Sehr geehrte Frau

,
vielen Dank für Ihre sehr konkreten Fragen. Die Ungerechtigkeit, die Sie beschreiben, ist Thema vieler Bürgergespräche, die ich in diesen Tagen führe. Die Krise trifft vor allem die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, obwohl diese mit den Ursachen nichts zu tun haben. Im Gegenteil: Durch oft jahrelangen Lohnverzicht haben sie die Gewinnmargen erst möglich gemacht, die jetzt an den Börsen verzockt wurden. Nach dem Rettungsschirm für die Banken, muss der Rettungsschirm für die Arbeitsplätze endlich voll aufgespannt werden. Dazu gehören neben der Kurzarbeit, der gesetzliche Mindestlohn sowie eine verbesserte Kreditvergabe an kleine und mittlere Unternehmen, die einen Großteil der Arbeits- und Ausbildungsplätze in Deutschland zur Verfügung stellen. So richtig die Stützung des Bankensektors war, weil ein Zusammenbruch nicht nur die Banken, sondern auch viele Unternehmen mit in den Abgrund gerissen hätte, so entscheidend ist es jetzt, darauf zu drängen, dass das ‚billige Geld’, mit dem sich die Banken eindecken können, auch bei den Kunden ankommt.
Allein in Hamm leben 5.737 Kinder in Armut. Das ist angesichts der Milliardensummen, die anderswo bewegt werden, ein Skandal. Sie fragen zu Recht: Wie kann da kommunal wirksam gegengelenkt werden? Deswegen haben wir als HammSPD ganz konkrete Anträge im Rat gestellt, um Armut zu bekämpfen und faire Zukunftschancen zu schaffen. Wir wollen ein Soziales Förderbudget an jeder Schule, um für Kinder aus finanzschwachen Familien Schulkosten für Bücher, Mittagessen und Klassenfahrten als regelmäßige Leistungen zu übernehmen. Für die Erwachsenen steht für uns der HammPass im Mittelpunkt, unser Angebot für ein kostengünstiges Sozialticket für Bus und Bahn. Im HammPass steckt aber noch mehr: unbürokratische Vergünstigungen bei öffentlichen Angeboten. Denn mit Armut verbunden sind fehlende Sozialkontakte, Ausgrenzung und Vereinsamung. Sie sehen: Das soziale Hamm setzt auf konkrete Maßnahmen nicht auf blumige Worte.
Wie Sie bestimmt wissen, standen wir als SPD auf der Seite der Erzieherinnen in Hamm und haben ihren Kampf um mehr Lohn und bessere Arbeitsbedingungen unterstützt. Ergänzend dazu haben wir am 30.06. diesen Jahres einen Antrag im Rat der Stadt gestellt, der sich konkret mit den Arbeitsbedingungen in unseren kommunalen Kindertagesstätten auseinandersetzt: "Aus diesem Grunde beantragt die SPD-Fraktion die Verwaltung zu beauftragen, alle kommunalen Kindertagesstätten mit lärmdämmenden Maßnahmen auszustatten und entsprechende Sitzgelegenheiten anzuschaffen, die den ergonomischen Bedürfnissen der Mitarbeiter entsprechen." (Wortlaut des Antrags).
Was die Sparkasse konkret angeht: Wir wollen, dass sie nicht privatisierungsreif gemacht wird, wie CDU und FDP das im Land bereits versucht haben. Ihre Finanzdienstleistungen selbst sind Daseinsvorsorge. Neben der Kreditvergabe an handwerkliche und mittelständische Betriebe muss sie Menschen ein Konto gewähren, die eine private Bank nicht als Kunden haben möchte. Anders als Sie schreiben, ist die Politik allerdings nicht im Vorstand der Sparkasse vertreten. Das tägliche Geschäft führen die Bankvorstände eigenverantwortlich. Dazu gehören auch die Zinsen für den Kontokorrent, die nach wirtschaftlichen Maßstäben festgelegt werden. Die Kosten für kurzfristige Überziehungskredite übersteigen die langfristiger Finanzierung dabei erheblich, wodurch es auch zu entsprechend hohen Zinsen kommt. Es wäre unredlich Ihnen zu versprechen, dass ich dies auch als Oberbürgermeisterin ändern könnte.
Das soziale Hamm macht sich stark für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, faire Zukunftschancen für Kinder und Jugendliche sowie gegen Privatisierungen. Gemeinsam mit Ihnen möchte ich das nach der Wahl als Oberbürgermeisterin unserer schönen Stadt umsetzen.
Mit freundlichen Grüßen
Monika Simshäuser