Hans-Christian Ströbele (GRÜNE)
Abgeordneter Bundestag

Grunddaten
Geburtstag
07.06.1939
Berufliche Qualifikation
Rechtsanwalt
Ausgeübte Tätigkeit
MdB
Wohnort
Berlin
Wahlkreis
Berlin-Friedrichshain - Kreuzberg - Prenzlauer Berg Ost
Ergebnis
46,8%
Landeslistenplatz
5, Berlin
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Parlamentarische Arbeit / Nebentätigkeiten
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Frage zum Thema Umwelt
17.08.2010
Von:

Sehr geehrter Herr Ströbele,

ich habe eine Frage bezüglich der Gorleben-Politik der Grünen. Ich habe gelesen, dass die Grünen statt einer Festlegung auf das Endlager Gorleben eine ergebnisoffene Suche eines Endlagers bevorzugen. Gibt es hierbei schon Standorte oder Regionen, in denen die Suche begonnen werden sollte? Immerhin müssten die Grünen mit heftigen Protesten in diesen Regionen rechnen. Wie wäre das Vorgehen der Grünen für den Fall, dass die Politik von einem Endlager in Gorleben Abstand nimmt und stattdessen von neuem zu suchen beginnt? Der Atommüll ist leider vorhanden und muss irgendwo gelagert werden... Ich danke Ihnen für Ihre Antwort und wünsche Ihnen noch eine schöne Woche!

Mit freundlichen Grüßen,

Antwort von Hans-Christian Ströbele
bisher keineEmpfehlungen
27.08.2010
Hans-Christian Ströbele
Sehr geehrter Herr ,
was Sie gehört haben ist zutreffend. Wir bevorzugen eine ergebnisoffene Suche für das benötigte Endlager. Wir wollen keine politischen Einflußnahmen sondern Transparenz, öffentliche Bürgerbeteiligung und wissenschaftlichen Sachverstand.
Die BGR (Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe) in Hannover hat den wissenschaftlichen Sachverstand und veröffentlichte 2007 eine kurze Studie bezüglich relevanter Standorte in Deutschland. Einen Download zu dieser Studie finden Sie unter www.bgr.bund.de (pdf) .
Auf Basis solcher Studien würden wir dann drei bis fünf Standorte genauer untersuchen. Es ist entscheidend, dass nicht über die Köpfe der betroffenen Bevölkerung hinweg entschieden wird, da Sie richtigerweise auf die zu erwartenden heftigen Proteste hinweisen. Desweitern wollen wir eine für alle Seiten tragfähige Lösung haben, politische Einflussnahmen haben ja unter anderem zu dem derzeitigen unbefriedigenden Zustand geführt.

Einen weiteren Überblick über unsere Positionen finden Sie auch im aktuellen Atommüllflyer. Er wurde diesen Monat fertiggestellt.
Sie finden ihn unter www.gruene-bundestag.de (pdf) .

Mit freundlichen Gruß

Ströbele
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Frage zum Thema Demokratie und Bürgerrechte
18.08.2010
Von:

Sehr geehrter Herr Ströbele,

Wann endlich können wir in freier Entscheidung über unsere Verfassung entscheiden?

Der Artikel 146 des im Jahre 1949 unter westalliierter Oberhoheit für die Bundesrepublik geschaffene Grundgesetzes lautete bis zum Inkrafttreten des Einigungsvertrages am 31.8.1990 wie folgt:

»Dieses Grundgesetz verliert seine Gültigkeit an dem Tage, an dem eine Verfassung in Kraft tritt, die von dem deutschen Volke in freier Entscheidung beschlossen worden ist.«

Mit Bekanntmachung im Bundesgesetzblatt Teil II vom 23.9.1990, Seite 885 ff, wurde dieser Artikel wie folgt geändert:

»Dieses Grundgesetz, das nach Vollendung der Einheit und Freiheit Deutschlands für das gesamte Volk gilt, verliert seine Gültigkeit an dem Tage, an dem eine Verfassung in Kraft tritt, die von dem deutschen Volke in freier Entscheidung beschlossen worden ist.«

Da die Einheit und Freiheit Deutschlands aber eben noch nicht vollendet worden ist, wie die aufgezeigten fortgeltenden Souveränitätsbeschränkungen beweisen, ergeben sich a) die staatsrechtliche Frage, ob und ab wann es denn überhaupt gilt und b) die bleibende Aufforderung an das deutsche Volk, in freier Entscheidung eine Verfassung zu beschließen, die allein die letzte, in freier Entscheidung gegebene Reichsverfassung von 1919 ablösen könnte.

Wie lange soll dieser friedensvertraglose und verfassungsrechtlich unbefriedigende Zustand noch andauern?

(Das Grundgesetz wurde nie vom Volk Ratifiziert -- Keine Ratifikation = Kein Recht!)

Rede des Abgeordneten Dr. Carlo Schmid (SPD) im Parlamentarischen Rat am 8. September 1948
Eine Verfassung ist die Gesamtentscheidung eines freien Volkes über die Formen und die Inhalte seiner politischen Existenz.

Sondern was wir machen können, ist ausschließlich das Grundgesetz für ein Staatsfragment. Die eigentliche Verfassung, die wir haben, ist auch heute noch das geschriebene oder ungeschriebene Besatzungsstatut.
usw. siehe die komplette Rede

MfG. , Jettingen
Antwort von Hans-Christian Ströbele
1Empfehlung
19.08.2010
Hans-Christian Ströbele
Sehr geehrter Herr ,

Entgegen Ihren Andeutungen sind die Souveränitätsbeschränkungen des Bundesrepublik mit den Einigungsverträgen aufgehoben worden.

Das Grundgesetz ist die derzeit gültige und angewandte Verfassung in Deutschland.

Gleichwohl haben Sie mit Ihrem Hinweis auf Artikel 146 Grundgesetz Recht. Es bleibt die Forderung nach einer Verfassung, die durch Volksentscheid vom deutschen Volke frei beschlossen wird.

Deshalb setze ich mich wie viele andere Politiker dafür ein, eine neue zeitgemäße Verfassung zu erarbeiten und der Bevölkerung zur Entscheidung vorzulegen. Diese Verfassung sollte dann auch die Möglichkeit des Volksentscheides auf Bundesebene enthalten.

Die Forderung nach einem Volksentscheid über die Verfassung sollte nicht vergessen werden.

Mit freundlichem Gruß

Ströbele
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Frage zum Thema Demokratie und Bürgerrechte
18.08.2010
Von:

Sehr geehrter Herr Ströbele,

die Junge Welt (1) zitiert Herrn Pfarrer Gandow mit den Worten, führende Grüne hätten sich gegen ein Verbot der Scientology- Organisation ausgesprochen, die immerhin u.a. einen professionellen Geheimdienst betreibt, über den der Hamburger Verfassungsschutz vor Jahren in einer informativen Broschüre aufklärte (in der auf S. 7 auch auf die zentrale Rolle der syst. Desinformation für die Machtausübung hingewiesen wird (2)).

Hierzu meine Fragen:

Waren Sie unter den führenden Vertretern, die ein Verbot nicht wünschen?

Wer gehört sonst dazu?

Was sind die Argumente gegen ein Verbot?
Bedeutet das Ganze, daß es keinen antitotalitären Konsens in Ihrer Partei gibt?

Pfarrer Gandow hat auch geäußert: "Zum Beispiel hat das amerikanische Generalkonsulat in Hamburg auf Weisung des State Department interveniert, als das Hamburger Bauamt bei Scientology war. Dabei wollte das Amt nur – wie üblich – den vorschriftsmäßigen Einbau von Toiletten und Duschen in deren Sauna prüfen. Daran ist zu erkennen, wie hoch die Angelegenheit in den USA angebunden ist."

Ich verstehe das so, daß das State Departement die Räumlichkeiten der S.O. als seinen Machtbereich ansieht und daß der deutsche Außenminister hier in Form einer vernehmbaren Zurückweisung gefordert wäre.

Wie sehen Sie das?

Auf die Frage, ob das "Office of Special Affairs" als der Geheimdienst einer FREMDEN MACHT (vgl. § 99 StGB) anzusehen ist, hat der bayerische Innenminister hier vor ein paar Wochen warum auch immer tangential bzw. "vorbei" und wohl leicht gereizt geantwortet (3).

Wie würden SIE die Frage beantworten z.B. angesichts des nun bekannt gewordenen Auftritts der US- Leute auf dem Territorium unserer Republik?

Mit freundlichen Grüßen
W.
Gruppe Justizkontrolle / Scientologyabwehr Deutschland

1) www.jungewelt.de
2) www.ingo-heinemann.de
3) www.abgeordnetenwatch.de
Antwort von Hans-Christian Ströbele
2Empfehlungen
19.08.2010
Hans-Christian Ströbele
Sehr geehrter Herr .

Nein zu der Sekte habe ich mich nicht geäußert, auch nicht zu einem Verbot. Ob sich jemand und wer aus der Grünen Partei gegen ein Verbot ausgesprochen hat, weiß ich nicht. Ich habe davon keine Kenntnis. Deshalb kann ich zu den Gründen für solche Äußerungen auch nichts sagen.
Aber an der Frage, ob staatliche Verbote nach Auffassung von Parteimitgliedern stets das richtige Vorgehen im Kampf gegen Totalitarismus auf der rechten oder linken Seite sind, entscheidet sich doch nicht, ob in einer Partei der antitotalitäre Konsens fortbesteht.

In welcher Weise das US-Generalkonsulat in Hamburg anlässlich der Kontrolle der Räume der Sekte durch das Bauamt interveniert haben soll, weiß ich nicht. Über diese Intervention habe ich keine Kenntnis. Deshalb kann ich diese auch nicht beurteilen.

Dass führende Leute in der US-Administration diese Sekte anders beurteilen als wir in Europa, ist bekannt. Bekannt ist auch, dass führende US-Politiker und Mitglieder der US-Administration sich für die Sekte und deren ungestörtes Treiben in Deutschland eingesetzt haben. Nach allem, was ich über solche Aktivitäten weiß, kann ich eine geheimdienstliche Tätigkeit für eine fremde Macht im Sinne des § 99 Strafgesetzbuch darin nicht sehen.

Ich werde aber versuchen, mich weiter kundig zu machen. Vielleicht kann Pfarrer Gandow ja auch seine Vorwürfe konkretisieren.

Mit freundlichem Gruß
Ströbele
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Frage zum Thema Sicherheit
18.08.2010
Von:

Sehr geehrter Herr Ströbele,

Schusswaffenverbot.

Ja, das Thema ist doch schon wieder gegessen. Außerdem wurden verschiedenste Maßnahmen getroffen, Amokläufe zu erschweren. Zum Beispiel wurden in Schulklassen Türklinken durch Knäufe ersetzt, wie ich neulich lesen durfte. Und wie uns der Ministerpräsident Herr Beck erklärt hat, würde ein solches Verbot Amokläufe nicht verhindern. Außerdem wissen wir alle, dass es nicht die Schusswaffen sind, die töten, sondern ihre Besitzer.

Trotzdem frage ich:
Warum setzen sich nicht wenigstens die Grünen für einen Bürgerentscheid über ein völliges Schusswaffenverbot ein? Wie Umfragen immer wieder zeigen, wäre eine überwältigende Mehrheit dafür. Ist es vielleicht so, dass auch die Grünen nicht vom Sinn eines Verbots überzeugt sind?

Wirklich verstehe ich das Verhalten der Grünen in dieser Sache nicht. Dabei wäre doch ein völliges Verbot von Schusswaffen auch ein Zeichen gegen Gewalt. Natürlich ist die Abschaffung der Bundeswehr da ein höherer Ziel.

Mit freundlichen Grüßen
Antwort von Hans-Christian Ströbele
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19.08.2010
Hans-Christian Ströbele
Sehr geehrter Herr .

Bürgerentscheide auf Bundesebene sind leider rechtlich nicht möglich. Deshalb können wir auch keinen Bürgerentscheid über ein Schußwaffenverbot fordern oder einleiten. Die modalitäten des Besitzes von Schußwaffen zu regeln, fällt in die Zuständigkeit des Bundes. Deshalb regelt dies ein Bundesgesetz und zwar das Waffengesetz. Eine Kompetenz der Länder für Landesgesetze ist demnach nicht gegeben und somit auch nicht für einen Volksentscheid darüber.

Die Grüne Partei und Fraktion haben in den letzten drei Legislaturperioden ausformulierte Gesetze in den Bundestag eingebracht, endlich den Volksentscheid auch auf Bundesebene zu ermöglichen. Alle scheiterten an den Gegenstimmen von CDU/CSU.

Mit freundlichem Gruß
Ströbele
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Frage zum Thema Demokratie und Bürgerrechte
19.08.2010
Von:

Sehr geehrerter Herr Ströbele,

für Ihre Antworten auf die Fragen zu Scientology (1) danke ich.

Aus diesen geht für mich hervor, daß Sie womöglich nicht ausreichend informiert sein könnten über die Organisation, also über deren Erscheinungsweisen, Ziele, Menschenbild, Methoden, Befürworter und die durch alles ausgelösten Gefahren (2).
Zunächst: Meinen Sie, der Totalitarismus vom Scientology- Typ sei "rechts"? Oder eher "Links"?
Für uns jedenfalls ist OSA/Scientology aus zwei Gründen selbstverständlich der Privatgeheimdienst einer FREMDEN Macht, keiner vertrauten:

1. Die Zentrale ist eindeutig außerhalb Deutschlands.

2. Menschenbild, darauf aufbauende Methoden und Etappen- und Endsieg- Ziele der S.O. ("Clear Germany usw., Clear Planet") widersprechen den hoffentlich überdauernden Werteentscheidungen des GG.
Es handelt sich um eine regelrecht befremdlich-fremde - überwiegend konspirativ agierende - Wirtschafts&Geheimdienstmacht (vgl. Angaben z.B. über WISE auf S. 23 der Broschüre des Bundesverwaltungsamtes unter Link 2).

1) Würden Sie unseren Überlegungen folgen?

2) Ist Ihnen bekannt, daß die S.O. auch außerhalb bei "uns in Europa" (s.z.B. bei "Government Opinions", Link 3) - so in Spanien - schon von ein paar Staaten akzeptiert wird als steuerbegünstigte "Kirche" und somit die Staatsverschuldung auch dort deswegen schlimmer wird.
Warum gibt es hierüber bis jetzt keinerlei offen vernehmbare Werte- Debatte unter "uns in Europa", obwohl die S.O. 2006 Europa sogar den Krieg erklärte (4)?

3) Wissen Sie, ob CIA- Agenten zugleich Scientologen sein dürften?

Mit frdl. Gruß
W.
Gruppe Justizkontrolle / Scientologyabwehr Deutschland

1) www.abgeordnetenwatch.de
2) www.ingo-heinemann.de
3) en.wikipedia.org
4) www.welt.de
Antwort von Hans-Christian Ströbele
2Empfehlungen
20.08.2010
Hans-Christian Ströbele
Sehr geehrter Herr .

Ohne Experte zu sein, gehe ich davon aus, daß Scientologie eine rechte Sekte mit totalitären Zielen ist.

Die Zentrale ist wohl in den USA.
Aber das unterscheidet sie nicht von Sekten wie Büso und anderen Organisationen, die in Deutschland Informationen sammeln.

Ob die Sekte mit der CIA, die übrigens auch in Deutschland tätig ist, oder anderen der 16 US-Geheimdienste zusammenarbeitet, weiß ich nicht.
Mir ist auch nicht bekannt, ob CIA-Agenten zugleich Scientologen sein dürfen. Ich gehe aber davon aus, daß dies so ist, weil leitende US-Politiker auch aus der Administration ja gar kein Hehl aus ihrer Sympathie mit dieser Sekte machen und sich offen für diese einsetzen.
Von der Anerkennung der Sekte in Spanien wußte ich bisher nichts, auch nicht daß die Sekte dort zur Staatsverschuldung beiträgt. Darüber wundere ich mich, weil in Spanien die katholische Kirche über maßgeblichen Einfluß verfügt.

Vermutlich sind Positionen dieser Sekte mit dem Menschenbild und den Wertentscheidungen des Grundgesetzes nicht zu vereinbaren. In Deutschland sind auch andere Organisationen tätig, deren zu den Grundwerten der deutschen Verfassung. Mit Büso, der rechten Sekte unter Führung von La Rouche mußte ich mich mehrfach intensiver befassen.

Damit Sie mich recht verstehen:
Mir liegt völlig fern, die Scientologen und das, was Sie propagieren und tun, zu verteidigen. Ich halte auch Demonstrationen und den Kampf gegen die Ausbreitung der Sekte in Deutschland für notwendig und unterstützenswert. Ich sehe das Leid, das die Sekte für verführte Mitglieder gebracht hat.
Aber über die Frage, ob staatliche Verbote und strafrechtliche Verfolgung, ohne daß sich diese auf konkrete Straftaten bezieht, richtig sind, darüber sollte man diskutieren können, ohne gleich der Sympathie mit dieser Sekte oder mit dem Totalitarismus verdächtigt zu werden.

Mit freundlichem Gruß
Ströbele
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