Klaus Brandner (SPD)
Abgeordneter Bundestag

Grunddaten
Klaus Brandner
© spdfraktion.de
Geburtstag
13.01.1949
Berufliche Qualifikation
Parlamentarischer Staatssekretär a.D.
Ausgeübte Tätigkeit
MdB
Wohnort
Verl
Wahlkreis
Gütersloh
Ergebnis
32,3%
Landeslistenplatz
6, Nordrhein-Westfalen
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Ich komme zurück auf Ihre Frage zum Thema "Bestattungskostenvorsorge" . Auch nach einer Entscheidung des Bundessozialgerichts (18.3.2008 – B8/9b SO 9/06 R) sowie nach Auffassung des Bundesministeriums für Arbeit und Sozialordnung (BMAS) ist die Frage der Anrechnung von entsprechenden Verträgen zur Bestattungskostenvorsorge differenziert zu betrachten. (...)
Parlamentarische Arbeit / Nebentätigkeiten
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Frage zum Thema Integration
13.10.2010
Von:

Sehr geehrter Herr Brandner,

diese Frage hatte ich urspruenglich auch an Ihre MdB- und MdL-Kollegen/Innen gestellt, durch einen technischen Fehler meinerseits ist sie hier aber nicht erschienen, so dass ich sie noch einmal wiederhole:

1. Wie sehen Sie die derzeitge Integrations-SOLL-IST-Bilanz hier in Guetersloh?

2. Wird es in GT diesbezuegliche SPD-Aktivitaeten geben, um die SOLL-IST-Diskrepanz in absehbarer Zeit zu verringern?

Wenn JA, welche?

Wenn Nein, weshalb nicht?

Mit bestem Gruß,

Antwort von Klaus Brandner
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15.10.2010
Klaus Brandner
Sehr geehrter Herr ,

zu Ihrer Frage nach einer SOLL-IST-Bilanz in Gütersloh in Bezug auf die Integration, gehe ich davon aus, dass Sie die Integration von Bürgerinnen und Bürgern mit Migrationshintergrund meinen. Hier sind Aussagen in bilanzmäßiger Form, wie von Ihnen gewünscht, meiner Meinung nach nicht möglich. Das liegt zum einen daran, dass es keinen eindeutigen Indikator für gelungene Integration gibt. Wie groß müssen zum Beispiel die Kenntnisse der deutschen Sprache sein, welchen Bildungsabschluss muss man haben, in was für Wohnverhältnissen lebt man um Integration als gelungen zu bezeichnen - das alles sind Fragen, die sich nicht auf schlichte Zahlenwerte reduzieren lassen. Hinzu kommt, dass in den vorhandenen Daten bezüglich der Herkunft von Bürgerinnen und Bürgern nur unterschieden wird zwischen solchen mit einem ausländischen und einem deutschen Pass. Aus- und Übersiedler, eingebürgerte Menschen mit ausländischen Wurzeln sind hier nicht erfasst.

Der Ausländeranteil in Gütersloh (also derjenigen mit ausländischem Pass) wird für Ende letzten Jahres mit rd. 9.000 Personen angegeben. Das sind 9,4 Prozent der Gesamtbevölkerung (rd. 96.000). Zahlenmäßig stärkste Bevölkerungsgruppen sind die Menschen mit ausländischem Pass aus der Türkei (1.819), Griechenland (1.319) und Polen (763). In der Stadt selbst gibt es eine Reihe von Integrationsprojekten, in denen auf unterschiedlichen Ebenen für und mit Menschen mit Migrationshintergrund gearbeitet wird. Das ist zum Beispiel der Rat für Integration. Dies ist ein Gremium mit beratender und empfehlender Funktion. Ihm gehören zehn durch Urwahl gewählte Migranten und fünf Ratsmitglieder an. Er berät den Stadtrat, die Ausschüsse und die Verwaltung. Es gibt den interkulturellen Gesprächskreis, der den Dialog zwischen den in Gütersloh lebenden Kulturen und Nationen fördern soll. In regelmäßig stattfindenden Veranstaltungen erhalten Vereine, Gemeinden, (Selbsthilfe-) Organisationen und Institutionen die Gelegenheit, ihre Vorstellungen und Ideen zur Gestaltung des Miteinanders darzustellen und zu diskutieren. Neben zahlreichen Projekten gibt es in der Stadt Gütersloh auch viele Einzelmaßnahmen und Institutionen, die die Integration fördern. So finden Integrationskurse für Erwachsene und vorschulische Spracherziehung* *für Kinder statt. Außerdem wird eine umfassende Beratung für Zuwanderer, teilweise auch durch Menschen mit Migrationshintergrund, angeboten. Der eigens schon seit vielen Jahren als Integrationsbeauftragter eingesetzte Mitarbeiter der Stadt vermittelt zwischen den Kulturen und koordiniert unter anderem Integrationsmaßnahmen. Die Vielfalt des kulturellen Lebens in der Stadt wird jährlich beispielhaft deutlich beim großen Fest "Gütersloh international".

Wenn Integration als ein dynamischer, in beide Richtungen gehender Prozess des gegenseitigen Entgegenkommens aller Einwanderer betrachtet wird, bin ich der Auffassung, dass Gütersloh hier auf einem guten Weg ist.

Der SPD-Stadtverband wird sich in einer öffentlichen Veranstaltung am 10. Nov. 2010 aktuell mit dem Thema beschäftigen. Als sachkundige Referentin ist dazu die NRW-Staatssekretärin Zülfiye Kaykin aus dem Ministerium für Arbeit, Integration und Soziales eingeladen.

Mit freundlichen Grüßen

Klaus Brandner
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Frage zum Thema Integration
19.10.2010
Von:

Sehr geehrter Herr Brandner,
haben Sie vielen DANK fuer Ihre ausfuerhliche Antwort und die Informationen,
die ich dabei bin, auf zu arbeiten.
Mit dem Integrationsbeauftragten bin ich im Gespraech, an einigem habe ich auch schon teil genommen oder gehoere einer an Integrationsaktivitaeten beteiligten Gruppe an.
Trotzdem "schwimme" ich hier in diesem Thema noch betraechtlich und habe in vielen Gesporaechen den Eindruck gewonnen, dass es vielen anderen Buergern der Stadt auch so geht, deshalb vielleicht hierzu noch eine

Ergaenzungsfrage:

Koennen Sie sich fuer GT eine Bestandsaufnahme vorstellen, wuerden Sie diese unterstuetzen ?

Also z. B. zunaechst einmal einen umfassenden Ueberblick ueber alle mit der Integration aktiv verbundenen / mitwirkenden namhaften Personen in Politik und Stadtaemtern, Institutionen, offizielle Angebote, Kurse, Arbeitskreise, Verbaende, Vereine, Vernetzungen (Synergiefragen), Quantitave Angaben (z. B. Teilnehmerangaben, Abbrecher, Nichteilnahmequoten, Kontrollen, etc.), Qualitative Einschaetzung oder auch Bewertung von Angeboten / Inhalten, Erfolgskontrollen (z. B. bei Kursen, soweit moeglich), etc. ?

Weitere konkrete Fragen zur Integrations-Verbesserung und auch Schritte, Wege und Methoden der Aufklärung der Stadtbevölkerung, anderer interessierter Zielgruppen, etc. koennten sich dann auf Grund eines solch umfassenden Gesamt-Ueberblicks ergeben.

Haben Sie vielleicht sogar eine Idee, wer solch eine Erarbeitung federfuehrend uebernehmen koennte ?

Mit freundlichen Gruessen,

Antwort von Klaus Brandner
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22.10.2010
Klaus Brandner
Sehr geehrter Herr ,

ich freue mich, dass ich Ihnen ein paar Hinweise geben konnte. Sie machen sich zu Recht Gedanken zu Informations- und Datengrundlagen im Zusammenhang mit der Integration von Bürgerinnen und Bürgern mit Migrationshintergrund.

Daten sind wichtige Entscheidungsgrundlagen für politische Vorhaben. Hilfreich sind hier generell Angaben, die vom Statistischen Bundesamt ( www.destatis.de ) gesammelt und herausgegeben werden. In der vergangenen Wahlperiode habe ich beispielsweise über die Bundesagentur für Arbeit veranlasst, dass bei Weiterbildungsmaßnahmen Angaben zu Teilnehmerinnen und Teilnehmern mit Mitgrationshintergrund und Sprachstand erhoben wurden.

Zu beachten und abzuwägen ist meiner Auffassung nach allerdings immer, wieweit bei derartigen statistischen Erhebungen in das Persönlichkeitsrecht einzelner eingegriffen wird.

Zur Situation vor Ort kann der von Ihnen bereits angesprochene Integrationsbeauftragte der Stadt sicherlich hilfreiche weitergehende Hinweise geben.

Mit freundlichen Grüßen
Klaus Brandner
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Frage zum Thema Kultur
26.02.2011
Von:
-

Sehr geehrter Herr Brandner,

waren Sie auf der Politiker LAN? Wenn ja was haben Sie gespielt? Und wie waren Ihre Eindrücke? Wenn nein, warum nicht?

M.f.G.
Antwort von Klaus Brandner
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11.03.2011
Klaus Brandner
Sehr geehrter Herr ,

vielen Dank für Ihre Frage zur Veranstaltung "Politiker- LAN", die am 23. Februar 2011 im Reichstagsgebäude stattgefunden hat.

Computer- und Konsolenspiele aller Art - insbesondere aber die sog. Egoshooter stehen im Bundestag und darüberhinaus immer wieder zur Diskussion. Angesichts der wachsenden Bedeutung von Computerspielen im Leben von Kindern und Jugendlichen keimen regelmäßig Fragen und Forderungen nach Verboten, Altersbeschränkungen oder anderen Grenzen spielerischer Inhalte auf.

Um fundierte Entscheidungen treffen zu können, ist es wichtig sich möglichst umfassend über einen Sachverhalt zu informieren und keine Vorurteile zu pflegen. In Sachen Computerspiele bleibt das Wissen bei vielen Abgeordneten jedoch meist theoretisch. Deswegen begrüße ich die Idee der interfraktionellen Veranstaltergruppe, Computerspiele erlebbar zu machen und so vorurteilsfrei über Vor- und Nachteile diskutieren zu können.

Leider konnte ich am 23. Februar nicht zur Politker-LAN gehen, da ich zeitgleich andere parlamentarische Verpflichtungen hatte. Unter anderem fand eine Haushaltsausschusssitzung statt, bei der ich als ordentliches Mitglied nicht fehlen konnte. Ich bitte um Verständnis, dass meine Prioritätensetzung hier nicht zugunsten des Politiker-LANS ausfallen konnte.

Viele Grüße

Klaus Brandner
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Frage zum Thema Demokratie und Bürgerrechte
06.05.2011
Von:

Sehr geehrter Herr Brandner,

bitte stimmen Sie im Bundestag gegen den EU Rettungsschirm. Ein bail out darf nicht gemacht werden, da dieses die widerrechtliche Verschenkung von Steuergeldern darstellt und das Volk die Politik dafür nicht legitimiert hat.

In Erwartung Ihrer Stellungnahme verbleibe ich

mit freundlichen Grüssen

Antwort von Klaus Brandner
1Empfehlung
10.05.2011
Klaus Brandner
Sehr geehrter Herr ,

zu Ihrem Hinweis zum EU Rettungsschirm möchte ich etwas ausführlicher Stellung nehmen:

In der Diskussion über die Finanz- und Eurokrise brauchen wir mehr Mut zur Ehrlichkeit! Zur Ehrlichkeit darüber, dass sich die Eurozone nach wie vor in einer existenziellen Krise befindet, deren Lösung nur durch eine gemeinsame, auch gemeinsame finanzielle Anstrengung aller ihrer Mitglieder möglich ist.
Dazu gehört natürlich die Stärkung und wirkliche Durchsetzung der Schuldenregeln der Gemeinschaft. Aber das allein ist viel zu wenig. Eine Verschärfung der vorbeugenden Schuldenregeln allein zeigt keinen Weg aus den akuten Schuldenproblemen Griechenlands auf. Und sie bietet ebenso wenig Rezepte gegen Blasenbildungen auf den Finanz- und Immobilienmärkten, die ja im Zentrum der Krisen in Irland und Spanien standen.

Der Rettungsschirm in seiner jetzigen Form reicht nicht aus und die Märkte werden sich nicht auf eine Anschlussregelung erst ab 2013 vertrösten lassen. Hier muss kurzfristig nachgebessert werden, zumal sich inzwischen heraus gestellt hat, dass die mögliche Kreditvergabe des Fonds zur Sicherung des AAA-Ratings deutlich unterhalb der maximalen Garantiesumme von 440 Mrd. € liegt. Schon im letzten Jahr konnte die EZB das Scheitern des Rettungsschirms nur durch eigene Anleihekäufe aus den Krisenländern kaschieren. Noch heute die Parole auszugeben, "Keine Anleihekäufe!", wie es die deutsche Regierungskoalition unverdrossen tut, zeugt vor diesem Hintergrund von nichts anderem als peinlicher Realitätsverweigerung.
Zur nötigen Ehrlichkeit gehört es klar zu stellen, dass diese Krise eben nicht nur eine Krise der Verschuldung in einigen Mitgliedstaaten ist. Sondern wir haben es nach wie vor und im gleichen Maße mit einer Krise des gesamten, weiterhin unterkapitalisierten Bankensystems Europas zu tun. Schuldenkrise und Bankenkrise sind letztlich zwei Seiten derselben Medaille. Im ganzen letzten Jahr ist aber nur sehr wenig geschehen, was das Bankensystem stabiler machen würde - und Schwarz-Gelb schweigt dazu.

Zusätzlich gilt, dass auch die spiegelbildlichen, ständig anwachsenden Leistungsbilanzungleichgewichte innerhalb der Eurozone einen wesentlichen Beitrag zur Krise leisten und deshalb von allen Partnern gemeinsam bekämpft werden müssen - und nicht nur von den Defizitländern allein.
Zudem braucht Europa verantwortliche Führung! Dazu gehört, dass Deutschland als größtes Mitgliedsland und stärkste Volkswirtschaft endlich aufhört, sich populistisch darauf zu beschränken, mit dem Finger auf vermeintliche "Sünder" unter seinen Partnern zu zeigen, sondern endlich alle Partner auf einen Weg zur Lösung der Krise mitnimmt. Dabei darf und soll es dann sehr wohl auch seine eigenen Interessen im Hinblick auf die Stabilität unserer gemeinsamen Währung und die Haushaltsdisziplin seiner Partner, die ein unverzichtbarer Teil gemeinschaftlicher Solidarität sein muss, vertreten. Dafür wird jeder Verständnis haben. Wer sich aber wie Merkel und die schwarz-gelben Koalitionäre in die nationale Ecke stellt und deutlich macht, wie wenig Interesse man im Grunde an einer gemeinsamen Lösung hat, der wird am Ende eben auch seine eigenen Interessen nicht wahren können. Und das ist schlecht für unser Land.
Verantwortliche Führung zur Lösung der Krise bedeutet auch, dass Geld-, Fiskal- und Finanzmarktpolitik zusammenwirken müssen. Genau das ist im Moment aber in großer Gefahr. Die deutsche Regierung lässt die EZB mit dem Problem der von der Zentralbank angekauften Staatsanleihen im Stich, die EZB wiederum verkündet ohne Rücksicht auf den Prozess der Krisenbewältigung eine Zinswende. Die Regierungen verschleppen zur Freude von Banken und Schattenbanken die notwendige Finanzmarktregulierung und verhindern eine angemessene finanzielle Beteiligung des Finanzsektors an den Krisenlasten.

Zu Recht hat das Europäische Parlament jetzt noch einmal nachdrücklich die Einführung der Finanztransaktionssteuer gefordert, nichts anderes als eine Umsatzsteuer auf Finanzgeschäfte, für die wir Sozialdemokraten uns seit langem einsetzen. Wir brauchen diese Steuer, damit endlich nicht mehr allein die Bürgerinnen und Bürger in Europa für den von den Banken angerichteten Schaden aufkommen müssen. Und wir brauchen sie zur Eindämmung des Hochfrequenzhandels und der Spekulation, die die Finanz- und Rohstoffmärkte längst wieder voll im Griff hat.
Ebenso brauchen wir im Rahmen eines dauerhaften Krisenabwehrmechanismus in der Eurozone eine klare und glaubhafte Regelung zur Gläubigerbeteiligung an den Lasten des Abbaus übermäßiger Verschuldung. Denn: Kredite wurden in Griechenland, Irland und anderswo nicht nur viel zu leichtfertig aufgenommen, sondern auch viel zu leichtfertig vergeben. Immer in der Gewissheit, am Ende würden die Steuerzahler schon dafür haften. Damit muss Schluss sein, soll die Krise dauerhaft überwunden werden. Und deshalb braucht Europa jetzt - als letztes Mittel im Falle versagender Warn- und Hilfssysteme - auch Regeln sowohl für eine Insolvenz zu risikoreich agierender Banken als auch für eine Insolvenz zu sorglos sich verschuldender Staaten. Hier gilt: Wer aufhört zu täuschen und den Marktakteuren etwas vorzumachen, wer für Rechtsklarheit sorgt, der schafft auch neue Stabilität.

Und wir brauchen in Europa endlich eine Wirtschaftsregierung, die ihren Namen auch verdient und sich wirklich um die Überwindung der Ungleichgewichte und Wettbewerbsschwächen in der Gemeinschaft kümmert. Eine Wirtschaftsregierung, die nicht den Einen das Exportieren und den anderen das Importieren verbietet, sondern die in gemeinsamer Verantwortung dafür sorgt, dass in den Defizitländern die Exportfähigkeit und in den Überschussländern die Binnenkonjunktur gestärkt wird. Dass mit Investitionen in Bildung, Forschung, Nachhaltigkeit und länderübergreifende Infrastruktur, wie etwa ein gesamteuropäisches modernes Energienetz, die Wettbewerbsfähigkeit ganz Europas gestärkt wird und zugleich neue Beschäftigungschancen entstehen. Auch zur Finanzierung einer solchen gemeinschaftlichen Investitionsanstrengung könnte die Finanztransaktionssteuer einen wichtigen Finanzierungsbeitrag liefern.

Mit freundlichen Grüßen
Klaus Brandner
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Frage zum Thema Soziales
15.06.2011
Von:

Sehr geehrter Herr Klaus Brandner,

meine Frage an Sie bezieht sich auf das Bedingungslose Grundeinkommen. Von daher lauten vorangestellt meine grundsätzlichen Fragen zu Ihrer Position:

1. Haben Sie sich damit persönlich bereits auseinandergesetzt?
2. Halten Sie die Idee persönlich für eine Alternative zum jetztigen Sozialsystem?

Unabhängig der Frage der Finanzierung und der befürchteten sinkenden Arbeitsmotivation, würde ich Sie präziser fragen, ob Sie das Recht eines jeden Menschen auf würdevolle Existenz, welche heute nur über Geld gesichert werden kann, bedingungslos befürworten und über wirtschaftliche oder verwaltungsrechtliche Erwägungen stellen, oder ob es für Sie nachrangig einzuordnen ist?

Mit freundlichen Grüßen

Antwort von Klaus Brandner
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28.06.2011
Klaus Brandner
Sehr geehrter Herr ,

vielen Dank für Ihre Frage zum bedingungslosen Grundeinkommen (BGE). Als jemand, der sich der Sozial- und Arbeitspolitik seit langem widmet, bin ich mit der Debatte zum BGE durchaus vertraut. In der immer mal wieder aufkommenden Diskussion beziehe ich klar Stellung: Der Sozialstaat, wie wir ihn kennen, soll abgeschafft werden. Dies widerspricht meinen Grundüberzeugungen und fordert meinen Widerspruch heraus. Wenn auch die Idee des BGE vielleicht erst einmal gerecht erscheint, erweist sie sich bei näherer Betrachtung als das Gegenteil. Denn, "gerecht" ist nicht, wenn alle das Gleiche bekommen, sondern wenn diejenigen, die sich nicht selbst helfen können, die Hilfen bekommen, die sie brauchen.

Das BGE, welches tatsächlich alle unabhängig davon erhalten sollten, ob sie bedürftig und arbeitsfähig sind, kann nur gering ausfallen, wenn es nicht zu einer enormen Steigerung der Steuer- und Abgabenlast für die Bevölkerung insgesamt oder zu Einschnitten in anderen Bereichen, wie z. B. bei der Arbeitsmarktpolitik, für Fort- und Weiterbildung führen soll. Alle bisherigen Sozialleistungen würden durch das BGE ersetzt, was aber zu einer erheblichen Anzahl von Härten führen und Ausnahmeregelungen erzwingen würde, die das Konzept letztlich wieder in Frage stellen. Individuelle Bedürfnisse für Menschen mit hohem Pflegebedarf, schwerer Behinderung oder sonstigen Belastungen werden beim BGE z. B. nicht berücksichtigt. Hinzu kommt, dass das BGE Arbeit entwertet, ordentliche Arbeitsplätze gefährdet und im Gegenteil Dumpinglöhne und arbeit fördert. Es kann also nicht angehen, den in Jahrzehnten bewährten Sozialstaat abzuschaffen und durch ein BGE zu ersetzen. Vielmehr muss es darum gehen, unsere Sozialsysteme so weiterzuentwickeln, dass mehr Teilhabe für die Menschen möglich ist. Darum trete ich für den gesetzlichen Mindestlohn ein von dem man leben kann, für anständig bezahlte Arbeit mit angemessenem Lohn. Denn Arbeit ist ein wesentlicher Beitrag zur Selbstverwirklichung, zur sozialen Anerkennung, zum Aufstieg und zum Leben in Würde. Und damit trägt jeder dazu bei, unseren Sozialstaat zu erhalten und weiterzuentwickeln.

Mit freundlichen Grüßen
Klaus Brandner
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