Dr. Rainer Stinner (FDP)
Abgeordneter Bundestag 2005-2009
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Grunddaten
Dr. Rainer Stinner
Jahrgang
1947
Berufliche Qualifikation
Diplomkaufmann, Dr. rer. pol.
Ausgeübte Tätigkeit
Mitglied des Deutschen Bundestages, Unternehmensberater
Wahlkreis
München-Ost
Landeslistenplatz
4, über Liste eingezogen, Bayern
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(...) Nach meiner Einschätzung ist jetzt ein militärischer Einsatz notwendig, um ein sofortiges Wideraufflammen des Konfliktes zu verhindern und eine politische Lösung überhaupt zu ermöglichen. (...)
Parlamentarische Arbeit / Nebentätigkeiten

Veröffentlichungspflichtige Angaben

Entgeltliche Tätigkeiten neben dem Mandat

Unternehmensberater, München

Funktionen in Vereinen, Verbänden und Stiftungen

AIESEC e.V., München, Mitglied des Kuratoriums, ehrenamtlich

Deutsche Atlantische Gesellschaft e.V., Bonn, Mitglied des Vorstandes, ehrenamtlich

leadventures e.V., Nürnberg, Schirmherr, ehrenamtlich

Stiftung "Wings of Hope Deutschland", München, Mitglied des Kuratoriums, ehrenamtlich

Südosteuropa-Gesellschaft e.V., München, Mitglied des Präsidiums, ehrenamtlich (bis 10.02.2008)

Erläuterungen
  • Grundlage für die Angabe der oben aufgeführten Nebentätigkeiten und Einkünften bilden die "Verhaltensregeln für Mitglieder des Deutschen Bundestags"
  • Einkünfte sind nur anzugeben, wenn diese im Monat den Betrag von 1000€ oder im Jahr den Betrag von 10.000€ für eine einzelne Tätigkeit übersteigen
  • Die Höhe der Einkünfte werden lediglich in Stufen angegeben: Stufe 1: 1000 - 3500€, Stufe 2: 3500 - 7000€ und Stufe 3: über 7000€
  • Quelle der Daten: www.bundestag.de
Fragen an Dr. Rainer Stinner
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Frage zum Thema Sicherheit
04.08.2009
Von:

Sehr geehrter Herr Stinner,

im Abendblatt ( www.abendblatt.de ) werden Sie wie folgt zitiert:
"Es ist unverständlich, warum bisher ein deutscher Soldat in Afghanistan weniger Befugnisse hatte als ein Polizist in Deutschland"

Da es sich in Afghanistan um einen Hilfs- und keinen Kampfeinsatz handelt, gehe ich davon aus, dass die deutschen Soldaten den afghanischen Polizisten helfend zur Seite stehen und somit keine weitergehenden Befugnisse benötigen.

Nun zu meiner Frage: Wieso sollten ausländische Soldaten mit Hilfsauftrag in einem Land mehr Befugnisse haben als die heimische Polizei?

Mit freundlichem Gruß,
Antwort von Dr. Rainer Stinner
1Empfehlung
13.08.2009
Dr. Rainer Stinner
Sehr geehrter Herr Freisan,

herzlichen Dank für Ihre Frage.

Ihre Unterscheidung zwischen "Hilfseinsatz" und "Kampfeinsatz" ist in dieser Form leider nicht zutreffend. Grundlage des ISAF-Einsatzes der Bundeswehr in Afghanistan ist der Beschluss des UN-Sicherheitsrates auch Militär einzusetzen, zur Unterstützung der afghanischen Regierung bei der Herstellung von Sicherheit in Afghanistan. In dem Beschluss ermächtigt die UN "die an der ISAF teilnehmenden Mitgliedstaaten, alle zur Erfüllung ihres Mandats notwendigen Maßnahmen zu ergreifen". Diese Formulierung "alle notwendigen Maßnahmen" ist bei der UN die höfliche Umschreibung für die Anwendung militärischer Gewalt. Deshalb ist ISAF immer, von Anfang an, auch ein Kampfeinsatz gewesen. Sonst hätte es ja überhaupt keinen Sinn gehabt, dort die Bundeswehr hinzuschicken. Wenn nur Hilfe gefragt gewesen wäre, hätten wir alleine Polizisten hinschicken können, oder das technische Hilfswerk. Und diese notwendige Anwendung militärischer Gewalt ist völkerrechtlich einwandfrei legitimiert.

Ihre Theorie, dass deutsche Soldaten afghanischen Polizisten zur Seite stehen, krankt leider in der Realität an der Tatsache, dass es in Afghanistan viel zu wenig Polizisten gibt, um flächendeckend Sicherheit herzustellen. Daran ist übrigens Deutschland der Hauptschuldige. 2002 hat Deutschland die Verantwortung für den Polizeiaufbau in Afghanistan übernommen, den Worten aber nie genug Taten folgen lassen. Den Preis für dieses Versäumnis zahlen heute alle in Afghanistan.

Bis letzten Monat sahen die deutschen Einsatzregeln für Soldaten vor, dass auf eine Person nicht mehr geschossen werde durfte, wenn diese "erkennbar von einem Angriff abgelassen" hat. Stellen Sie sich bitte eine deutsche Patrouille vor, 6 Soldaten, die angegriffen werden, 4 davon werden erschossen, dann flüchten die Angreifer. Eine Verfolgung der Angreifer in die Berge ist logistisch unmöglich, die einzige Möglichkeit, sie zu stoppen ist, auf sie zu schießen. Bei einer vergleichbaren Lage durfte ein deutscher Polizist im Inland immer schießen. Den deutschen Soldaten in Afghanistan war es nicht erlaubt. Ich begrüße sehr, dass das nun endlich von Verteidigungsminister geändert worden ist, so wie ich es schon seit langem gefordert habe.

Mit freundlichen Grüßen

Rainer Stinner
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Frage zum Thema Verlängerung des Afghanistan-Einsatzes (ISAF)
11.09.2009
Von:

Sehr geehrter Herr Dr. Stinner,

folgende Frage möchte ich Ihnen als Verteidigungspolitiker stellen. Zur Einleitung stelle ich immer wieder fest, dass Politiker in Deutschland im Bezug auf unser Engagement in Afghanistan immer nur von einer "Exit-Strategie" reden, als von einer Strategie für Afghanistan, wichtig ist doch der Erfolg. Zum Hintergrund möchte ich ihnen diesen Artikel vorlegen, der sich mit Counter-Insurgency beschäftigt. weblog-sicherheitspolitik.info

Darin wird ein deutscher Offizier zitiert. Man könnte auch sagen, dass Politiker seine Meinung ernst nehmen sollten. Ich muss dies leider so betonen, da seitens aller Parteien (die Linke ganz außen vor) keine konkreten, und ich meine wirklich konkreten, Erklärungen, Strategien, Ziele, Maßnahmen formuliert werden, um die Sicherheitslage im deutsch-verantwortlichen Raum in den Griff zu kriegen.

Der Offizier spricht hier von, ich zitiere:
"Unsere Aktionen verpuffen. Wir fahren in ein Gebiet rein – und so schnell wie möglich wieder raus. Aber wenn wir das Vertrauen der Menschen gewinnen und mit unseren Projekten helfen wollen, müssen wir ihnen Sicherheit bieten. Das heißt, wir müssen dann auch in der Fläche bleiben."
"Wir müssen das so bald wie möglich in den Griff bekommen in Kundus und Umgebung, sonst fährt das gegen die Wand." Und die Amerikaner, da ist er sich sicher, werden nicht zulassen, dass auch der Norden den Alliierten völlig entgleitet. "Wenn sich nach der Bundestagswahl nicht entscheidend etwas ändert, machen die Amis das selbst. So schnell können wir gar nicht gucken."

Der Bundeswehr wird inbesondere von den Amerikanern vorgeworfen, dass sie kein Gegner für die Taliban ist, kaum präsent am Boden ist und nicht in der Lage ist Sicherheit zu gewährleisten. Wie bewerten sie diese Vorwürfe? Wie gedenken Sie als Politiker diese Probleme in den Griff zu bekommen unter dem Aspekt konkreter Maßnahmen, wenn Sie nach der Wahl der Regierung angehören würden?
Antwort von Dr. Rainer Stinner
1Empfehlung
18.09.2009
Dr. Rainer Stinner
Sehr geehrter Herr ,

herzlichen Dank für Ihre Mail.

Sie sprechen eine Reihe von wichtigen Aspekten an, zu denen man eine Menge schreiben könnte. Ich versuche, mich kurz zu fassen:

1. Es ist in der Tat ein grundsätzliches Problem, dass wir in Afghanistan zu wenig Sicherheitskräfte haben, um das gesamte Gebiet dauerhaft zu sichern. Es gibt im Kern zwei Möglichkeiten, das zu ändern: entweder mehr ausländische Soldaten oder eine wesentlich schnellere und intensivere Ausbildung afghanischer Soldaten und Polizisten. Und hier muss man auch mal deutlich sagen, dass Deutschland bei der Polizeiausbildung kläglich versagt hat. Deutschland hat vor 8 Jahren die Verantwortung für den gesamten Polizeiaufbau in Afghanistan übernommen, und dann versucht, diese Riesenaufgabe mit 40-80 deutschen Polizisten in Afghanistan zu regeln. Dass das völlig unzureichend ist, hätte jedem klar sein müssen. Es führt kein Weg dran vorbei: Wir brauchen schleunigst mehr Ausbilder in Afghanistan.

2. Sie wollen konkrete Maßnahmen der Politik für die Sicherheit in Afghanistan. Einen wesentlichen Punkt habe ich schon angesprochen. Allerdings bin ich als Politiker kein Militärstratege. Es ist auch nicht die Aufgabe von Politikern, auf dem Feldherrenhügel zu stehen und militärische Taktik auszuarbeiten. Ich frage im Verteidigungsausschuss bei jedem Militäreinsatz, den der Bundestags beschließen muss, die militärische Führung: ist der Auftrag für Sie mit den zur Verfügung stehenden Mitteln erfüllbar? Die Antwort darauf lautet immer ja. Und da muss ich mich als Politiker darauf verlassen können.

3. Die Kritik der Amerikaner hat es lange Zeit gegeben. Mittlerweile gibt es aber einen klaren Strategiewechsel. Gerade die Counterinsurgency-Guidance des amerikanischen ISAF-Kommandeurs sagt sehr deutlich: Ziel ist nicht, Taliban zu töten, sondern Afghanen zu schützen. Das bedeutet natürlich, dass auch die Bundeswehr mehr in der Fläche präsent sein muss und vor allem einen wesentlich engeren Kontakt zur Bevölkerung aufbauen muss, als bisher. Hierbei stehen wir aber auch vor dem weiteren Problem, dass wir alle paar Monate die Kontingente wechseln und jeder neue Kommandeur sich das Vertrauen der Bevölkerung wieder neu erarbeiten muss.

Zusammenfassend: Hauptpunkt, der sich ändern muss, ist für mich, mehr Ausbilder nach Afghanistan, längere Stehzeiten in Afghanistan bei den Soldaten, die für den Kontakt zur Bevölkerung zuständig sind (ich bin sicher, dafür lassen sich auch auf freiwilliger Basis genügend Soldaten finden) und eine besser Koordination zwischen Militär und ziviler Hilfe. Und auch hierbei müssen wir bei uns zu Hause anfangen: die Kooperation zwischen den zuständigen Ministerien, Außen, Innen, Verteidigung und Entwicklungshilfe ist klar verbesserungsfähig.

Mit freundlichen Grüßen

Rainer Stinner
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Frage zum Thema Sicherheit
22.09.2009
Von:

Sehr geehrter Herr Dr. Stinner,

im Rahmen meiner Diplomarbeit beschäftige ich mich mit dem Themenkomplex "politischer Sprachgebrauch und Gesellschaft in Bezug auf das deutsche Militärengagement in Afghanistan". Diesbezüglich würde ich Ihnen gerne folgende Frage stellen.

Befindet sich die Bundeswehr in Afghanistan heute in einem Krieg?

Vielen Dank für Ihre Antwort.

Mit freundlichem Gruß
Antwort von Dr. Rainer Stinner
1Empfehlung
28.09.2009
Dr. Rainer Stinner
Sehr geehrter Herr ,

herzlichen Dank für Ihre Frage. Eine eindeutige Antwort ist deshalb nicht einfach, weil es keine eindeutige Definition des Begriffs "Krieg" gibt.

Klar ist: Die Soldaten in Afghanistan empfinden es als Krieg. Sie werden angegriffen, sie verteidigen sich, es gibt Verletzte und Tote. Das als Krieg zu bezeichnen, ist nicht falsch.

Etwas anderes ist aber genauso klar: Es gibt keinen Krieg zwischen Deutschland, bzw. ISAF-Truppen, auf der einen Seite und Afghanistan auf der anderen. In Teilen Afghanistans herrscht ein Bürgerkrieg, in dem ISAF-Truppen mit Billigung der afghanischen Regierung und im Auftrag der Vereinten Nationen versuchen, Sicherheit herzustellen. Der Deutsche Bundeswehreinsatz in Afghanistan ist deshalb ganz eindeutig völkerrechtlich und verfassungsrechtlich legitim.

Wir haben heute nicht mehr die klare Trennung zwischen Krieg und Frieden im Völkerrecht. Das kann man bedauern, aber die Fakten sind nun einmal unübersichtlich geworden. Völkerrechtlich haben wir in Afghanistan eine Kapitel-7-Operation der Vereinten Nationen. Das Ziel dieser Operationen ist die Herstellung von Frieden und Sicherheit. Die dabei angewandten Mittel sind militärisch. Das ist weder eindeutig Krieg noch eindeutig Frieden. Ich denke, es hängt von den konkreten Umständen ab, welcher Begriff eher passt.

Grundsätzlich glaube ich nicht, dass ein Streit um Worte uns weiterbringt. Wir sollten lieber überlegen, was wir in Afghanistan besser machen können und müssen als bisher, um Erfolg zu haben.

Mit freundlichen Grüßen
Rainer Stinner
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Frage zum Thema Wirtschaft
21.10.2009
Von:

Sehr geehrter Herr Dr. Stinner,

im Februar noch stellte sich die FDP klar gegen den geplante Schattenhaushalt der Bundesregierung (siehe www.bundestag.de )

Wie erklären Sie die aktuellen Pläne von Union und FDP, diesen Schattenhaushalt zur Verschleierung der Schuldenlage doch zu genehmigen?

Woher kommt dieser plötzliche Sinneswandel der FDP?

Mit sehr verwunderten Grüßen
Antwort von Dr. Rainer Stinner
bisher keineEmpfehlungen
10.11.2009
Dr. Rainer Stinner
Sehr geehrter Herr ,

herzlichen Dank für Ihre Frage.

Sie haben sicher zur Kenntnis genommen, dass diese Idee sehr schnell wieder vom Tisch war. Das habe ich auch sehr begrüßt.

Ich teile zwar sehr die ursprüngliche Begründung dafür, die Kosten für die Finanzkrise gesondert auszuweisen, nämlich eine saubere "Eröffnungsbilanz" für die neue Regierung zu ermöglichen. Dies wäre im übrigen auch nicht im Schatten, sondern sehr transparent und öffentlich geschehen.

Trotzdem bin ich froh, dass es zu dieser Lösung, die dann wieder andere Unklarheiten mit sich gebracht hätte nicht gekommen ist. Letztendlich ist es allerdings wichtiger zu überlegen, wie wir die Staatsverschuldung nach der Krise verringern, anstatt uns Gedanken zu machen, in welcher Form wir sie ausweisen.

Mit freundlichen Grüßen

Rainer Stinner
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Ihre Frage an Dr. Rainer Stinner
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