Gesundheitsreform
Mit 378 Ja-Stimmen hat der Bundestag der umstrittenen Gesundheitsreform zugestimmt. Die Opposition stimmte geschlossen dagegen, mit ihr auch 23 Abgeordnete von CDU/CSU und 20 Abgeordnete der SPD-Fraktion.
Hintergrundinformationen
Im Vorfeld der Abstimmung hatte der zuständige
Gesundheitsausschuss letzte Änderungen an dem Gesetzestext vorgenommen und gegen die Stimmen der Opposition beschlossen.

Obwohl das "Gesetz zur Stärkung des Wettbewerbs in der gesetzlichen Krankenversicherung", so die offizielle Bezeichnung, bereits am 1. April 2007 in Kraft treten soll, erfolgt die Einführung zahlreicher struktureller Elemente erst zu einem späteren Zeitpunkt.

Die zentralen Elemente der Gesundheitsreform sind:

  • Versicherungspflicht: Künftig gilt eine allgemeine Krankenversicherungspflicht. Wer den Versicherungsschutz verloren hat, kann in seine letzte Versicherung zurückkehren, egal ob gesetzlich oder privat.

  • Transparenz: Wahltarife, größere Vertragsfreiheiten der Kassen, ein neues Honorierungssystem für Ärzte und eine Kosten-Nutzen-Bewertung von Arzneimitteln sollen für mehr Transparenz und Flexibilität im Gesundheitswesen sorgen.

  • Steuerfinanzierung: Die gesetzlichen Krankenkassen sollen in den kommenden Jahren mehr Geld aus Steuermitteln erhalten als zunächst geplant. Der Gesundheitsausschuss beschloss, den Steuerzuschuss jährlich um 1 Mrd. Euro zu erhöhen: 2008 sollen die Zuschüsse auf 2,5 Mrd. Euro steigen, 2009 auf 4 Mrd. Euro. Ab 2010 soll der Bundeszuschuss weiter anwachsen. Durch den Zuschuss von Steuergeldern werde gesichert, "dass jeder Kranke auch in Zukunft nicht nur die notwendige Behandlung unabhängig von seinen wirtschaftlichen Verhältnissen erhält, sondern auch allgemein am medizinischen Fortschritt teilhaben kann," heißt es im Gesetzentwurf.

  • Gesundheitsfonds: Die Einführung eines Gesundheitsfonds soll den Wettbewerb zwischen den Krankenkassen erhöhen und Sparanreize bei den Kassen schaffen. Ab 2009 fließen die Kassenbeiträge und die steuerfinanzierten Bundeszuschüsse in den Gesundheitsfonds und werden von dort in Form einer Pauschale an die Kassen verteilt. Künftig gibt es nur noch einen einheitlicher Beitragssatz für alle gesetzlichen Krankenkassen. Kassen, die mit den ihnen zugewiesenen Geldern aus dem Gesundheitsfonds nicht auskommen, können von ihren Mitgliedern zusätzliche Beiträge erheben. Diese Zusatzbeiträge dürfen ein Prozent des beitragspflichtigen Einkommens nicht übersteigen. Erwirtschaften Kassen Überschüsse, können sie diese an ihre Versicherten ausschütten.

  • Altersrückstellungen: Mitglieder der privaten Krankenversicherung (PKV) können bei einem Wechsel innerhalb der PKV ihre Altersrückstände künftig teilweise mitnehmen. Dies war bislang nicht möglich.

  • Basistarif: Ab dem 1. Januar 2009 können private Krankenversicherungen die Aufnahme von Neukunden nicht mehr verweigern und müssen einen sog. Basistarif anbieten. Dieser Basistarif darf nicht höher sein als der Höchstbeitrag in den gesetzlichen Kassen. Eine Risiko- und Gesundheitsprüfung findet - wie bei den gesetzlichen Kassen – künftig nicht mehr statt. Bereits Privatversicherte können künftig einfacher innerhalb der PKV wechseln.

  • Einsparungen: Anders als im ursprünglichen Gesetzentwurf vorgesehen einigte sich die Koalition zuletzt noch auf eine Absenkung des Sanierungsbeitrages der Krankenkassen. Auch die Krankenhäuser sollen künftig weniger einsparen als ursprünglich anvisiert. Statt einmalig 500 Mio. Euro sind 250 Mio. Euro vorgesehen. Das Einsparvolumen durch die Gesundheitsreform für das Jahr 2007 wird von der Bundesregierung auf 1,1 Mrd. Euro beziffert, ursprünglich waren 1,4 Mrd. Euro vorgesehen.

Während die Koalitionsfraktionen den Gesetzentwurf als tragfähigen Kompromiss bezeichneten, stieß die Gesundheitsreform bei der Opposition auf Kritik. So bezweifeln die Oppositionsparteien u.a. die Höhe des Einsparvolumens.
Die FDP befürchtet stattdessen ungedeckte Mehrbelastungen für den Haushalt in Milliardenhöhe und spricht von "bürokratischem Gesundheitsmurks". Ein kompletter Systemwechsel sei notwendig.
Laut Linkspartei würden die Beitragssätze in die Höhe getrieben, die Einführung von "Teilkaskotarifen" für Gesunde gehe zu Lasten der Kranken.
Für die Grünen kann einzig ein Neubeginn die Gesundheitsreform retten. Die steuerliche Mitfinanzierung der Krankenkassen müsse erhöht statt gesenkt werden.

Auch bei Abgeordneten der Koalitionsfraktionen war die Gesundheitsreform nicht unumstritten.
Einige jüngere Abgeordnete kritisierten, die Reform berücksichtige nicht die Interessen junger Menschen. Weitere Kritikpunkte von Mitgliedern der Regierungskoalition sind u.a.:
  • unnötige Bürokratie
  • verfassungsrechtliche Bedenken
  • überproportionale Belastung von Kleinverdienern
  • Steigerung der Lohnnebenkosten
  • Frontalangriff auf das Solidarsystem

© Foto: Claudia Hautumm / www.pixelio.de



Links zur Gesundheitsreform (PDF-Format)

Beschlussempfehlung des Gesundheitsausschusses
(Drs.16/4200), beschlossen
In seiner Sitzung vom 31.1.2007 nahm der Gesundheitsausschuss abschließende Änderungen an dem ursprünglichen Gesetzentwurf vor. Der Bundestag stimmte schließlich auf Grundlage dieser Beschlussempfehlung über die Gesundheitsreform ab.

Ursprünglicher Gesetzentwurf der Koalitionsfraktionen
(Drs.16/3100), beschlossen

Weitere Links:
Antrag von Bündnis 90/Die Grünen
(Drs. 16/1928), abgelehnt
Antrag der FDP
Drs. 16/1997), abgelehnt
Antrag der Linksfraktion
(Drs.16/3096), abgelehnt

"Gesundheitsreform" bei Wikipedia
Kommentare von Besuchern zur Abstimmung
Kommentar #49
Ihr Kommentar
von: Ihr Name
am: 26.11.2011 09:49
Kommentar #48
Wenn alle das Buch "Der verkaufte Patient" von Renate Hartwig gelesen haben, dann wissen alle, daß der scheinbare Irrsinn der Reform einen Sinn macht,
wenn man es aus der Sicht der Aktiengesellschaften und aus der Sicht der Politiker sieht, die auf den Gehaltslisten dieser Aktiengesellschaften stehen.
Beispiel: Herr Lauterbach sitzt im Aufsichtsrat der Röhnkliniken, was er auch zugibt (aber nur zögerlich und auf gezielte Nachfrage!).

Frau Hartwig ist die Gründerin der Bürger-Patienten-Initiative "www.Patient-informiert-sich.de".

Mit freundlichen Grüßen

B.Freise
von: Bernard Freise
am: 02.06.2009 14:08
Kommentar #47
Im Zusammenhang mit der Veränderung des Gesundheitswesens < von Reform kann man ja wohl nicht sprechen > bitte ich einmal das Verhalten des dubiosen " Prof ". Lauterbach zu beobachten.
Dieser selbsternannte Gesundheitsexperte der Sozis weigert sich seit Jahren beharrlich zu erklären, wo und wann er denn überhaupt seinen " Professor " bekommen hat und außerdem beantwortet der seit Jahren keine einzige Frage von Bürgern, sondern redet nur in TV - Sendunge dummes und wirres Zeug.
Und solche Figuren bestimmen dann über das Gesundheitsunwesen dieser Republik.
Die nächste Wahl kommt bestimmt.
von: Wolfgang
am: 18.01.2009 03:01
Kommentar #46
Wenn Ulla und Ihre Mitschleicher nur halb so genau wüssten, was sie wollen wie die Pharmaindustrie, dann hätten wir wenigstens ein Reförmchen bekommen. Aber wenn Lobbyisten der Bundesregierung bei der Formulierung ihrer großen Würfe die Hand führen, Dann bleiben die Versicherten auf der Strecke. Wir stören dabei eigentlich nur. Wir sind eine AllGEMEINHEIT.
Wie wäre denn folgende Teillösung:
Wir nehmen das Arythmetische Mittel der Preise die das Unternehmen A für das Medikament X auf dem Weltmarkt erzielt. Dieser Preis kann in Deutschland für dieses Medikament maximal verlangt werden. Und schon haben unsere Kassen Milliarden eingespart.
Da brauchen wir keine Beitragspools und ähnliche Aktionismusauswüchse, die sowieso nur installiert werden um dem GEMEINEN Volk zu sugerieren: Schau mal, wir tun etwas.
Ich freue mich schon drauf, wenn ich dieses Jahr mal wieder für einen Tag mündig sein darf.
von: Michael Benker
am: 14.01.2009 22:53
Kommentar #45
Die "Gesundheitsreform" halte ich, nachdem ich mich ein wenig damit beschäftigt habe, für das Meisterwerk von Dillettanten und Nichtskönnern. Alle, die diesem Werk zugestimmt haben, müssten bei den nächsten Wahlen durch Abwahl bestraft werden. Ich als Rentner werde es tun.
von: Alfred Schriefer
am: 10.01.2009 12:00
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Abstimmungsergebnis