Memet Kilic (GRÜNE)
Abgeordneter Bundestag

Grunddaten
Geburtstag
24.01.1967
Berufliche Qualifikation
Rechtsanwalt
Ausgeübte Tätigkeit
MdB
Wohnort
Heidelberg
Wahlkreis
Pforzheim
Ergebnis
10,0%
Landeslistenplatz
10, Baden-Württemberg
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(...) Ob jemand studiert oder nicht, hängt hierzulande so stark wie in kaum einem anderen OECD-Land von der sozialen und ethnischen Herkunft ab. Bildungschancen und Bildungsbenachteiligung werden de facto vererbt. Dieser Zusammenhang beschreibt eine tiefgreifende Ungerechtigkeit: Die Chancen auf Teilhabe an akademischer Bildung werden für junge Menschen aus armen sowie bildungsfernen Elternhäusern eklatant verletzt. (...)
Parlamentarische Arbeit / Nebentätigkeiten
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Frage zum Thema Finanzen
04.12.2009
Von:

Hallo aus dem Erzgebirge! Lieber Herr Kilic!

Ich wundere mich seit längerer Zeit darüber, wie in der Debatte über die deutsche Staatsverschuldung Argumente, die darauf hinauslaufen, Zinsen auf Schulden einzuschränken und zu senken, selten geäußert werden.
Die Hoheit liegt doch hier beim Staat oder ist die Zinsgesetzgebung nicht in den Händen der gewählten Abgeordneten?
Die Banken könnten ihre Dienstleistung auch in einer anderen Form vergütet bekommen.
Wird über die Zinsgesetzgebung im Ausschuss Finanzen geredet?

Mit freundlichen Grüßen,
Antwort von Memet Kilic
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22.04.2010
Memet Kilic
Sehr geehrter Herr ,

die immer weiter steigende Staatsverschuldung wird im Haushaltsausschuss federführend debattiert.

Im Rahmen der Vertragsfreiheit steht es den Banken zu, die Höhe ihrer Zinsen, die sie für die Vergabe von Krediten verlangen, nach eigenem Ermessen festzulegen.

Eine Begrenzung nach oben ist dabei aber durch die Rechtsprechung vorgegeben. Zum Beispiel, wenn der effektive Vertragszins den effektiven Vergleichszins relativ um rund 100 Prozent oder absolut um 12 Prozent-Punkte übersteigt. Bei Geschäften, auf die Zinsen anfallen und über deren Höhe es keine vertragliche Regelung gibt, gilt der gesetzliche Zinssatz von 4 Prozent.

Für einen ausgeglichenen Haushalt ist es wichtig, dass die Differenz von Einnahmen und Ausnahmen nicht noch weiter unnötig vergrößert wird, damit die Aufnahme neuer Kredite vermieden werden kann.

Mit freundlichen Grüßen
Memet Kilic
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Frage zum Thema Soziales
16.02.2010
Von:
-

Sehr geehrter Herr Kilic,

Ihren Namen habe ich auf der Liste der Mitglieder des Petitions-Ausschusses gefunden.
Mich würde interessieren, was aus der doch sehr erfolgreichen e-Petition von Susanne Wiest zum Thema Grundeinkommen (2009) geworden ist ? Damals wurde doch in Aussicht gestellt, dass bei Erreichen der 50.000 UnterzeichnerINNEN eine Debatte im Bundestag dazu stattfinden würde.
Ist dem so, oder droht die Angelegenheit im Sande zu verlaufen ? Könnten Sie da mal nachhacken ?

Herzlichen Dank
Antwort von Memet Kilic
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21.04.2010
Memet Kilic
Sehr geehrter Herr ,

der Petitionsausschuss hat im Januar beschlossen, dass die Petition zum Grundeinkommen von Frau Wiest in der zweiten Jahreshälfte 2010 in einer öffentlichen Ausschusssitzung befasst werden soll. Ein genaueres Datum steht leider bislang nicht fest. Wir können Sie gerne informieren, sobald der konkrete Termin feststeht.

Mit freundlichen Grüßen,

Memet Kilic
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Frage zum Thema Demokratie und Bürgerrechte
19.02.2010
Von:

Sehr geehrter Herr Kilic,

als am politischen Geschehen interessierter Mitbürger verfolge ich die hoch spannende Debatte um das bedingungslose Grundeinkommen. Wie Ihnen ja sicherlich bekannt ist, hat die Petition zum bedingungslosen Grundeinkommen von Susanne Wiest eine riesengroße Welle der Zustimmung ausgelöst. Diese Welle hat tatsächlich sehr viele Menschen politisiert und eine enorme Energie freigesetzt.
Wie Sie der Pressemeldungen der letzten Tage entnehmen können, wird die Debatte um den Sozialstaat von konservativen Vertretern in eine Richtung gedrängt, die mich sehr beunruhigt. Die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts hat meiner Meinung nach ein politisches Erdbeben ausgelöst, welches eine Debatte um das bedingungslose Grundeinkommen notwendig macht.
Für mich persönlich ist diese Debatte aber auch aus einem bestimmten Grund notwendig. Wenn Sie die demographische Entwicklung in Deutschland betrachten, dann stellen Sie fest, dass schon heute jedes dritte Kind Eltern mit Migrationshintergrund hat. OECD-Studien zum Bildungssystem haben festgestellt, dass die Herkunft über den Schulerfolg entscheidet und in keinem anderen Land der Welt entscheidet der Schulerfolg über den weiteren Erfolg im Berufsleben als in Deutschland. Wenn Sie die Bemühungen um Chancengleichheit seit den 60er Jahren anschauen, werden Sie feststellen, dass der bildungspolitische Erfolg nur mäßig ist.(siehe Bildungsparadox) Selbst Ralph Dahrendorf, ein Verfechter der Idee von der Chancengerechtigkeit, hatte das Scheitern dieser politischen Aufgabe zugeben müssen und auch er plädierte zum Schluss für ein bedingungsloses Grundeinkommen.
Sehr gerne würde ich hierzu Ihre Meinung hören. Sind Sie der Meinung, dass das politische Scheitern im Bereich der Chancengleichheit/Chancengerechtigkeit doch viel mehr mit der Tatsache zu tun hat, dass es nicht genügend sozialversicherungspflichtige Beschäftigungen gibt?
Antwort von Memet Kilic
3Empfehlungen
28.04.2010
Memet Kilic
Sehr geehrter Herr ,

die Forderung nach einem Grundeinkommen erwächst aus dem Anspruch, jedes Mitglied der Gesellschaft zur Teilhabe zu befähigen. Natürlich ist dafür mehr notwendig als nur Geld, insbesondere Bildung und eine gesellschaftlich anerkannte sinnvolle Beschäftigung. Und neben Einkommen, Bildung und (Erwerbs-)Arbeit gibt es noch weitere Dimensionen der Teilhabe, die notwendig sind: zum Beispiel Zugang zur Gesundheitsversorgung, eine Wohnung oder politische Beteiligungsrechte. Geld ist also nicht alles, aber Menschen ohne oder nur mit geringem Einkommen sind von vornherein aus der Gesellschaft ausgeschlossen.

Das gilt auch für Bildungschancen. Ob jemand studiert oder nicht, hängt hierzulande so stark wie in kaum einem anderen OECD-Land von der sozialen und ethnischen Herkunft ab. Bildungschancen und Bildungsbenachteiligung werden de facto vererbt. Dieser Zusammenhang beschreibt eine tiefgreifende Ungerechtigkeit: Die Chancen auf Teilhabe an akademischer Bildung werden für junge Menschen aus armen sowie bildungsfernen Elternhäusern eklatant verletzt. Die stärksten Argumente für ein bedingungsloses Grundeinkommen sind bürgerrechtlich-republikanisch: sie beziehen sich nicht auf eine nationale Schicksals- und Solidargemeinschaft, sie gründen Subventionen nicht auf der Zugehörigkeit zur produktiven Klasse, sondern begründen Subventionen auf dem BürgerInnenstatus.

Je knapper das Gut Erwerbsarbeit ist und je voraussetzungsvoller der Zugang zu guter Arbeit wird, desto wichtiger ist es, nicht nur einzelne sozialpolitische Maßnahmen für die vom Arbeitsmarkt Ausgeschlossenen oder auf ihm Gescheiterten zu ergreifen, sondern ein umfassendes System für den Ein- und Austritt aus dem Arbeitsmarkt aller Menschen im Lebensverlauf zu schaffen. Von den KritikerInnen, die so gerne fordern und fördern, "Stilllegungsprämie" genannt, lässt sich das Grundeinkommen als ein Mittel ausgestalten, um den Übergang aus und in den Arbeitsmarkt in allen Lebensphasen und für alle BürgerInnen offen zu halten. Damit könnte eingelöst werden, was seit langem als Notwendigkeit lebenslangen Lernens und einer investiven "Bildungs- als Sozialpolitik" erkannt wurde, bisher jedoch nicht innerhalb des alten Sozialsystems instrumentiert werden konnte.

Mit freundlichen Grüßen

Memet Kilic
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Frage zum Thema Demokratie und Bürgerrechte
22.04.2010
Von:

Sehr geehrter Herr Kilic,

die Arbeit im Petitionsausschuss wird von anderen Politikern als undankbar, da nicht öffentlichkeitswirksam charakterisiert. Gleichzeitig wird sie aber auch als befriedigend eingeschätzt,da im Petitionsausschuss etwas für die kleinen Leute getan werden kann. Wie empfinden Sie ihre Arbeit im Petitionsausschuss?

Mit freundlichen Grüßen

Antwort von Memet Kilic
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28.04.2010
Memet Kilic
Sehr geehrter Herr

als Obmann meiner Fraktion im Petitionsausschuss kann ich Ihnen sagen, dass die Arbeit im Petitionsausschuss sehr zeitintensiv und zugleich sehr wichtig ist. Befriedigend ist, dass ich im Einzelfall für eine Bürgerin oder einen Bürger etwas Konkretes tun kann. Darüber hinaus nehme ich die Beschwerden zum Anlass, Änderungen bzw. Verbesserungen der bestehenden Gesetze zu entwickeln und für neue rechtliche Grundlagen einzutreten. Es ist eine wunderbare Möglichkeit, sich viel Wissen über die Anliegen der Bürgerinnen und Bürger zu verschaffen und deren Interessen mit dem Interesse der Allgemeinheit in Einklang zu bringen.

Die Arbeit in diesem Ausschuss ist zudem sehr bereichernd, weil ich mich als Jurist auch mit Themenbereichen befasse, die mir bislang unbekannt waren. Durch die Fülle an Informationen, die wir von Ministerien und Behörden sowie von Bürgerinnen und Bürgern erhalten, kann ich selber viel lernen.

Die Arbeit macht mir Spaß, selbst wenn die Sitzungen Mittwochs bereits um 8:00 Uhr beginnen:-)

Mit freundlichen Grüßen

Memet Kilic
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Frage zum Thema Inneres und Justiz
22.06.2010
Von:

Sehr geehrter Herr Kilic,

über den auch von Ihnen unterzeichneten Antrag (Drucksache 17/2130; dip21.bundestag.de ) an den Bundestag fordern Sie indirekt (durch Nennung der entsprechenden Waffenmerkmale) erneut ein Verbot olympischer Schießsportdisziplinen.

"Erneut", da sie faktisch schon vor einiger Zeit einen fast inhaltsgleichen Antrag ins Parlament eingebracht haben, wie auch die ihnen politisch nahe stehende SPD-Fraktion festgestellt hat ( webtv.bundestag.de ). Ich gehe daher davon aus, dass dies tatsächlich die volle Absicht der GRÜNEN darstellt.

Wie ist diese als radikal zu bezeichnende Verbotsforderung olympischer Schießsportdisziplinen mit ihrem politischen Selbstverständnis zu vereinbaren. Die GRÜNEN bezeichnen sich ja selbst gerne als "liberale, freiheitliche" "Bürgerrechtspartei".

Mit freundlichen Grüßen

Antwort von Memet Kilic
3Empfehlungen
05.07.2010
Memet Kilic
Sehr geehrter Herr ,

das Argument, von legalen Waffenbesitzern gehe statistisch keine relevante Gefahr aus, ist nicht neu. Sie wissen, dass schon die Abgrenzung von legalen und illegalen Waffen nicht immer ganz leicht ist. Viele Waffen im illegalen Handel sind – bei legalen Besitzern – gestohlen oder auf andere Weise abhanden gekommen. Die Gefährlichkeit illegaler Waffen ist im Übrigen völlig unbestritten. Wir Grüne waren es, die immer wieder zu verstärkten Anstrengungen aufgefordert haben und beispielsweise die viel zu lange verzögerte Einführung des nationalen Waffenregisters verlangt haben, um eine genaue Übersicht zu bekommen, wer wo was besitzt und lagert. Es war zudem vor allem Bündnis 90/Die Grünen, die eine schärfere Gangart gegen das öffentliche Tragen von Messern eingefordert und sogar teilweise durchgesetzt haben. Sie sehen, wir sind auf diesem Auge keineswegs blind.

Dennoch können wir die Probleme bei der unbegrenzten Lagerung von Schusswaffen und Munition in Privatwohnungen nicht gegen die Probleme des illegalen Besitzes und Gebrauchs von Waffen ausspielen. In ihrer Aussagekraft sind die entsprechenden Argumente ein wenig vergleichbar mit dem Hinweis auf die Zahl der Verkehrstoten gemessen an dem Schaden durch Atomkraftwerke. Lassen Sie mich generell anmerken, dass sich bestimmte Exzesse nur schwer statistisch messen lassen. Wie wollen Sie die Zahl von 12 ermordeten Kindern in Winnenden ins Verhältnis setzen mit anderen Straftaten? Das geht nicht. Wenn Sie mit den Eltern, Geschwistern und Freunden dieser Kinder und Jugendlichen sprechen, verliert das Argument der mangelnden empirischen Relevanz dieser Amoktaten auch deutlich an moralisch vertretbaren Überzeugungskraft.

Worum geht es uns bei dem Antrag? Uns ist klar, dass bestimmte Personen Waffen zu Hause bereithalten müssen. Das gilt für Jäger, die in der Nacht gerufen werden, um beispielsweise ein angeschossenes Wild zu erschießen. Das gilt auch für den kleinen Kreis gefährdeter Personen, die auf Waffen angewiesen sind. Aber müssen Sportschützen Waffen und Munition in der Wohnung lagern? Mit der persönlichen Zuverlässigkeit der Schützen selbst ist es eben nicht getan. In den meisten Haushalten leben auch andere Menschen - mit ihren oftmals nicht einmal in der Familie bekannten Problemen.

Ist es wirklich so weltfremd zu erwarten, dass auch der Schießsport überlegt, wie er mit dieser Situation umgeht und welche Konsequenzen er zu ziehen gedenkt? Mit bloßer Prävention ist es hier nicht getan. Vereine konkurrieren miteinander und gewähren Personen Zugang, an deren Integrität möglicherweise Zweifel zulässig sind. Es wäre hier überaus hilfreich, wenn statt eines ständigen NEIN konkrete Vorschläge kommen würden wie die Problematik der in Privatwohnungen gelagerten Waffen gelöst, oder zumindest entschärft werden könnte.

Eine wichtige und komplizierte Frage ist auch: Was geschieht mit überflüssig gewordenen Waffen? Die Frage des Verbleibs dieser Waffen stellt sich natürlich erst nach der gesetzlichen Umsetzung der von uns erhobenen Forderungen.

Wie ist die Rechtslage? Die fraglichen Waffen sind unabhängig von ihrem konkreten Gebrauchswert Eigentum des Schützen. Hier sehen wir eine gewisse Parallele zu antiken und ererbten Waffen. Der Besitzer behält, wenigstens zunächst, seine Waffenbesitzkarte. Denn schließlich will man ja niemanden enteignen. Zentraler Punkt ist dabei für uns, dass Waffen generell nicht im einsatzfähigen Zustand in der Wohnung gelagert werden dürfen, das heißt vollständig und gemeinsam mit der Munition. Denn es wäre absurd, bestimmte Waffentypen vom Schießsport auszunehmen und sie dann aber in den Wohnungen zu lagern. Hier wird es wohl auf die Anwendung von Anti-Blockiersystemen hinauslaufen, wie wir sie von antiken Waffen kennen.

Nachzudenken wäre auch, dass wir eine Rückgabe dieser Waffen analog zum Einsammeln illegaler Waffen entwickeln. Da wir es aber hier mit zugelassenen Waffen zu tun haben, wäre auch eine Prämie für die Abgabe der Waffen denkbar. Anders als bislang oftmals üblich, dürften die Waffen aber nicht wieder in den Handel kommen. Sie müssten vernichtet werden.

Ich würde mich freuen, wenn es mir gelungen ist, Ihnen zumindest die Motive unserer politischen Forderungen deutlich gemacht zu haben.

Mit freundlichen Grüßen

Memet Kilic
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