Hülya Dogan (BIG - Bündnis für Innovation und Gerechtigkeit)

Grunddaten
Jahrgang
1975
Berufliche Qualifikation
Audiologie Assistentin
Ausgeübte Tätigkeit
Unternehmerin
Wohnort
Bonn
(...) Die Aktion richtete sich daher keineswegs gegen Homosexuelle, sondern gegen die Politik des Berliner Senats. Eine Aufklärungskampagne, in der LehrerInnen u.a. (...)
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Frage zum Thema Demokratie und Bürgerrechte
18.08.2011
Von:

Sehr geehrte Frau Dogan,

ich habe diese Frage bereits an Ihren Kollegen, Herrn Yildiz, gerichtet. Da ich aber nicht weiß, wie die thematische Aufteilung bei Ihnen ist, stelle ich die identische Frage auch noch einmal an Sie:

im Berliner Abgeordnetenhaus-Wahlkampf ist Ihre Partei durch eine homophobe Kampagne aufgefallen. Siehe: www.berliner-kurier.de

Ich weiß nicht wie es Ihnen geht, aber ich habe in der Schule niemals einen Dildo in die Hand bekommen. Und selbst wenn, es hätte mich nicht umgebracht. Ich verbuche dieses Zitat deswegen einmal unter missglückte Wahlkampf-Polemik.

Aber mal im Ernst: Halten auch Sie es für falsch, Kinder in der Schule von Anfang an über Homosexualität und Bisexualität aufzuklären? Sicherlich ist Ihnen bewusst, dass nach seriösen Schätzungen 10 bis 15 Prozent der deutschen Bevölkerung homosexuell sind. Ist es da nicht eine Aufgabe von Schule, über alle vorkommenden Formen von Liebe, Sexualität und Zusammenleben aufzuklären? Ist Ihnen auch bewusst, dass die sexuelle Orientierung eines Kindes nichts mit den Werten oder der Erziehung der Eltern zu tun hat, sondern einfach entsteht und ein unveränderbarer Teil der Persönlichkeit eines Menschen wird?

Desweiteren möchte ich gerne von Ihnen erfahren, wie Sie angesichts einer stark erhöhten Selbstmordrate unter homosexuellen Jugendlichen und angesichts der nach wie vor starken Präsenz des Wortes "schwul" als Schimpfwort auf Schulhöfen gegen die Diskriminierung und Benachteiligung von Nicht-Heterosexuellen Lebensweisen vorgehen wollen. Mich interessiert sowohl die grundsätzliche Meinung Ihrer Partei, als auch Ihre konkreten Vorstellungen für Bonn.

Ich freue mich auf Ihre Antwort!
Mit den besten Grüßen,

Antwort von Hülya Dogan
8Empfehlungen
05.09.2011
Hülya Dogan
Sehr geehrter Herr ,

vielen Dank für Ihre Anfrage bezüglich des Berliner Flugblattes "BIG Partei gegen Schulfach "schwul"".

Leider muss ich Ihnen vorab widersprechen, da es sich dabei nicht um eine "homophobe Kampagne" handelt. Die BIG Partei steht für Vielfalt, betrachtet Unterschiedlichkeit als ein schützenswertes und wichtiges Potenzial der Gesellschaft und tritt entschieden gegen Diskriminierung ein. Menschen dürfen nicht aufgrund von Herkunft, Alter, Geschlecht, religiöser Überzeugung, körperlichen Fähigkeiten oder der sexuellen Orientierung benachteiligt werden. Gerne wiederhole ich das Zitat unseres Berliner Direktkandidaten Prof. Dr. Ismail Özkanli in dem von Ihnen angesprochen Artikel: "Wir sind überhaupt nicht gegen Homosexualität. Ganz im Gegenteil.".

Die Aktion richtete sich daher keineswegs gegen Homosexuelle, sondern gegen die Politik des Berliner Senats. Eine Aufklärungskampagne, in der LehrerInnen u.a. über Dark Rooms (ein dunkler Raum, in dem anonymer Sex betrieben wird) informieren sollen, lehnen wir strikt ab. Diese Themen verunsichern SchülerInnen eher, als dass sie als eine konstruktive Aufklärung zu betrachten sind, und sollten in der Schule nicht vermittelt werden. Weiterhin betrachten wir es als sinnlos, wenn SchülerInnen in spielerischer Form Begriffe wie "Selbstbefriedigung" darstellen sollen. Dadurch wird das Thema ins Lächerliche gezogen und somit kontraproduktiv. Wenn so etwas sogar schon SchülerInnen in der 1. Klasse beigebracht werden soll, wie die B.Z. berichtete, ist die Idee mehr als abwegig: www.bz-berlin.de

Vor allem das Elternhaus ist gefragt, ihre Kinder in den Bereichen Liebe, Sexualität und Zusammenleben aufzuklären.

Gerne würden wir Initiativen, die in Bonn sexuelle und psychologische Aufklärung und Beratung anbieten, stärker unterstützen. Daher hat die BIG-Gruppe gemeinsam mit der LINKEn in der Ratssitzung im Juli den Antrag ( www2.bonn.de ) eingebracht, die gesamten Einnahmen aus der so genannten Sexsteuer der Produktgruppe "Gesundheitsförderung" zuzuschreiben, aus der auch Gelder für die privaten Initiativen fließen. Leider haben die Ratsmehrheit aus CDU und Grünen sowie die anderen Fraktionen dagegen gestimmt. So werden die Gelder von Prostituierten, die sich in der Regel in äußerst schwierigen Lebensverhältnissen befinden, für das Stopfen von Haushaltslöchern genutzt, ohne dass eine adäquate Gegenleistung für die hilfsbedürftigen Frauen angeboten wird.

Über weitere Lösungsansätze und Wege, die gegen die Diskriminierung und für den Schutz von Minderheiten dienlich sind, würde ich mich freuen.

Mit freundlichen Grüßen

Hülya Dogan
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