Hallo Herr

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auf Ihre Frage gehe ich gern ausführlich ein, zumal ich über die Entwicklung in Heilbronn sehr besorgt bin und entschieden darauf baue, dass mit echter Bürgerbeteiligung wesentlich vernünftiger geplant würde. Die Bürgerinnen und Bürger haben einen praktischen Sachverstand und planen nur das, was ihnen und ihren Kindern eine sichere Zukunft ermöglicht und die Bürgerinnen und Bürger wissen genau, dass sie am Ende für die Kosten aufkommen müssen..
Mit viel Aufwand wird eine Befragung bei 3000 ausgewählten Heilbronnern zur BUGA und dem geplanten Stadtteil Neckarbogen durchgeführt. Das erweckt zunächst die Hoffnung, dass die Verwaltung tatsächlich die Meinung der Bevölkerung erfahren will. Ein Blick in den Fragebogen ist aber sehr ernüchternd. Weder gibt es am Beginn eine Information über die wichtigsten Fakten für die BUGA und den Stadtteil Neckarbogen noch ein Wort über Kosten, Einnahmen und Auswirkungen auf den Haushalt und damit auf andere Bedürfnisse der Bevölkerung, z.B. Bildung. Es gibt auch keine Alternativen für Größe, Umfang, Zielrichtung und Kosten. Monatelang propagierte die Verwaltung Straßenprojekte, die nach ihrer Ansicht im Zusammenhang mit der BUGA notwendig sind ( Kosten über 100 Millionen €) und für die sie Zuschüsse vom Land forderte. Im Fragebogen steht jetzt kein Wort und keine Frage zu den angeblich notwendigen neuen Straßen. Offensichtlich befürchtet die Verwaltung, dass die meisten Bürgerinnen und Bürger eine grüne BUGA und nicht noch mehr Verkehr in der Stadt wollen. Übrigens Platz für eigene Vorschläge gibt es im Fragebogen nicht, sie werden also auch nicht gewünscht. Die Bürgerbefragung ist daher aus meiner Sicht eine Alibiveranstaltung, um das Gefühl der Beteiligung zu vermitteln und so einen Beschluss für die BUGA leichter rechtfertigen zu können.
Uns Gemeinderäten wurde 2011 eine mittelfristige Finanzplanung zunächst bis 2016 vorgelegt, die enorme Investitionen für die BUGA, den Neckarbogen und für Straßenbauten enthielt - gleichzeitig sollten die Mittel für Sanierungsmaßnahmen für Schulen und Kindergärten drastisch vermindert werden. Ergebnis: Mit über 210 Millionen € hätten sich die Schulden bis 2016 fast versechsfacht und alle Rücklagen (Ende 2010 noch 98 Millionen €) wären zusätzlich auf gebraucht! D.h. Heilbronn wäre schon 2 Jahre vor der BUGA hoffnungslos überschuldet. Im Gemeinderat stellte ich den Antrag: "Ich beantrage daher, am 22.12.2011 die Finanzplanung 2011 bis 2015 nicht zu beschließen, sondern gemeinsame Ziele bezüglich Rücklagen- und Verschuldungsentwicklung und Annahmen über die wirtschaftliche Entwicklung und damit über die Steuereinnahmen zu beraten. Mit der vorliegenden Finanzplanung wäre eine Zustimmung zur BUGA nicht möglich, da die Schuldenentwicklung Heilbronn langfristig lähmen würde". Viele Gemeinderäte kritisierten zwar wie ich die mittelfristige Finanzplanung, stimmten aber alle außer mir trotzdem zu. Das Regierungspräsidium erklärte diese Planungen inzwischen für nicht genehmigungsfähig.
Ich möchte, dass der Gemeinderat eine neue Finanzplanung erarbeitet und diese dann der Bevölkerung vorlegt. Anhand der Fakten kann dann jede und jeder überlegen ob der finanzielle Aufwand und in welcher Höhe für die BUGA vertretbar ist. Notwendig ist eine Planung mit vielen Alternativen bei der Ausgestaltung der BUGA und beim Straßenbau. Nur wenn es dann gelingt einen soliden Haushalt zu ermöglichen der genügend Luft lässt für eine Verbesserung der Bildung und für die Lösung anderer Zukunftsaufgaben wird es eine breite Zustimmung der Bevölkerung geben. In diesem Sinn werde ich mich sowohl für mehr Transparenz für Gemeinderat und Bürgerinnen und Bürger einsetzen und will eine echte Bürgerbeteiligung. Bevor sich Heilbronn völlig verschuldet, muss die Bevölkerung einen Riegel vorschieben können.
Freundliche Grüße sendet Ihnen
Stadtrat Hasso Ehinger