Eingeschränkte Zulassung der Präimplantationsdiagnostik
Fraktionsübergreifend hat der Bundestag einem Gesetzentwurf zur umstrittenen Präimplantationsdiagnostik zugestimmt. Demnach dürfen Eltern in bestimmten Fällen die Embryonen bei künstlichen Befruchtungen auf Gendefekte testen lassen.
Hintergrundinformationen
Die Präimplantationsdiagnostik (PID) ist künftig in Deutschland in gewissen Fällen legal. Der Bundestag stimmte fraktionsübergreifend mit knapper Mehrheit für einen Gesetzesentwurf von Ulrike Flach (FDP) und Peter Hintze (CDU). Diese sprachen sich dafür aus, die PID eingeschränkt zu erlauben. Paare, die eine Veranlagung für eine schwerwiegende Erbkrankheit in sich tragen oder bei denen die Wahrscheinlichkeit einer Fehl- bzw. Totgeburt sehr hoch eingeschätzt wird, sollten nach einem positiven Votum einer Ethikkommission in speziell dafür zugelassenen Zentren die Möglichkeit einer PID bekommen.

Ein durch künstliche Befruchtung erzeugter Embryo kann auf Erbkrankheiten oder schädliche Besonderheiten der Chromosomen hin untersucht werden, bevor er in die Gebärmutter eingepflanzt wird. Diese speziellen Voruntersuchungen werden als Präimplantationsdiagnostik bezeichnet. Hierdurch sollen solche Embryonen ausgeschlossen werden, die Erbgutdefekte aufweisen und beim Neugeborenen zu entsprechenden Krankheiten oder Behinderungen führen können.

Durch das mehrheitliche Votum für die eingeschränkte Legalisierung der PID wurden zwei weitere Gesetzesentwürfe, die ebenfalls von fraktionsübergreifenden Parlamentariergruppen vorgelegt wurden, abgelehnt.

Norbert Lammert (CDU/CSU), René Röspel (SPD) und Priska Hinz (Bündnis 90/Die Grünen) plädierten dafür die PID "grundsätzlich" zu verbieten, in Ausnahmefällen jedoch für "nicht rechtswidrig" zu erklären. Diese Ausnahmefälle seien dann gegeben, wenn mit "hoher Wahrscheinlichkeit" die Gefahr bestünde, dass die erbliche Vorbelastung der Eltern zu einer derartigen Schädigung des Embryos führt, dass mit "hoher Wahrscheinlichkeit" von einer Fehl- bzw. Totgeburt ausgegangen werden muss.

Birgitt Bender (Bündnis90/Die Grünen) und Johannes Singhammer (CDU/CSU) setzten sich in ihrem Entwurf für ein generelles, striktes Verbot der PID ein.

Bisher hatte es keine allgemein gültigen Regelungen zur PID gegeben. Geändert hatte dies ein Urteil des Bundesgerichtshofs im Juli 2010. Ein Arzt hatte bei drei Paaren die PID angewandt und dabei in Abstimmung mit den Eltern Embryonen mit einem Gendefekt absterben lassen. Der Arzt zeigte sich selber an um das Thema PID auf die Agenda zu setzen. Die Richter sprachen ihn frei. Diese faktische Legalisierung durch die Richter schränkten die Abgeordneten im Bundestag heute durch ein gesetzliches Korsett ein.




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Kommentare von Besuchern zur Abstimmung
Kommentar #7
Allen Abgeordneten, die sich für das Leben und somit FÜR Selektion entschieden haben : Herzlichen Dank!


Was ist denn bitte falsch daran, die Wahrscheinlichkeit auf ein gesundes Kind zu erhöhen? Embryos sind empfindungsfreie Zellformationen, die man einfrieren und wieder auftauen kann.
von: Ranjit
am: 28.02.2013 17:49
Kommentar #6
Ich bedauere und missbillige, dass außer Herrn Dr. Wadephuhl alle CDU-Abgeordneten aus Schleswig-Holstein (80%) für die PID-Zulassung gestimmt haben. In dieser Höhe und Eindeutigkeit hat sich eigentlich nur die FDP für die PID-Zulassung und damit Menschen-Selektion ausgesprochen.
Ein glatter Verrat der (ehemals) christlichen Grundsätze. Werde es mir merken!
von: Bürger
am: 13.04.2012 15:06
Kommentar #5
Höhere Hürden für PID als für Schwangerschaftsabbruch sind absurd. Bis zur 12. Schwangerschaftswoche darf ein menschlicher Embryo (eingepflanzt oder nicht) nach deutschem Recht im Mutterleib getötet werden, nachdem gewisse Voraussetzungen erfüllt sind (§§218a, 219 StGB). Nach dem Gleichbehandlungsgrundsatz sollte menschliches Leben außerhalb und innerhalb des Mutterleibes den gleichen Schutz genießen, folgerichtig ist unter den gleichen Voraussetzungen eine PID zu gestatten ODER die Regelungen für Schwangerschaftsabbruch sind analog denen für PID zu verschärfen.

Damit will ich mich weder für die PID noch für eine Verschärfung des Schutzes ungeborenen Lebens aussprechen, sondern lediglich dafür, dass der Gesetzgeber auf jeden Fall einheitliche Regelungen schafft. Alles andere führt nicht nur werdende Eltern, Paare mit Kinderwunsch und Mediziner in absurde Situationen, es widerspricht tatsächlich dem Grundprinzip der Demokratie.
von: Carsten Milkau
am: 01.12.2011 10:30
Kommentar #4
Allen Abgeordneten, die sich für das Leben und gegen Selektion entschieden haben : Herzlichen Dank
von: Ihr Name
am: 01.10.2011 15:20
Kommentar #3
Sehe das genau wie th, ein behindertes Kind führt ganz krass gesagt zu erheblichen Kosten für Staat und Eltern und wenn man einem gesunden Embryo die Chance verwehrt um ein krankes zu behalten oder wenn ein im Prinzip unschuldiges Heimkind dessen Eltern alkoholabhängig o.ä. waren stattdessen adoptiert werden kann anstatt im Heim zu vegetieren dann ist dass in meinen Augen das wahre Verbrechen. Man müsste allerdings konsquent bleiben und auch die Abtreibung verbieten meiner Meinung nach weil es ab einem gewissen Zeitpunkt einfach kein zurück mehr geben sollte.
von: Hub
am: 28.09.2011 16:48
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