Johannes Kahrs (SPD)
Abgeordneter Bundestag

Grunddaten
Johannes Kahrs
© spdfraktion.de
Geburtstag
15.09.1963
Berufliche Qualifikation
Jurist, Oberstleutnant der Reserve
Ausgeübte Tätigkeit
MdB
Wohnort
Hamburg
Wahlkreis
Hamburg Mitte
Ergebnis
34,6%
Landeslistenplatz
48, Hamburg
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(...) Es gibt zwar neue Technologien in dem Bereich, aber leider ist bisher die komplett maschinelle Trennung vom Müll weder günstig noch effektiv. (...)
Parlamentarische Arbeit / Nebentätigkeiten
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Frage zum Thema Finanzen
06.05.2010
Von:

Sehr geehrter Herr Kahrs,

am kommenden Freitag wird über das Währungsunion-Finanzstabilitätsgesetz namentlich abgestimmt.
Werden Sie dem Gesetz zustimmen?

Das BMF wird ermächtigt, Gesamthilfe bis zu 22,4 Mrd € zu leisten.
Dieser Betrag *soll* nicht überschritten werden. Unter welchen Bedingungen wird er überschritten werden und stimmen Sie diesen Fällen zu?

Lese ich den § 1 I WFStG-Entwurf demnach richtig, dass der Bundestag zwar das BMF ermächtigt, Geld an die Hellenische Republik zu zahlen, die Höhe aber nur eine Soll-Bestimmung und nicht eine Muss-Bestimmung ist? Demnach kann ohne Mitwirkung des Bundestages dieser Betrag durchaus überschritten werden?

Bis zu welcher Höhe?

Nach § 1 II WFStG-E sind in den 22,4 Mrd € Ermächtigungsrahmen Zinsen und Kosten nicht enthalten. Bei 3% Zinsen und 10 Jahren Laufzeit gehe ich von 6,7 Mrd. € zusätzlicher Zinsen aus. Wieso wird diese Belastung verschwiegen?

Hinzu kommt:
Sollte ein Kreditgeber höhere Refinanzierungskosten haben als der Zins des Kreditnehmers im Rahmen des Darlehensvertrags, kann er verlangen, dass ihm ein Zinsausgleich gewährt wird, der anteilig aus dem Zinsertrag der anderen Geber finanziert wird, lautet eine Vereinbarung der Euro-Gruppe zur GR-Hilfe. (Deutsche Presse-Agentur GmbH am 5.5.10).
Zinseinnahmen müssen also ggf. an andere Euro-Länder abgegeben werden, zB Portugal, dass schon jetzt mehr für seine Kredite ausgibt, als GR.

Können Sie dieser Regelung zustimmen?

Sollten die Hilfen trotz allem nicht reichen und der Staatsbankrott oder eine Umschuldung in GR eintreten, werden die Kredite ihrem Rang nach bedient.

Sind also unsere Kredite junior, pari passu oder senior?

Wie stehen Sie zu den Alternativen Umschuldung (Haircut), geordnete Insolvenz, Austritt GR aus der Euro-Zone?

Falls Sie dem WFStG zustimmen, werden Sie dies auch entsprechend tun, wenn Portugal, Italien, Irland oder Spanien in eine vergleichbare Lage kommen und EU-Hilfen benötigen?

Vielen Dank für Ihre Beantwortung im Voraus! :-)
Antwort von Johannes Kahrs
15Empfehlungen
07.05.2010
Johannes Kahrs
Sehr geehrter Herr Schinzig,

vielen Dank für Ihre Frage.
Ich habe mich heute bei der Abstimmung über die Kredite an Griechenland der Stimme enthalten.
Persönlich bin ich über Enthaltungen nie besonders glücklich. In diesem Fall halte ich meine Entscheidung aber für angemessen.
Die SPD-Fraktion war immer für Hilfen für Griechenland. So unpopulär diese in der Bevölkerung auch sein mögen, so gefährlich wäre es gewesen, Griechenland nicht beizustehen. Sicher hat die griechische Regierung in der Vergangenheit sehr viel falsch gemacht. Aber durch die Krise in Griechenland ist der gesamte Euroraum betroffen. Es kann uns nicht egal sein, wenn unsere Währung in Gefahr gerät. Oder, um ein Bild zu benutzen: wenn das Haus des Nachbarn durch seine eigene Schuld in Flammen steht, dann sollte ich ihm trotzdem beim Löschen helfen, um ein Übergreifen des Feuers auf mein eigenes Haus zu verhindern.
Problematisch ist nur, daß die schwarz-gelbe Bundesregierung das Feuer sozusagen noch geschürt hat, in dem sie wochenlang eine klare Ansage vermieden hat. Bundeskanzlerin Merkel hat sich zwar nach innen als starke Entscheiderin gegeben, tatsächlich hat sie aber wie immer nur abgewartet. Auch Bundesfinanzminister Schäuble hat durch widersprüchliche Aussagen und langes Zögern die griechische Krise nur noch verschlimmert und es den internationalen Finanzspekulanten, die auf einen Staatsbankrott Griechenlands gewettet haben, nur noch leichter gemacht. Überdies hat das Zaudern und Zögern der Bundesregierung dem Ansehen Deutschlands in Europa massiv geschadet.
Die heute beschlossenen Kredite und damit das Risiko für Deutschland wären durchaus geringer ausgefallen, wenn sich CDU/CSU und FDP schon vor Wochen zu einer klaren Position hätten durchringen können. Wegen der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen haben sie das nicht getan. Offenbar waren ihnen die möglichen Stimmverluste in einem Bundesland mehrere Milliarden wert.
Zu meiner Entscheidung, mich im Plenum zu enthalten: wie gesagt, gegen Hilfen für Griechenland war die SPD nie. Es kann jedoch nicht sein, daß ein Gesetz dieser Tragweite im Hauruck-Verfahren durch das Parlament verabschiedet wird, ohne dass dabei auch an die Zukunft gedacht wird. Die jetzige Situation darf sich einfach nicht wiederholen. Der Steuerzahler darf nicht wieder derjenige sein, der den Schaden, den Banken und Spekulanten angerichtet haben, ausbadet. Deswegen hat sich die SPD in der letzten Woche in den Verhandlungen mit CDU/CSU und FDP dafür stark gemacht, zusammen mit der Bewilligung der Kredite auch die Einführung einer Finanzmarkttransaktionssteuer zu beschließen. Diese Steuer würde internationale Finanzgeschäfte betreffen. Sie würde sich nach den bewegten Geldsummen bemessen und zwar lediglich im Bereich von unter 0,5 Prozent. Es handelte sich um eine Umsatzsteuer für die internationalen Finanzmärkte. Sie wäre ein mächtiges Instrument, um ungerechtfertigte und hochriskante Spekulationen zu regulieren. Die negativen Auswirkungen dieser Spekulationen sind uns allen bekannt. Auch Angela Merkel hat sich vor nicht allzu langer Zeit für die Einführung einer solchen Steuer ausgesprochen. Das war aber noch vor ihrer Koalition mit der FDP. Guido Westerwelle hat heute im Plenum noch einmal bekräftigt, dass eine Finanztransaktionssteuer mit seiner Partei nicht zu machen sei. Dabei hat er sich gar zu der Aussage verstiegen, diese würde die Normalverbraucher belasten. Fragt sich, welcher Normalverbraucher mehrmals am Tag größere Summen auf den internationalen Finanzmärkten verschiebt.
In jedem Fall haben sich CDU/CSU und FDP mit aller Macht gegen eine von allen Oppositionsparteien geforderte stärkere Regulierung der Finanzmärkte gewehrt. Dem Gesetzentwurf konnte die SPD damit nicht guten Gewissens zustimmen. Da wir aber auch deutlich machen wollten, dass wir nicht prinzipiell gegen eine Unterstützung Griechenlands sind, haben wir Sozialdemokraten uns heute in der Abstimmung enthalten.
Ich hoffe, Ihnen die Hintergründe meiner Entscheidung verdeutlicht zu haben.

Mit freundlichen Grüßen,

Johannes Kahrs
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Frage zum Thema Finanzen
19.05.2010
Von:

Sehr geehrter Herr Kahrs,
vielen Dank für Ihre Stellungnahme und die Begründung, warum Sie sich der Stimme enthalten haben. Die Position der SPD-Fraktion zur Haltung der CDU/CSU und FDP hatte ich jedoch schon der Presse entnommen.


Allerdings hatte ich in meiner Frage vom 6.05. konkrete Fragen, die nicht beantwortet wurden.

Können Sie bitte noch darauf eingehen?

Die unten stehenden Fragen fasse ich nochmals zusammen, diese waren waren insbesondere:
1. Das BMF wird ermächtigt, [...] Dieser Betrag *soll* nicht überschritten werden.
Unter welchen Bedingungen wird er überschritten werden und stimmen Sie diesen Fällen zu?

2. Demnach kann ohne Mitwirkung des Bundestages dieser Betrag durchaus überschritten werden?

3. Bis zu welcher Höhe?

4. Nach § 1 II WFStG-E sind in den 22,4 Mrd € Ermächtigungsrahmen Zinsen und Kosten nicht enthalten. [...]
Wieso wird diese Belastung verschwiegen?

5. Zinseinnahmen müssen also ggf. an andere Euro-Länder abgegeben werden, zB Portugal, dass schon jetzt mehr für seine Kredite ausgibt, als GR.
Können Sie dieser Regelung zustimmen?

6. Sollten die Hilfen trotz allem nicht reichen und der Staatsbankrott oder eine Umschuldung in GR eintreten, werden die Kredite ihrem Rang nach bedient.
Sind also unsere Kredite junior, pari passu oder senior?

7. Wie stehen Sie zu den Alternativen Umschuldung (Haircut), geordnete Insolvenz, Austritt GR aus der Euro-Zone?

Vielen Dank!
Antwort von Johannes Kahrs
10Empfehlungen
21.05.2010
Johannes Kahrs
Sehr geehrter Herr ,

danke für Ihre Fragen.
Ich kann die von Ihnen angesprochenen Punkte derzeit noch nicht in der geforderten Tiefe beantworten, da die schwarz-gelbe Regierung uns Parlamentarier nicht in der entsprechend gebotenen Form über diesen Beschluss informiert hat.
Diese Tatsache hat auch dazu beigetragen, dass ich mich heute bei der entsprechenden Abstimmung enthalten habe.

Mit freundlichen Grüßen,

Johannes Kahrs
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Frage zum Thema Finanzen
01.07.2010
Von:

Lieber Johannes Kahrs,

mich würde interessieren, ob Sie wissen welche Kosten der Flug der Kanzlerin zum Viertelfinalspiel in Südafrika verursacht und können Sie mir objektive Argumente dafür benennen warum dieser Besuch einen Sinn macht.

Ist dieser Besuch in Zeiten von Sparpaketen Ihrer Meinung nach angemessen?.

Vielen Dank im voraus

Mit freundlichen Grüßen

Antwort von Johannes Kahrs
7Empfehlungen
06.07.2010
Johannes Kahrs
Sehr geehrter Herr ,

danke für Ihre Frage. In Deutschland ist der Bund der größte Förderer des Sports. Das mit dem Auftritt deutscher Athleten im Ausland auch immer ein Anspruch an die jeweiligen Sportler herangetragen wird, unseren Staat würdig zu vertreten, halte ich deshalb für legitim. Aber nicht alles was legitim ist, ist auch angemessen. In diesem Zusammenhang finde ich es durchaus vertretbar, wenn deutsche Regierungschefs in der Vergangenheit aber auch in Zukunft an diesen Veranstaltungen teilnehmen und die Repräsentation unseres Landes in dieser Form unterstützen. Eine deutsche Kanzlerin / ein deutscher Kanzler muss grundsätzlich die Möglichkeit haben an Veranstaltungen wie den Olympischen Spielen oder der Fußball-Weltmeisterschaft teilzunehmen.
Das Frau Merkel in der derzeitigen Situation so offensichtlich die Flucht vor den Trümmern ihrer Arbeit angetreten hat, um sich im Glanz unserer Elf ein wenig zu erholen, halte ich zwar für schwierig, bin aber der Meinung, dass sie das Recht dazu hat. Sollte sie durch diese Reise ein emotionale Stärkung empfangen haben, die es ihr ermöglichen würde, endlich in konstruktiver und intelligenter Weise unser Land durch die anliegenden politischen Probleme zu lotsen, würde ich das sehr begrüßen, bin in dieser Hinsicht aber sehr skeptisch.

Mit fröhlichem Gruß,

Johannes Kahrs
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Frage zum Thema Sicherheit
04.07.2010
Von:

Sehr geehrter Herr Kahrs,

nach den tragischen Ereignissen der Jugendgewalt, die sich seit Monaten in Hamburg abspielen, frage ich mich wie die SPD dieses Problem in Zukunft handhaben wird.

Wie können Sie und ihre Partei die Sicherheit in ganz Hamburg gewährleisten, da die Gewalt nicht nur ein Problem der als riskant bekannten Stadtteile ist (Billstedt, Harburg), sondern auch in der Innenstadt Hamburgs?

Besten Dakn in Voraus,
Antwort von Johannes Kahrs
7Empfehlungen
06.07.2010
Johannes Kahrs
Sehr geehrter Herr ,

danke für Ihre Frage.
Als Vorsitzender des Jugendhilfeausschusses Hamburg-Mitte bin ich sehr unglücklich über die Streichungen des schwarz-grünen Senats in der Kinder- und Jugendarbeit. Allein im Bereich des Jugendhilfeausschusses HH-Mitte wurden in den letzten Jahren 1,7 Millionen Euro gekürzt.

In Fragen der Polizei und Sicherheit in Hamburg bin ich als Bundestagsabgeordneter nicht der zuständige Fachmann. Ich möchte Sie deshalb bitten sich mit Ihren Fragen an Andreas Dressel von der SPD-Bürgerschaftsfraktion wenden. Sie erreichen ihn unter: andreas.dressel@spd-hamburg.de.
Ich habe darüber bereits mit Herrn Dressel gesprochen und dieser freut sich auf Ihre Anfrage.

Mit fröhlichem Gruß,

Johannes Kahrs
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Frage zum Thema Sicherheit
16.09.2010
Von:
-

Sehr geehrter Herr Abgeordneter Kahrs,

nach Recherchen der ZEIT und des Berliner Tagesspiegels starben zwischen 1990 und 2009 insgesamt mindestens 137 Menschen durch rechte Gewalt – etwa dreimal so viele, wie staatliche Stellen ausweisen. Offenbar ist durch trickreiches Ändern der Voraussetzungen, solche Fälle in die Statistik aufnehmen zu müssen, der Effekt eingetreten solche Vorkommnisse erfolgreich zu verschleiern.

Meiner Meinung nach sorgt der Staat somit für das Vertuschen und Verharmlosen schlimmster und sinnlosester Schwerstkriminalität, wo auf der anderen Seite viel Geld für Kampagnen ausgegeben wird, um auf dieses Problem aufmerksam zu machen. Ich bin der Auffassung, daß das schnellstmöglich geändert werden muß und zu diesem Thema eine Anfrage im Bundestag gemacht werden sollte.

Was meinen Sie?

Mit freundlichen Grüßen,
Antwort von Johannes Kahrs
5Empfehlungen
29.09.2010
Johannes Kahrs
Sehr geehrter Herr ,

vielen Dank für Ihre Frage.

Ich bin voll und ganz Ihrer Meinung und werde mich im Rahmen meiner Möglichkeiten im Bundestag für die von Ihnen vorgeschlagene Anfrage an die Bundesregierung einsetzen bzw. mich einer solchen anschließen. Haßverbrechen, also auch rechtsextreme Straftaten, insbesondere natürlich solche mit Todesopfern, gehören zu den abscheulichsten und niedersten Verbrechen. Um sie wirksam zu bekämpfen, sind gesicherte und belastbare Zahlen unerläßlich.

Mit freundlichen Grüßen

Johannes Kahrs
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