Sehr geehrte Frau

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der Umweltausschuss der Stadt Köln hat schon im Frühjahr auf Vorschlag der grünen Vorsitzenden Sabine Müller die Fa. Shell besucht und sich vor Ort alles erklären lassen. Die Stadt Köln war aber durch diesen Schaden nicht direkt betroffen; auch das Trinkwasser von Köln ist nicht gefährdet. Da der Schaden südlich von Wesseling entstanden ist,das Grundwasser aber bei normalem Rheinpegel immer Richtung Rhein fließt, kann das Kerosin nicht bis zum Wasserwerk Hochkirchen gelangen. Es würde sowieso zuerst in dern werkseigenen Brunnen von Shell auftauchen. Da das Kerosin aber auch zähflüssiger als Wasser ist, wird es von dem Sand in der grundwasserführenden Schichtunter dem Leitungsleck festgehalten und dehnt sich nur langsam aus; sonst hätte es den Rhein schon lange erreicht. Bei einer weiteren Ausbreitung des Schadens wäre aber zumindest eine Verunreinigung des Rheins nicht auszuschließen. Deshalb ist es so wichtig, dass der Schaden sofort an Ort und Stelle und mit mehreren möglichst effizienten Förderbrunnen saniert wird, bevor sich das Kerosin noch weiter ausbreiten kann.
Nachdem auf Kölner Stadtgebiet (Godorf) weitere Leckagen bei Shell aufgetreten sind, haben wir Grünen im Umweltaussschuss eine Anfrage gestellt. Diese finden Sie auch heute noch auf unserer homepage:
www.gruenekoeln.de
Vertreter der Fa. Shell sind daraufhin im November im Umweltausschuss erschienen und mußten sich unseren Fragen und der Kritik aller Parteien stellen. In der neusten Ausgabe unserer Fraktionszeitung (wird in wenigen Tagen freigeschaltet, können Sie auch kostenlos abonnieren) werden Sie zu den Störfällen einen Bericht unseres umweltpolitischen Sprechers Matthias Welpmann finden.
Ich hänge Ihnen den Artikel als Anhang an. Wenn Sie weitere Fragen haben, können Sie uns auch gerne anrufen. Was das fehlende Protokoll angeht, teilen wir Ihre Kritik. Angeblich schafft die Verwaltung es wegen Überlastung nicht schneller.
Ich wünsche Ihnen erholsame Feiertage.
Gerd Brust
Anhang:
Rathaus Ratlos Nr. 224 – Dezember 2012 – Newsletter Fraktion GRÜNE im Kölner Rat
Wie sicher sind Industrieanlagen in Köln und Umgebung?
Das Kerosinsee-Desaster
Anfang 2012 sind aus einem Loch in einer unterirdischen Rohrleitung der Shell-
Raffinerie in Wesseling mehr als 1 Mio. Liter Kerosin ausgetreten. Da es hier kein
modernes Leckagesystem gibt, blieb der Defekt an der Leitung etwa vier Wochen lang
unentdeckt. Im Oktober traten dann vier Schadensfälle im Godorfer Werksteil auf.
Seitdem fragen sich Anwohnende wie Fachleute, ob die Anlagen der Raffinerie und vor
allem die Sicherheitsstandards der zahlreichen Rohrleitungen eigentlich noch zeitgemäß
sind – und ob die Shell ihre Anlagen im Griff hat.
Chronologie
Am 25.02.2012 stellen Mitarbeitende der Shell beim Betrieb einer 70 Jahre alten, einwandigen Kerosinleitung zwischen einem Tankfeld und der Raffinerie in Wesseling Auffälligkeiten fest. Am 03.03.2012 wird schließlich ein 5 mm großes Loch in der Leitung entdeckt. Aus einer Abschätzung des Zeitraums errechnet ein Gutachter eine ausgetretene Kerosinmenge von 846 Tonnen. Bemerkenswert ist, dass das Alarmsystem eine Leckage erst bei mehr als 5.000 Litern pro Stunde anzeigt. Da in diesem Fall aber "nur" geschätzte 1.700 Liter pro Stunde austreten, fällt der Schaden erst durch die große Mengendifferenz nach mehreren Wochen auf. Nachdem der Kerosinschaden auf Wesselinger Stadtgebiet seit März 2012 untersucht wurde, sorgt Ende Oktober auch der Werksteil in Godorf für Schlagzeilen. Hier kam es am 02.10., am 10.10., am 19.10. und am 23.10.2012 zu Austritten von verschiedenen Kohlenwasserstoffen aus undichten Rohrleitungen. In dem gravierendsten Fall wurden etwa 3,3 Tonnen eines Produkts namens "Heartcut" freigesetzt, das zu 40 bis 60 % aus dem krebserregenden Benzol besteht. Der Schaden betrifft eine Stelle, die bereits 2006 eine Leckage aufwies und damals nur provisorisch mittels einer Reparaturschelle abgedichtet wurde. Auf eine dauerhafte Reparatur des Lecks hatte man sechs Jahre lang verzichtet.
Versäumnisse
Der Schadensfall in Wesseling, auch als "Kerosinsee" bekannt, wurde bereits im Februar entdeckt und seither mit Hochdruck untersucht - so jedenfalls der Tenor der offiziellen Verlautbarungen der Shell. Tatsächlich wurde die Ausdehnung des Schadens im Untergrund aber erst Ende November vollständig abgegrenzt. Der erste Sanierungsbrunnen ging erst Ende Juli in Betrieb, weitere drei sollen bis Anfang 2013 errichtet werden. Mit dieser ausgesprochen langwierigen Vorgehensweise bei der Eingrenzung und Sanierung des Schadens wurde nach Auffassung der GRÜNEN unnötig viel Zeit vertan. Insbesondere hätte durch einen sehr frühzeitigen Beginn der Förderung des Kerosins mit mehreren leistungsfähigen Sanierungsbrunnen die weitere Ausbreitung des Schadens im Boden verhindert bzw. verlangsamt werden können. Eine auf der Grundwasseroberfläche schwimmende Kerosinphase hat naturgemäß die Tendenz, sich räumlich auszubreiten. Heute ist bekannt, dass die betroffene Gesamtfläche tatsächlich etwa 42.000 qm beträgt. Zunächst hatte Shell eine aus heutiger Sicht grotesk unterschätzte Fläche von nur 120 qm genannt. Angesichts des Schadensausmaßes wird auch bei einem optimalen Verlauf der Sanierung eine erhebliche Menge des umweltschädlichen Kerosins im Boden verbleiben, die nur sehr langsam durch natürliche Prozesse abgebaut werden kann.
Konsequenzen
In Anbetracht einer Vielzahl von Industrieanlagen in Köln und Umgebung mit tausenden von Kilometern an Rohrleitungen stellt sich nun aus umweltpolitischer Sicht die Frage, ob die Vorgänge bei der Shell zufällige Ausnahmen oder doch eher typische Erscheinungen sind, die auf unzureichende Sicherheitsstandards oder mangelhafte Kontrollen zurückzuführen sind. Aus GRÜNER Sicht ist festzuhalten:
l Auch bei alten Leitungen ist die Nachrüstung moderner Leckagesysteme möglich, so dass auch geringe Undichtigkeiten schnell bemerkt werden können. Ob dies aber tatsächlich geschieht, ist bisher ins Ermessen des Unternehmens gestellt. Dies kann so nicht bleiben.
l Die bisherigen Prüfintervalle und das Verfahren bei Auffälligkeiten sind unzureichend.
So gab es an der schadhaften Kerosinleitung bereits 2008 Hinweise auf
einen Defekt des Korrosionsschutzes, denen aber seitens Shell offenbar nicht
weiter nachgegangen wurde – ohne ordnungsrechtliche Konsequenzen.
l Bei Neuanlagen wird heute der Stand der Technik gefordert, also z.B. Schutzrohre
um die Leitungen oder Leckagekontrollsysteme. GRÜNE fordern: Der jeweils aktuelle
Standard muss zukünftig auch auf alte Anlagen angewendet werden. Hierzu müssen
bundesrechtliche Regelungen verschärft werden.
l Die zuständigen Aufsichtsbehörden müssen personell und fachlich so aufgestellt
sein, dass sie die Vielzahl der komplexen Betriebe auch tatsächlich angemessen
überwachen können. Das MKULNV NRW hat bereits angekündigt, die Überwachung von
Rohrleitungen zukünftig zu intensivieren.
Letzte Meldung: Am 02.12.2012 kam es im Werksteil Godorf erneut zum Austritt eines
aromatenhaltigen Öl-Wasser-Gemischs aus einer Rohrleitung.
Matthias Welpmann