Kersten Naumann (DIE LINKE)
Kandidatin Bundestagswahl 2005
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Grunddaten
Kersten Naumann
Jahrgang
1958
Berufliche Qualifikation
Agraringenieurin
Ausgeübte Tätigkeit
Mitglied des Thüringer Landtags
Wohnort
-
Wahlkreis
Kyffhäuserkreis - Sömmerda - Weimarer Land I
Ergebnis
27,3%
Landeslistenplatz
2, Thüringen
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Frage zum Thema Steuern
16.08.2005
Von:

Hallo Frau Naumann,
gern möchte ich Ihnen heute mal eine Frage stellen. Gern abseits von so schönen Themen wie der "Dummkalbaffäre" des Herrn Stoiber oder des infantilen Namensstreits - ob nun Linke PDS oder nicht. In Ihrem Steuerprogramm wird eine Erhöhung des Spitzensteuersatzes auf 50% und die Anhebung der Erbschaftssteuer angeführt - weiter nichts. Wieso soll eigentlich hart verdientes Vermögen vom kleinen Bürger nach dessen Tode höher besteuert werden als bisher? Zwar stimmt es, dass zu DDR Zeiten auch gern der Staat das Eigentum seiner Untergebenen einverleibte, doch leben wir jetzt - Gott sei dank - in der Europäischen Union. Gern stellt sich doch die PDS/Linke oder wie sie auch heissen mag, als Retter des kleinen Mannes dar; wie ist dann dies zu vereinbaren?
Antwort von Kersten Naumann
2Empfehlungen
17.08.2005
Sehr geehrte Frau ,

die Linkspartei vertritt nach wie vor die Auffassung, dass Bezieher von kleinen und mittleren Einkommen wieder mehr Geld in der Tasche haben müssen, um Deutschlands Talfahrt zu stoppen. Bezahlen sollen das diejenigen, die mehr haben als sie ausgeben können. Dazu gehört neben einer Senkung der Einkommensteuer für die "kleinen Leute" auch eine Erhöhung des Spitzensatzes. Hier wollen wir nur einen Teil der Entlastung durch Rot-Grün wieder rückgängig machen. Immerhin zahlen die Besserverdiener auch bei uns immer noch weniger als zu Kohl´s Zeiten.
Bei der Erbschaftsteuer ist das ähnlich. Wir senken die Steuer für kleine Erbschaften bis zu 50.000 Euro steuerpflichtiger Erbschaft (also nach Abzug der Freibeträge für Ehegatten, Kinder und Hausrat) von 7 auf 5%. Den Höchstsatz der Erbschaftsteuer wollen wir nicht anheben, dafür soll er aber schon bei 5 Millionen und nicht erst bei 25 Millionen Euro gelten. Hier ist also das Prinzip das Gleiche: Weniger Steuer von kleinen und mehr Steuer von großen Erbschaften.

Mit freundlichen Grüßen

Kersten Naumann
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Frage zum Thema Sicherheit
17.08.2005
Von:

Frau Naumann, danke für Ihre Antwort.

In Ihrem Wahlprogramm wird propagiert, dass Deutschland von niemanden bedroht wird. Allgemein unbestritten ist jedoch, dass Europa und auch Deutschland durch den islamistischen Terror in einer noch nie dagewesenen Weise bedroht wird. Wahrscheinlich befinden sich sogar atomare Waffen in den Händen der Terroristen und es ist nur noch eine Frage der Zeit bis zu deren Einsatz in Europa. Sind wir doch einmal ehrlich: Ein Flugverbot über der Berliner Innenstadt oder die Erfassung von biometrischen Daten in Personalausweisen dient nicht der Terrorabwehr. Wie sieht Ihre Lösung für das Terrorproblem aus? In welcher Weise will die PDS die Polizei und die Bundeswehr unterstützen um einen Schutz für die Bürger herzustellen? Ist es hierzu erforderlich beispielsweise sexuelle Neigungen in Dateien zu speichern (Stichwort *omosex* Datei)? In Ihrem Wahlprogramm wird die Verflechtung von Polizei und Nachrichtendienst genauso wie der Krieg gegen den Terrorismus abgelehnt, die Anti-Terror-Gesetze kritisiert. Eine Lösung jedoch nicht aufgeführt. Danke.
Antwort von Kersten Naumann
2Empfehlungen
25.08.2005
Sehr geehrte Frau ,

vielen Dank für Ihre Frage an mich.
Das Thema internationaler Terrorismus und die Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger verdient eine sachliche Debatte. Wahlkampfzeiten sind eigentlich nicht der richtige Anlass und der richtige Zeitpunkt sich diesen globalen Fragen zuzuwenden. Die Pietät gegenüber den Opfern von Terroranschlägen, wie zuletzt in London oder den zivilen Toten, die der sogenannte Krieg gegen den Terrorismus fordern, verbieten eine Instrumentalisierung oder gar Banalisierung dieser Ereignisse. Die Linkspartei.PDS setzt auch beim Thema Terrorismusbekämpfung wie bei Fragen des Schutzes der Bevölkerung vor Kriminalität auf eine ursachenorientierte Politik, die soziale, historische, ökonomische Fragestellungen zulässt.

Die Linkspartei.PDS kritisiert eine Sicherheitspolitik, die mit immer mehr Eingriffen in Grund- und Bürgerrechten die Fundamente der demokratischen Verfasstheit dieser Gesellschaft beschädigt, die sie vorgeblich mit diesen Maßnahmen schützen will. Ob präventive Telefonüberwachung, Rasterfahndung, Biometrische Daten in Personalausweisen o.ä.: Im Ergebnis gelangen immer mehr Informationen über unbescholtene Bürger in die Speicher der Sicherheitsbehörden, ohne dass damit zielgerichtet bestimmte terroristische oder kriminelle Aktivitäten unterbunden werden. Das traurige Beispiel der Terroranschläge in London zeigt sehr deutlich: Aufrüstung nach Innen, komplette Überwachung der Bewegung von Bürgerinnen und Bürgern schützt nicht vor solchen Attentaten. Der Tod eines unbeteiligten und vollkommen unschuldigen brasilianischen Bürgers in Großbritannien, der im Rahmen von Anti-Terrormaßnahmen erschossen wurde macht deutlich: Wir sollten sorgsam über Sonderrechte für Polizei und Geheimdienste nachdenken. In der Bundesrepublik sollten wir darauf achten, ob Gesetzesverschärfungen wirklich immer mit der tatsächlichen Bedrohung durch den internationalen Terrorismus zusammenhängen, oder ob Ereignisse vielmehr wahllos im Sinne dieser Verschärfung benutzt werden. Die Abstürze zweier Privatjets über Frankfurt und Berlin wurden durch Piloten verübt, die aus privaten Gründen Selbstmord begehen wollten. Diese mussten dafür herhalten z.B. der Bundeswehr nun den Abschuss von zivilen Flugzeugen zu erlauben, falls von diesen die Gefahr eines Terroraktes ausgeht. Die Leben von möglicherweise hunderten von Flugpassagieren sollen dann zugunsten den Leben anderer geopfert werden. Selbst Piloten der Bundeswehr haben für diesen Fall mit Dienstverweigerung gedroht, da sie sich nicht an der Tötung von Zivilisten beteiligen wollen. Das Bundesverfassungsgericht wird sich mit den entsprechenden Vorschriften im Luftsicherheitsgesetz noch beschäftigen müssen. Die Vorschläge der CDU zum Einsatz der Bundeswehr im Inneren lehnen wir strikt ab. Diktaturen und undemokratische Regime bedienen sich des Militärs um Ordnungsaufgaben zu übernehmen. Auch angesichts der deutschen Geschichte lehnen wir diese Vorschläge ab. Statt dessen setzen wir auf eine gut ausgebildete, motivierte und entsprechend auch honorierte Polizei, die sich der Kriminalitätsbekämpfung und der Gewährleistung der öffentlichen wie persönlichen Sicherheit widmet. Soziale Einschnitte bei Polizeibeschäftigten lehnen wir ab, ebenso Überlegungen Sicherheitsaufgaben zu privatisieren. Die Bekämpfung des internationalen Terrorismus ist für die Bundesrepublik in erster Linie eine außenpolitische Aufgabe. Die Spirale von Krieg und Terror muss durch Diplomatie, Verständigung und Sanktionen unterbrochen werden. Mit Sorge beobachten wir erste Anzeichen für eine Ausweitung des Krieges auf andere Länder. Die Linkspartei.PDS wird sich im neuen Bundestag für eine Rückholung deutscher Soldaten aus Afghanistan einsetzen.
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Frage zum Thema Arbeit
11.09.2005
Von:

Die Arbeitslosigkeit stagniert auf hohem Niveau.
Die Landesregierung hat die Wochenarbeitszeit im ö.D. auf 42 h angehoben. Viele Wirtschaftszweige haben ihre Wochenarbeitszeit ebenfalls erhöht.
Frage: Könnte mit einer Verringerung der Wochenarbeitszeit nicht eine Reduzierung der Arbeitslosigkeit mit der Verringerung des sozialen und wirtschaftlichen Leids erzielt werden und so die oft angeprangerten Lohnnebenkosten gesenkt werden?
Antwort von Kersten Naumann
1Empfehlung
12.09.2005
Der Trend, die Arbeitszeiten wieder zu verlängern – meist ohne Lohnausgleich –, muss gestoppt und umgekehrt werden. Er bedeutet Lohnsenkung und führt zu mehr Arbeitslosigkeit. Ein erster wichtiger Schritt ist eine wirksame Begrenzung der Überstunden. Das Arbeitszeitgesetz muss reformiert und die durchschnittliche regelmäßige Höchstarbeitszeit auf 40 Stunden gesenkt werden. Allein durch den Abbau von Überstunden können knapp 1 Millionen neue Arbeitsplätze in Deutschland geschaffen werden.

Wir unterstützen die Gewerkschaften in ihrem Versuch, Arbeitszeitverkürzungen zu vereinbaren. Die fortschreitende Steigerung der Produktivität ermöglicht auch in Zukunft Arbeitszeitverkürzungen ohne Lohnverzicht. Solange dies nicht durchsetzbar ist, muss zumindest für Beschäftigte in den unteren Einkommensgruppen ein voller Lohnausgleich gewährleistet werden. Arbeitszeitverkürzungen sind auch notwendig, um jungen Menschen, die gerade eine Ausbildung durchlaufen haben, berufliche Perspektiven zu eröffnen. Dringlich ist eine familienfreundliche Arbeitszeitpolitik, die mehr Zeit für Erholung und eigene Interessen, für Kinder, Partnerinnen, Partner und Freundschaften lässt. Teilzeitbeschäftigung ist durch vollwertige soziale Absicherung bei Krankheit, Arbeitslosigkeit und Alter zu fördern. Wer aus Vollbeschäftigung in Teilzeitarbeit wechseln musste, soll das Recht haben, in Vollzeitarbeit zurückzukehren.
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