Sehr geehrter Herr

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vielen Dank für Ihre Frage. Sie ist in der Tat sehr allgemein und daher schwierig zu beantworten. Dennoch will ich es versuchen.
Auf wen Ihre Wahl fällt, hängt natürlich ganz davon ab, was Sie wollen. Wenn Sie der Ansicht sind, dass besser alles so bliebe, wie bisher und glauben, dass das auch möglich wäre, sollten Sie sich für einen Kandidaten der großen Volksparteien entscheiden. Wenn es Ihnen aber darum geht, Dinge im positiven Sinne zu verändern, rate ich Ihnen dringend dazu GRÜN zu wählen. Und zwar nicht nur bei der OB-Wahl, sondern genauso bei der Wahl zum Rat der Stadt und zu den Bezirksvertretungen. Diese Antwort wird Sie nicht überraschen, denn jeder meiner MitbewerberInnen wird Ihnen vermutlich ähnliches schreiben. Daher möchte ich Ihnen konkret nennen, was GRÜNE von den anderen Parteien unterscheidet. Das gilt im Vergleich natürlich auch für mich als Kandidatin.
Dazu möchte ich Ihnen ein aktuelles Beispiel aus der alltäglichen Kommunalpolitik erläutern, woran sich die unterschiedlichen Prioritäten und Arbeitsweisen gut erkennen lassen: Im Zuge der Wirtschaftskrise hat die Bundesregierung das so genannte Konjunkturpaket II aufgelegt und damit den Kommunen finanzielle Mittel für Infrastruktur und Bildung zur Verfügung gestellt. Gelsenkirchen wurde mit ca. 30 Mio. Euro bedacht. Die Maßnahmen, die daraus finanziert werden, müssen zusätzlich sein, d.h. sie dürfen nicht sowieso schon im städtischen Haushalt stehen. Das ist wichtig, damit die Maßnahmen auch einen konjunkturellen Effekt haben. Mit anderen Worten: Die Kommunen sind aufgefordert das Geld für Dinge auszugeben, für die sie sonst kein Geld ausgeben würden oder könnten. Zudem sind an die Maßnahmen bestimmte Förderkriterien geknüpft. So z.B. bei der städtischen Infrastruktur. Hier sind Straßenbaumaßnahmen z.B. nur dann zulässig, wenn es sich dabei um Lärmsanierungen handelt. Dazu gehört nicht einfach nur ein neuer Fahrbahnbelag, sondern es muss schon ein spezieller Asphalt sein, der auch tatsächlich zur Lärmminderung beiträgt.
So kam es, dass auf der Prioritätenliste zur Mittelvergabe 4 Straßenbauprojekte mit einem Gesamtbetrag von ca. 3,5 Mio. Euro aufgeführt wurden. Bei zumindest 2 dieser Straßen bestehen jedoch erhebliche Zweifel, was die Zulässigkeit der Maßnahmen betrifft. Bei allen Straßen soll zwar ein Spezialasphalt verwendet werden, dem Lärm mindernde Eigenschaften zugeschrieben werden. Doch laut wissenschaftlicher Analysen ist die Lärmminderung bei diesem Asphalt erst ab einer Geschwindigkeit von mehr als ca. 40 km/h nachgewiesen. Dennoch soll dieser Asphalt z.B. auch in Straßen mit Tempo 30 verlegt werden. Hinzu kamen noch Zweifel an der Feststellung der Lärmbelastung, weil wissenschaftliche Lärmmessungen in Gelsenkirchen bisher nicht flächendeckend durchgeführt wurden. Uns GRÜNEN drängte sich der Verdacht auf, dass die Bezeichnung "Lärmsanierung" bei diesen Straßen nur vorgeschoben ist und das es sich dabei tatsächlich um ganz normale Straßensanierungen handelt, die eben im Sinne des Konjunkturpakets II ausdrücklich nicht förderfähig sind. Dieser Verdacht erhärtete sich dadurch, dass in einigen dieser Straßen Kanalbauarbeiten anstehen, die aber von der Finanzierung der dafür erforderlichen Straßenbaumaßnahmen abhängen.
Sollten diese Straßenbauprojekte nun mit Mitteln des Konjunkturpakets durchgeführt werden, besteht unserer Ansicht nach die Gefahr, dass bei einer Prüfung durch das Bundesfinanzministerium die Stadt diese Mittel zurückzahlen muss, falls dabei festgestellt würde, dass die Straßenbaumaßnahmen nicht den Förderkriterien entsprechen. Das wäre für die Stadt Gelsenkirchen in ihrer angeschlagenen finanziellen Situation sicherlich kein Pappenstil.
Unser Alternativvorschlag, anstatt die Straßensanierungen durchzuführen lieber die Radwegesituation zu verbessern und Haltestellen barrierefrei auszubauen, wurde mit der Begründung abgelehnt, dass diese Maßnahmen nicht förderfähig seien. Diese Auffassung hält sich bei den anderen Parteien und in der Stadtverwaltung hartnäckig, obwohl wir GRÜNE bei Recherchen herausgefunden haben, dass derartige Maßnahmen höchstwahrscheinlich in den Genuss der Förderung aus dem Konjunkturpaket II kommen können. Doch in Sachen Straßenbau war sich eine Mehrheit im Rat leider einig.
Es geht hier wahrlich um eine Menge Geld. Und wenn die Stadt schon gehalten ist das Geld zusätzlich zum normalen Geschäft auszugeben, dann sollten Maßnahmen getroffen werden, die sonst keine Chance auf Realisierung haben und die möglichst vielen Menschen zugute kommen. Was die Förderfähigkeit unserer Vorschläge angeht, recherchieren wir natürlich weiter. Aber selbst wenn sich Widererwarten herausstellen sollte, dass unsere Vorschläge nicht förderfähig sind, so könnte das Geld dennoch in zahlreiche sinnvollere Maßnahmen fließen, wie z.B. die klimafreundliche und energiesparende Erneuerung der Straßenbeleuchtung auf höchstem Standard. Jedenfalls werden wir uns weiter dafür einsetzen, dass die fragwürdigen Straßenbauvorhaben durch bessere Maßnahmen ersetzt werden.
In diesem Zusammenhang möchte ich Ihnen noch ein weiteres Beispiel nennen: Ebenfalls in den Beratungen zum Konjunkturpaket II ging es um die dringenden Sanierungen der öffentlichen Gebäude, insbesondere von Kitas und Schulen, die damit endlich zu einem guten Teil finanziert werden können. Da die Gebäudesanierungen aber auch einen Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz leisten sollen, hat der Rat der Stadt auf einen Antrag von uns GRÜNEN hin mit großer Mehrheit beschlossen, dass bei Dachsanierungen zwingend die Installation von Solarmodulen durchgeführt werden soll. Falls dies nicht möglich sein sollte, sind Dachbegrünungen vorzunehmen. Als dann später von der Verwaltung die erforderlichen Sanierungsmaßnahmen konkreter benannt wurden, war von Solarenergie und Dachbegrünung zunächst keine Rede. Erst als dies von GRÜNER Seite kritisiert wurde, sind grobe Einschätzungen bzgl. der Machbarkeit der geforderten Solarinstallationen abgegeben worden. Um es mal klar zu sagen: Wenn wir GRÜNE nicht noch einmal ausdrücklich auf den Beschluss zu Solarinstallationen hingewiesen hätten, wäre dieser vermutlich unter den Tisch gefallen. Denn außer uns hat sich von den anderen Parteien niemand wirklich daran gestört. Aufgrund dieser Haltung besteht meiner Ansicht nach die Gefahr, dass der Beschluss nur halbherzig umgesetzt wird.
Solange es nicht konkret wird, ist es für andere Parteien oft leicht GRÜNEN Vorschlägen, wie dem Antrag mit den Solardächern zuzustimmen. Schließlich versuchen momentan sehr viele PolitikerInnen sich ein grünes Image zuzulegen. Doch wenn es dann um die sprichwörtliche Wurst geht, werden schnell Gründe gefunden, welche die einmal gefassten Beschlüsse aushöhlen.
Die Liste an praktischen Beispielen in dieser Art ließe sich noch lange fortsetzen, doch das würde hier sicherlich zu weit führen. Aber wie Sie anhand dieser Beispiele erkennen können, ist die Prioritätensetzung der GRÜNEN in Gelsenkirchen eindeutig und konsequent. Zudem nehmen wir demokratisch gefasste Beschlüsse sehr ernst und sind nicht müde auf deren Einhaltung zu pochen. Aber sie erkennen an den Beispielen ebenso, dass 4 GRÜNE Stadtverordnete im Rat bei Weitem nicht genügen, die nötigen Mehrheiten zu organisieren. Denn im Rat der Stadt Gelsenkirchen bildet sich bei vielen Entscheidungen schnell eine große Koalition aus CDU und SPD, die sich in vielen Bereichen einig sind und die mit ihrer Mehrheit natürlich viele Fragen für sich entscheiden können. Daher setze ich mich für einen Wechsel in der Gelsenkirchener Politik ein, mit deutlich mehr GRÜNER Beteiligung, damit es uns gelingt die Mehrheitsbildung bei Entscheidungen positiv zu beeinflussen.
Nun hoffe ich, dass Ihnen meine Antwort weitergeholfen hat. Ich möchte Ihnen an dieser Stelle die Lektüre unseres Kommunalwahlprogramms empfehlen, welches auf unserer Homepage unter www.gruene-ge.de einsehbar ist. Sollten Sie sich, außer für die dort genannten Schwerpunkte, noch für weitere Themen interessieren, dann schauen Sie doch von Zeit zu Zeit auf unserer Homepage nach. Dort werden wir sukzessive bis zur Kommunalwahl verschiedene Themenpapiere veröffentlichen, die über die Schwerpunkte im Wahlprogramm hinausgehen. Wenn Sie noch weitere Fragen, haben können Sie mich auch gerne wieder persönlich kontaktieren, z.B. über dieses Portal. In diesem Sinne, mein Appell an Sie: Gehen Sie am 30.August zur Kommunalwahl und wählen Sie GRÜN!
Herzliche Grüße, Irene Mihalic