Sehr geehrte Frau

-Ehren, liebe Gabi
Deine Frage ist im Hinblick auf die Entwicklung in Afghanistan in den letzten Tagen mehr als berechtigt. Meine Position dazu ist sehr diffrenziert im Hinblick auf die Komplexität des Themas:
Ich bin für einen Strategiewechsel in Afghanistan hin zum zivilen Aufbau und weg von der militärischen Eskalation. Ein militärisch verstandener »Krieg gegen den Terror« ist nicht zu gewinnen. Es muss eine selbsttragende Entwicklung in Afghanistan erreicht werden, die es ermöglicht, die internationalen Truppen schrittweise abzuziehen.
Ich mache meine weitere Zustimmung zum ISAF-Mandat davon abhängig, ob ein ernst gemeinter Strategiewechsel stattfindet. Ich stehe zur Verantwortung für Afghanistan und zu einem Engagement, das den Aufbau des Landes in den Mittelpunkt stellt. Der Schutz der Bevölkerung muß höchste Priorität haben und die Spirale der Gewalt unterbrochen werden. Notwendig ist eine gemeinsame, abgestimmte Strategie und eine bessere Koordination der internationalen Gemeinschaft. Vorrang müssen zivile Antworten haben. Besonders beim Polizei- und Justizaufbau muss Deutschland im Rahmen der EU-Missionen endlich mehr tun, damit die Menschen in Afghanistan auch in der Lage sind, für ihre eigene Sicherheit zu sorgen.
Der zunehmend riskante Bundeswehreinsatz ist nur dann weiterzu verantworten, wenn der Kurswechsel energisch umgesetzt wird.
Mit freundlichen Grüßen
Heiko M. Kosow