Lorenz Bahr (GRÜNE)
Kandidat Bürgermeisterwahlen Nordrhein-Westfalen 2009
Dieses Profil dient zu Archivzwecken, eine Befragung ist nicht mehr möglich.

Lorenz Bahr
Jahrgang
1968
Berufliche Qualifikation
Geschäftsführer eines Trägers der Behindertenhilfe
Ausgeübte Tätigkeit
Behindert - na und? e.V.
Wohnort
Wuppertal
Stadt
Wuppertal
Ergebnis
9,0%
(...) Die Finanzsituation Wuppertals wird sich in den nächsten zwei Jahren deutlich zuspitzen. (...) Die Finanzsituation wird sich aber derart verändern, dass wir für den Erhalt der städtischen Infrastruktur insgesamt kämpfen müssen. (...)
 
Persönliche Website
www.lorenzbahr.de
Fragen an Lorenz Bahr
Auswahl der Fragen und Antworten
Nachricht an folgende Adresse schicken, sobald eine Antwort eintrifft:


An diese Adresse den abgeordnetenwatch.de-Newsletter bestellen
Bitte loggen Sie sich hier ein.
Frage zum Thema Umwelt
19.08.2009
Von:

Der Stadtrat hat im März 09 das Ansiedlungsvorhaben IKEAs in Wuppertal
begrüßt. Ausdrücklich wurde sich für den Standort der Hausausstellung
in Wuppertal-Nord ausgesprochen.

leben wuppertal-nord e.V. fragt:

• Die Ausstellung ist ein langjähriger, verlässlicher und über die
Grenzen W-tals hinaus bekannter Geschäftspartner; sie bekennt sich
deutlich zu ihrem Standort und lehnt ein Alternativgrundstück ab.
Warum wollen Sie zulassen, dass IKEA einen alteingesessenen Partner
verdrängt?
• Standortalternativen
Welche der zahlreichen Brachen hat die Stadt IKEA angeboten?
Nach welchen Kriterien wurden Alternativen geprüft und warum/von wem
wurden sie abgelehnt?
• §24a LEPro
Wie wollen Sie die Ansiedlung eines IKEA mit § 24a LEPro in Einklang
bringen?
Wie soll IKEA am Standort der Ausstellung Kaufkraft in die Innenstädte
bringen?
• Warum soll die gewachsene Siedlungsstruktur mit einem IKEA-Homepark
zerstört werden?
Welche langfristige Stadtentwicklung soll den Anwohnern noch zugemutet
werden?
• Verkehr
Wie sollen zu der bereits heute extrem angespannten Verkehrssituation in
W-Nord mit dem Kreisverkehr und anliegender Straßen noch weitere ca.
16.000 Fahrzeugbewegungen täglich verkraftet werden?
• Ein Argument für einen IKEA-Homepark am Standort der Ausstellung sind
neue Arbeitsplätze.
  • Wie wird der Weggang der Ausstellung und damit verbundene Verlust
zahlreicher Primär- und Sekundärarbeitsplätze berücksichtigt?
  • Wie wird die Verlagerung von Arbeitsplätzen bei einem Umzug z.B. eines
Elektromarktes vom Tal in einen mögl. IKEA-Homepark berücksichtigt?
  • Was passiert mit Leerständen großer Verkaufsflächen im
Innenstadtbereich?

Die Ausstellung steht für 50 mittelständische Unternehmen und für
innovative Technologien der Wirtschaft (s. Lokalzeit Berg. Land, 12.08.09).
Inwieweit wird wirtschaftliches Potential, das sich in Kooperation mit
Instituten, Fakultäten und ansässigen Unternehmen potenzieren lässt,
ausgebaut, um die Bauwirtschaft in W-tal nachhaltig zu etablieren.
Antwort von Lorenz Bahr
1Empfehlung
20.08.2009
Lorenz Bahr
Sehr geehrte Frau ,

recht herzlichen Dank für Ihren umfangreichen Fragenkatalog, den ich gerne beantworte.

Im Gegensatz zu meinen Mitbewerbern habe ich mich bei der Diskussionsveranstaltung der Wirtschaftsjunioren zum Thema ´Ikea in Wuppertal´ vorgestern sehr differenziert geäußert.

Hier habe ich auch an den Oberbürgermeister als Leiter der hiesigen Verwaltung appelliert, zunächst einmal die Planungen auf Erlenrode offen zu legen, um überhaupt über die Standort- und Verkehrsplanungen hinsichtlich einer Ikea-Ansiedlung in Wuppertal informiert zu werden. Außerdem habe ich selbst Alternativstandorte zu Erlenrode in die Diskussion eingebracht, die von meinen Mitbewerbern mit einem Federstrich ("Wir haben alles überprüft; es gibt keine Alternative.") vom Tisch gewischt worden sind. Ferner habe ich die Sprache darauf gebracht, dass meiner Kenntnis nach die Fertighausausstellung derzeit nicht nur ein neues (Niedrigenergie-) Haus baut, sondern der Stadt auch ein Kaufangebot für die Gesamtfläche unterbreitet habe. Der Oberbürgermeister reagierte irritiert; die Presse hat u.a. diese Information heute in einem größeren Artikel aufgenommen und weiterverarbeitet.

Ich setze mich außerdem weiter dafür ein, dass wir in einem moderierten Verfahren zwischen der Stadt, Ikea, der Hausausstellung und den Anwohnern zu einer vernünftigen, alle Interessen berücksichtigenden Lösung zur Ansiedlung von Ikea in Wuppertal gelangen, die nicht zwangsläufig auf der Fläche stattfinden muss, auf der seit dreißig Jahren bis heute die Hausausstellung beheimatet ist.

Wie weit aber der Planungsstand derzeit ist, weiß ich wirklich nicht; insofern weiß ich auch nicht, ob die Diskussion mit dem Land hinsichtlich des innenstandrelevanten Nebensortiments abgeschlossen und ob eine regionale Abstimmung mit Remscheid und Solingen erfolgt ist. Beides große Problemfelder, die vor einer Ansiedlung Ikeas in Wuppertal oder einer andere nordrhein-westfälischen Großstadt zu lösen sind. Mir scheint allerdings hier bisher keine Lösung in Sicht zu sein.

Ich antworte auf Ihre einzelnen Fragen also kurz wie folgt:

Mir liegt es fern, durch die Ansiedlung der Firma Ikea in Wuppertal alteingesessene Unternehmen zu verdrängen, wenn ich mich auch grundsätzlich für eine Ansiedlung von Ikea in Wuppertal ausspreche.

Mir ist nicht bekannt, welche alternative Standorte die Stadtverwaltung Wuppertal angeboten hat; ich selbst habe vier in die Diskussion eingebracht. Auch auf meine Nachfrage bei der Verwaltung und Wirtschaftsförderung ist mir nicht näher geantwortet worden.

Die Gefahr ist, dass Ikea Kaufkraft aus den Innenstädten an den Stadtrand aufsaugt. Deshalb ist das innenstadtrelevante Sortiment von Ikea zu definieren und zu begrenzen. Auch ist genau auf das Sortiment der zukünftigen Mieter von Ikea im Rahmen des Homestore-Konzeptes zu achten.

Gewachsene Siedlungsstrukturen sollen m.E. weder in Erlenrode noch anderswo durch Ikea zerstört werden. Ist ein nebeneinander nicht herzustellen, gehört Ikea in ein Gewerbegebiet.

Da ich das Verkehrskonzept nicht kenne, aber die Verkehrsverhältnisse auf Erlenrode, kann ich mir ein zusätzliches Verkehrsaufkommen von ca. 16.000 Fahrzeugen vornehmlich am Nachmittag zu Feierabend kaum vorstellen. Eine Andienung Ikeas kann dort nur direkt und über die Autobahn je nach Standort die A 1 oder die A 46 erfolgen.

Bei der Berechnung der Arbeitsplätze, die durch eine Ansiedlung von Ikea geschaffen werden sollen, muss auch der mögliche Verlust von Arbeitsplätzen in anderen Gewerbebereichen (Einzelhandel, Handwerk, ggfs. rund um die Hausaustellung, die Innenstadt etc.) berücksichtigt werden. Die oft in die Debatte geschmissene Zahl der durch Ikea zu schaffenden Arbeitsplätze ist bisher nicht verifiziert worden und daher beliebig und falsch. Allein, die Gesamtzahl der zur Debatte stehenden Arbeitsplätze ist standortneutral! Ob eine Ansiedlung in Erlenrode oder anderswo erfolgt, sagt zunächst einmal nichts über die tatsächliche Zahl der entstehenden oder bedrohten Arbeitsplätze aus.

Ich hoffe, ich konnte Ihre Fragen zu Ihrer Zufriedenheit beantworten und verbleibe
mit freundlichen Grüßen
Lorenz Bahr
X
Antwort empfehlen
Lesezeichen
Frage zum Thema Städtebau und Stadtentwicklung
27.08.2009
Von:

Sehr geehrter Herr Bahr,

in einem Artikel in der Financial Times Deutschland fand ich folgende Aussage:

""Mikael Ohlsson, der Neue, wird die "ausgeprägte Problemlösungskompetenz" also gut gebrauchen können, die ihm der Vorsitzende der Ikea-Holding Ingka, Göran Grosskopf, bescheinigt. Ohlssons bisheriger Werdegang zeugt zumindest von Durchsetzungskraft: Seine Karriere startete der zukünftige CEO vor 30 Jahren in einer kleinen Ikea-Filiale im schwedischen Linköping - als Teppichverkäufer.

Noch ist unklar, wohin der "Veränderungskurs" führen soll, von dem Grosskopf spricht. An einer neuen Strategie werde derzeit gearbeitet, sagte eine Sprecherin. Fest steht offenbar, dass die Grüne-Wiese-Politik, mit der Ikea in den vergangenen Jahren Center um Center neben Autobahnauffahrten gesetzt hat, ihr Ende findet. In Österreich betreibt man bereits Ikea-Filialen innerhalb von Shoppingcentern. Und die Deutschlandzentrale prüft gerade, ob sie in Hamburg erstmals einen Ableger in einer Fußgängerzone eröffnet. "Das ist ein Pilotprojekt", räumt eine Sprecherin ein. Gerüchte über kleinere Filialen, die lediglich das kleinteilige Sortiment führen, will sie hingegen nicht bestätigen"
Quelle: www.ftd.de

Sehen Sie Chancen, IKEA in Wuppertal bei der Abkehr von der Grüne-Wiese-Politik behilflich zu sein? Falls ja, welche Modelle sind denkbar?
Antwort von Lorenz Bahr
1Empfehlung
27.08.2009
Lorenz Bahr
Sehr geehrter Herr ,

es wäre schön, wenn Ikea nicht nur in Hamburg, sondern auch für NRW in Wuppertal ein anderes Konzept - weg von der ´Grüne-Wiese-Politik´- verfolgen würde, denn das enge Reglement für das innenstadtrelevante Nebensortiment macht mir im Rahmen des Gesamtprozesses tatsächlich große Sorgen. Hier ist die CDU-FDP-geführte Landesregierung deutlich fortschrittlicher als die CDU-SPD-geführte Rathauskoalition.

Meines Wissens nach sind die Verhandlungen mit dem Land hinsichtlich LEPRO längst noch nicht abgeschlossen. Aus den Verhandlungen heraus wurde mir berichtet, dass ein weitergehendes Engagement von IKEA in NRW nicht in Frage kommt, wenn in Wuppertal keine Lösung gefunden wird.

Insofern ist die neue Orientierung IKEAS in die Innenstädte eine kluge Orientierung und würde eine Aufwertung auch unserer Einkaufszentren in Barmen oder Elberfeld bedeuten.

Ich werde mich genau dahingehend über die Kontakte, die mir zur Verfügung stehen, erkundigen; ob ich einen direkten Einfluss auf die Standort- und Konzeptentscheidung habe, bezweifle ich zu diesem Zeitpunkt. Das mag sich in den nächsten Tagen aber ändern.

Mit freundlichen Grüßen
Lorenz Bahr
X
Antwort empfehlen
Lesezeichen
Ihre Frage an Lorenz Bahr
Die Fragefunktion wurde inzwischen geschlossen.