nach wie vor nicht aus, um allen Schulabgängern den Einzug in das Berufsleben zu ermöglichen. Dies führt zu übermäßigen Anmeldezahlen in den Berufsfachschulen. In der Konsequenz konkurrieren immer mehr so genannte Altbewerber mit den Schulabgängern des jeweils laufenden Jahres. In Anlehnung an erfolgreiche Modelle in anderen Kommunen setze ich mich daher für die Einrichtung einer Ausbildungskonferenz für Bremerhaven/Bremen ein, die systematisch daran arbeitet, die Zahl der Ausbildungsplatze zu erhöhen und Jugendliche bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz unterstutzt.

Schule & Gesellschaft

Förderung von sozialen und Bildungseinrichtungen zur sozialpädagogischen/pädagogischen Unterstützung von sozial Benachteiligten; Menschen mit schwierigem sozialen Hintergrund sind oft sozial depriviert und haben multiple Defizite, die ihre Integration in den Arbeitsmarkt wie auch ihre Teilhabe am sozialen Leben verhindern. Die Folge ist oft Harz IV. Um diesen Defiziten entgegen zu wirken, sei es bei der Lebensführung, Kindeserziehung, Ernährung, Sprache, Gesundheit, in beruflicher Hinsicht, oder sei es durch Bildungsmisserfolge oder Kriminalität verursachte Defizite, usw., müssen NPO’s (Non-Profit-Organisationen) und andere soziale Einrichtungen von der Kommune und vom Land unterstützt werden. Ich setze mich daher dafür ein den Kürzungen des Bundes (von rund 60%; 700 verloren gegangene Stellen allein in Bremerhaven!) im sozialen und im Bildungsbereich entgegenzuwirken und diese zurückzuführen/umzuschichten.

Verzahnung von Bildung und Soziales; Die Anforderungen an die Bildungspolitik sind meist oft mit Problemen, die das politische Themenfeld "Soziales" betreffen, verzahnt. Kinder von Harz IV Empfängern haben es beispielsweise schwieriger eine erfolgreiche Bildungskarriere zu absolvieren als andere Menschen. Um diesem Problem entgegenzuwirken bedarf es also an den Wurzeln zu intervenieren. D.h., dass die Eltern der betroffenen Kinder gezielt angesprochen werden müssen, dass man es diesen erleichtern muss, ihren Kindern eine erfolgreiche Bildungskarriere zu ermöglichen bzw. dass man ihnen auch vermitteln muss, wie ihre Kinder eine erfolgreichere Bildungskarriere führen können. Dementsprechend setze ich mich dafür ein das Bewusstsein der Verzahnung von sozialen und Bildungsaspekten in der Politik zu stärken um somit Investitionen in diese beiden Bereiche zu fördern.

Gezielte Anpassung des öffentlichen Dienstes an gesellschaftliche Gegebenheiten; Obwohl die oberste Priorität bei der Einstellung in den öffentlichen Dienst die Leistung und Qualifikation ist, sollen gezielt Menschengruppen angeworben werden, die im öffentlichen Dienst weniger vertreten sind. D.h., dass es beispielsweise wünschenswert wäre mehr Menschen mit Migrationshintergrund als Polizisten oder Lehrer zu sehen, wie es auch wünschenswert wäre mehr Männer in Erziehungsberufen oder als Grundschullehrer zu sehen, wie es auch wünschenswert wäre mehr Frauen in Führungspositionen zu sehen, usw.

Bildungsangebote aufeinander abstimmen und miteinander verzahnen; In Bremerhaven erreichen ca. 10% aller Jugendlichen keinen Schulabschluss. Diesen nachzuholen ist auf dem zweiten Bildungsweg im Abendbetrieb oft mühsam und wiederum von hohen Abbrecherquoten begleitet. Ich setze mich daher dafür ein die Möglichkeit in Bremerhaven zu haben die Vorbereitung auf den Hauptschulabschluss im Tagesbetrieb mit anschließender Schulfremdenprüfung zu ermöglichen.

Geschwisterregelung nach § 6a Abs. 2 des Schulverwaltungsgesetzes beibehalten; 10% der Schulplätze sind vorab für Härtefälle reserviert. Darunter zählen auch Geschwisterkinder, bei denen die Versagung der Aufnahme an der gleichen Schule zu familiären Problemen führen würde. Eine generelle Geschwisterregelung lehne ich jedoch ab, da sie dem Gleichheitsgrundsatz und dem Leistungsprinzip widerspricht. Eine Öffnung dieser Regelung ist nur insofern in Betracht zu ziehen als dass das Kriterium der Unzumutbarkeit (wirtschaftlich) aufgenommen wird, sodass Familien, für die die Aufnahme der Geschwister an zwei verschiedenen Schulen eine unzumutbare finanzielle Härte darstellen würde, über die Härtefallregelung Berücksichtigung finden könnten.

Freie Schulanwahl beibehalten; für den Besuch einer weiterführenden Schule ist das Elternrecht auf freie Schulanwahl seit Jahren ein wichtiger Bestandteil des Bremischen Schulwesens. Ich setze mich dafür ein, diese Regelung beizubehalten.

Erhöhung der Schulkapazitäten anhand der Anwahlzahlen und Tendenzen (Wettbewerb); ich setze mich dafür ein, dass gemäß Evaluation der vergangenen Anwahlverfahren, den Eltern eine gewisse Planungssicherheit zugesprochen werden kann. D.h., dass ich es anstrebe, dass zum größten Teil die Erst- und geringstenfalls die Zweitwahl bei der Schulanwahl auch tatsächlich berücksichtigt werden können.

Festhalten am Wettbewerb; wenn an einigen Schulen Plätze fehlen, liegt das am guten Ruf der Schule. Ich setze mich dafür ein, die Schulen, die Akzeptanzprobleme haben, durch intensive Beratung, Fortbildungen, bessere personelle, räumliche und finanzielle Ausstattung, durch Umbauten und Modernisierungen, für die Eltern attraktiver zu machen. Allein auf diesem Wege kann das Prinzip der freien Elternwahl aufrechterhalten werden.

Förderung der Kooperation zwischen Schule und Eltern; um Bildung und Erziehung effektiv zu gestalten, setze ich mich dafür ein verpflichtende Mechanismen zu schaffen, die Eltern und LehrerInnen zur Kooperation bewegen. Es muss geprüft werden wie diese Mechanismen auszusehen haben.

Inklusion

Inklusion; gemeinsames Lernen aller Kinder, ob mit oder ohne Behinderung (u.a. aber bei Einhaltung angemessener Klassengrößen und ausreichende Unterstützung durch sozialpädagogische Dienste).

Ausbau der Kapazitäten der sogenannten ZuPs (Zentren für unterstützende Pädagogik); um Inklusion an den Schulen "machbar" zu machen, bedarf es einer Erhöhung der Kapazitäten der ZuPs, es bedarf an entsprechenden Fortbildungen, sowie einer Erhöhung des personellen Einsatzes von Lehrkräften mit sonderpädagogischer Ausbildung als Stammpersonal an Schulen. Die derzeitigen Ressourcen an den Schulen reichen bei weitem nicht aus, um Inklusion effektiv zu gestalten. Damit die Bildungsreform nicht an der Umsetzung scheitert, MÜSSEN den Schulen entsprechende Ressourcen zur Verfügung gestellt werden. Abweichend von der bisherigen Planung der Politik (15 Lehrerwochenstunden für ein bis fünf Kinder pro Jahrgang mit sonderpädagogischem Förderbedarf, bzw. 30 Lehrerwochenstunden für mehr Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf sowie jeweils eine Lehrkraft mit sonderpädagogischer Fachkompetenz pro Jahrgangsteam bei gleichzeitig reduzierter Gesamtschülerzahl), setze ich mich also für eine Erhöhung der Kapazitäten der ZuPs ein und fordere eine Erhöhung der Zuweisung von weit mehr als 30 Lehrerwochenstunden pro Jahrgang, bzw. fordere eine weitere Lehrkraft mit sonderpädagogischer Fachkompetenz pro Jahrgangsteam. Zusätzlich fordere ich eine Reduzierung der Klassengröße um die Aufgaben und Anforderungen, die mit der Inklusion verbunden sind auch "lösbar" bzw. "machbar" für die LehrerInnen zu gestalten.

Fortbildungen im Bereich Inklusion; ich setze mich flächendeckend für Fortbildungen im Bereich der Inklusion für ALLE Lehrkräfte ein.

Die Haushaltsverhandlungen sind natürlich ausschlaggebend dafür, wie die genannten Aspekte umgesetzt werden können. Ich würde mich jedoch vehement für den Bildungsbereich bzw. für angemessene Investitionen im Bildungsbereich einsetzen.

Beste Grüße

Patrick Öztürk
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Frage zum Thema Arbeit
11.05.2011
Von:

Sehr geehrter Herr Öztürk,

Sie schreiben in Ihrem Wahlprogramm, dass Sozialleistungen nur kurz- oder mittelfristig eine Lösung sind. Wie sieht denn Ihre Lösung dafür aus, dass viele Arbeitslose keine Stelle finden?

Grüße
Antwort von Patrick Cem Öztürk, M.Ed.
bisher keineEmpfehlungen
18.05.2011
Patrick Cem Öztürk, M.Ed.
Sehr geehrte Frau ,

Existenzleistungen der "Sozialhilfe" sollten lediglich als kurz- oder höchstens mittelfristige Überbrückung gedacht sein; die hohe Arbeitslosenzahl und die enormen damit verbundenen Kosten für das Land, stellen eine sehr komplexe Aufgabe für Politik, öffentliche Träger und Wirtschaft dar. Das sozialpolitische Handeln darf sich jedoch nicht auf die Zahlung der verbindlich vorgeschriebenen Existenzleistungen der Sozialhilfe reduzieren. Stattdessen muss über eine langfristige Lösung nachgedacht werden. Gerade in Bremerhaven sind weitergehende Angebote nötig, damit die immer noch überdurchschnittlich hohe Zahl der Langzeitarbeitslosen reduziert wird. Ich setze mich dafür ein NPOs und berufsorientierte soziale Einrichtungen bei der Arbeit der Berufs(wieder)eingliederung von Arbeitslosen zu unterstützen. Dabei ist vor allem die Akquirierung von Drittmitteln (Land, Bund, EU) notwendig um die nötigen finanziellen Mittel bereitzustellen. Neben der Bereitstellung einer Beratung für NPOs und andere in diesem Bereich tätigen Institutionen zur Akquirierung von Drittmitteln, soll jedoch auch die Agentur für Arbeit bzw. die Bagis (neben den bereits bestehenden Koops) Kooperationen mit Trägerschaften eingehen, um dem Arbeitslosen verpflichtende Qualifizierungsmaßnahmen anzubieten, die jedoch auch STRENGSTENS auf Nachhaltigkeit geprüft werden müssen. D.h., dass Investitionen in diesem Bereich optimiert werden müssen, sodass die Kosten-Nutzen-Relation stimmig ist. Ich setze mich ebenso dafür ein die Mittel der ARGE bzw. der Bagis zu erhöhen um wieder Qualifikationsmaßnahmen als Arbeitsmaßnahmen anzubieten (AGH-E, etc.). Dazu muss jedoch auch die Bereitschaft der Betriebe/Institutionen geprüft werden, Arbeitslose, die sich in einer Maßnahme befinden, zu übernehmen. Es sollte geprüft werden, inwiefern Mechanismen für ein solches Vorhaben auszusehen haben. Zudem müssen alte du neue arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen auf den Nutzen hin geprüft werden; ich setze mich dafür ein eine Kosten-Nutzen-Evaluation der derzeitigen arbeitsmarktpolitischen Maßnahme durchführen zu lassen um die Qualität von derartigen Maßnahmen zu verbessern.

Außerdem muss eine Verstärkung der Kooperation zwischen ARGE/BAGIS und Bildungs- sowie Sozialeinrichtungen erzeugt werden; Die Anforderungen an die Arbeitsmarktpolitik sind meist oft mit Problemen, die das politische Themenfeld "Soziales/Bildung" betreffen, verzahnt. Kinder von Harz IV Empfängern haben es beispielsweise schwieriger eine erfolgreiche Bildungskarriere zu absolvieren als andere Menschen. Um diesem Problem entgegenzuwirken bedarf es also an den Wurzeln zu intervenieren. D.h., dass die Eltern der betroffenen Kinder gezielt angesprochen werden müssen, dass man es diesen erleichtern muss, ihren Kindern eine erfolgreiche Bildungskarriere zu ermöglichen bzw. dass man ihnen auch vermitteln muss, wie ihre Kinder eine erfolgreichere Bildungskarriere führen können. Dementsprechend setze ich mich dafür ein das Bewusstsein der Verzahnung von sozialen und Bildungsaspekten in der Politik zu stärken um somit Investitionen in diese beiden Bereiche zu fördern. Oft befinden sich Hart IV Empfänger bereits in der zweiten Generation. D.h., dass soziale Benachteiligung "vererbt" wird. Diesem Problem muss entgegengewirkt werden durch eine effektive Bildungspolitik, die dieses Problem an der Wurzel bekämpft. Nach PISA ist bekannt, dass Bildungserfolg an die soziale Herkunft gekoppelt ist. Mit der Einrichtung von Ganztagsschulen und weitergehenden individuellen Fördermaßnahmen übernimmt die Schule die Funktion zur Erziehung, Bildung und Sozialisation der Kinder aus sozial benachteiligten Familien, die wiederum auch durch die Schulen entlastet werden. Nur so können sozial benachteiligte Kinder den Teufelskreis durchbrechen und eine positive Bildungskarriere absolvieren, welche wiederrum die Voraussetzung für Arbeit und somit für ein Leben abseits des Arbeitslosengeldes ist.

Die kurz- und mittelfrisitge Eingliederung von Arbeitslosen in den ersten Arbeitsmarkt ist aber ein genauso großes Problem. Es gibt kein einfaches Rezept für eine 100%ige Lösung, mit der Arbeitslosigkeit komplett beseitigt werden könnte. Eine Kürzung der Eingliederungs- und Qualifizierungsmaßnahmen, die von der CDU/FDP Bundesregierung vor einigen Monaten durchgesetzt wurde, ist jedoch ABSOLUT DER FALSCHE WEG, weil dadurch Arbeitslose auf der Strecke bleiben und allein gelassen werden. Stattdessen muss vorrangiges Ziel sein, Arbeitsmarktmittel ZU AKQUIRIEREN, BEREITZUSTELLEN und SINNVOLL zu verwenden:

Vorrangig muss es darum gehen einerseits Maßnahmen zur Verbesserung der Integrationschancen von Langzeitarbeitslosen und benachteiligten Personengruppen in den ersten Arbeitsmarkt durchzuführen und andererseits auch den Unternehmen Anreize bieten Arbeitslose zu übernehmen. Den unsozialen Kürzungen der Mittel der aktiven Arbeitsmarktmittel (um ca. 60%!) muss mit Unterstützung des Landes und des Jobcenters sowie der Agentur für Arbeit entgegengetreten werden. Vor allem hoffe ich auf einen Wechsel der Bundesregierung, wodurch eine Verbesserung im Bereich der Arbeitsmarktintegrationsmaßnahmen zu erwarten wäre. Wir brauchen dazu aber auch weiterhin die bisherigen durchgeführten Programme sowie eine Vernetzung mit Kommunalen- und Landesinitiativen, um eine nachhaltige Reduzierung der Langzeitarbeitslosigkeit zu erreichen. Natürlich muss es darum gehen das kommunale Arbeitsmarktprogramm ungekürzt fortzusetzen. Dazu möchte ich unter Beteiligung aller Träger arbeitsmarktpolitischer Maßnahmen prüfen, wie die Struktur der Beschäftigung- und Bildungsträger effektiver gestaltet werden kann. Auch mit der Wirtschaft sollte geprüft werden welche Maßnahmen sinnvoll sind und welche nicht.

Dazu ist die Bindung von Drittmitteln wichtig; Die Mittel der europäischen Union (insbesondere Mittel des europäischen Sozialfonds und des europäischen Fonds für regionale Entwicklung) und des Bundes sind für die Umsetzung von derartigen Projekten im Bereich Beratung, Beschäftigung und Qualifizierung unerlässlich. Zur Bindung dieser Drittmittel setze ich mich dafür ein, dass kommunale und Arbeitsmarktmittel auf Landesebene in Bremerhaven und Bremen bereitgestellt werden.

Dadurch sollen auch Projekte zur Flankierung und Durchführung von Beschäftigungs- und Beratungsangeboten für Langzeitarbeitslose und besonders benachteiligte Zielgruppen angegangen werden; In Bremerhaven weisen die Stadtteile Lehe, Leherheide und Grünhöfe sowie in Bremen die Stadtteile Gröpelingen, Tenever, Walle, Huchting, Kattenturm, Vahr und Hemelingen eine hohe Konzentration ökonomischer und sozialer Problemlagen auf. Mit den offenen Stadtteilberatungsprojekten konnten in dem Bereich Arbeitsmarkt und soziale Stabilisierung gute Erfahrungen gemacht werden. Insbesondere die Zielgruppe der Frauen, Migrantinnen und Migranten, Existenzgründerinnen und Existenzgründer konnten von dem Angebot profitieren. Diese Beratungsstellen gilt es zu erhalten. Bei der Etablierung verschiedener Angebote sind eingeworbene bzw. noch einzuwerbende Drittmittel mit weiteren Arbeitsmarktmitteln zu flankieren. Beschäftigung- und Qualifizierungsträger schaffen durch ein umfangreiches Angebot an Maßnahmen und begleitender sozialpädagogischer Betreuung für viele Langzeitarbeitslose erfolgreiche Weichenstellungen für die Übergänge in den ersten Arbeitsmarkt. Ich setze mich dafür ein diese Strukturen zu erhalten, wobei ich hierbei ebenso die Unterstützung des Bundes erwarte.

Mit freundlichen Grüßen

Patrick Öztürk
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Frage zum Thema Gleichstellung und Integration
19.05.2011
Von:

Sehr geehrter Herr Öztürk,

was wollen Sie bezüglich der Integrationsproblematik unternehmen? Migranten werden immer noch diskriminiert. Deutschland und besonders Bremen entwickelt sich zur Zwei-Klassen-Gesellschaft!

Freundliche Grüße
M.
Antwort von Patrick Cem Öztürk, M.Ed.
bisher keineEmpfehlungen
20.05.2011
Patrick Cem Öztürk, M.Ed.
Sehr geehrter Herr ,

zunächst ist es notwendig Integration als staatliche Aufgabe anzuerkennen; Integration ist keine "karitative" Angelegenheit sondern eine Aufgabe, derer Lösung sich das Land Bremen verpflichten muss und der ich mich im Interesse aller Menschen in Bremerhaven und Bremen annehmen möchte. Nur wenn Integration gelingt, kommt Bremen aus dem "sozialen Sumpf". Klar ist: Das Potential, welches in der wachsenden Gruppe der Menschen mit Migrationshintergrund liegt, wurde lange Zeit vergessen, muss jedoch genutzt werden um auch einen volkswirtschaftlichen Nutzen ziehen zu können. Klar ist aber auch, dass Integration nicht "von allein" funktioniert sondern, dass die entsprechenden Rahmenbedingungen gegeben sein müssen. Dabei müssen die demokratischen Grundwerte, egal von welcher Seite, geachtet werden. Und Ausgangspunkt sollte die deutsche Sprache sein.

D.h., Potenziale müssen genutzt und Diskriminierung muss minimiert werden; ein Migrationshintergrund ist bislang oft mit negativen Assoziationen behaftet gewesen. Es ist an der Zeit ein Umdenken einzuleiten und Potenziale von Menschen mit Migrationshintergrund zu nutzen und zu fördern. So ist die Zweisprachigkeit und Interkulturalität von Menschen mit Migrationshintergrund ein riesiger Vorteil, sei es um im Sinne einer Optimierung von Marketingstrategien um Produkte für Menschen mit Migrationshintergrund attraktiver zu gestalten, sei es im Rahmen einer Tätigkeit im öffentlichen Dienst oder in der Politik in welcher Migranten einen besseren Bezug zu anderen Menschen mit Migrationshintergrund in der Bevölkerung herstellen können oder sei es im internationalen Geschäft zwischen dem Herkunftsland und Deutschland (vor allem EU-Länder). Zweisprachigkeit und Interkulturalität ist ein klarer Vorteil, der auch riesiges volkswirtschaftliches Potenzial birgt und daher gefördert werden muss, u.a. durch ein zusätzliches Angebot an Schulen im Bereich der Fremdsprachen, durch gezieltes Anwerben von Migranten im öffentlichen Dienst bei Wahrung des Leistungsprinzips (!), durch die Förderung von Schüleraustauschen in Länder wie die Türkei und/oder die EU-Herkunftsländer wie Polen, etc. und durch eine intensive Behandlung der Konsequenzen durch das Wirtschaftsbündnis Europäische Union im Schulunterricht, durch welches viele Herkunftsländer von Migranten nun in noch engere vor allem auch wirtschaftliche Verbindungen mit Deutschland getreten sind. Ziel ist es die Stärken von Migranten in das Bewusstsein der Bevölkerung und auch der Unternehmen zu rücken, um Einstellungschancen zu erhöhen und der (wissenschaftlich nachgewiesenen) Diskriminierung von Migranten entgegenzuwirken.

Die Förderung von NPOs und anderen im Integrationsbereich tätigen Einrichtungen ist zudem wichtig; ich setze mich dafür ein, diese Einrichtungen bei ihrer Integrationsarbeit zu unterstützen, beispielsweise durch zur Verfügungsstellung einer Beratungsfachkraft zur Anwerbung von Drittmitteln, zur Verbesserung/Ökonomisierung der Organisationsstrukturen, etc.

Zudem muss sich die Politik den Entfremdungsängsten, Befürchtungen und Wünsche öffnen und diese offen ansprechen. Die Entwicklung eines Integrationskonzeptes muss dementsprechend vorangetrieben werden; es wurde bislang "verpasst" ein schlüssiges Integrationskonzept zu verfassen und umzusetzen. Ich setze mich dafür ein, dass dies schnellstmöglich nachgeholt wird.

Frühförderung und Elternarbeit ist zudem wichtig; einer der wichtigsten Bestandteile eines Integrationskonzeptes wird es sein für die Orte, an denen hoheitlicher Einfluss (Schulen, Ämter, etc.) auf Menschen mit Migrationshintergrund besteht, Mechanismen zu finden um Eltern von Kindern mit Migrationshintergrund gezielt anzusprechen und um ihnen zu helfen, dass ihre Kinder sich zu mündigen Menschen entwickeln können. Eine solche Intervention gelingt am besten in den Schulen, in denen ein ganzheitliches Bildungskonzept angestrebt wird. D.h., dass genügend Sozialpädagogen zur Verfügung gestellt werden müssen, dass solche integrativen Aufgaben wahrgenommen werden können. Des Weiteren bedarf es der Einrichtung von Mechanismen um die Kooperation zwischen Schule und Eltern zu stärken. Gerade in Schulen des Primarbereichs, sowie ebenfalls Einrichtungen zur frühkindlichen und kindlichen Betreuung wird die Integrations- und Elternarbeit einen großen Anteil ausmachen werden. (siehe weiterführend die Frage von S.S.)

Zur Sprache: v.a. für Kinder aus Familien mit Migrationshintergrund ist die Sprache der Schlüssel zum Erfolg; daher setze ich mich dafür ein, dass die Sprachstandserhebungen in den Kindertagesstatten und in der Grundschule fortgeführt werden und dass Kinder mit Verzögerungen in der Sprachentwicklung noch gezielter und intensiver als bisher gefördert werden.

Auch die Jugendbildungsarbeit sollte sich v.a. auf Integrationsarbeit konzentrieren; ich setze mich dafür ein, dass die Jugendbildungsarbeit in Bremerhaven/Bremen fortgesetzt wird, dass jedoch auch eine verstärkte Einbeziehung von Jugendlichen mit Migrationshintergrund im Rahmen von Vereinbarungen festzulegen ist.

Der nächste Ansatz wäre eine gezielte Anpassung des öffentlichen Dienstes an gesellschaftliche Gegebenheiten; Obwohl die oberste Priorität bei der Einstellung in den öffentlichen Dienst die Leistung und Qualifikation ist, sollen gezielt Menschengruppen angeworben werden, die im öffentlichen Dienst weniger vertreten sind. D.h., dass es beispielsweise wünschenswert wäre mehr Menschen mit Migrationshintergrund als Polizisten oder Lehrer zu sehen.

Gleiches gilt für die Verwaltung: ich setze mich dafür ein, dass gerade in den Verwaltungen gezielt Menschen mit Migrationshintergrund angeworben werden (interkulturelle Öffnung). Es ist wichtig, dass Menschen mit Migrationshintergrund erstens Ansprechpartner finden, zu denen sie einen Bezug aufbauen können und zweitens auch Vorbilder in diesen erkennen.

Ein anderer wichtiger Punkt ist die Verankerung der interkulturelle Bildung im Bremischen Schulgesetz; orientiert an den Erkenntnissen in der interkulturellen Bildung sollen Inklusion aber auch interkulturelle Bildung explizit im Bremischen Schulgesetz verankert werden. Interkulturelle Bildung in der Schule soll den SchülerInnen Verständnis für fremde Kulturen, Religionen und Traditionen vermitteln. Verständnis ist der erste Schritt zur Integration.

Der nächste zu nennende Aspekt ist "Sport als Integrationsmaßnahme"; Sport ist ein unverzichtbares Element unserer Gesellschaft. Ihm kommt eine zentrale Bedeutung für das Gemeinwohl und - angesichts eines beschleunigten sozialen Wandels - eine zentrale gesellschaftliche Integrationsfunktion zu. Ich setze mich dafür ein weiterhin den Sport zu fördern und für Jugendliche attraktiv zu gestalten.

Des weiteren plädiere ich für eine Prüfung des Wahlrechts; es sollte geprüft werden inwiefern es Möglich ist das Wahlrecht für Menschen mit Migrationshintergrund, die seit Jahrzehnten in Deutschland leben, hier arbeiten und eine Familie haben, jedoch nicht Wählen dürfen, zu ändern.

Auch die Änderung der asylrechtlichen Gegebenheiten ist ein wichtiger Punkt; viele Asylbewerber werden in Bremen seit Jahren beschult ohne Aussicht darauf die Möglichkeit zu bekommen arbeiten zu dürfen. Es sollte geprüft werden inwiefern bei Menschen, deren Rückkehr in die Heimat aufgrund von Krieg oder anderen längerfristig andauernden Gegebenheiten eher unwahrscheinlich ist, die Chance auf einen anderen Rechtsstatus zu erhalten um ihnen die Möglichkeit zu arbeiten einzuräumen, was ebenfalls deren Motivation in der Schule steigern könnte.

Funktionierende Strukturen wie der "Rat auslandischer Mitburgerinnen und Mitburger" (RAM) und das Migrationsnetzwerk Bremerhaven bleiben außerdem zwei wichtige Säulen im Integrationskonzept; ich setze mich dafür ein sicher zu stellen, dass der RAM weiterhin lediglich für Menschen ohne deutschen Pass zur Verfügung steht und dass diese Strukturen mehr Stimmrechte bei politischen Entscheidungsprozessen erhalten.

Der Ausbau der Strukturen innerhalb von "Migranteneinrichtungen" soll angegangen werden; es soll geprüft werden, welche Arbeit Vereine, Verbänder oder ähnliche Einrichtungen, die sich mit Integrationsarbeit oder mit der Arbeit mit Migranten beschäftigen, leisten. Außerdem soll geprüft werden, inwiefern die Politik einen Beitrag dazu leisten kann diese Einrichtungen bei ihrer Arbeit zu unterstützen.

Auch Aufklärungsarbeit für Menschen mit Migrationshintergrund ist wichtig; ich setze mich dafür ein in den Vierteln, in denen Menschen mit Migrationshintergrund überwiegend leben, vermehrt politische Aufklärungs- und Öffentlichkeitsarbeit durchzuführen, beispielsweise durch Stadtteilmentoren. Diese Stadtteilmentoren sollen jedem Sozialenbrennpunktviertel zugeteilt werden und in ausreichender Zahl den Problemen in den Vierteln entgegenzuwirken.

Ich hoffe Ihnen hiermit weitergeholfen zu haben. Bitte schauen Sie sich auch weiterführend meine Antwort auf die Frage von S.S. an oder schauen Sie auf meiner Internetseite vorbei: www.patrick-oeztuerk.de)



Beste Grüße
Patrick Öztürk
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Frage zum Thema Familie und Senioren
19.05.2011
Von:

Sehr geehrter Herr Öztürk,

verhältnismäßig dominieren SchülerInnen an Förderzentren und Hauptschulen, die einen Migrationshintergrund haben. An Gymnasien sind Migrantenkinder verhältnismäßig zur Gesellschaftlichen Struktur eher unterbesetzt. Die Probleme hierfür sind bekannt: Sprache, soziale Herkunft und die gängige Integrationsproblematik.

Haben Sie Ansätze um diesen Problemen entgegenzuwirken?

Mit freundlichen Grüßen

S.S.
Antwort von Patrick Cem Öztürk, M.Ed.
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20.05.2011
Patrick Cem Öztürk, M.Ed.
Sehr geehrter Herr S.S.,

1) die soziale Problemlage sowie die Verhältnisse im Bildungsbereich sind mir wohl bekannt. Auf wissenschaftlicher Ebene wird schon lange über eine Lösung nachgedacht. In der Politik hat es lange gedauert bis man Lösungsansätze "durchbekommen" hat. Die Roten und Grünen haben m.E. nach jedoch den ersten und wichtigsten Schritt zur Besserung der von Ihnen geschilderten Problematik unternommen - nämlich die Einführung von Ganztagsschulen. Denn seit PISA ist klar: Kinder aus sozial schwachen Familien (worunter verhältnismäßig auch viele Familien mit Migrationshintergrund fallen) haben ein mehrfach erhöhtes Risiko keine positive Bildungskarriere zu durchlaufen. Dies hängt damit zusammen, dass Erziehung, Bildung und Sozialisation des Kindes größtenteils innerhalb der Familie geschehen und erst an zweiter oder dritter Stelle in der Schule (neben dem Einfluss des Freundeskreises und der Medien). D.h., dass wenn Eltern einen niedrigen Bildungsstand haben (oder die Sprache nicht richtig sprechen können, oder finanziell nicht gut ausgestattet sind um sich "Bildungsmittel" zu organisieren (Internet, Computer, Bücher, etc.) oder sonst ein Defizit haben, welches verhindern könnte, dass das Kind die bestmögliche Erziehung erhält) die Wahrscheinlichkeit erhöht ist, dass auch das Kind bei einem niedrigen Bildungsstand verbleibt (dies ist allerdings nicht genetisch bedingt, so wie es Herr Sarrazin meint sondern durch die soziale Herkunft!!!). Durch die Einführung der Ganztagsbetreuung kann die Schule dementsprechend mehr Einfluss auf Erziehung, Bildung und Sozialisation des Kindes nehmen und diesem Problem entgegenwirken.

2) Allerdings erschwert es die pädagogische Arbeit mit Jugendlichen, wenn Kinder erst im Jugendalter eine derartige Betreuung erhalten. Deshalb ist besonders auch die frühkindliche Bildung sowie die Bildung im Kindesalter enorm wichtig, um "die Weichen für das Kind in die richtige Richtung zu stellen". D.h., dass für eine nachhaltige Bildungspolitik es in Zukunft immer wichtiger werden wird noch mehr Investitionen in den Bereich der (früh-) kindlichen Bildung zu tätigen. Ich bin der Ansicht, dass beide Bereiche optimiert und unterstützt werden müssen. Damit meine ich eine finanzielle/personelle Unterstützung und eine schrittweise Ausweitung zur Ganztagstätigkeit nicht nur im Primarbereich. Ich halte ebenso eine Änderung/Verbesserung der Ausbildung von ErzieherInnen sowie eine Erhöhung der Kita-Plätze für äußerst notwendig. Denn die (leiblichen) Erfahrungen, die ein Kind in der frühesten Zeit macht, prägen das Kind für den Rest des Lebens. Auch die grundlegenden Züge der Persönlichkeit werden im frühen Entwicklungsstadium ausgebildet. Daher ist die Arbeit mit den Kleinsten grundlegend für deren weiteren Werdegang und daher äußerst von Bedeutung; um den Kindern einen guten Start ins Leben zu ermöglichen, sollen ALLE Kinder die BESTE Unterstützung in den Krippen/Kindergärten erhalten. Deshalb setze ich mich dafür ein, die Ausbildung von ErzieherInnen näher an erziehungswissenschaftlichen, psychologischen und sozialwissenschaftlichen Erkenntnissen auszurichten und an die Anforderungen einer interkulturellen Gesellschaft anzupassen. Dabei sollen auch gezielt männliche und Interessierte mit Migrationshintergrund angeworben werden um den gesellschaftlichen Gegebenheiten in der Krippe/im Kindergarten besser entsprechen zu können. Kurz- bis mittelfristig sollte auch das Angebot eines Mittagstisches an der Grundschule ein sinnvolles Angebot zur Ergänzung der Horte sein. Denn eine gesunde Ernährung (wie auch eine Hausaufgabenhilfe) gehören zu einer ganzheitlichen Förderung der Kinder um dem von Ihnen genannten Problem entgegenzuwirken.

3) Bislang steht die SPD zu ihrem Wort und hält an den Sprachstandserhebungen im Kindesalter fest - dies halte auch ich für sehr wichtig. Denn Sprache ist ein wichtiger Faktor, der Bildungserfolg ausmacht. Wenn bereits früh in jungen Jahren festgestellt werden kann, dass ein Kind Defizite mit der deutschen Sprache hat, können Fördermaßnahmen effektiv durchgeführt werden. Werden diese Fördermaßnahmen nicht getroffen, besteht während der gesamten Schullaufbahn des Kindes ein reduzierter Zugang zu schulischen Inhalten.

4) Die Frage der Diskriminierung ist ein sehr weitreichendes Problem, welches ich bereits in einer anderen Antwort beschrieben habe (bitte lesen Sie sich hierzu die entsprechende Antwort durch). In Bezug auf das Bildungssystem: nun werden alle Kinder (ob H, R oder Gy) zusammen an den Oberschulen unterrichtet - diese Gegebenheit bildet nun einen ganz neuen Ausgangspunkt. Die Aufgabe der Politik wird es in Zukunft sein vor allem die Kinder mit Migrationshintergrund "im Blick zu behaltet". Denn diese könnten nun leicht auch in dieser neuen Schulform "wieder vernachlässigt" werden (z.B. durch die bereits vorangetriebene und von mir kritisierte Reduzierung der künstlerisch/musischen Fächer, in denen für diese Kinder eigentlich ein hohes Bildungspotenzial verortet werden sollte). Es sollte dementsprechend ernsthaft kontrolliert und darüber nachgedacht werden, welche Änderungen tatsächlich gut für Kinder mit Migrationshintergrund sind und welche nicht.

Herzlichst
Patrick Öztürk
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