Sehr geehrter Herr

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vielen Dank, dass Sie mich auf den geplanten DB-Haltepunkt im Bundesviertel und die Kritik des Steuerzahlerbundes ansprechen.
Zunächst einige grundsätzliche Anmerkungen: Es ist wichtig ein kritisches Auge auf den Umgang mit Steuermitteln zu haben und Maßnahmen auf ihre Sinn- und Zweckmäßigkeit hin zu überprüfen. In diesem Falle ist die Kritik des Steuerzahlerbundes aber unberechtigt.
Die Gronau ist der Arbeitsplatzschwerpunkt nicht nur für Bonn, sondern auch für den Rhein-Sieg-Kreis und das nördliche Rheinland-Pfalz. Mehrere Tausend Menschen pendeln täglich in die Gronau. Die Folgen sind verstopfte Straßen, Parkplatzmangel sowie genervte AnwohnerInnen und gestresste AutofahrerInnen. Der DB-Haltepunkt ist eine jahrzehntealte Forderung der Bonner Kommunalpolitik und eine Antwort auf diese Probleme. Leider finden sich in dem Artikel des Steuerzahlerbundes, in dem der DB-Haltepunkt kritisiert wird, keine alternativen Vorschläge wie dieser Verkehr umweltgerecht und kostengünstig bewältigt werden kann.
Ich teile Ihre Einschätzung nicht, dass der DB-Haltepunkt zu mehr Verkehr führen wird und damit die Menschen in der Gronau stärker belastet. Ganz im Gegenteil: Viele Beschäftigte werden lieber auf das Auto verzichten und mit dem günstigen Jobticket der Bonner Stadtwerke zur Arbeit fahren. Auch für viele Konzert- und MuseumsbesucherInnen wird dies eine komfortable Anreise bieten. Denn für die BahnfahrerInnen wird sich die Fahrtzeit um weit mehr als fünf Minuten verkürzen, weil das zeitraubende Umsteigen am Bonner Bahnhof entfällt. Davon bin ich fest überzeugt und diese Steuerungswirkung ist politisch auch so beabsichtigt.
Es handelt sich nicht um einen Luxus-Bahnsteig, sondern um einen Standardhaltepunkt, d.h. neben den Schienen werden Plattformen mit Überdachungen gebaut. Für einen größeren Bahnhof wäre an dieser Stelle auch gar kein Platz. Übrigens wird es mit dem DB-Haltepunkt auch eine Fußgängerquerung geben. Wenn Sie in der Gronau wohnen, wissen Sie, wie oft man sich bisher an den geschlossenen Schranken die Beine in den Bauch steht.
Meine Antworten:
Zu 1) Als der Grundsatzbeschluss für den DB-Haltepunkt gefallen ist, war ich noch kein Mitglied des Rates. Wäre ich damals Mitglied gewesen, hätte ich den Beschluss aber unterstützt. Folgebeschlüsse habe und werde ich auch weiterhin mittragen.
Zu 2) Ich unterstütze die Forderung nach einer Nachtabsenkung der Lautsprecheransagen während des Bahnhofbetriebs. Siehe auch Antwort 5.
Zu 3) Das Planfeststellungsverfahren läuft noch. Es wurden bisher weder für den Bau noch für den Betrieb Lärmschutzmaßnahmen beschlossen. Meine Nachfrage bei der Stadtverwaltung hat ergeben, dass man mit grob 18 Monaten Bauzeit rechne.
Zu 4) Die kalkulierte Kostenschätzung für den Bau des DB-Haltepunktes schlüsselt sich laut einer Mitteilungsvorlage der Bonner Stadtverwaltung (Drucksachen-Nummer: 0712606 [1]) in circa 3,3 Mio. Euro für den Bau und die Planung der Bahnsteige sowie 1,5 bis 2 Mio. Euro für die Querung auf. Darin sind meines Wissens nach keine Lärmschutzmaßnahmen enthalten.
Zu 5) Nein. Der Grund ist, dass es an bestehenden Schienenstrecken keinen Rechtsanspruch auf Lärmschutzmaßnahmen gibt.
Grundsätzlich zum Thema Lärmschutz: Der größte Lärm wird durch die durch Bonn fahrenden Güterzüge und nicht durch die Personenzüge emittiert. Die Lärmsanierungsmaßnahmen aus dem Bundesprogramm sind in Bonn abgeschlossen, sodass es in Bonn keine weiteren Lärmschutzwände oder -fenster geben wird bis die 3.000 anderen Ortsdurchfahrten in Deutschland nicht die Bonner Mindeststandards haben. Es macht darum mehr Sinn, den Lärm direkt an der Quelle zu reduzieren. Denn für den Lärm verantwortlich sind die alten Bremsen der Güterwaggons, die die Räder verziehen und dadurch holprig auf den Gleisen laufen.
An Bundesschienenwegen ist der Bund finanziell und rechtlich zuständig für Lärmschutz. Als Kommunalpolitikerin habe ich auf die Lärmschutzpolitik keinen Einfluss, unterstütze aber die Forderung der Bonner SPD ausdrücklich, die alten Güterwaggons auf eine leise Bremstechnik umzurüsten. Eine Umrüstung der alten Güterwaggons würde vielen Menschen - nicht nur in Bonn - gleichzeitig helfen.
Zu 6) Ich bin keine Bauexpertin, halte die prognostizierten Kostenschätzungen aber für realistisch. Natürlich können die Kosten durch Tariferhöhungen, Inflation oder zum Beispiel steigende Stahlpreise steigen. Da wir nur einen Standardbahnhof bauen wollen, denke ich, dass sich mögliche Risiken im Rahmen halten werden.
Die großen Fraktionen im Bonner Stadtrat bekennen sich alle zum DB-Haltepunkt und haben darum einen interfraktionellen Antrag (Drucksachen-Nummer 1112552) für den Planungsausschuss am 14. September auf den Weg gebracht, der den schnellen Bau des Haltepunktes fordert.
Wenn Sie noch detailliertere Informationen zum Thema möchten, stelle ich Ihnen gerne einen Kontakt zu den SPD-Verkehrsspezialisten her.
Mit freundlichen Grüßen
Miriam Schmidt