Sehr geehrter Herr

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vielen Dank für Ihre Fragen, ich verschanze mich nicht und versuche, Ihre Fragen so gut wie möglich zu beantworten.
Selbstverständlich war und bin ich immer bereit, Verantwortung zu übernehmen. Aus diesem Grund bin ich u. a. auch politisch engagiert, um mitzugestalten und meine Heimatstadt Celle weiter voran zu bringen.
Sehr schnell musste ich aber auch lernen, dass uns 43 verschiedene Meinungen (Anzahl der Ratsfrauen und Männer) und ein entsprechendes Stimmverhalten im Rat der Stadt Celle in der Sache nicht helfen.
Natürlich hat jede Ratsfrau und jeder Ratsherr eine eigene Meinung. Diese werden dann in den vorgeschalteten Fraktionssitzungen jeder Partei und Gruppierung zusammengetragen und oft ausführlich beraten. Wenn Sie wüssten, mit wie viel Fleiß und Engagement sich meine Fraktionskollegen/innen jeden Montag auf unsere Fraktionssitzung vorbereiten und wie eifrig, manchmal auch kontrovers über den richtigen Weg zum Ziel verhandelt und abgestimmt wird, den wir dann auch möglichst geschlossen nach außen vertreten. Natürlich müssen bei diesem Verfahren auch Kompromisse innerhalb der Partei eingegangen werden. Mit dieser Kenntnis könnten Sie das von einzelnen erklärte Meinungsbild der jeweiligen Partei in Ausschüssen und im Rat der Stadt Celle verstehen. Vielleicht sollten alle Parteien einmal darüber nachdenken, ob die "Vertraulichkeit" einiger Fraktionssitzungen zeitweilig entbehrlich ist, damit die Öffentlichkeit daran teilhaben kann.
Nun zu der Frage, wie ich persönlich zu meinen Entscheidungen z. B. in der Jugend- und Familienpolitik komme bzw. von welchen Intentionen ich mich leiten lasse?
Antwort: Es sind oft meine Vorstellungen aufgrund eigener Erfahrungen, die ich in den letzten 30 Jahren gemacht habe und die mich prägten. Hier ein paar Beispiele:
Als ausgebildeter Jugendgruppenleiter hatte ich anfangs der 80 Jahre meine eigene Jugendgruppe in der "Offenen Jugendarbeit" der Kirchengemeinde. So bauten wir mit den Jugendlichen ein Blockhaus in Klein Hehlen, später war ich als Ortsbürgermeister auch für die Jugendlichen im Jugendtreff "Eisenbahnwaggon" zuständig. In beiden Fällen konnte ich sehr viel über die Sorgen und Nöte meiner Jugendlichen und aus ihren Familien erfahren. Ich weiß, wie schwierig sich langfristige Projekte umsetzen lassen und kenne den Umgang mit ständig wechselnden Jugendlichen. Anders meine Erfahrungen im Stadtjugendring. Diesen führte ich als Vorsitzender über sechs Jahre, seinerzeit mit 32 Jugendverbänden. Hier wurden die besonderen Interessen der Jugendverbände und Gruppen gegenüber der Stadt vertreten und gemeinsame Aktionen organisiert. Jeder im Vorstand wusste, wo in der Vereinsarbeit der Schuh drückte. Noch heute bestehen gute Verbindungen zur Jugend- und Verbandsarbeit. Zeitgleich war ich insgesamt 12 Jahre als Jugendschöffe beim hiesigen Amtsgericht tätig und konnte erfahren, aus welchen familiären Strukturen die meisten Straftäter kamen, wer oder was sie verleitete und wie wichtig auch heute noch Prävention in unserer Gesellschaft ist.
Zur Familienpolitik möchte ich noch anmerken, das zu unserer Familie 14 Jahre lang zwei behinderte Pflegekinder gehörten, die mit Ihren Behinderungen nicht immer und überall willkommen waren, in Schule und Konfirmandenunterricht ausgegrenzt wurden. Daher sehe ich auch die anstehende Inklusion, die verbindlich zum Schuljahresbeginn 2013/2014 eingeführt werden soll, mit gemischten Gefühlen. Da ist einerseits die gesellschaftliche noch zu formende Toleranz und andererseits sehe ich das Risiko, behinderte Kinder zur Zeit noch nicht überall bedarfsgerecht fördern zu können, ohne dass den Lehrkräften diesbezügliche Weiterbildungs- möglichkeiten angeboten werden. Wir sollten uns dafür mehr Zeit lassen und behutsam mit der Thematik umgehen.
Dazu passt auch, dass ich unsere Kinderkrippen persönlich nicht als den einzigen gangbaren Weg in der Familienpolitik sehe und dass Eltern, die ihre Kinder bis zum Kindergartenalter liebevoll in ihren Familien betreuen, nicht der Ausnahmefall werden dürfen. Viel zu viele Aufgaben, insbesondere in der Erziehung werden auf Krippen, Kindergärten und Schule verlagert und überfordern Lehrer/innen und Erzieher/innen. Die Persönlichkeit, Entwicklung und Erziehung dieser Kinder wird nicht mehr von den leiblichen Eltern geprägt sondern von Personen, denen wir unsere Kinder anvertrauen. Ich meine daher, dass Eltern nicht aus ihren traditionellen Pflichten entlassen werden dürfen aber jede Familienstruktur ein Recht auf Unterstützung im Bedarfsfall haben muss.
Andererseits muss man als Politiker den gesetzlichen Vorgaben wie ausreichende Kippen- oder Kindergartenplätze gerecht werden. Daher bin ich für eine bestmögliche und hochqualifizierte, personelle Ausstattung in den vorgenannten Einrichtungen. Jeder Cent, der übrig ist, sollte in die Ausstattung von Kindergärten und Schulen gesteckt werden, bevor es eine Betreuung zum Nulltarif gibt. Darüber hinaus müssen m. E. die Betreuungszeiten und Orte flexibel an die Lebens- und Berufssituation der Sorgeberechtigten, möglichst wohnortnah angepasst werden können
Gern erinnere auch daran, dass die Ganztagsgrundschulen in der Stadt Celle von der CDU initiiert und von unserer Ersten Stadträtin, Frau Dr. Schmitt umgesetzt wurden. Auch das Jugendzentrum CD-Kaserne, ein überregional operierendes, bekanntes und anerkanntes Jugend- und Veranstal-tungszentrum war ein Kind der CDU. Ich erinnere ich mich an die erste Kasernenbegehung der Liegenschafen und Werkstätten mit unserem ehemaligen Ratskollegen Hans-Dieter Hegers. Mit dem Ergebnis und was sich später daraus entwickelte, konnte damals keiner rechnen und dieser Fall bestätigt, dass man in der Jugend- und Familienpolitik bereit sein muss, auch neue Wege gehen zu wollen…
Manchmal läuft es leider auch anders. So konnte seinerzeit ein von mir beantragter Betriebskindergarten neben dem Neuen Rathaus sowie eine innenstadtnahe Kinderkurzzeitbetreuung für Gäste unserer Stadt aus finanziellen Gründen nicht umgesetzt werden.
Alle diese Erfahrungen haben mich geprägt und ich habe auch heute noch sehr viel Freude daran, mich für Kinder, Jugendliche und Familien einzusetzen, ob im Schul-, Sozial- oder im Jugendhilfeausschuss.
Wie ich zum Mehr-Kind-Vorteil in Zukunft stehen werde, hängt von der finanziellen Lage der Stadt ab. Diese von uns immer befürwortete und von kinderreichen Familien in Anspruch genommene Vergünstigung wird nach Einführung der vom Einkommen abhängigen Gebührenstaffelung teilweise abgelöst. Wer bis zu 40.000 € Bruttojahreseinkommen verdient, benötigt keinen Mehr-Kind-Vorteil, da er gebührenfrei gestellt wird. Bleiben im Wesentlichen die Besserverdienenden mit über 60.000 € Bruttojahreseinkommen, die von einer Streichung betroffen wären.
Denkbar wäre für mich persönlich, den Mehrkindvorteil dahingehend herunter zu fahren, dass nur noch Kinder aus einer Familie, die zeitgleich in Krippe und Kindergarten betreut werden, zu berücksichtigen und das Schulkinder und Kinder ohne Einkommen nicht mehr als Zählkinder gerechnet werden.
Zum ÖPNV habe ich wenig beigetragen, da ich kein Kunde bin und auch keine Erfahrung damit habe. Leider sind, bis auf eine Ausnahme in den letzten 14 Tagen, keine Wünsche an mich herangetragen worden, weder aus meinem Ortsteil, noch im Stadtrat oder Kreistag. Und nachdem der Verwaltungsausschuss der Stadt die letzte Nachbesserung mehrheitlich befürwortete, sah ich als Kreistagsabgeordneter im Moment kein Handlungsbedarf. Dieses betrifft aber ausschließlich die umstrittene Fahrplanumstellung und nicht die Änderungen bei der Schülerbeförderung und Schulanfangszeiten, deren Beratungen noch nicht abgeschlossen sind.
Wir sollten uns aber frühzeitig mit der Ausschreibung und den Bedingungen einer neuen Vergabe des ÖPNV ab 2015 beschäftigen und Erfahrungen der letzten Jahre mit einfließen lassen, damit gleiche Fehler nicht noch einmal passieren. Ein ausreichendes Angebot in allen Ortsteilen mit sinnvoller, zeitlicher Anbindung an den Hauptbahnhof und zurück halte ich neben einer gut organisierten Schülerbeförderung für unverzichtbar und dafür sollte die Stadt Celle auch bereit sein, Geld in die Hand nehmen zu nehmen, sonst ändert sich nicht viel.
Bezüglich der Verkehrsberuhigung in Nebenstraßen sehe ich zurzeit keinen aktuellen Handlungsbedarf, da viele als Tempo 30 Zonen oder verkehrsberuhigte Bereiche ausgewiesen sind. Unmittelbar vor Schulen, Kindergärten und Pflegeheimen halte ich eine Reduzierung der Höchstgeschwindigkeit für zweckmäßig. Meiner Meinung nach, darf nun aber nicht an jeder Hauptverbindungsstrecke in unserer Stadt herumgebastelt werden, so dass der normale Autofahrer sein Konzentrationsvermögen auf ständig neue Geschwindigkeitsregelungen verlagert und nicht mehr auf den Verkehr und Seitenraum achtet. Im Übrigen handelt es sich immer um Höchstgeschwindigkeiten, die nicht gefahren werden müssen sondern dürfen, wenn es die Verkehrssituation erlaubt. Und der mündige und verantwortungsvolle Kraftfahrer hält sich daran und die anderen hält auch keine Verkehrsberuhigung vom Rasen ab. Sollten Sie mit Ihrer Frage die Fußgängerzone in der Innenstadt gemeint haben, so bedarf es meiner Meinung nach keiner wesentlichen Veränderung, auch nicht in der Schuhstraße.
Zur Innenstadtbelebung haben wir für den Veranstaltungsbereich die neu gegründete TSC, auf Ansiedlungen wünschenswerter Unternehmen haben wir keinen direkten Einfluss und für die Infrastruktur gibt es viele Ideen aber zu wenig Geld, diese nur ansatzweise umzusetzen.
Selbst für Kleinigkeiten reicht es angeblich nicht. So finde ich zum Beispiel außerhalb meiner Partei kaum jemanden, der die hässlichen und teilweise zerstörten Bänke vor dem Schlossgraben, also hinter den Buswartehäuschen am Schlossplatz austauschen möchte.
"Zu teuer!", sagt eine andere große Partei. - Und was sagen die Besucher unserer Stadt?
Selbstverständlich werde ich auch zukünftig jede gute Idee unterstützen, die wir sie uns leisten können.
Einen zukünftigen Schwerpunkt sehe ich neben der Entwicklung der Allerinsel in der Überplanung des Quartiers zwischen Schuhstraße und Nordwall, für eine zweitgemäße Wohnbebauung im Innenbereich. Diese Entwicklung könnte eine Initialwirkung für eine Belebung der Innenstadt und Wiedergewinnung nutzbarer Wohnflächen in der Altstadt auslösen, damit hier wieder mehr Leben einzieht und andere wiederum anzieht, die daran teilhaben möchten – auch neue Einzelhändler, Gastronomie und Dienstleister und damit auch Kunden, Gäste und mehr Besucher dieser Stadt.
Sehr geehrter Herr

, ich bin gerne auf Ihre Fragen eingegangen und hoffe, dass zumindest meine Offenheit Ihnen gegenüber Ihren Erwartungen entsprochen hat und verbleibe
mit freundlichen Grüßen
Klaus Didschies