Klaus Riegert (CDU)
Abgeordneter Bundestag 2005-2009
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Grunddaten
Klaus Riegert
Jahrgang
1959
Berufliche Qualifikation
Diplomverwaltungswirt- Polizei, Kriminaloberkommissar
Ausgeübte Tätigkeit
Mitglied des Deutschen Bundestages
Wahlkreis
Göppingen
Landeslistenplatz
14, Baden-Württemberg
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(...) Der BFH führt u.a. aus, dass die in der steuerfreien Kostenpauschale zusammengefassten mandatsbedingten Aufwendungen der Ab­geordneten sich auch in ihrer Struktur grundlegend von den Auf­wendungen anderer Berufsgruppen unterscheiden. Denn sie bestehen im Wesentlichen aus besonderen, berufseigenen Auf­wendungen, die anderen Berufsgruppen fremd sind. (...)
Parlamentarische Arbeit / Nebentätigkeiten
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Frage zum Thema Internationales
05.02.2007
Von:

Seht geehrter Herr Riegert,

was gedenken Sie und die CDU-Bundestagsfraktion gegen die Verletzung der Menschenrechte durch die USA in den Fällen Kurnaz und Al_Masri gegenüber der USA zu unternehmen?
Inwieweit wird sich Herr Steinmeier, der den Fall Kurnaz unter den Tisch gekehrt hat, und die Soldaten der KSK. welche Herr Kurnaz in Afghanistan gefoltert haben, dem deutschen Volk und der deutschen Gerichtsbarkeit gegenüber zu verantworten haben?
Was gedenken Sie und ihre Fraktion in den Fällen der geheimen CIA Flüge über Deutschland und Europa zu unternehmen? Werden Sie ihren Unmut (falls Sie Unmut verspüren) deswegen klar und deutlich zum Ausdruck bringen? Und Konsequenzen fordern?
Wie wird die Bundestagsfraktion die 13 Haftbefehle gegen die CIA-Agenten, die Herrn Al_Masri entführt haben, bewerten und wie werden sie die Münchner Staatsanwaltschaft unterstützen?

mfg

N.
Antwort von Klaus Riegert
1Empfehlung
09.02.2007
Klaus Riegert
Sehr geehrte Frau ,

der Fall Kurnaz hat in der letzten Zeit in der Öffentlichkeit zu verstärkten Diskussionen geführt. Wir legen einerseits Wert auf einen fairen Umgang mit dem Koalitionspartner, aber andererseits auch auf eine sachliche Aufklärung im Untersuchungsausschuss. Wir haben keinerlei Anlass zur Kritik an der Arbeit des Außenministers. Aber es gehört auch zu unserem Selbstverständnis als Parlamentarier, dass wir in einem Untersuchungsausschuss, den wir nicht beantragt haben, zur Aufklärung des Sachverhaltes durch Fragen beitragen.

Mit Hilfe von zwei Sondersitzungen am 22. und 26. Februar sowie der Vernehmung von Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) bereits am 8. März will der Untersuchungsausschuss die Aufklärung des Falls Murat Kurnaz beschleunigen. Das Gremium prüft, ob hiesige Behörden und die deutsche Regierung eine Mitschuld am Schicksal des aus Bremen stammenden Türken haben, der unter Terrorverdacht geraten und deshalb zwischen Februar 2002 und August 2006 im US-Lager Guantanamo inhaftiert war. Wir lassen eine Vorfestlegung vor Abschluss der Arbeit des Untersuchungsausschusses nicht zu. Dies gilt entsprechend für die CIA-Flüge und CIA-Gefängnisse, die Entführung Kaled El Masri, Vernehmungen in Syrien und Libanon und der Einsatz von BND-Mitarbeitern während des Irak-Krieges in Bagdad.

Im Fall El Masri ist die Staatsanwaltschaft ist am Zug. Wenn die Staatsanwaltschaft Anklage erhebt, dann muss die Staatsanwaltschaft abwägen, ob sie die Bundesregierung um Amtshilfe ersucht und ein Auslieferungsverfahren einleitet. Dann ist die Exekutive gefragt, die Justiz dabei zu unterstützen.

Mit freundlichen Grüßen
Klaus Riegert
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Frage zum Thema Familie
10.07.2007
Von:

Sehr geehrter Herr Riester,
wie stehen Sie zu der Tatsache, dass Göppinger Bürger ihren Kindern tagtäglich Milch- und Fleischprodukte, die durch genmanipuliertes Tierfutter produziert wurden, kaufen und diese damit verköstigen. Die meisten Eltern wissen diesen Umstand gar nicht. Die neue Bundesregierung hat unter Seehofer wenige Wochen gebraucht, diese Umgehung der Lebensmittelsicherheit zu schaffen. Garantieren Sie, dass Göppinger Läden durch den Verkauf dieser sogenannten ´Genmilch- und Genfleischprodukte´ keine Schäden bei Göppinger Bürgern anrichten?
Warum steht auf diesen Produkten nicht ein deutlicher Hinweis auf die Herstellungsart? Ist es ausgeschlossen, dass durch genmanipuliert hergestellte Futtermittel Schäden erzeugt werden, die nicht der Verursacher tragen müsste, sondern die damit versorgten Bürger mit ihren Steuern, also vermutlich die jetzigen Kinder? Wie ist die Haftung bei etwaigen Schäden durch genmanipuliert hergestellte Nahrungsmittel bzw.
durch den Anbau von genmanipuliertem Futtermittel?
Würden Sie ihren eigenen Kindern, bzw. Enkeln Milch- und Fleischprodukte aus genmanipulierten Futtermitteln kaufen?
Mit freundlichen Grüßen ein Vater von Göppinger Kindern
Antwort von Klaus Riegert
15Empfehlungen
11.07.2007
Klaus Riegert
Sehr geehrter Herr ,

vielen Dank für Ihre Frage.

Mit der EU-Freisetzungsrichtlinie 2001/18/EG regelt in der Europäischen Union eine zentrale Rechtsvorschrift das Genehmigungsverfahren für die "Inverkehrbringung" und "Freisetzung" gentechnisch veränderter Organismen in die Umwelt.

Dazu müssen in einem abgestuften Verfahren gentechnisch veränderte Pflanzen während jedes Entwicklungsschrittes vom Labor über Gewächshaus- und Freilandversuch auf ihre Sicherheit für Mensch, Tier und Umwelt getestet werden. Wenn alle Stufen erfolgreich durchlaufen wurden, wird eine Genehmigung zur Inverkehrbringung erteilt. Die Freisetzungsrichtlinie von 2001 sieht nach der Anbauzulassung spezielle begleitende Beobachtungsprogramme vor. Dieses "Monitoring" soll weitere Erkenntnisse über Wechselwirkungen zwischen gentechnisch veränderten Pflanzen und Öko-Systemen liefern. Die Freisetzungsrichtlinie betrifft primär die Umweltverträglichkeit von GVOs. Diese Richtlinie musste von den EU-Mitgliedsstaaten bis Oktober 2002 in nationales Recht umgesetzt werden. Frau Künast hatte dies bis 2004 verzögert und dadurch versäumt, dass in Deutschland die durch die Beobachtungsprogramme gewonnenen Erkenntnisse vorliegen.

Mit dem dritten Gesetz zur Änderung des Gentechnikgesetzes vom 22.03.2006 wurden die EU-Richtlinien ordnungsgemäß umgesetzt. Seit dem 15. Mai 1997 ist die EG-Verordnung 258/97 für neuartige Lebensmittel und Lebensmittelzutaten - Novel Food-Verordnung in allen EU-Mitgliedsstaaten rechtskräftig. Dadurch gelten besondere Regelungen für neuartige Produkte, die bisher noch nicht in "nennenswertem Umfang" in der Europäischen Union vermarktet wurden. Im Gegensatz zu herkömmlichen Lebensmitteln müssen Produkte, die unter diese Verordnung fallen, ein Anmelde- bzw. Genehmigungsverfahren durchlaufen. Gentechnisch veränderte Produkte sind strenger geprüft als ihre konventionellen Alternativen. Die Biotechnologie bietet ein hohes Sicherheitsniveau, das die konkurrierenden Produktionsweisen nicht erreichen.

Die Union der deutschen Akademien der Wissenschaften hat 2006 zum gentechnisch verändertem (GV) Mais festgestellt, dass"... der Verzehr von GV-Maisprodukten grundsätzlich risikoärmer [ist] als der Verzehr von herkömmlichen Maisprodukten." Im selben Gutachten heißt es auch: "... das Allergenitätsrisiko [ist] bei GVO (gentechnisch veränderten Organismen) deutlich geringer einzuschätzen als bei Produkten einer konventionellen Züchtung." Der Verzehr von GV-Nahrungsmitteln ist keineswegs risikoreicher als der Verzehr herkömmlicher Nahrungsmittel. Ein Beispiel dafür liefert der ökologische Landbau, der ebenfalls das Bt-Toxin einsetzt, aber auf eine sehr primitive Weise. Das Bodenbakterium "Bacillus thuringiensis", aus dem die Gentechnik Gene entnommen hat, um sie wegen ihrer insektiziden Wirkung in das Mais-Genom einzusetzen, ist in der Natur weit verbreitet. Wird das Bakterium von Insekten über ihre pflanzliche Nahrung aufgenommen, wirkt Bt genauso insektizid wie im Bt-Mais.

Das machen sich die Ökobauern zunutze, indem sie Bakterien-Lösungen auf Kulturpflanzen versprühen, um durch das Toxin der Bakterien Schädlinge zu bekämpfen. Die Bakterien werden in großen Mengen ausgebracht. Man tötet dadurch nicht nur die unerwünschten Insekten, sondern auch viele nützliche Insekten, darunter geschützte Arten. Die Öko-Landwirte tun das, ohne Risikobegleitforschung oder Langzeitmonitoring zu betreiben. Dabei ist unklar, ob sich das Toxin aus den Bakterien im Boden anreichert. Darüber hinaus wird ignoriert, dass die unkontrollierte Freisetzung von riesigen Mengen eines Bakteriums, dessen Rolle im Ackerökosystem fast unbekannt ist, ein sehr großes Risiko darstellt. Bis heute schweigen die Umweltverbände zu diesem Bt-Einsatz im ökologischen Landbau, obwohl niemand das damit verbundene Risiko für Mensch und Umwelt einschätzen kann. Warum wird keine Kennzeichnung der Öko-Produkte gefordert, die mit den Bt-Toxin produzierenden Bakterien in Berührung gekommen sind?

Jährlich werden ca. 45 Millionen Tonnen von gentechnisch veränderten Rohstoffen (Soja und Maiskleber) in die EU importiert, weil diese ihren Bedarf an Eiweiß nur zu 50 % selbst decken kann. Allein nach Deutschland werden schon seit längerer Zeit 6 Mio. Tonnen pro Jahr von gentechnisch verändertem Soja eingeführt.

Die derzeitige Kennzeichnungsregelung dient nicht der Aufklärung des Verbrauchers, sondern führt ihn in die Irre. Nachdem alles, was durch den Tiermagen gegangen ist, nicht gekennzeichnet werden braucht, ebenso wenig wie gentechnisch veränderten Enzyme, meint ein Großteil der Bevölkerung, dass er mit Gentechnik noch nicht in Berührung gekommen ist. Experten der Lebensmittelbranche dagegen stellen fest, dass bei konsequenter Kennzeichnung 80 % unserer Lebensmittel als gentechnisch verändert auszuzeichnen wären.

Weithin ist unbekannt, dass auch bei uns Lebensmittel gentechnisch verändert (gv) sind.

Schon jetzt werden gentechnisch modifiziertes Soja-Lecithin für die Weiterverarbeitung zu Schokolade, Emulgatoren und Vitamin E aus gv-Soja und Speiseöl aus genetisch verändertem Mais oder Raps hergestellt. Weitere Möglichkeiten finden sich bei der Herstellung von Futtermitteln, Backwaren umweltschonender Waschmittel. Zur Herstellung von Käse braucht man das im Magen säugender Kälber entstehende Lab bzw. das darin enthaltende Chymosin. Es wäre illusorisch, wollte man die benötigte Menge an Chymosin heute auf diese Art und Weise gewinnen, deshalb wird es weltweit gentechnisch erzeugt.

Die CDU/CSU-Bundestagsfraktion und ich für meine Person hätten nichts gegen eine konsequente Kennzeichnung aller Lebensmittel, für deren Herstellung GVO´s eingesetzt wurden. Dies ist aber eine Frage, die zusammen mit den EU-Mitgliedstaaten entschieden werden muss. Laut dem vom Bundeskabinett am 28. Februar 2007 einstimmig beschlossenen Eckpunktepapier wird sich die Bundesregierung in Brüssel dafür einsetzen. Warum also der teilweise fanatische Kreuzzug gegen die Biotechnologie?

Bei einer parlamentarischen Anhörung im britischen Oberhaus antwortete der Vertreter von Greenpeace auf die Frage, ob irgendwelche neue Erkenntnisse die Ablehnung der Biotechnologie durch seine Organisation beeinflussen könnten: "Es ist eine dauerhafte, endgültige und vollständige Gegnerschaft". Wer so denkt, lässt sich durch wissenschaftliche Beweise nicht beeindrucken. Diese Opposition der gegen die Gentechnik ist Ausdruck einer fundamentalistischen Denkweise, die sich aus irrationalen Quellen speist.

In der Europäischen Union ist die grüne Technikfeindschaft Bestandteil der offiziellen Politik. Die EU-Kommission und das EU-Parlament haben ein dichtes Gestrüpp von Gesetzen und Verordnungen beschlossen, welche die Biotechnologie zwar nicht explizit verbieten, aber in der Praxis es äußerst schwer machen, gentechnisch veränderte Produkte in den Markt einzuführen. Natürlich wurde auch eine neue Bürokratie geschaffen: eine Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit ist für die Zulassung von GV-Lebensmitteln und -Futtermitteln zuständig. Man gönnt sich aber auch eine Informationsstelle zur Prävention biotechnologischer Risiken, die jeden GVO prüft, bevor er in ein anderes Land "verbracht" werden darf.

Die EU-Regeln sind so rigide, dass sie einem Verbot der Einfuhr von GVO in die EU gleichkommen. Gegen diese Handelsbeschränkung haben die USA, Kanada und Argentinien im Jahr 2003 eine Klage bei der Welthandelsorganisation (WTO) eingereicht.

Anfang 2006 entschied die WTO, dass die EU ihr Regelwerk zur Biotechnologie nicht so gestalten darf, dass dadurch der internationale Handel behindert wird.

Außerdem erklärte die WTO, dass die GVO-Verbote in einzelnen EU-Mitgliedsstaaten eine Verletzung der WTO-Regeln darstellen.

Für die EU-Bürger bringt die Unterdrückung der Biotechnologie einen Wohlstandsverlust mit sich. Die EU verliert den Anschluss an die internationale Entwicklung in einer der wichtigsten Hochtechnologien. Allein in Deutschland sind durch die grüne Blockade 10.000 High-Tech Arbeitsplätze in biotechnologischen Unternehmen gefährdet.

Es ist zu erwarten, dass die Weltbevölkerung von gegenwärtig 6 Milliarden auf 8 Milliarden im Jahr 2050 steigen wird. Dieser Bevölkerungszuwachs wird ausschließlich in den Entwicklungsländern stattfinden, wo heute 800 Millionen Menschen unterernährt sind. Die konventionelle Agrartechnik kann die Erträge nicht mehr nennenswert steigern. Die global vorhandene Ackerbaufläche lässt sich kaum ausweiten. Nur bei umfassender Anwendung der Biotechnologie ist es möglich, die in den nächsten Jahrzehnten neu hinzu kommenden Menschen zu ernähren. Die Nutzung der Gentechnik ist für die Armen dieser Welt eine Frage von Leben oder Tod.

Das Vorsorgeprinzip zwingt den Menschen in der Dritten Welt die Ideologien und die unbegründeten Phobien satter Aktivisten entwickelter Länder auf, um umfassende Nutzungsbeschränkungen bei Chemikalien, Pestiziden, fossilen Energieträgern und Biotechnologie für jene zu rechtfertigen, die sich diese Verbote am wenigsten leisten können. Eine Gegnerschaft zur Biotechnologie sei "ein Luxus des Nordens", meint die kenianische Ökonomin Dr. Florence Wambugu. "Ich schätze ethische Erwägungen, aber alles, was nicht dazu beiträgt, unsere Kinder satt zu kriegen, ist unethisch." Die Afrikaner wollen keine Nothilfe, auch nicht aus christlicher Nächstenliebe. Sie pochen auf ihr Recht, ihre Entwicklung selbst in die Hand zu nehmen. Mehr Geld, mehr Entwicklungshilfe für Afrika? "Die wahre Arroganz, der wahre Kolonialismus wird nicht von euren Unternehmern, diesen vermeintlichen Ausbeutern, an den Tag gelegt, sondern von euren Philanthropen. Sie sollten tun, worauf sie spezialisiert sind: Popmusik machen oder Parteipolitik. Afrika ginge es ohne ihre ständigen Nachstellungen jedenfalls besser", so der afrikanische Intellektuelle Lubega.

Nicht ohne Grund nennt der Mitbegründer von Greenpeace, der Ökologe Dr. Patrick Moore (heute heftiger Kritiker der Gruppe) den "Krieg" gegen die Biotechnologie und genetisch veränderte Organismen, "den vielleicht klassischsten Fall der irregeleiteten Umweltschutzideologie" seit Menschengedenken.

"Umweltaktivisten" aller Art fordern von Unternehmen, alle Aktivitäten zu beenden, die die menschliche Gesundheit oder die Umwelt bedrohen könnten, selbst dann, wenn noch keine klare Beziehung zwischen Ursache und Wirkung hergestellt wurde und die potentielle Bedrohung größtenteils oder ganz theoretischer Natur ist. Man fragt nach Haftungsregelungen für hypothetische Schäden, nicht aber nach tatsächlichen Schäden, angerichtet durch den Kampf gegen die grüne Gentechnik. Haften hierfür Umweltschützer?

Die Debatten über gesellschaftliche Verantwortung, Beteiligung von Anspruchsgruppen, nachhaltige Entwicklung, Vorsorgeprinzip und sozial verantwortliches Investieren führen dazu, dass Wissenschaft und Logik durch interessengeleitete Strategien, politische Zweckmäßigkeit und eine neue Form von Tyrannei ersetzt wurden. Dabei bleiben viele dringliche Fragen offen:

Sind die behaupteten Risiken realistisch? Überwiegen die Vorteile die Risiken? Werden radikale Programme das Leben der Armen verbessern? Oder führen sie zu noch mehr Armut, Unglück, Krankheiten und Todesfällen unter denen, die von den Entscheidungen am meisten und direkt betroffen sind?

Warum werden bestimmte Gruppen, wie die ländlichen Armen der Entwicklungsländer, so wenig an diesem Prozess beteiligt? Warum widerspiegeln sich deren Interessen nicht in den Definitionen von gesamtgesellschaftlicher Verantwortung und des Vorsorgeprinzips oder entsprechenden Aktivitäten?

Warum haben einige Unternehmen, Stiftungen und Nationen bei der Werbung für diese mutierten Konzepte derart eng mit NGO- und Regierungsaktivisten zusammengearbeitet? Was ist die Quelle der angeblichen moralischen und sonstigen Autorität der Aktivisten bei der Bewertung, was "ethisch" oder "sozial verantwortlich" oder in Übereinstimmung mit den "Erwartungen der Gesellschaft" ist? Wer wählte sie zu "Stakeholdern", die darüber zu entscheiden haben, was ein "akzeptables Risiko" ist oder nicht ist, oder welche Kosten, Vorteile und medizinische oder wirtschaftliche Prioritäten bei der Festlegung dieser Eigenschaft herangezogen (oder ignoriert) werden müssen?

James Shikwati, Direktor des Inter Region Economic Network, in Kenia, stellt zusätzliche Fragen, die in seinem Teil der Welt besonders auf den Nägeln brennen:

"Warum zwingen Europas entwickelte Länder ihre entwicklungspolitische Ethik armen Ländern auf, die lediglich eine Phase durchlaufen, durch die sie selbst bereits hindurch gegangen sind?

Warum schreiben diese armen Ländern vor, wie sie Energie erzeugen und dass sie keine landwirtschaftlichen Technologien oder Pestizide verwenden sollten, weil einige ökologische Risiken denkbar sind, nachdem sie selbst einiges riskiert haben, um ihren gegenwärtigen ökonomischen und technologischen Stand zu erreichen?

Warum zwingt man arme Länder, Theorien von nachhaltiger Entwicklung zu folgen, die nur eine geringe Entwicklung oder den Stillstand bei Energie oder Wirtschaft bedeuten würden?"

Über diese Fragen lohnt es sich, auch selbstkritisch, nachzudenken. Wenn ich Vor- und Nachteile der grünen Gentechnik gegeneinander abwäge, dann halte ich es für verantwortungslos gentechnische Verfahren zum Beispiel auf medizinische Anwendungen zu beschränken oder ganz zu verbieten. Mit der Gentechnik in der Medizin Menschenleben retten und durch Verbot der Gentechnik in der Landwirtschaft Hunger und den Tod von Menschen in Kauf nehmen, das passt nicht zusammen. Weiter wird die Sorge geäußert, dass wir mit dem Einsatz der grünen Gentechnik auf bisher nicht bekannte Weise in die Schöpfung eingreifen". Ja, gilt dies denn nicht auch für eine geforderte Beschränkung auf medizinische Anwendungen. Ist die moderne Biotechnologie nicht nur eine Verfeinerung jener genetischen Manipulationstechniken, die man seit Jahrhunderten anwendet, um verbesserte Sorten von Blumen, essbaren Pflanzen, Nutztieren und anderen Organismen zu bekommen? Ist jedes pflanzliche und tierische Produkt, dass wir heute konsumieren, nicht das Ergebnis von Kreuzungen und anderen Techniken, die seit einem Jahrtausend oder länger angewendet werden, um die genetisch bedingte Form ihrer Vorfahren zu verändern? Selektierten nicht sogar prähistorische Farmer ihre besten Samen und Tiere zur Zucht, um deren Größe, Menge, Qualität oder Ertrag zu steigern? Und haben unsere Vorfahren nicht auch in "unbekannter Weise in die Schöpfung" eingegriffen?

Sehr geehrter Herr , ich bin auf Ihrer Seite, wenn es darum geht, möglichen Gefahren wirksam einzugrenzen. Für ein Verbot oder Regelungen, die einem Verbot der grünen Gentechnik gleichkommen, bin ich jedoch nicht zu haben.

Mit freundlichen Grüßen
Klaus Riegert
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Frage zum Thema Umwelt
02.08.2007
Von:

SgH Riegert, in Ihrer Antwort an S. Hötzel ignorieren Sie leider folgende Fakten :

a) Die in GVO Mais produzierte Bt-Toxinmenge ist flächenbezogen deutlich höher als die im Öko-Landbau zeitweilig eingesetzte, die sich im übrigen unter Witterungseinflüssen wieder abbaut, während im Gen-Mais der Wirkstoff ununterbrochen nachproduziert wird.
vorort.bund.net

b) Jobs in Forschung und Technologie steht die Vernichtung zahlreicher Arbeitsplätze durch Konzentration in der Saatgutbranche und die Zerstörung arbeitsplatzintensiver kleinbäuerlicher Strukturen gegenüber.

c) Hunger ist keine Frage von Nahrungsmittelunterproduktion, sondern ein soziales und politisches Problem. Brasilien z.B. ist drittgrößter Lebensmittelexporteur der Welt, während ein Fünftel der Bevölkerung an Unterernährung leidet.
www.zeit.de

d) GVO bedeuten Süd-Nord-Transfer: Kleinbauern in der 3. Welt werden zu abhängigen Dienstleistern transnationaler Saatgut- und Agrochemiekonzerne des Nordens, welche für Erst-Aussaat und Nachbau horrende Lizenzgebühren (Royalties) einfordern.

e) Auskreuzung und Kontamination gentechnikfreier benachbarter Flächen (Pollenflug, Insekten, Wildvögel etc.) verhindert die Wahlfreiheit und macht auch Landwirte lizenzpflichtig, die unabhängig bleiben wollen.

f) Seit Tschernobyl sollte man mit dem Vorwurf der Technikfeindlichkeit vorsichtig sein. Ein Freiland Gen-Gau (mangels Langzeitstudien) mit weltweit vertriebenem Saatgut wäre nicht beherrschbar. Stichworte Antibiotikaresistenz und Bienensterben.

g) Ach ja, zur Kronzeugin, Frau Wambugu: Die Dame lebt bekanntermaßen von PR-Aktionen für Monsanto (wo sie auch lange Jahre gearbeitet hat) und reist auf Kosten von US- Entwicklungshilfe um die ganze Welt, um Vorträge über ihr (gescheitertes) GVO Süßkartoffel-Projekt zu halten.
www.gmwatch.org

Könnten Sie ihre Position hinsichtlich a) -f) präzisieren?

MfG G.
Antwort von Klaus Riegert
14Empfehlungen
28.09.2007
Klaus Riegert
Sehr geehrter Herr ,

nach Urlaub und Ende der ersten beiden Sitzungswochen nach der Sommerpause will ich meine Ausführungen ergänzen.

Seit Jahren arbeiten Anti-Gentechnik-Aktivisten mit wilden Anschuldigungen gegen BT-Mais. Was wurde und wird nicht alles gegen diese "Schreckenspflanze" vorgebracht, die Millionen deutsche Nordamerika-Touristen in Form von Gebäck und Cornflakes bereits gegessen haben. BT-Mais, wurde behauptet, habe sich im Tierversuch als giftig erwiesen, rotte Schmetterlinge aus und habe die Kühe eines hessischen Bauern umgebracht. Alle Anschuldigungen konnten wissenschaftlich widerlegt werden. Das hält die Aktivisten aber nicht davon ab, Maisfelder zu zerstören und sich dabei auch noch als Retter der Menschheit aufzuspielen.
Jetzt muss BT-Mais für das "Bienensterben" herhalten und dies vor dem Hintergrund, dass Imker ihre Waben mit einem Pulver behandeln, das Bacillus thuringiensis enthält. Derselbe Wirkstoff wie im BT-Mais - nur nicht gentechnisch erzeugt. Bisher existieren in der wissenschaftlichen Fachliteratur keine Hinweise auf mögliche direkte oder indirekte Schädigungen von Bienen durch gegenwärtig zugelassene gentechnisch veränderte Pflanzen. Dies ist das Resultat zahlreicher Labor- und Feldversuche, bei denen eine unter natürlichen Bedingungen mögliche Exposition gegenüber den GVO-Pflanzen bzw. ihren Produkten zum Teil stark übertrieben wurde. "Wenn ich aus ideologischen Gründen einen bestimmten Schuldigen anprangere, dann kann es mir passieren, dass ich den wahren Schuldigen laufen lasse", so treffend die deutsche Bienenforscherin Elke Genersch, die zur Weltelite ihres Fachs gehört. Als Hauptverdächtige für das "Bienensterben" gelten Varroamilben in Kombination mit Krankheitskeimen wie Bakterien, Viren oder Pilzen, die global verbreitet sind. Eine weltweite Forschungskooperation soll nun die Ursache klären helfen. Einen echten Anti-Gentechnik-Aktivisten schreckt dieses natürlich nicht. Mal sehen, wofür der BT-Mais als Nächstes verdächtigt wird und wieder rechtswidrig Felder zertrampelt werden.

Hinsichtlich der Auskreuzung haben die bisherigen Versuche in Deutschland gezeigt, dass ein Abstand von 50 m ausreicht, um den Schwellenwert von 0,9 % einzuhalten. Mit dem jetzt festgelegten Abstand zu konventionell angebautem Mais von 150 m ist der Sicherheitsabstand um den Faktor 3 erhöht worden und mit dem Abstand von 300 m zu Flächen mit Ökomais um den Sicherheitsfaktor 6. Insofern ist die Haftungsfrage weitgehend entschärft, da bei diesen Abständen ein unerwünschter Eintrag von gentechnisch veränderten Organismen nicht zu erwarten ist. Bleibt daran zu erinnern, dass nach der derzeitigen Rechtlage – von der damaligen rot-grünen Regierung geschaffen – der Sicherheitsabstand 0 m beträgt.
Bienen sammeln Blütennektar, der dann im Honigmagen der Biene mit Hilfe körpereigener Enzyme zu Honig umgewandelt wird. Hinzukommt, dass die biologische Funktionsfähigkeit von Maispollen unter natürlichen Bedingungen im Allgemeinen innerhalb von 20 – 36 Stunden inaktiviert ist. Maisblüten bilden aber keinen Nektar und sind für Bienen daher nicht besonders attraktiv. Es kann aber doch sein, das Bienen gelegentlich zur Aufzucht von Larven und Jungbienen Pollen vom Mais sammeln. In sehr geringem Maße kann Pollen dann zufällig in Honig gelangen. In allen Untersuchungen ist der gefundene Anteil von Pollen aus gentechnisch verändertem Mais weit unter der Kennzeichnungspflicht.

Wer von Wahlfreiheit spricht, der sollte in der Wahl seiner Worte vorsichtiger sein. Worte wie "Gendreck", "gentechnische Verschmutzung" etc. dokumentieren doch das Gegenteil! Bei Greenpeace heißt es denn auch konsequent, man sei "gegen jedwede Freisetzung gentechnisch produzierter Organismen in die Umwelt." Von wegen Wahlfreiheit! Und wenn Sie Befürchtungen äußern, GVO bedeute Abhängigkeit der Kleinbauern in der 3. Welt von Saatgut- und Agrochemiekonzernen, dann ist das doch kein Argument gegen die Gentechnik selbst. Das ist keine Frage der Gentechnologie, sondern der marktwirtschaftlichen Basisregulation, genauso wie der Microsoft-Prozeß kein Argument gegen Computer ist.

Sie schreiben, "Hunger ist keine Frage der Nahrungsmittelproduktion…". Wirklich? Im 20. Jahrhundert wuchs die Weltbevölkerung von 1,65 Milliarden im Jahr 1900 auf 6,08 Milliarden im Jahr 2000. Die in den 1960er Jahren entstehende Umweltbewegung neuen Typs reagierte auf diesen Anstieg der Menschenanzahl mit Panik. Sie prophezeite apokalyptische Hungersnöte, denen Hunderte Millionen Menschen zum Opfer fallen würden. So schrieb Paul Ehrlich, ein grüner Seher und Mahner, der die Botschaft vom nahen Weltende den erschrockenen Gläubigen verkündete: ""The battle to feed all of humanity is over. In the 1970s, the world will undergo famines, hundreds of millions of people are going to starve to death in spite of any crash programs embarked upon now."( Paul Ehrlich, 1968 in "The Population Bomb")
Dass die Vorhersagen der Grünen nicht Wirklichkeit wurden, ist nicht zuletzt dem Pflanzenzüchter Norman Borlaug zu verdanken. Als Paul Ehrlich sein Buch "The Population Bomb" veröffentlichte, war der Erfolg von Borlaugs "Grüner Revolution" bereits offensichtlich. Zur Erinnerung: Die "Grüne Revolution" bestand hauptsächlich aus Nutzpflanzen mit hohem Ertrag (neue Maissorten nach Mexico, neue Weizensorten nach Indien und neuen Reis nach China), Bewässerungs- und Wasserwirtschaftssystemen, Düngemitteln und Pestiziden sowie landwirtschaftlichen Managementmethoden.
Die Qualität der Prognosen der Umweltaktivisten kann z. B. an der Entwicklung Indiens überprüft werden. Seit 1968 hat sich die Bevölkerung Indiens verdoppelt, seine Weizenproduktion vervierfacht, sein Bruttoinlandsprodukt verneunfacht. Im Jahr 1970, als Paul Ehrlich die oben wiedergegebenen apokalyptischen Vorhersage machte, erhielt Norman Borlaug den Friedensnobelpreis in Anerkennung seines Beitrags zur Vermeidung des Hungers in der Welt. Was hat Paul Ehrlich, und mit ihm die gesamte Umweltbewegung, in diesem Zusammenhang geleistet? Wohin die Missachtung der Möglichkeiten von Wissenschaft und Technik führt, hat Borlaug treffend ausgesprochen: " Es gibt heute auf unserem Planeten 6,6 Milliarden Menschen. Mit herkömmlicher Landwirtschaft könnten wir davon nur vier Milliarden ernähren. Welche zwei Milliarden würden sich freiwillig anbieten zu sterben?" Und Paul K. Driessen (Öko-Imperialismus, Grüne Politik mit tödlichen Folgen) meint: "Die bessere Frage wäre, welche zwei Milliarden sich wegen Greenpeace, WWF und der Earth Liberation Front anbieten würden "freiwillig" zu sterben."

Sie schreiben, Frau Wambugu lebe bekanntermaßen von PR-Aktionen für Monsanto (wo sie auch lange Jahre gearbeitet hat). "Wes Brot ich ess, des Lied ich sing", das meinen Sie doch, oder?! Dies gilt freilich nur für "Büttel" der Großindustrie, nicht aber für die aus edlen Motiven handelnden Aktivisten der Umweltschutzorganisationen. Erinnern Sie sich noch:
1995 bereitete Shell die Versenkung seiner Brent Spar-Ölplattform im Nordadantik vor. Greenpeace startete eine raffinierte und 2 Millionen US-Dollar teure PR-Kampagne, bei der Shell fälschlicherweise bezichtigt wurde, Tonnen von Öl, Giftabfallen und radioaktiven Materialien in den Ozean zu kippen. Das Unternehmen wurde gezwungen, für die Entsorgung der Plattform an Land ein Vermögen auszugeben. Ein Jahr später veröffentlichte Greenpeace eine schriftliche Entschuldigung. Darin gab die Organisation mehr oder weniger zu, dass die gesamte Kampagne ein Betrug war. Auf der Bohrinsel hatten sich weder Öl noch Giftabfälle befunden. Selbstverständlich ging dieses Eingeständnis in der Weltöffentlichkeit unter. Dass Nichtregierungsorganisationen "die am wenigsten kontrollierten Akteure der globalen Szene" sind, glaubt nicht nur der Politologe Professor Alexander Cooley vom New Yorker Barnard College. Eine Studie des Hauser Center for Nonprofit Organisations der Harvard University listet 152 Missbrauchsfälle von NGOs zwischen 1995 und 2002 auf. Darunter sind 104 Fälle eindeutig kriminellen Verhaltens. Genannt werden so prominente Organisationen wie das Amerikanische Rote Kreuz und Nature Conservancy.
Allein die international tätigen US-Umweltgruppen sind mittlerweile eine 8-Milliarden-US-Dollar-Industrie. Nach einer Studie der amerikanischen Johns-Hopkins-Universität betrugen die Gesamtausgaben des Non-Profit-Sektors 37 ausgewählter Länder im Jahre 2002 sogar 1,6 Billionen US-Dollar. Wären diese Organisationen ein Land, dann wäre das die fünftgrößte Volkswirtschaft der Welt. Es wird Zeit, dass die alarmistische Umweltbewegung nicht die einzige multinationale Industrie bleibt, für die keinerlei Regeln für Ethik, unlautere Werbung, Transparenz, Offenheit und Haftung gelten, Regeln, welche die Bewegung selbst für gewinnorientierte Unternehmen fordert.
Ob Frau Wambugu von PR-Aktionen für Monsanto lebt oder nicht, ihre Aussagen bleiben zutreffend: Eine Gegnerschaft zur Biotechnologie ist "ein Luxus des Nordens …. alles, was nicht dazu beiträgt, unsere Kinder satt zu kriegen, ist unethisch."
Die Öko-Lobby konzentriert sich da z. B. lieber auf eine 175 Millionen US-Dollar teure Kampagne gegen gentechnisch veränderte Lebensmittel. 175 Millionen US-Dollar, von denen Millionen hungernde Menschen für Monate ernährt werden könnten.

Und schließlich Tschernobyl. "Der Reaktorunfall in Tschernobyl 1986 erfolgte bei einem Reaktortyp mit schlechterer Technik und schlechterer Sicherheitseinrichtungen, bewusster Abschaltung von Sicherheitseinrichtungen, Fehlverhalten und mangelnder Kenntnis der Bedienungsmannschaft ... Die heutigen westlichen Kernkraftwerke und auch die meisten östlichen Kernkraftwerke sind heute mit einer vielfachen und ausgeklügelten Sicherheitstechnik ausgerüstet, die einen Vorfall wie in Tschernobyl mit größter Wahrscheinlichkeit ausschließt." (Ludwig Lindner ) Ein Vergleich der Risiken zeigt, dass die Kernenergie zu den sichersten Energiearten zählt. Der Unfall von Tschernobyl spricht nicht gegen die Kernenergie, sondern gegen den Sozialismus, der ihn möglich gemacht hat.

Mit freundlichen Grüßen
Klaus Riegert
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Frage zum Thema Umwelt
28.09.2007
Von:

Sehr geehrter Herr Riegert,

so wie ich Ihre Antworten lesen, haben die Lobbyisten gute Arbeit gemacht.

Monsanto hat sich auf die Fahnen geschrieben, Weltmarktmonopolist in der grünen Gentechnik zu werden. Ein Forschungsetat von 154Mrd US$ für 2007/2008 zeug u.A. auch von diesem Bestreben.

Wozu brauchen wir bitte die grüne Gentechnik? haben wir nicht genug Lebensmittel? Kann man mit den 154Mrd$ nicht konventionelle Lebensmittelspenden in die Hungerregionen unternehmen? Gärtnerische Züchtungen haben zudem noch den Vorteil, dass Landwirte keinerlei Lizenzkosten erliegen und den Profit direkt verbuchen können, können eigenproduzierten organischen Dünger und die "normalen" Hilfsmittel verwenden.
Muss man sich zwangsläufig eine nicht beherrschbare Technologie in Haus holen?
Nein, keine will es, nur die deutsche Politik und natürlich die, die damit sehr viel Geld verdienen wollen.

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Frage zum Thema Umwelt
31.10.2007
Von:

SgH Riegert, Ihre Antwort vom 28.9. kann so nicht stehen bleiben:

a) Ihre Aussage "als Hauptverdächtige für das Bienensterben gelten Varroamilben" ist längst überholt. Das aktuelle Sterben - CCD (Colony Collapse Disorder) - geht nachweislich nicht auf Milben zurück und hat in den USA schon bis zu 70% der Bienenvölker ausgelöscht. GVO bilden für Bienenvölker einen unkalkulierbaren Stressfaktor.
www.sueddeutsche.de

b) Auf mein Argument, daß viele Brasilianer hungern, obwohl Ihr Land Lebensmittel exportiert, gehen Sie vorsichtshalber nicht ein (genausowenig wie auf die hohen GVO-Lizenzgebühren für abhängige Kleinbauern). Sie scheinen - genauso wie Borlaug - zu glauben, Hunger sei nur durch Ertragssteigerungen, egal um welchen Preis, zu beseitigen. GVO lösen leider keine sozialen Probleme: "The real problem is to get food into the stomachs of the hungry".
Gegenwärtig leisten wir uns die Umstellung großer Anbauflächen von Nahrung auf sog. "Bio"-Treibstoffe (da diese am meisten Profit pro Hektar abwerfen, hat folgerichtig Vorrang vor dem hehren Ziel der Hungerbekämpfung).

c) Sie sagen: Ausbeutung von Kleinbauern "ist keine Frage der Gentechnologie, sondern der marktwirtschaftlichen Basisregulation, genauso wie der Microsoft-Prozeß kein Argument gegen Computer ist".
Gut gebrüllt, aber leider ein falscher Vergleich. Andersherum wird ein Schuh daraus:
Was würden Sie von einer "Virensoftware" (=GVO) halten, die von Microsoft (=Monsanto) entwickelt wird, sich über das Internet (=Umwelt) massenhaft verbreitet (=Pollenflug), und der Besitzer des infizierten (=GVO kontaminierten) Computers (=Feld) würde auch noch dazu verurteilt, hohe Lizenzgebühren (=Royalties) an Microsoft zu zahlen, wenn sich das unerwünscht eingeschleppte Programm auf seinem Computer nachweisen läßt ?

d) Zum Statement: "Der Unfall von Tschernobyl spricht nicht gegen die Kernenergie, sondern gegen den Sozialismus" - Der von Harrisburg gegen den Kapitalismus ?

MfG G.
Antwort von Klaus Riegert
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09.11.2007
Klaus Riegert
Sehr geehrter Herr ,

Sie sollten schon etwas korrekter zitieren. In meiner vorherigen Antwort habe ich darauf hingewiesen: "Als Hauptverdächtige für das "Bienensterben" gelten Varroamilben in Kombination mit Krankheitskeimen wie Bakterien, Viren oder Pilzen, die global verbreitet sind. Eine weltweite Forschungskooperation soll nun die Ursache klären helfen." Wissenschaftler des amerikanischen Landwirtschaftsministeriums (USDA) und von zwei Universitäten haben einen möglichen Verursacher für das bisher rätselhafte Bienensterben in Nordamerika gefunden: Ein aus Australien eingeschlepptes Virus, so die Meldung:

www.biosicherheit.de

Ihren veralteten Link sollten Sie deshalb nicht weiter verwenden. Die folgenden sind aktueller:

www.sueddeutsche.de

www.3sat.de

Sie hatten geschrieben, "Hunger ist keine Frage der Nahrungsmittelproduktion…". Ich hatte gefragt: "Wirklich?" Die Lösung des Problems "Welthunger" ist komplex. Ein Patentrezept gibt es nicht. Soziale, politische, wirtschaftliche, ökologische und geographische Bedingungen sind in den betroffenen Ländern in durchaus unterschiedlicher Gewichtung zu berücksichtigen. Reform der Welthandelsstrukturen, Abbau der milliardenschweren Exportsubventionen, mit denen die Industrieländer ihre landwirtschaftlichen Produkte verbilligt in Entwicklungsländer exportieren, Schuldenerlasse, höhere Entwicklungshilfen sind Stichworte, um die Ursachen von Hunger und Armut anzugehen. Weitere Ansatzpunkte sind die Eindämmung des Bevölkerungswachstums, die Verbesserung der landwirtschaftlichen Produktionsmethoden, insbesondere die Förderung umweltschonender Anbautechniken. Dazu gehört ebenso die Gentechnik. Hunger ist auch eine Frage der Nahrungsmittelproduktion!

"Gendreck", "gentechnische Verschmutzung", "Virensoftware": Werfen Sie einen Blick in die Frankfurter Allgemeine Zeitung(Natur und Wissenschaft) vom 07.11.2007. Unter der Überschrift "Wie verpackt man eine Kulturrevolution in Watte" beschreibt Joachim Müller-Jung, wie Indiens Bauern, die bereits von der "grünen Revolution" profitiert haben, jetzt von der Gentechnik profitieren, auch finanziell.

Mit freundlichen Grüßen
Klaus Riegert
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