Sehr geehrter Herr

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es freut mich sehr, dass Sie von der begrüßenswerten Möglichkeit Gebrauch gemacht haben, auf diesem Weg eine Frage zu stellen und Ihre Meinung mitzuteilen, und das umso mehr, als Sie der Erste sind, der das bei mir getan hat. Ich will deswegen auch sofort antworten, obwohl ich zu einem Teil der Frage noch keine Antwort habe, nämlich zu Ihrer Besorgnis betreffend die Sanierung des Kämmereigebäudes und den Platzbedarf der Mitarbeiter. Dazu muss ich mich selbst schlau machen (ich werde das ohne Namensnennung tun) und das wird wahrscheinlich erst Anfang des Jahres möglich sein.
Zum so genannten Stadthaus kann ich aber sofort etwas sagen. Ich habe dafür keinen fertigen Text, aber weil die Frage von vielen Leuten gestellt wird, nehme ich es als Gelegenheit, meine Gedanken dazu einmal hinzuschreiben. Hoffentlich wird der Text nicht länger, als was Sie lesen wollten.
Der Grund für die Planung einer Überbauung des archäologischen Gartens war nicht der Bedarf für ein bestimmtes Gebäude. Der Grund ist, dass dieser Bereich aus den Gründen, die ich unten zu erläutern versuchen werde, wohl überbaut werden muss, und diesem Gebäude hat man den Namen "Stadthaus" gegeben. Es war also nicht so, dass wir ein Stadthaus gebraucht und dann diesen Platz dafür ausgesucht hätten.
Ich und die meisten meiner Kollegen waren zunächst sehr skeptisch, ob es notwendig und sinnvoll ist, dieses Gebäude zu planen und jetzt zu bauen, aber wir haben uns nach einer sehr ausgiebigen Prüfung und Diskussion davon überzeugen lassen müssen, dass es keine ernsthafte Alternative dazu gibt.
Der Grund dafür ist die weitgehende Wiederherstellung der früheren Altstadt auf dem Gelände des bisherigen Technischen Rathauses, die wir und, glaube ich, die meisten Mitbürger wichtig und richtig finden. Denn der südlichste Teil dieses Bereichs ist der so genannte Krönungsweg, die Straße "Markt", an deren beiden Enden zwei der schönsten Gebäude originalgetreu rekonstruiert werden sollen (die Goldene Waage und das Rote Haus). Diese Gebäude stehen auf der südlichen Seite des Krönungswegs mit ihrer Fassade zur Straße hin nach Norden. In der historischen Altstadt hatten diese Gebäude keine sichtbare Rückseite, weil sich auf ihrer Rückseite eine weitere Häuserzeile an der südlich davon gelegenen Parallelegasse befand, die aber nicht wiederhergestellt werden kann, weil dort jetzt die Schirn steht.
Würde man den archäologischen Garten so lassen wie er ist, dann müssten die rekonstruierten Häuser des Krönungsweges entweder eine neu erfundene Fassade auf der Südseite bekommen, was dem Rekonstruktionsgedanken zuwiderlaufen würde, oder eine hässliche blanke Wand, wie eine Brandmauer. Fast noch wichtiger ist, dass das Höhenniveau des Krönungsweges so weit über dem Niveau des archäologischen Gartens liegt, dass die Rückseite der rekonstruierten Häuser des Krönungsweges wie eine Burgmauer völlig unproportional vor diesem Garten stehen würde. Es würde im Grunde ein tiefes Loch auf dieser südlichen Seite sein, das in dieser Gegenüberstellung hässlich aussähe und sowohl für die Besucher des Gartens als auch für die Blicke aus der Schirn nicht, wie wir es wollen, ein wunderbarer Ausblick auf unsere neue wiederhergestellte Altstadt wäre, sondern ein ziemlicher Schandfleck.
Die Pläne für die Überbauung sind inzwischen mehrfach überarbeitet worden. Der letzte Plan, der vor wenigen Wochen erst fertig gestellt wurde, ist eine Lösung, die ich gelungen finde (und dasselbe finden beispielsweise die Mitglieder des Städtebaubeirates, die gegenüber der ersten Planung sehr kritisch waren). Nach diesem Plan wird der archäologische Garten keineswegs zerstört, sondern ebenso zugänglich sein wie jetzt, und zwar nicht nur für Besucher des Gebäudes, sondern für jedermann und zu jeder Zeit, und man wird sogar aus dem Gebäude heraus und von der südlichen Gasse aus den Dom sehen können, mehr als es in der historischen Altstadt möglich war. Mit wenigen Worten ist das leider nicht einfach zu beschreiben, aber die Modelle und Simulation sind ziemlich überzeugend. Sie können eine ausführlichere Beschreibung und einige Fotos, die das erahnen lassen, und die komplette Präsentation der Architekten, auf der Website der Dom-Römer GmbH sehen:
www.domroemer.de
Es bleibt die Frage der Kosten, die Sie auch angesprochen haben. Die Überbauung des archäologischen Gartens wird tatsächlich einiges Geld kosten. Das ist allerdings im Vergleich zu den Gesamtkosten des Projekts Wiederherstellung der Altstadt nur ein kleinerer Teilbetrag. Diese Gesamtkosten halten wir in meiner Fraktion und ebenso die meisten anderen Fraktionen für gerechtfertigt als eine Investition in die Zukunft der Stadt, und zwar nicht nur für die kulturelle und geschichtliche Identität, sondern auch für die wirtschaftliche Zukunft, denn zu der gehört eine attraktive Innenstadt, die in der ganzen Welt berühmt sein wird, davon bin ich überzeugt. Wenn wir den Teil der Kosten, die für die Überbauung des archäologischen Gartens anfallen werden, nicht ausgeben, dann bleibt das Projekt unvollständig. Es wäre, wie wenn sich einer ein neues Haus baut und dann statt Möbeln nur Holzkisten hineinstellt oder um das Haus herum statt einem Garten eine schlammige Baugrube lässt. Das gäbe ziemlich sicher keinen Sinn. Es wäre wohl auch nicht sinnvoll, weil unwirtschaftlich, diesen Teil zu verschieben, weil die Baukosten unverhältnismäßig höher sein werden würden, wenn man erst später wieder eine Baustelle dafür einrichten muss, ganz abgesehen von dem halb fertigen Zustand, der in der Zwischenzeit bestehen würde.
Natürlich wollen wir aber auch für die Mitarbeiter der Stadt vernünftige Arbeitsbedingungen, gerade auch im Interesse der Stadt, denn es gibt keinen Sinn, fähige Mitarbeiter anzustellen und Ihnen kein ganz billiges Gehalt zu zahlen und sie dann nicht mit den Arbeitsmitteln auszustatten, mit denen sie ihre Arbeit tun können. Deswegen ist der Bau des Stadthauses natürlich keine Alternative zu einer guten Lösung für das Problem, das Sie angesprochen haben, sondern es muss beides möglich sein. Aber, wie gesagt, für eine konkrete Antwort dazu muss ich mich selbst informieren, bevor ich etwas Falsches schreibe.
Ich hoffe, ich habe ihnen zumindest deutlich gemacht, dass wir uns die bisher getroffenen Entscheidungen überlegt haben und dafür vernünftige Gründe zu haben meinen. Ich stehe Ihnen aber auch für weitere Diskussionen und Fragen gern zur Verfügung, sei es auf diesem Weg oder direkt per E-Mail. Zunächst wünsche ich Ihnen und uns allen ein gesegnetes Weihnachtsfest und dann ein gutes Neues Jahr.
Mit freundlichen Grüßen
Michael zu Löwenstein