Ottmar Schreiner (SPD)
Kandidat Bundestagswahl 2005
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Grunddaten
Ottmar Schreiner
Jahrgang
1946
Berufliche Qualifikation
Jurist
Ausgeübte Tätigkeit
Mitglied des Deutschen Bundestages
Wohnort
-
Wahlkreis
Saarlouis
Ergebnis
40,4%
Landeslistenplatz
1, Saarland
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Frage zum Thema Arbeit
25.08.2005
Von:

Guten Tag Herr Schreiner,

gestern habe ich mit großem Interesse die Diskussion mit Herrn Schröder verfolgt. Erschreckt hat mich, wie er mit einer Kälte und Arroganz seine Hartz 4 Reformen verteidigt. Er fand es als gerecht an, dass normale Menschen die ihr ganzes Arbeitsleben für das Alter gespart haben, diese falls der Fall der Fälle, ALG2 eintritt, erst verbraten werden muß. Auch in diesem Fall war Herr Schröder wieder sehr schlecht informiert und hat für mich wieder bewußt gelogen. Die Beispiele, der Sozialsysteme der Länder, welche er anführte stimmten in keinster Weise mit der Wirklichkeit überein, selbst in USA lassen die Behörden die Finger von der Altersversorgung.

Ich bin vor kurzem auf folgenden Fall gestoßen. Einem knapp 18 jähriger Schüler, mit einem nicht gerade überragenden Notendurchschnitt (Faulheit), bekam von der Arbeitsagentur mehrere Ausbildungsverhältnisse angeboten. Aufgrund der mangelnden Motivation kam es bis heute zu keinem Ausbildungsvertrag. Ab nächsten Monat ist dieser junge Mann in der ARGE "Junges ******" geparkt. Das bedeutet, da er sich seit kurzem in einem eigenen Hausstand befindet, er bekommt ALG 2. Ein Mitbürger/in, welche(r) z.B. bis zum 55 Lebensjahr gearbeitet hat, ein paar Euro für die Altervorsorge/Lebensversicherung ansparte, muss zuerst alles "versilbern" bevor überhaupt ein Euro vom Staat zugeschossen wird. Auf der einen Seite predigt die Politik -Sparen für das Alter-, auf der anderen Seite wird die private Altersvorsorge abgenommen und das ganze Problem bei zu knapper Rente auf die Sozialhilfe im Alter verschoben. Nicht einmal die Länder, welche den Wählern immer wieder als Beispiel in der Sozialpolitik aufgezählt werden, greifen die Rentenfonds, Versicherungen, Konten für die Altersvorsorge an. Ich finde es ungeheuerlich und eine menschenverachtende Politik, dass Mitbürger, die das ganze Leben gearbeitet haben, bei einer Arbeitslosigkeit einige Jahre vor der Rente alles genommen wird. Der Selbstbehalt ein "Witz" und geringer als das, was ein Herr Eichel im Monat an Pension bekommt. Wer bisher noch nie gearbeitet hat und evtl. in der 2. oder 3. Generation von Sozialhilfe lebt oder gelebt hat, muss den Normalbürger für dumm halten. Nie gespart/vorgesorgt und doch gewonnen!!!

"Wer fürs Alter spart ist selbst schuld", Kommentar in der Süddeutschen Zeitung und in der FAZ. Ich persönlich bin für mehr Eigenverantwortung, wehre mich allerdings dagegen, welche Maßstäbe im Bereich der Altersvorsorge getroffen/angewandt werden. Von Ihren Politiker Kollegen wird z.B. die Riesterrente als unangreifbar hingestellt. Für über 50 jährige ist diese Aussage ein Hohn. Diese Generation konnte in die Riesterrente bis heute nur Peanuts ansparen. Des weiteren interessiert mich Ihr Standpunkt, was Sie von einem Gesetz gegen die Altersdiskriminierung halten. Die USA leben z.B. sehr gut damit. Werden Sie diesen Umstand nach der Wahl ändern? Mit Spannung erwarte ich Ihre Antwort.

Mit freundlichem Grüssen
Antwort von Ottmar Schreiner
4Empfehlungen
30.08.2005
Sehr geehrter Herr ,

für Ihr Interesse an meinen Positionen bedanke ich mich. Wie Sie vielleicht wissen, habe ich mich bis zuletzt für Änderungen beim sog. Hartz IV-Gesetz eingesetzt und im Bundestag gegen das jetzt geltende Gesetz gestimmt, da ich die massiven Verschlechterungen, die es für viele – und insbesondere für ältere Arbeitslose - bedeutet, nicht mittragen konnte.

Ich plädiere seit langem dafür, dass der Anspruch auf Arbeitslosengeld (ALG I) an die Beitragsjahre gekoppelt, die Anspruchsdauer also je nach Beitragsjahren gestaffelt wird. Dadurch würden Arbeitslose, die lange in die Versicherung einbezahlt haben, auch länger Arbeitslosengeld erhalten. Es ist nicht akzeptabel, dass Menschen nach jahrzehntelanger Beitragszahlung innerhalb eines Jahres auf Sozialhilfeniveau fallen. Im Juli wurde mit den Stimmen der Abgeordneten von SPD und Bündnis90/Die Grünen zumindest eine Verlängerung der Übergangsfrist für ältere Arbeitnehmer bis zum 31.01.2008 bei der Bezugsdauer des ALG I beschlossen. Doch selbst diese Verbesserung wird von CDU/CSU und FDP im Vermittlungsausschuss blockiert.

Der Freibetrag für Altersvorsorge, der beim Arbeitslosengeld II nicht angerechnet wird, muss deutlich erhöht werden, um Altersarmut zu vermeiden. Für ältere Menschen ist es unerheblich dass Riester-Anlageformen als Schonvermögen gelten, da Riester-Verträge für sie in der Regel nicht mehr sinnvoll sind. Auch darin stimme ich mit Ihnen überein. Es ist geradezu widersinnig, dass jemand sein nachweislich für das Alter Erspartes noch kurz vor der Rente aufbrauchen muss, um dann erneut von staatlichen Transferleistungen abhängig zu sein.

Dringender Korrekturbedarf besteht bei dem sog. Hartz IV-Gesetz zudem bei folgenden Punkten:
  • Es darf nur Arbeit zumutbar sein, die nach Tarif- oder ortsüblichem Lohn bezahlt wird.
  • Die Regelsätze müssen erhöht und der Lebenswirklichkeit angepasst werden.
  • Beim § 428 SGB III („58er Regelung“) ist dem Vertrauensschutz Rechnung zu tragen.
  • Die Anrechnung von Partnereinkommen muss sich stärker an den bisherigen Regelungen der Arbeitslosenhilfe orientieren.
  • Lohndumping durch Arbeitsgelegenheiten (1-Euro-Jobs) muss eingestellt werden.

Für diese Änderungen werde ich weiterhin kämpfen.

Zu Ihrer Frage, ob wir gesetzliche Regelungen gegen Alterdiskriminierung brauchen, möchte ich auf das von SPD und Grünen im Bundestag verabschiedete Antidiskriminierungsgesetz verweisen. Mit diesem Gesetz und seinem Ansatz der sozialen Eingliederung wird allen Bestrebungen eine Absage erteilt, die die Arbeitslosigkeit dadurch verringern wollen, dass bestimmte Gruppen (z.B. Frauen, Ältere, Menschen mit Behinderungen) aus dem Erwerbsleben verdrängt werden. Auch dieses Gesetz wird von Union und FDP im Bundesrat blockiert. Es ist schon absurd, dass diejenigen, die das Antidiskriminierungsgesetz ablehnen und damit auch Altersdiskriminierung weiter hinnehmen, gleichzeitig dafür plädieren, das Renteneintrittsalter zu erhöhen. Tatsache ist, dass die wenigsten Arbeitnehmer heute noch die Chance erhalten bis zum Eintritt in die Rente zu arbeiten. Hier ist dringend ein Umdenken der Wirtschaft notwendig, die erkennen muss, welchen Wert ältere Arbeitnehmer in den Unternehmen haben. Wenn dieses Umdenken nicht freiwillig erfolgt, bin ich für gesetzliche Regelungen.

Mit freundlichen Grüßen
Ottmar Schreiner
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Frage zum Thema Rente
30.08.2005
Von:

Sehr geehrter Herr Schreiner,

Herzlichen Dank für Ihre inhaltlich, umfassende Antwort. Es gibt in Baden-Württemberg von der Diözese Rottenburg-Stuttgart ein Aktionsbündnis "Solidarische Alterssicherung"
Homepage: 3-stufen.de
Dieses Modell stellt eine Alternative zu den aktuellen Privatisierungstendenzen in den sozialen Sicherungssystemen dar und bietet zudem die Möglichkeit, die notwendige Reform und Fortentwicklung der GKV aus meiner Sicht finanziell verträglich und ausgeglichen zu gestalten.
Die Einführung einer bedarfsunabhängigen Mindestsicherung unabhängig von Erwerbsarbeitszeiten bewirkt, dass Erwerbsarbeit nicht mehr ausschließliche Bezugsgröße des Alterssicherungssystems ist. Die soziale Sicherung im Alter wird damit auf eine breitere Basis gestellt.
Bestandteile dieser Sicherung umfassen eine Sockelrente, Arbeitnehmerpflichtversicherung sowie betriebliche und private Altersvorsorge. Folgende Auswirkungen:
1. Eigenständige Alterssicherung für jeden und jede,
2. Verhinderung von Altersarmut,
Anreiz zur Aufnahme von Erwerbsarbeit, denn jeder Beitrag (aus Erwerbsarbeit, Kindererziehung und Pflege) führt von Beginn an zu einem Rentenanspruch oberhalb des Existenzminimums,
3. Bessere Möglichkeit, Erwerbsarbeit zu teilen, da das Existenzminimum durch die Sockelrente garantiert wird und auch niedrige Beiträge den Rentenanspruch erhöhen,
4. Wesentlich bessere Anerkennung der Familienleistungen durch Kombination von Sockelrente und Berücksichtigung von 6 Jahren Kindererziehungszeiten,
5. Beitrag zur eigenständigen Alterssicherung von Frauen,
6. Stärkung des Solidaritätsprinzips in der Gesellschaft durch eine wirkliche Reform der Alterssicherung,
Die kurze Auflistung von Argumenten dieses Modells, dass aus meiner Sicht eine wahre Bereicherung ist.

Ich freue mich über eine Antwort von Ihnen!

Herzliche Grüße
Antwort von Ottmar Schreiner
bisher keineEmpfehlungen
07.09.2005
Sehr geehrter Herr ,

für Ihr zweites Schreiben zur gesetzlichen Rentenversicherung bedanke ich mich.

Das von Ihnen genannte 3-Stufen Modell des "Aktionsbündnis Solidarische Alterssicherung", das von katholischen Verbänden entwickelt wurde und zu dem ich vor nicht allzu langer Zeit ein Gespräch mit dem Bundesvorstand der Katholischen Arbeitnehmer Bewegung (KAB) geführt habe, halte ich für einen überlegenswerten Vorschlag.

Das Modell einer steuerfinanzierten Sockelrente, die durch eine beitragsfinanzierte Arbeitnehmerpflichtversicherung und durch betriebliche und private Altersvorsorge ergänzt werden soll, ist unter sozialpolitischen Gesichtspunkten gewiss bedenkenswert, da Geringverdiener und Versicherte mit unsteten Erwerbsverläufen besser gestellt werden sollen.

Allerdings entstehen genau an diesem Punkt auch die politischen Probleme des Modells: Da die Gesamtversorgung für Durchschnittsverdiener in etwa dem heutigen Niveau entsprechen soll, bedeutet dies, dass der "Wert" der beitragsfinanzierten Pflichtversicherung abgesenkt würde. Personen mit hohem Einkommen erhielten im Alter also eine deutlich geringere Rente als im geltenden Recht, müssten aber in hohem Maße zur Steuerfinanzierung der Sockelrente beitragen. Grundlegendes Prinzip der gesetzlichen Rentenversicherung ist jedoch die Beitragsbezogenheit der Rente. Das heißt: Die Höhe der Rente muss - vereinfacht gesehen - in Beziehung stehen zu der Höhe und der Dauer der Beitragszahlung. Die "Mindestrente" dagegen meint einen garantierten Betrag, unabhängig von der Höhe und der Dauer der Beitragszahlung. Angesichts der großen Akzeptanz, die die Beitragsbezogenheit von Leistungen in der Bundesrepublik genießt, dürfte es sehr schwer sein, ein derartiges Modell gesellschaftlich durchzusetzen.

Das Zentralkomitee der Katholiken hat sicherlich auch aus diesem Grund in dem Beschluss der Vollversammlung vom 19. November 2004 zur Zukunftsfähigkeit der gesetzlichen Rentenversicherung auf einen derartigen Systemwechsel verzichtet und stattdessen Vorschläge zur Reform innerhalb des bestehenden Rentensystems unterbreitet.

Mit freundlichen Grüßen

Ottmar Schreiner
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Frage zum Thema Kultur
07.09.2005
Von:

Sehr geehrter Herr Schreiner,

was meint Ihre Partei eigentlich konkret, wenn sie den Begriff "soziale Gerechtigkeit" verwendet? Beinhaltet der Begriff Gerechtigkeit nicht schon das Soziale oder gibt es etwa eine auch eine "unsoziale Gerechtigkeit"?
Was konkret macht die "soziale Gerechtigkeit" zu einem besseren Gerechtigkeitskonzept als eine Leistungsgerechtigkeit auf der Basis von Chancengleichheit?

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Frage zum Thema Umwelt
08.09.2005
Von:

Sehr geehrter Herr Schreiner,
Ich möchte wissen, welche Position SIE SELBST als Kandidat und vielleicht zukünftiger Volksvertreter für mich wichtigen Fragen haben.

RATIFIZIERUNG DER ILO-KONVENTION NR. 169

Durch ihre Mitwirkung in internationalen Institutionen, bei Entwicklungsprojekten mit Beteiligung deutscher Institutionen und über den Bezug unzähliger Rohstoff trägt die Bundesrepublik Mitverantwortung für die Auswirkung auf die indigenen Völker. Durch eine Ratifizierung der ILO-Konvention Nr. 169 könnte die Bundesrepublik Deutschland Maßstäbe für eine neue Partnerschaft mit den Ureinwohnern im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit setzen und dieses einzige verbindliche Vertragswerk, das einen ganzen Katalog von Grundrechten der indigenen Völker festschreibt, stärken.
Weitere Information: www.ilo169.de

Meine Frage: Unterstützen Sie die Ratifizierung der ILO-Konvention Nr. 169 durch die Bundesrepublik?

RECYCLING-PAPIER

Der Papierverbrauch in Deutschland trägt mit ca 230 kg pro Kopf im Jahr zur Zerstörung von Waldökosystemen und sozialen Spannungen weltweit bei und stellt in keinster Weise ein nachahmenswertes Beispiel für ärmere Länder mit Nachholbedarf dar. Ein als global nachhaltig zu bezeichnender Prokopfpapierverbrauch sollte unter 150 kg pro Jahr betragen. Ein erster wirksamer Schritt in diese Richtung ist die Verwendung von Recyclingpapier, da dadurch der Einsatz von Primärfaser reduziert wird.

Meine Frage: Ist Ihnen diese Problematik so wichtig, dass in Ihrer Arbeit und im Privatleben Recycling-Papier den Vorzug geben, solange dies aus technischen Gründen möglich ist?

MfG

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Frage zum Thema Arbeit
08.09.2005
Von:

Sehr geehrter Herr Schreiner,

nach aktuellen Umfragen könnte Rot-Grün zusammen mit der Linkspartei eine absolute Mehrheit erreichen - die einzige Alternative wäre eine große Koalition.
Da die Vorstellungen der Linkspartei sicher eher denen der SPD entgegenkommen als die der CDU, wäre das doch die Chance wieder Gerhard Schröder zum Kanzler zu machen. Würden Sie sich dafür aussprechen diese Möglichkeit zur Koalition zu nutzen?

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