Ingrid Lieselotte Remmers (DIE LINKE)
Abgeordnete Bundestag

Grunddaten
Ingrid Lieselotte Remmers
© Die LINKE
Geburtstag
26.03.1965
Berufliche Qualifikation
Diplom-Sozialwissenschaftlerin
Ausgeübte Tätigkeit
-
Wohnort
Bochum
Wahlkreis
Landesliste
Landeslistenplatz
9, Nordrhein-Westfalen
(...) Ein bedingungsloses Grundeinkommen würde den Anreiz zur Beschäftigungsaufnahme erhöhen, da jede gearbeitete Stunde für den Bürger auch Mehreinnahmen bringt. (...)
Parlamentarische Arbeit / Nebentätigkeiten
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Frage zum Thema Demokratie und Bürgerrechte
14.02.2010
Von:

Sehr geehrte Frau Remmers,

vor gut einem Jahr haben fast 60000 Bürger dieses Landes eine Petition "Einführung eines Bedingungslosen Grundeinkommens" unterzeichnet.
Leider haben es die von uns gewählten Volksvertreter nach über einem Jahr immer noch nicht geschafft, einen Termin für eine öffentliche Anhörung festzusetzen.

Da Sie Mitglied des Petitionsausschusses sind, können Sie mir vielleicht erklären warum das so ist bzw. ob Sie evt. schon einen Termin für die Anhörung benennen können.

Zum zweiten würde mich interessieren, wie Sie persönlich zu einem Bedingungslosen Grundeinkommen stehen, vor dem Hintergrund, dass es in unserer Gesellschaft ganz offensichtlich nicht genügend Arbeit geben wird, wo so viel verdient wird dass man davon menschenwürdig leben und am kulturellen Leben teilhaben kann.

Mit freundlichen Grüßen
Antwort von Ingrid Lieselotte Remmers
5Empfehlungen
16.02.2010
Ingrid Lieselotte Remmers
Sehr geehrter Herr ,

vielen Dank für Ihre Nachfrage zur genannten Petition. Ich gehe davon aus, dass Sie die öffentliche Petition von Frau Susanne Wiest meinen, die in der Mitzeichnungsfrist von sechs Wochen ab der Veröffentlichung rund 52000 Unterschriften zu verzeichnen hatte. Die Frist zum Erreichen einer öffentlichen Ausschusssitzung beträgt aber 50000 Unterschriften innerhalb von drei Wochen, so dass in diesem Fall eine öffentliche Ausschusssitzung nicht zwingend ist. Trotzdem haben sich aufgrund der hohen Mitzeichnerzahl mehr als zwei Fraktionen im Petitionsausschuss zur Berichterstattung entschlossen. Dies bedeutet, dass Vertreter mehrerer Fraktionen die Akte prüfen und ein Votum abgeben werden. Dieser Prozess ist momentan im Gange und der Grund für die immer noch andauernde Bearbeitungszeit. Es ist in diesem Zusammenhang wahrscheinlich, dass eine öffentliche Ausschusssitzung stattfinden könnte. Dies kann allerdings nicht garantiert werden, da der Ausschuss sich dazu noch nicht definitiv entschieden hat.

Das bedingungslose Grundeinkommen als eine Antwort auf die verfestigte Arbeitslosigkeit in fast allen westlichen Gesellschaften ist eine interessante Idee, die in meiner Partei und in anderen außerparlamentarischen Initiativen ausführlich diskutiert wird. Neben vielen theoretischen Vorteilen fehlen leider bis heute die empirischen Ergebnisse zu Machbarkeit und Wirkungen diese Konzepts. Auch wenn ich der Idee grundsätzlich positiv gegenüberstehe, denke ich, dass eine mögliche Umsetzung noch einige Zeit dauern wird. Aus diesem Grund konzentriere ich mich bei meiner Arbeit zunächst auf konkretere Ziele zur Verbesserung der Situation von Arbeitssuchenden wie z.B. die Forderung nach Erhöhung der Hartz-IV-Regelsätze und die Einführung eines gesetzlichen Mindestlohnes.

Mit freundlichen Grüßen,

Ingrid Remmers
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Frage zum Thema Demokratie und Bürgerrechte
16.02.2010
Von:

Sehr geehrte Frau Remmers,

wie ich hier Ihrer vorherigen Antwort entnehme haben Sie sich schon mit dem Thema "Bedingungsloses Grundeinkommen" beschäftigt. Es freut mich sehr, dass Sie sich für das Thema interessieren. Ihre Antwort hat mich zur Reflexion bewegt und ich möchte Ihnen auf diesem Wege eine Antwort entlocken, auf eine Frage, welche zwar im Zusammenhang mit dem bedingungslosen Grundeinkommen gestellt werden muss, die jedoch unser politisches Selbstverständnis betrifft. Sie sagen, es gebe noch keine empirischen Ergebnisse bezogen auf die Realisierbarkeit eines "Bedingungslosen Grundeinkommens". Nun, ich stelle fest, dies ist eine Antwort eines Menschen, welcher sich in seinem politischen Handeln an der wissenschaftlichen Evidenz orientiert. Als politisch denkender Mitbürger möchte ich jedoch Zweifel anmelden, daran, dass die wissenschaftliche Evidenz oder Machbarkeit aus politischer Perspektive die erstere sein sollte. Im Geiste der Aufklärung und in der Tradition der französischen Revolution und vor allem der Werte von Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit möchte ich Sie auf einen bedeutenden, historisch bedingten Unterschied aufmerksam machen,welcher zwischen einem Bürger und einem Citoyen besteht. Während sich das heutige Selbstverständnis des Bürgers in Deutschland aus der wilhelminischen Zeit herleiten lässt, soweit ich mich erinnere ist ja die Petition ebenfalls in dieser Zeit entstanden, als eine Bitte des Untertanen an den Souverän, ist das Selbstverständnis des Citoyens ein gänzlich anderes.
Aus diesem Zusammenhang möchte ich nun aber meine Frage stellen: ist die Frage nach der wissenschaftlichen Realisierbarkeit eine notwendige politische Voraussetzung?
Soweit ich weiss, hat damals Otto von Bismarck vor der Einführung unseren heutigen Sozialsystems keine Praxisstudien betrieben. Es war eine politische Notwendigkeit.

Für Ihre Antwort bedanke ich mich im Voraus
Antwort von Ingrid Lieselotte Remmers
3Empfehlungen
01.03.2010
Ingrid Lieselotte Remmers
Sehr geehrter Herr ,

vielen Dank für diese schnelle Reaktion auf meine Antwort zum bedingungslosen Grundeinkommen. Es ist für mich schon wichtig, dass meine politischen Forderungen durch wissenschaftliche Studien gedeckt werden. Dabei ist mir klar, dass die Wissenschaft auch fehlbar ist und es zu fast allen Themen widersprüchliche Studien gibt. Zum Thema Grundeinkommen gibt es zahlreiche Untersuchungen, die die Möglichkeit der Umsetzung eines solchen Konzeptes sehr unterschiedlich beurteilen. Auch seriöse Untersuchungen, die dem Grundeinkommen positiv gegenüberstehen (vgl. Hamburgisches Weltwirtschaftsinstitut, 26.März 2007), kommen zu dem Schluss, dass eine Realisierung nicht von heute auf morgen mögliche wäre.

"Das Grundeinkommen ist finanzierbar", so Prof. Dr. Straubhaar, Direktor des HWWI. "Wegen der unvermeidbar hohen Risiken eines so fundamentalen Systemwechsels, sollte das Konzept jedoch in mehreren Schritten eingeführt werden", empfiehlt er. (Pressemitteilung des HWWI vom 26.3.2007)

Wie ich schon in meiner ersten Antwort ausgeführt habe, stehe ich dem Grundeinkommen grundsätzlich positiv gegenüber und hoffe, dass es eines Tages die entwürdigende und bürokratische Bedürftigkeitsprüfungen für alle Arten von Transferleistungen ersetzen kann. Trotzdem sind die Rahmenbedingungen (Niveau der gegenwärtigen Staatsverschuldung, die Höhe des Grundeinkommens und die langfristigen Auswirkungen in der globalisierten Weltwirtschaft) sehr schwer einzuschätzen und in der gegenwärtigen Situation nur schwer vermittelbar. Deswegen konzentriere ich mich momentan auf den politischen Kampf gegen Hartz-IV und den Niedriglohnsektor, so dass in absehbarer Zeit auch Erfolge erzielt werden können. Zur weiteren Diskussion der Konzepte zum bedingungslosen Grundeinkommen wenden Sie sich bitte an meine Genossin Katja Kipping, die dieses Thema intensiv bearbeitet.

Mit freundlichen Grüßen,

Ingrid Remmers
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Frage zum Thema Arbeit
17.02.2010
Von:

Sehr geehrte Frau Remmers,

ich begrüße sehr ihre positive Einstellung bezüglich des Grundeinkommens und hoffe auf einen positive Abstimmung !!!!!!!!!! Ich hätte eine Anmerkung zu den fehlenden empirischen Feldstudien zu machen. In Namibia gibt es ein erfolgreiches Experiment. Für Mitte 2010 ist ein Versuch der Breuninger Stiftung unter der Mitarbeit von Götz W. Werner geplant. Jedoch sind Experimente auch immer mit Vorbehalten zu genießen, da sie nur bedingt über eine tatsächliche Ausführung Aufschluss ge-ben können und Verzerrungen, Mitnahmeeffekte usw. evozieren können (Beispiel: es melden sich nur Grundeinkommensbefürworter für das Experiment, die das Experiment dann auch glücken lassen oder im ungekehr-ten Fall nur Grundeinkommensablehner).

Insoweit sind Experimente immer nur bedingt ausssagekräftig und lassen keine weiteren speziellen Rückschlüsse ziehen, da immer nur eine Aus-wahlgruppe untersucht wird und nicht 82 Millionen Bundesbürger. (dasselbe Problem lässt sich übrigens auch bei der Quotenmessung im deutschen Fernsehen sehen, übrigens sehr gut karikiert im Film "Free Rainer".) Für mich stellen fehlende empirische Studien demnach keine Einschrän-kung bzw. keine Hinderung einer Einführung dar. Doch warum kann man ein neues System nicht einfach ausprobieren, sollte es nicht funktionieren, könnte man immer noch zurück gehen oder es ständig verbessern, anstatt nur abzuwarten auf nicht repräsentative Tests.

Nun, ich frage mich immer wieder, warum das Grundeinkommen nicht sofort, d. h. von heute auf morgen einfgeführt werden kann, nach dem 2. Weltkrieg ging das doch auch mit der Einführung der D-Mark, als jeder quasi mit Null anfing und nur rund 60 DM bekam.

Ich denke, man sollte nicht auf Kosten der armen Bevölkerung zu lange mit der Einführung eines Grundeinkommens warten, die in der Zwischenzeit nur noch ärmer wird. Also, warum nicht gleich heute noch das bedingungslose Grundeinkommen einführen?

Mit freundlichen Grüßen,
Antwort von Ingrid Lieselotte Remmers
1Empfehlung
01.03.2010
Ingrid Lieselotte Remmers
Sehr geehrte Frau ,

vielen Dank für Ihren Beitrag zum Thema Grundeinkommen. Bitte beziehen Sie meine Antwort auf die Frage von Herrn Pain auch auf Ihr Anliegen.

Mit freundlichen Grüßen,

Ingrid Remmers
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Frage zum Thema Soziales
03.03.2010
Von:

Sehr geehrte Frau Remmers,

angenommen, es gäbe bereits in Deutschland ein existenzsicherndes, bedingungsloses Grundeinkommen - was würde ihrer Vermutung nach die Mehrheit der Bürger tun?

Mit freundlichen Grüßen,
Antwort von Ingrid Lieselotte Remmers
6Empfehlungen
08.03.2010
Ingrid Lieselotte Remmers
Sehr geehrter Herr ,

vielen Dank für Ihre Anfrage. Ein bedingungsloses Grundeinkommen würde den Anreiz zur Beschäftigungsaufnahme erhöhen, da jede gearbeitete Stunde für den Bürger auch Mehreinnahmen bringt. Heute verhindern die komplizierten Anrechnungsmethoden bei vielen Arten von staatlicher Unterstützung, dass sich bestimmte bezahlte Tätigkeiten für den Bürger tatsächlich rentieren. Außerdem könnten die Menschen viel freier entscheiden, wie viele Stunden sie arbeiten möchten. Dies würde die Teilzeit-Beschäftigung fördern, das gesamte Arbeitsvolumen besser aufteilen und so die Zahl der Arbeitslosen reduzieren.

Mit freundlichen Grüßen,

Ingrid Remmers
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Frage zum Thema Familie
15.04.2010
Von:
Udo

Sehr geehrte Frau Remmers!
Liebe Ingrid!

Wie dir bekannt ist, wurde im Jahr 1999 das Verfahren des sogenannten Privatinsolvenz (Verbraucherinsolvenzverfahren) eingeführt, um auch "Menschen ohne Gewerbeschein" den Weg aus den Schulden zu ermöglichen.
Das Verfahren als solches bis zum Ende erstreckt sich zur Zeit über einen Zeitraum von sechs Jahren.

Aufgrund der Tatsache, dass in diesen schwierigen durch die neoliberale Politik verursachte Krise und der daraus resultierenden Arbeitslosigkeit des "Prekariats" vermehrt unschuldig Menschen und damit Familien den Weg in die Privatinsolvenz gehen müssen, wäre es angebracht, die Frist in Deutschland auf mindestens die Hälfte des jetzigen Zeitraumes von sechs Jahren auf drei Jahre zu verkürzen und mit dieser Massgabe auch eine europäische Lösung anzustossen und anzustreben.

In reflektiere mit dieser Nachricht einen mir bekannten Fall von einem Nachbarn mittleren Alters, der als Geschäftsnachfolger eines kleinen Geschäftes hier in A..... vom Besitzer vorgesehen ist und zur Zeit als Angestellter bei diesem arbeitet. Aufgrund eines Privatinsolvenzverfahrens kann diese Nachfolge aus bekannten Umständen erst in fünfeinhalb Jahren angetreten werden.

In deiner Eigenschaft als MdB der Partei DIE LINKE möchte ich dich fragen, ob du eine derartige Regelung, wie nicht nur ich sie andenke, unterstützen würdest und ob eine Petition in diese Richtung Sinn machen würde, um einen entsprechenden Gesetzentwurf zu forcieren und wie steht es damit, diesen Gedanken innerhalb deiner Fraktion weiterzuentwickeln.
Hat die Partei DIE LINKE in diesem Zusammenhang etwas "zu bieten"? Im Programm habe ich nichts gefunden.

Udo
Antwort von Ingrid Lieselotte Remmers
bisher keineEmpfehlungen
20.04.2010
Ingrid Lieselotte Remmers
Sehr geehrter Herr ,

vielen Dank für die Frage nach dem Privatinsolvenzrecht. Die Frage nach den Fristen bis zum Ende einer Privatinsolvenz tritt immer wieder auf. Im Moment diskutieren auch wir im Rahmen des Verbraucherschutzes darüber, ob sechs Jahre eine angemessene Zeit sind.
Ich bin der Meinung, dass mindestens die ursprüngliche Regelung, wonach für Menschen die seit mehr als 10 Jahren verschuldet sind, die sogenannte Wohlverhaltensperiode nicht länger als 5 Jahre dauern sollte, wieder eingesetzt werden muss. Diese Regelung wurde im Jahr 2005 abgeschafft.
Darüber hinaus muss m.E. geprüft werden, ob in den Fällen, in denen sich Menschen unschuldig oder zumindest unwissend verschuldet haben, Einzelfallprüfungen und -regelungen zugelassen werden können. Vor diesem Hintergrund, dass die Ursachen für Verschuldungen höchst unterschiedlicher Natur sind, halte ich es für problematisch eine pauschale Position einzunehmen.
Allerdings halte ich eine Petition in diesem Zusammenhang durchaus für hilfreich, da die zuständigen Ministerien oft erst durch solche Bürgerinitiativen Handlungsbedarf erkennen.

Mit freundlichen Grüßen,

Ingrid Remmers
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