Sehr geehrter Herr

.
Mein Unwohlsein angesichts der vielen Deutschlandfahnen an Häusern und Autos hat sich auch während der Fußball-Weltmeisterschaft in diesem Jahr wieder eingestellt. Daran ändert auch nichts, daß immer mehr Migranten diese Flagge an ihren Autos anbringen und am Wohnhaus hissen. Das war auch bei der letzten Fußball-Weltmeisterschaft und der Fußball-Europameisterschaft schon so, aber es sind offensichtlich mehr geworden vor allem etwa in Berlin Kreuzberg seitdem Özil das entscheidende Tor im Spiel gegen Ghana geschossen hat.
Ich weiß, daß Patriotismus und Nationalismus in anderen Ländern viel "unverkrampfter" praktiziert und hingenommen werden. Ich weiß auch, daß das Verhältnis zu staalichen Symbolen in vielen Völkern anders war und ist, als in den letzten Jahrzehnten in Deutschland. So kenne ich den Hinweis auf die vielen US-Flaggen in vielen Vorgärten in den USA.
Gerade auch Migranten haben häufig ein sehr enges Verhältnis und eine emotionale Bindung zu ihrem Herkunftsland und dessen staatlichen Symbole. Wenn daraus zuweilen patriotischer Überschwang oder gar Nationalismus wird, finde ich das überhaupt nicht gut und wende mich dagegen.
Migranten, die jetzt die Deutschlandfahne raushängen, demonstrieren, daß sie in der deutschen Gesellschaft angekommen sind und sich dazu gehörig fühlen. Das ist Integration pur, also positiv, wenn auch in einer Art, die mir nicht paßt. Ein Widerspruch, mit dem ich leben muß.
Ich verstehe, daß Migranten in Deutschland meine Probleme mit der Deutschlandfahne nicht haben. Aber trotzdem muß ich die Beflaggung der Häuser und Autos in Deutschland nicht gut finden und darf mich weiter unwohl fühlen.
Mit freundlichem Gruß
Ströbele