Sehr geehrter Herr

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vielen Dank für Ihre Frage vom 10.12.11.
Die Praxisgebühr wurde im Jahr 2004 eingeführt.
Ziele der Praxisgebühr waren die Stärkung der Eigenverantwortung der Versicherten für ihre Gesundheit. Bei Bagatellfällen (Schramme, blauer Fleck) sollte nicht gleich der Arzt aufgesucht werden.
Außerdem sollten die "Selbstüberweisungen" reduziert werden: die Versicherten sollen Fachärzte, mit vergleichsweise teureren Behandlungen, möglichst nur nach Überweisung durch den Hausarzt aufsuchen.
Deutschland liegt mit durchschnittlich 18 Arztbesuchen pro Patient im europäischen Vergleich in der Spitzengruppe. Laut OECD-Angaben gehen die Bürger in Belgien, Dänemark, Frankreich und Österreich im Durchschnitt nur sechs bis acht Mal im Jahr zum Arzt, in Schweden sogar nur knapp drei Mal pro Jahr. Das bedeutet aber nicht, dass die Schweden oder Belgier gesünder sind als die Deutschen. Denn ein Zusammenhang zwischen häufigen Arztbesuchen und einer besseren Gesundheit besteht nicht. Durchschnittlich behandelt jeder Arzt 224 Menschen in der Woche. Pro Patient hat er gerade einmal acht Minuten Zeit - deutlich weniger als in anderen Ländern. Wenn Ärzte sich mehr Zeit nehmen, könnten Anschluss- oder Folgebesuche beim selben oder einem anderen Arzt oft überflüssig werden. Ein Teil der Besuche beim Arzt geht auch auf das Konto unnötiger Doppeluntersuchungen.
Dies zeigt, dass die Praxisgebühr offensichtlich keine steuernde Funktion hat. Sie war nicht ausreichend, ein Nachdenken darüber zu befördern, ob ein Arztbesuch wirklich notwendig ist.
Deshalb habe ich gesagt, dass wir im Jahr 2012 Alternativen prüfen werden; nicht, dass die Praxisgebühr erhöht wird.
Im Übrigen möchte ich darauf hinweisen, dass alle Vorsorgeuntersuchungen, die zum Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen gehören, von der Praxisgebühr ausgenommen sind.
Beste Grüße
Lars F. Lindemann