Ingo Wellenreuther (CDU)
Abgeordneter Bundestag

Ingo Wellenreuther
© Bundestagsfraktion CDU/CSU
Geburtstag
16.12.1959
Berufliche Qualifikation
Vorsitzender Richter am Landgericht a. D.
Ausgeübte Tätigkeit
MdB
Wohnort
Karlsruhe
Wahlkreis
Karlsruhe-Stadt
Ergebnis
38,1%
Landeslistenplatz
6, Baden-Württemberg
(...) Letztendlich bleibt es jedoch im Ermessen eines jeden einzelnen, wie es moralisch zu rechtfertigen ist, Geld aus Krediten, welches zu günstigen Konditionen aufgenommen werden kann, in Geldanlagen zu investieren, um dadurch eine gute Rendite zu erzielen und somit den eigenen Gewinn zu maximieren. (...)
 
weitere Profile auf abgeordnetenwatch.de
Persönliche Website
www.ingo-wellenreuther.de
Parlamentarische Arbeit / Nebentätigkeiten
Fragen an Ingo Wellenreuther
Auswahl der Fragen und Antworten
Nachricht an folgende Adresse schicken, sobald eine Antwort eintrifft:


An diese Adresse den abgeordnetenwatch.de-Newsletter bestellen
Bitte loggen Sie sich hier ein.
Frage zum Thema Verkehr und Infrastruktur
26.09.2011
Von:

Sehr geehrter Herr Wellenreuther,

englische Wissenschaftler haben bei einer Untersuchung herausgefunden, dass sich in den Lungen von Fahrradfahrern in der Stadt die höchsten Konzentrationen an Rußpartikeln befinden (siehe: www.heise.de bzw. www.erscongress2011.org ). Ursache sind die Autoabgase. Was werden sie zum Schutz der Radfahrer unternehmen?

mit freundlichen Grüßen
Antwort von Ingo Wellenreuther
1Empfehlung
04.10.2011
Ingo Wellenreuther
Sehr geehrter Herr ,

vielen Dank für Ihre Frage, auf die ich Ihnen gerne antworte.

Verkehr trägt zum überwiegenden Teil der Rußpartikel- und Feinstaubbelastung bei. Die in meinem Wahlkreise Karlsruhe zum 01.01.2009 eingerichtete Umweltzone lässt nach Einschätzung von Experten erwarten, dass sich diese Belastung hierdurch reduzieren wird. 20 der insgesamt knapp 50 im Bundesgebiet Umweltzonen befinden sich übrigens in Baden-Württemberg.

Daneben wurden in den letzten Jahren die Abgasnormen für Kraftfahrzeuge stetig verschärft, wodurch sich die Schadstoffausstöße verringert haben. Dieser Weg muss weiter verfolgt werden. In diesem Zusammenhang unterstütze ich das Engagement der Bundesregierung zum Ausbau der Elektromobilität sowie die Forschung in diesem Bereich, in der das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) eine Vorrangstellung einnimmt.

Mit freundlichen Grüßen

Ingo Wellenreuther MdB
X
Antwort empfehlen
Lesezeichen
Frage zum Thema Demokratie und Bürgerrechte
24.10.2011
Von:

Sehr geehrter Herr Wellenreuther,

vielen Dank, für die vielen beantworteten Fragen!!

Ich habe leider während des letzten Jahres jedes Vertrauen in unsere Regierung und die CDU verloren. Die Aussagen der Bundesregierung haben mittlerweile eine Halbwertszeit von wenigen Monaten.

Hier einige Beispiele:

  • 180° Wende in der Kernenergie

  • das erste Hilfspaket für Griechenland wurde als EINMALIGE Ausnahme bezeichnet

  • der Rettungsschirm wurde zunächst als theoretisches Produkt zur Beruhigung der Märkte beschrieben, das praktisch nie zur Anwendung kommen würde

  • Merkel, am 27.10.10: "Er [der Rettungsschirm] läuft 2013 aus. Das haben wir auch genau so gewollt und beschlossen. Eine einfache Verlängerung kann und wird es mit Deutschland nicht geben, weil der Rettungsschirm nicht als langfristiges Instrument taugt, weil er Märkten und Mitgliedstaaten falsche Signale sendet und weil er eine gefährliche Erwartungshaltung fördert."

  • Schäuble am 26.20.11: "Wir haben nicht die Absicht, ihn [den Schuldenschirm] aufzustocken"

  • aus Drucksache 17/4880 des deutschen Bundestages, angenommen am 16.03.2011:
"2. Der Deutsche Bundestag erwartet, dass die in der Erklärung der Eurogruppe
vom 28. November 2010 beschriebenen Merkmale für den dauerhaften Kri-
senmechanismus bei der Ausgestaltung uneingeschränkte Beachtung finden.
Die Finanzierungslasten des ESM sollen intergouvernemental nach festen
Anteilsregelungen ausgestaltet sein. Außerhalb des ESM soll es keine Son-
derregelungen geben. Der Deutsche Bundestag erwartet aus verfassungs-
rechtlichen, europarechtlichen und ökonomischen Gründen, dass gemeinsam
finanzierte oder garantierte Schuldenankaufprogramme ausgeschlossen wer-
den."

All diese Aussagen hatten offensichtlich keine Gültigkeit. Unsere Politiker sind also entweder unfähig auch nur 2 Monate im voraus zu denken, oder sie lügen.

Wie soll ich so in politische Aussagen vertrauen? Warum Wahlen, wenn das Wahlprogramm bedeutungslos ist?

Hochachtungsvoll
Antwort von Ingo Wellenreuther
bisher keineEmpfehlungen
31.10.2011
Ingo Wellenreuther
Sehr geehrter Herr ,

vielen Dank für Ihre Anfrage vom 24. Oktober 2011. Ich bedauere sehr, dass Sie Ihr Vertrauen in die christlich-liberale Bundesregierung und die CDU verloren haben und hoffe, dass Sie dieses wieder finden. Gerne möchte ich auf die beiden, von Ihnen angeführten Beispiele eingehen.

Zunächst zur Änderung unserer Energiepolitik: Natürlich verstehe ich Ihre Skepsis zur Zurücknahme der erst kurz zuvor beschlossenen Laufzeitverlängerung der deutschen Kernkraftwerke, gebe aber zu bedenken, dass die dramatischen Ereignisse in Japan in der Gesellschaft eine Bewegung erzeugt haben, die klar besagte, dass die Bürgerinnen und Bürger keine Laufzeitverlängerung wünschten, sondern einen beschleunigten Ausstieg aus der Kernenergie. Die verantwortliche Politik wäre ignorant gewesen, hätte sie diesem offensichtlichen Mehrheitswillen nicht Rechnung getragen. Deshalb war es die Aufgabe der CDU-geführten Bundesregierung, in einer neuen Abwägung ein realistisches Konzept für einen möglichst schnellen Ausstieg aus der Kernkraft zu entwickeln und dabei auch im Blick zu haben, dass eine sichere, bezahlbare und klimaverträgliche Energieversorgung zu jedem Zeitpunkt gewährleistet sein muss.

Sie schreiben in Bezug auf die Euro-Rettung: "Unsere Politiker sind entweder unfähig auch nur 2 Monate im voraus zu denken, oder sie lügen". Ich möchte für mich und meine Abgeordnetenkollegen erklären, dass wir keineswegs lügen, sondern räume gerne ein, dass wir mit den Bemühungen zur Bewältigung der derzeitigen europäischen Staatsschuldenkrise in vielerlei Hinsicht absolutes Neuland betreten. Dies ist der eine Grund für gewisse Widersprüche, zu denen es in den vergangenen Monaten zweifelsfrei gekommen ist. Der andere, noch entscheidendere Grund ist jedoch, dass es sich bei der Sicherung unserer Gemeinschaftswährung keineswegs um eine nationale Angelegenheit handelt, die die Regierungskoalition alleine entscheiden könnte. Vielmehr finden die Verhandlungen zur Lösung der Euro-Krise in erster Linie auf europäischer Ebene statt und in den meisten Fällen ist unter den Staats- und Regierungschefs der 17 Euro-Staaten ein einstimmiges Votum erforderlich. Es geht also bei allen Vorhaben um Kompromisse, deren Wesen es nun einmal ist, dass kein Staat seine Haltung zu einhundert Prozent durchsetzen kann.

Die große Unterstützung, die das Vorgehen der Bundesregierung am 26. Oktober 2011 im Deutschen Bundestag - auch durch SPD und Grüne - erfahren hat, stimmte mich bereits optimistisch, dass die Bundeskanzlerin die deutschen Interessen mit dem starken Rückhalt des Parlaments weiterhin kraftvoll auf europäischer Ebene vertreten wird. Dies ist der Kanzlerin dann auch auf eindrucksvolle Weise gelungen.

Mit freundlichen Grüßen

Ingo Wellenreuther MdB
X
Antwort empfehlen
Lesezeichen
Frage zum Thema Atomausstieg bis 2022
25.11.2011
Von:

Sehr geehrter Herr Wellenreuther,

Sie haben am 30.6.2011 bei der Abstimmung über den Atomausstieg mit Ja gestimmt.

War Ihnen zum Zeitpunkt der Abstimmung bekannt, dass damit Großverbraucher der Stromindustrie vom Netzentgelt befreit wurden und der Kleinverbraucher, sprich Privatmann, jetzt dafür bezahlen muss?

Wenn ja, wie erklären Sie ihr Abstimmungsverhalten?

Es ist für den Normalbürger vor dem Hintergrund des Klimaschutzes und der allfällig geforderten Energieeinsparungen nicht verständlich, wie man Großverbauchern noch einen Anreiz schaffen kann noch mehr zu verbrauchen. Statt dessen sollte man die Großverbraucher von Strom dazu anhalten Energie zu sparen.

Unter diesen Großverbrauchern sind beispielsweise Konzerne wie HeidelZement.

Da Sie in früheren Beiträgen auf dieser Seite auch bereits das KIT lobend erwähnt haben, wundert es mich, das Konzerne wie HeidelZement noch nicht auf die stromsparende Technologie aufgesprungen sind, die dort entwickelt wurde. Damit könnte man ca. zwei Drittel der Energie sparen.

Verständlich ist eine solche Entscheidung für den Verbraucher auf keinen Fall.

Mit freundlichen Grüßen,

Antwort von Ingo Wellenreuther
bisher keineEmpfehlungen
06.12.2011
Ingo Wellenreuther
Sehr geehrter Herr ,

vielen Dank für Ihre Frage vom 25. November 2011 zum Thema Atomausstieg 2022.

Sehr gerne möchte ich Ihre Anfrage zum Anlass nehmen, die Pressemeldungen der letzten Tage zum Thema Netzentgeltbefreiung der stromintensiven Industrien richtig zu stellen, denn viele dieser Berichterstattungen waren sachlich falsch.

Falsch ist, dass der Verbraucher 1,1 Mrd. Euro für Entlastungen für die Großindustrie zahlen muss. Richtig ist, dass nur etwa ein Fünftel der Gesamtentlastungssumme, d. h. rund 240 Mio. Euro, auf industrielle Großverbraucher entfallen. Der ganz überwiegende Anteil der Entlastungen von den Stromnetzentgelten, nämlich rund 660 Mio. Euro, kommt Haushalten und anderen Kleinverbrauchern für Nachtspeicherheizungen und Wärmepumpen zugute. Weiterhin werden auch Pumpspeicherkraftwerke in größerem Umfang entlastet.

Falsch ist, dass die betreffende Entlastungsregelung klammheimlich von der Regierungskoalition eingeführt wurde. Richtig ist, dass es sich bei den Vorschriften zur Entlastung bestimmter Verbrauchergruppen von den Netzentgelten um eine seit längerem bestehende Regelung handelt. Sie wurde im Jahr 2005 von der rot-grünen Bundesregierung in die Stromnetzentgeltverordnung eingeführt und entlastete Großverbraucher zuletzt bereits von 80 Prozent der Netzentgelte. Die nun erfolgte moderate Ausweitung dieser bestehenden Entlastungsregelung war Teil der Beschlüsse zum Energiepaket, denen im Sommer 2011 eine breite Mehrheit sowohl im Bundestag als auch im Bundesrat zugestimmt hat.

Falsch ist auch die Unterstellung, es handele sich bei der Regelung um eine ungerechtfertigte Bevorzugung der Industrie. Richtig ist, dass damit der Tatsache Rechnung getragen wird, dass Industriekunden durch ihre gleichmäßige Stromabnahme auch in Schwachlastzeiten einen wichtigen Beitrag zur Stabilisierung der Stromnetze leisten.

Mit dem immer stärkeren Zubau an erneuerbaren Energien und dem Wegfall von rund 10 Prozent der gesicherten Erzeugungsleistung durch die Abschaltung der Kernkraftwerke in diesem Frühjahr erhöht sich die Gefahr von Stromausfällen erheblich. Die Netzstabilität ist eine der Hauptherausforderungen der aktuellen Energiepolitik. Aus diesem Grund ist die Netzentgeltbefreiung für die stromintensiven Industrien mit einer gleichmäßigen Stromabnahme von mindestens 7.000 Stunden und 10 Gigawattstunden im Jahr richtig und notwendig.

Die Entlastung dient schließlich auch dem Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit von Industrien, bei denen die Stromkosten einen wichtigen Kostenfaktor darstellen. Wir müssen dringend sicherstellen, dass energieintensive Industrien in Deutschland auch weiter eine Heimat haben. Die Energiepreise sind ein immer wichtiger werdender Faktor für die internationale Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen. Die Industriestrompreise in Deutschland sind bereits heute wesentlich höher als beispielsweise in Frankreich, Spanien oder den USA. Wir können es uns nicht leisten, dass die stromintensiven Industrien, wie Alu- und Kupferhütten, Stahlwerke, Gießereien, Zement- oder Papierfabriken, wegen unkontrolliert steigender Energiepreise aus Deutschland abwandern. Steigt der Strompreis nur um einen Cent pro Kilowattstunde, hat beispielsweise die Chemiebranche bereits Mehrkosten von 500 Millionen Euro pro Jahr.

An diesen Industrien hängen in Deutschland nicht nur rund eine Million Arbeitsplätze. Vielmehr bilden sie die erste Stufe der Wertschöpfungskette zu den hochspezialisierten Industriegütern, die Deutschland mit so großem Erfolg auf den Weltmärkten verkauft. Und auch der geplante Umbau der Energieversorgung wird ohne diese Branchen nicht gelingen, denn es würde nicht ein Windrad und nicht eine Photovoltaik-Anlage in Deutschland mehr gebaut ohne die erforderlichen Grundstoffindustrien. Ein weiterer unkontrollierter Anstieg der Energiekosten gefährdet somit den Industriestandort Deutschland - und damit die Grundlagen unseres Wohlstandes.

Ganz konkret sprechen Sie den Konzern Heidelberger Zement und den am KIT entwickelten umweltfreundlichen Zement Celitement an. Wie Sie richtig feststellen, erfolgt die Herstellung von Celitement bei Temperaturen bis 300 Grad Celsius. Die im Vergleich zur Herstellung von Portlandzementklinker (Drehrohr, 1.450 Grad Celsius) deutlich niedrigere Prozesstemperatur und die verringerte Kalkmenge führen zu einer wesentlichen Energieeinsparung. Allerdings handelt es sich dabei um eine neue Entwicklung, was auch der Grund dafür ist, dass diese noch nicht marktreif ist. Um sowohl die Bindemittel als auch das Herstellungsverfahren zur Marktreife zu entwickeln, haben die Schwenk-Baustoffgruppe, das Karlsruhe Institut für Technologie KIT und Wissenschaftler des KIT die Celitement GmbH gegründet und eine Pilotanlage auf dem Campus Nord des KIT errichtet, die erst am 11. Oktober 2011 feierlich eingeweiht wurde. Es wird also leider noch einige Zeit dauern, bis das vielversprechende neue Verfahren industriell einsetzbar ist und die dadurch erzielbare Energieeinsparung in der Praxis zum Tragen kommt.

Mit freundlichen Grüßen

Ingo Wellenreuther MdB
X
Antwort empfehlen
Lesezeichen
Frage zum Thema Demokratie und Bürgerrechte
06.02.2012
Von:

Zensur in unseren Massenmedien - Bilderberger – Freiheit in Gefahr

Sehr geehrter Herr Wellenreuther,

seit 1954 finden jährlich die Treffen der ultramächtigen "Bilderberger" statt.
Unsere Massenmedien verschweigen diese Treffen völlig, und dies, obwohl wesentliche europäische und weltpolitische Weichenstellungen mit direkter Auswirkung auf Deutschland
getroffen werden!!!

Siehe hierzu das Video auf youtube.com "Die Weltherrschaft der Bilderberger", insbesondere jedoch folgende Stellen des oben genannten Videos:
Zensur der Medien: 19min25sek bis 20min20sek
Steuerung Medien vor Irakkrieg: 25min10sek bis 26min25sek
Zensur der Medien und Bilderbergtreffen in Deutschland: 40min10sek bis 50min10sek
Ölkrise 1973: 34min50sek bis 37min10sek
Europäische Union Vorläuferbeschluss: 37min10sek bis 38min20sek
Margaret Thatcher Ablösung: 54min25sek bis 55min00sek

Wie stehen Sie zu den Aktivitäten der "Bilderberger"?
Wie stehen Sie zum Schweigen unserer Massenmedien und der dadurch
stark eingeschränkten Freiheit wegen fehlender Information?

Mit freundlichen Grüßen

Antwort von Ingo Wellenreuther
bisher keineEmpfehlungen
14.02.2012
Ingo Wellenreuther
Sehr geehrter Herr ,

vielen Dank für Ihre Frage. Sie hatten hinsichtlich des Themas "Bilderberger" im vergangenen Jahr bereits telefonischen Kontakt mit meinem Büro. Gerne antworte ich Ihnen nochmals über dieses Portal zu diesem Thema.

Ich halte die erhobenen Vorwürfe für nicht stichhaltige Verschwörungstheorien. Die Medien berichten durchaus über die Treffen. Ich kann Ihnen beispielsweise diesen Artikel im schweizer "Tagesanzeiger" empfehlen: www.tagesanzeiger.ch

Mit freundlichen Grüßen

Ingo Wellenreuther
X
Antwort empfehlen
Lesezeichen
Frage zum Thema Demokratie und Bürgerrechte
27.02.2012
Von:

Sehr geehrter Herr Wellenreuther,

werden sie dem ESM-Vertrag zustimmen? Ich nehme an, Sie kennen den Vertragstext ebenso gut wie ich. Können Sie mir als Jurist den Sinn einiger Passagen erklären?

Die wären:
"ARTIKEL 29 (Externe Prüfung)
Der Abschluss des ESM wird von unabhängigen externen Abschlussprüfern geprüft, DIE MIT ZUSTIMMUNG DES GOUVERNEURSRATS BESTELLT WERDEN [...]"
Inwiefern sollen diese Überprüfungen unabhängig sein? Wie sollen so die Aktivitäten des ESM kontrolliert werden?

"ARTIKEL 35
Persönliche Immunitäten
(1)
Im Interesse des ESM genießen der Vorsitzende des Gouverneursrats, die Mitglieder des
Gouverneursrats, die stellvertretenden Mitglieder des Gouverneursrats, die Mitglieder des Direktoriums, die stellvertretenden Mitglieder des Direktoriums sowie der Geschäftsführende Direktor und die anderen Bediensteten des ESM Immunität von der Gerichtsbarkeit hinsichtlich ihrer in amtlicher Eigenschaft vorgenommenen Handlungen"

Wieso sollen alle Bediensteten nicht für das, was sie machen haftbar sein? Wieso können diese Immunitäten nicht vom Europäischen Parlament, sondern nur vom Direktorium bzw. Gouverneursrat aufgehoben werden?

"ARTIKEL 36
(4)
Vom ESM eingeführte und für die Ausübung seiner amtlichen Tätigkeiten benötigte Waren
sind von allen Einfuhrzöllen und -steuern sowie von allen Einfuhrverboten und -beschränkungen
befreit."

Wieso muss der ESM sich nicht an Einfuhrverbote halten? Wieso braucht er das für seine Arbeit? Nach diesem Vertragswerk kann der ESM von Atombomben bis hin zu Drogen alles impotieren. Was soll das?

Was ist der Zweck dieses Vertrags? Einem nicht haftbaren Verein (der auch keine Steuern zahlt) werden 700.000.000.000€ (!!!!) in die Hand gedrückt, in der Hoffnung, dass dieses Geld dann schon sinnvoll verwendet werden wird. Möglichkeiten der Kontrolle und Überprüfung durch demokratisch legitimierte Instanzen besteht nicht.

Der Euro wird mit diesen Maßnahmen bestimmt nicht gerettet, machen Sie sich nichts vor.

Viele Grüße
Antwort von Ingo Wellenreuther
bisher keineEmpfehlungen
25.04.2012
Ingo Wellenreuther
Sehr geehrter Herr ,

vielen Dank für Ihre Frage, auf die ich Ihnen gerne antworte.

zu Art. 29:
Dass der Abschlussprüfer durch den ESM selbst bestellt wird entspricht dem, wie es auch bei anderen Gesellschaften üblich ist. Das ändert aber nichts daran, dass der Prüfer seine Arbeit unabhängig, unbefangen und unparteilich ausführt. Dazu ist er gesetzlich verpflichtet.

zu Art. 35:
Zunächst ist zu betonen, dass die Immunität nur hinsichtlich der amtlichen Tätigkeiten besteht und die Immunität außerdem auf Beschluss des Gouverneursrats aufgehoben werden kann. Immunitäten sind bei internationalen Finanzinstitutionen üblich und sind demgemäß z. B. beim IWF oder der Weltbank vorgesehen. Sinn und Zweck einer Immunitätsgewährung ist es, die Unabhängigkeit und die Funktionsfähigkeit der Organisation zu gewährleisten. Die Immunität ist demnach zum Beispiel für die Durchführung einer Schuldenrestrukturierung bzw. Umschuldung wichtig, die im ESM für den Fall vorgesehen ist, dass ein Land seine Schuldentragfähigkeit nicht alleine durch Finanzhilfen wiederherstellen kann. Mitarbeiter des ESM sind dann z.B. vor Klagen von Banken geschützt, die bei einer solchen Umschuldung Geld verlieren.

zu Art. 36:
Es geht hier nur um Waren, die der ESM für die Ausübung "seiner amtlichen Tätigkeiten benötigt". Dazu gehören Atombomben und Drogen sicher nicht.

Zu Ihrer abschließenden Aussage noch folgende Bemerkungen: Es ist grundlegend falsch, dass dem ESM 700 Mrd. Euro "in die Hand gedrückt" würden, ohne dass deren Verwendung kontrolliert oder durch demokratisch legitimierte Instanzen geprüft würde. Richtig ist:

  • Die Bareinlage für den ESM beträgt 80 Mrd. Euro (aus Deutschland rund 22 Mrd. Euro), der Rest ist abrufbares Kapital. Die Bereitstellung erfolgt erst nach einem Beschluss des Deutschen Bundestages, also der legitimierten Volksvertretung.

  • Das entscheidende Gremium des ESM, der Gouverneursrat, besteht aus den Finanzministern der Mitgliedstaaten und ist damit in keiner Weise unkontrolliertes Gremium, auf das die Mitgliedstaaten keinen Einfluss hätten.

  • Jede einzelne Finanzhilfe des ESM an einen Staat gibt es nur, wenn der Deutsche Bundestag dieser zugestimmt hat. Die demokratische Legitimation ist damit vollumfänglich gewährleistet.

Mit freundlichen Grüßen

Ingo Wellenreuther MdB
X
Antwort empfehlen
Lesezeichen
Ihre Frage an Ingo Wellenreuther
  • Wurde Ihre Frage bereits gestellt?
    Durchsuchen Sie alle Fragen und Antworten in diesem Profil nach einem Stichwort:
  • Ihre Frage wurde bisher nicht gestellt?
    Geben Sie bitte hier Ihre Kontaktdaten und Ihre Frage ein:
  •  

    Die Angabe Ihres vollständigen Namens ist verpflichtend.
    Der Name wird verschlüsselt und ist nicht über Suchmaschinen auffindbar.

  •  

    Die Angabe Ihres vollständigen Namens ist verpflichtend.
    Der Name wird verschlüsselt und ist nicht über Suchmaschinen auffindbar.

  •  
    An diese Adresse den abgeordnetenwatch.de-Newsletter bestellen

    Die Angabe einer gültigen E-Mail-Adresse ist verpflichtend.
    Dies ist notwendig, um Sie über eine Antwort des Abgeordneten zu informieren oder bei Rückfragen kontaktieren zu können. Ihre E-Mail-Adresse wird weder an den Abgeordneten noch an Dritte weitergegeben.

  •  

    Diese Angabe ist verpflichtend.
    Sie wird nicht veröffentlicht, aber an den Abgeordneten weitergegeben.

  •  

    Diese Angabe ist optional.
    Sie wird nicht veröffentlicht und nur zur internen Verwendung bzw. für evtl. Rückfragen benötigt.

  • noch 2000 Zeichen

  • Folgende Felder wurden nicht ausgefüllt oder weisen Fehler auf:
    Vorname, Nachname, E-Mail-Adresse und Wohnort

  • Ich erkläre mich mit der Veröffentlichung meiner Frage auf abgeordnetenwatch.de und mit der dauerhaften Archivierung im digitalen Wählergedächtnis einverstanden.
    Die Freischaltung von Fragen kann je nach Nutzeraufkommen u.U. einige Stunden dauern, da alle eingehenden Fragen von einem Moderatorenteam überprüft werden.
    Ich habe den Moderations-Codex gelesen und sichergestellt, dass meine Frage nicht gegen diesen verstößt. Moderations-Codex aufrufen
    Falls meine Frage nicht freigeschaltet werden kann, werde ich darüber von einem Moderator informiert.
    Aus Gründen der Rechtssicherheit wird Ihre IP-Adresse gespeichert, aber nicht veröffentlicht oder an Dritte weitergegeben. Weitere Informationen erhalten Sie in unserer Datenschutzerklärung.