Josip Juratovic (SPD)
Kandidat Bundestagswahl 2009
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Grunddaten
Josip Juratovic
Jahrgang
1959
Berufliche Qualifikation
Kfz- Mechaniker, Betriebsrat bei Audi AG Neckarsulm
Ausgeübte Tätigkeit
MdB
Wohnort
-
Wahlkreis
Heilbronn
Ergebnis
25,1%
Landeslistenplatz
16, Baden-Württemberg
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(...) Es ist klar, dass wir in Deutschland nicht um billige Löhne konkurrieren können und sollen. Wir konkurrieren um die besseren Produkte. So wird das auch im Umgang mit China sein. (...)
Kandidaten-Check
Beim Kandidaten-Check können Sie Ihre eigenen politischen
Überzeugungen mit denen Ihrer Kandidaten vergleichen.
Josip Juratovic hat sich am Kandidaten-Check beteiligt und zu allen von 32 Thesen Position bezogen.
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Frage zum Thema Finanzpolitik
24.07.2009
Von:

Sehr geehrter Herr Juratovic,

große Aufgaben stehen vor uns. Ich nenne die Sanierung des Bundeshaushaltes und der Sozialsysteme.
Wie werden sie dies angehen? Wie verhalten Sie sich zu Fortführung, Ausbau oder gar Rücknahme der "Schröderschen Sozialreformen?
Für einen Überblick konkreter Maßnahmen wäre ich dankbar.

Mit freundlichen Grüßen,
Antwort von Josip Juratovic
8Empfehlungen
04.08.2009
Sehr geehrter Herr ,

ich danke für Ihre Fragen zur Finanz- und Sozialpolitik, die die SPD in 11 Jahren Regierungsverantwortung umgesetzt hat und mit der wir nach dem 27. September Deutschland weiter voranbringen möchten.

Die Sanierung des Bundeshaushaltes hat seit 1998 neuen Schwung erhalten. Nach Jahren der Anhäufung neuer Schulden unter Schwarz-Gelb setzten wir die Haushaltspolitik konsequent auf unsere Agenda und stellten die Generationengerechtigkeit in den Mittelpunkt. Unser Ziel war und ist die Verringerung der Neuverschuldung und das sich daran anschließende Abtragen des Schuldenberges. Ich sehe Schuldenabbau nicht als Selbstzweck, sondern als Voraussetzung dafür, dass sich der Staat Handlungsspielräume erschließt und die Verantwortung für künftige Generationen im Blick hat.

Durch die Finanz- und Wirtschaftskrise mussten wir die erfolgreiche Haushaltspolitik unter Finanzminister Peer Steinbrück, den Sie übrigens am 13. August um 16 Uhr auf dem Heilbronner Kiliansplatz erleben können, anpassen. In einer konjunkturellen Ausnahmesituation muss der Staat entschieden und gezielt handeln. Wir stehen dafür, dass die Schulden, die jetzt für die Konjunkturstabilisierung notwendig sind, in guten Zeiten wieder konsequent zurückgefahren werden. Zudem schlagen wir eine konjunkturgerechte Schuldenregel vor, die das Defizit von Bund und Ländern begrenzt, gleichzeitig jedoch die gesamtwirtschaftliche Lage im Auge behält.

Durch die von Ihnen angesprochenen Reformen der sozialen Sicherungssysteme konnten wir diese in den letzten Jahren zukunftsfest machen. Unsere Sozialversicherungen sind und waren ein gutes System. Sie können jedoch nur bestehen bleiben, wenn wir sie modernisieren. Nachdem jahrelang ignoriert worden war, dass die Sozialversicherungen vor Finanzierungsproblemen stehen, packten wir an. Die Arbeitswelt hat sich weg vom Modell der lebenslangen Beschäftigung beim gleichen Arbeitgeber gewandelt und die Altersstruktur unserer Gesellschaft ändert sich.

Unser Leitprinzip ist die Bürgersozialversicherung. Alle Bürgerinnen und Bürger sollen gegen Risiken bei Krankheit und Pflege und alle Erwerbstätigen bei der Altersversorgung und der Absicherung von Arbeitslosigkeit solidarisch versichert sein. Dazu wollen wir die bestehende Altersversorgung stabilisieren und die Renten langfristig sichern. Für Gesundheit und Pflege möchten wir eine allgemeine Bürgerversicherung einführen, an der sich alle Bürgerinnen und Bürger beteiligen und in der alle Einkommensarten berücksichtigt werden. Die SPD und ich stehen also für passgenaue und zukunftsorientierte Reformen der sozialen Sicherungssysteme.

Weitere Maßnahmen finden Sie in unseren Regierungsprogramm, das Sie unter www.spd.de ansehen können. Sicher werden Sie auch in den nächsten Wochen unsere Ziele in der Sozial- und Finanzpolitik in der öffentlichen Debatte, die jetzt von Frank-Walter Steinmeier angestoßen wurde, wiederfinden.

Freundliche Grüße
Josip Juratovic MdB
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Frage zum Thema Innere Sicherheit und Justiz
27.08.2009
Von:

Sehr geehrter Herr Juratovic,

In Artikel 102 unseres Grundgesetzes steht: "Die Todesstrafe ist abgeschafft."

Staatsrechtler Schachtschneider und andere vertreten allerdings die Ansicht, dass der Vertrag von Lissabon die Wiedereinführung der Todesstrafe oder das Töten von Menschen (z.B. bei Unruhen) ermöglicht. Auch die Grundrechte Charta und die Erklärungen dazu würde dem nicht entgegen wirken. Unter anderem deswegen wurde Verfassungsklage eingereicht. Das Bundesverfassungsgerichtsurteil vom Juni zum Lissabonvertrag (Begleitgesetze) hat dazu, soweit ich es versteh, keine Stellung genommen.
Sie werden verstehen, dass mich dies sehr beunruhigt. Ich bin leider weder EU-Experte noch Jurist um die Fragestellung selbst zu beantworten.

Sind die von Herrn Schachtschneider aufgeworfenen Argumente / Punkte eindeutig widerlegt oder ist die Frage noch strittig? Gilt definitiv und unübersteuerbar der Satz in unserem Grundgesetz auch weiterhin "Die Todesstrafe ist abgeschafft" und darf jetzt und in Zukunft auch weiterhin nicht getötet werden, auch nicht bei Demonstrationen / Unruhen?

Mit freundlichen Grüßen,
Antwort von Josip Juratovic
4Empfehlungen
03.09.2009
Sehr geehrter Herr ,

vielen Dank für Ihre Anfrage zum Vertrag von Lissabon. Ich bin im Ausschuss für Arbeit und Soziales des Deutschen Bundestages für den Bereich der Europäischen Union zuständig, daher gehe ich gerne auf Ihre Frage ein.

Ich kann Ihnen versichern: Trotz Bedenken des Professor Schachtschneider aus Würzburg ist die Todesstrafe in der EU nicht eingeführt worden und wird auch nie eingeführt werden.

Deutschland gehört zu den Unterzeichnerstaaten der Europäischen Menschenrechtskonvention (EMRK), deren Inhalte auch Eingang in den Lissabon-Vertrag fanden. Dazu gehört mit dem Zusatzprotokoll Nr. 13 auch das Verbot der Todesstrafe in Friedenszeiten. Die Abschaffung der Todesstrafe im Beitrittsland gehört zu den essentiellen Aufnahmekriterien für eine EU-Mitgliedschaft.

Die Formulierung, von der der Würzburger Professor spricht, entstammt dem 6. Zusatzprotokoll der Europäischen Menschenrechtskonvention. Das 13. Zusatzprotokoll ist in fast allen EU-Staaten ratifiziert. Damit ist die Regelung, die Herr Schachtschneider anführt, praktisch bedeutungslos. Alle Einschränkungen, die im 6. Zusatzprotokoll noch aufgeführt sind, sind aufgehoben. EMRK und das 13. Zusatzprotokoll sind bindendes Recht.

Mit dem Vertrag von Lissabon wird auch die Grundrechtecharta rechtsverbindlich, in der die Todesstrafe explizit verboten ist. Artikel 102 unseres Grundgesetzes gilt damit uneingeschränkt.

Das Bundesverfassungsgericht ist zudem bekannt dafür, europarechtliche Regelungen genau auf ihre Vereinbarkeit mit unserem Grundgesetz zu überprüfen. Daher sehe ich nicht nur aus meiner politischen Sicht, dass das 13. Zusatzprotokoll im Bereich der Todesstrafe nicht im Widerspruch zu Artikel 102 GG steht, sondern auch juristisch ist dies überprüft.

Wir Sozialdemokraten werden uns auch weiterhin europa-, aber auch weltweit gegen die Todesstrafe aussprechen und politisch auf Länder einwirken, in denen die Todesstrafe noch vollzogen wird.

Mit freundlichen Grüßen
Josip Juratovic
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Frage zum Thema Arbeit
13.09.2009
Von:

Sehr geehrter Herr Josip Juratovic,

EU Handelskommissarin Ashton "zündelt” regelrecht am Turbo Niedriglohn

Es ist nicht zu fassen, die eigene EU-Kommission will nun auch noch die letzten Dämme, zum Schutze gegen chinesische Dumpingimporte, welche schon jetzt mehr als großzügigst ausgelegt sind, einreißen, in dem China als sogenanntes Marktwirtschaftsland anerkannt werden soll, um dann auf o.a. Dumpingschutz verzichten zu können.

Das Resultat wird sein, wir haben eine weitere wesentliche Wettbewerbsverzerrung im internationalen Handel, was wie ein Turbo auf den Niedriglohnbereich sich auswirken wird.

Dies wirkt dann wie ein Dominoeffekt auf das jetzt schon sinkende Lohnniveau, Massenkaufkraft und Soziallasten.
Hierbei interessant, dass die Briten wieder mal hier den Vorreiter spielen, wie bei dem Thema Investmentbanking und deren absolut freien Marktregulierungen, wo eines der Hauptursachen für die aktuelle Finanzkrise ist.

Man hat wirklich auf garnichts aus der bisherigen schweren Krise gelernt. Die nächste lässt grüßen.
Was sagen eigentlich unsere etablierten PolitikerInnen hierzu?
Antwort von Josip Juratovic
2Empfehlungen
14.09.2009
Sehr geehrter Herr ,

ich möchte in einer kurzen Antwort auf Ihre Bemerkung zu Dumpinglöhnen in der Europäischen Union eingehen.

Die EU-Handelskommissarin Catherine Ashton war auf einer Reise in China und forderte dort stärkere Investitionstätigkeiten auf beiden Seiten. Dazu gehört eine offene Wirtschaft, die ausländische Investitionen akzeptiert. Besonders ging es darum, dass europäische Investoren problemlos in China investieren und den Markt dort erschließen können.

Dass nach Europa Produkte importiert werden, ist eine Normalität des internationalen Warenaustauschs. Ich unterstütze fairen Handel, wie er bereits in vielen Bereichen existiert.

Es ist wichtig, dass auch in Deutschland - wie bereits in 20 der 27 anderen EU-Staaten - Mindestlöhne eingeführt werden. Vor der EU-weiten Arbeitnehmerfreizügigkeit muss gewährleistet sein, dass in Deutschland nur zu fairen Löhnen gearbeitet werden kann. Es ist klar, dass wir in Deutschland nicht um billige Löhne konkurrieren können und sollen. Wir konkurrieren um die besseren Produkte. So wird das auch im Umgang mit China sein.

Freundliche Grüße
Josip Juratovic MdB
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Ihre Frage an Josip Juratovic
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